Titelstory Im Blickpunkt Straßenbau – Tiefbau Erdbewegung

»Wir leben das Produkt Dumper«

Von Michael Wulf

Auch bei der Entwicklung des Tunnel-Dumpers 5025 Mining, dem größten von Bergmann bislang gebauten Dumper überhaupt, sind diese Kriterien maßgeblich gewesen. Innerhalb von gerade einmal knapp zwei Jahren hat Bergmann diesen Spezial-Dumper mit einer Nutzlast von 25 t bei einem Eigengewicht von gerade einmal 19,25 t entwickelt, dessen Mulde bis zu 15 m³ fasst. »Als die Anfrage für den Einsatz bei ›Stuttgart 21‹ kam, haben wir zahlreiche Tunnelbaustellen genauestens analysiert. Erst dann haben wir den Projektverantwortlichen garantiert, dass unser komplett neu konstruierter Dumper funktionieren wird, und zwar effizient, verlässlich und wirtschaftlich.« Heute sind zwölf dieser Spezial-Dumper in Tunnelbaustellen des Projekts S 21 im Einsatz, und Hans-Hermann Bergmann sagt: »Für uns ist das natürlich eine tolle Referenz.«

Diese Spezialisierung und das damit verbundene Know-how gehören zu den Kernkompetenzen des Unternehmens. Angefangen hat alles mit dem Verkauf und der Wartung von Landmaschinen, die hauptsächlich zum Abbau von Torf in den Mooren im Emsland benötigt wurden. Mit der Neuentwicklung des legendären Baufix-Dumpers mit hydraulischer Knicklenkung im Jahre 1963 legte der mittlerweile 82-jährige Hermann Bergmann, dessen technische Ratschläge noch heute von den Ingenieuren gerne gehört werden, den Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens.

Große Variantenvielfalt

Insgesamt umfasst die Reihe der Bergmann-Dumper – von Spezialmaschinen wie dem 5025 Mining einmal abgesehen – derzeit die Rad-Dumper 1160 und 1200 sowie die Serien 2000 und 3000 und die Kettendumper-Serie 4000. Damit wird ein Nutzlastbereich von 1,6 t bis 12 t abgedeckt. Das Besondere bei den knickgelenkten Dumpern mit dem hydrostatischen Antrieb ist die Variantenvielfalt. »Jede dieser Maschinen ist sehr flexibel konfigurierbar, egal ob als Rund- oder Heck­kipper oder ob als Fronthoch- oder Dreiseitenkipper«, betont Hans-Hermann Bergmann, der zusammen mit seinem Geschäftsführer-Kollegen Hermann Jungsthöfel das Unternehmen leitet. »Ich denke, wir sind derzeit der einziger Dumper-Hersteller, der dieses Vielfalt anbietet. Denn wir fragen uns immer: Was ist effizient für den Kunden?«

Drehbarer Fahrerstand

Und er nennt noch eine Reihe von weiteren Unterscheidungsmerkmalen. So habe man für den 3012 den drehbaren Fahrerstand mit Logik-Schaltung entwickelt, damit der Bediener genau im Blick hat, wo er seine Ladung abkippt, so Hans-Hermann Bergmann. »Außerdem wird der Fahrer entlastet, weil er aufgrund des Drehsitzes beim Rückwärtsfahren nicht wie bei einem Lkw die Außenspiegel benutzen muss. So gesehen bietet der Drehsitz ergonomisch und sicherheitstechnisch einen großen Vorteil.« Zudem sei man der einzige Hersteller, der in seinen Dumpern mit einer Nutzlast von mehr als 6 t eine gefederte Hinterachse anbiete, was den Fahrkomfort erhöhe und ein schnelleres Fahren auch auf sehr schlechten Baustraßen ermögliche. Auch haben alle Dumper mit einer Nutzlast von 4 t bis 9 t eine Straßenzulassung bis 25 km/h, der 3012 kann sogar bis zu 40 km/h schnell fahren.


Mit dem für die Serie 2000 entwickelten Modul-Dach, das optional über eine Windschutzscheibe verfügt und sich elektrisch absenken lässt, habe man in dieser Dumper-Klasse ein Alleinstellungsmerkmal, so Hans-Hermann Bergmann. »Weil dadurch dieser sehr kompakte Dumper auch auf jedem herkömmlichen Kipper oder Lkw transportiert werden kann, muss man nicht extra einen ­Tieflader einsetzen.« Außerdem ermögliche ein Bergmann-Dumper einen wesentlich sichereren Zugang zum Sitz bzw. in die Kabine als andere Dumper, bei denen der Bediener in der Regel im Bereich des Knickgelenks aufsteigen muss.

Auch bei der Bedienung mit einem Einhand-Joystick gehöre Bergmann mit zu den Pionieren in diesem Dumper-Segment. Neben einer »extrem guten Nutzlastverteilung« von 55 % auf der Vorderachse und 45 % auf der Hinterachse seien auch die im Ölbad liegenden Lamellenbremsen bei allen Rad-Dumpern und beim Ketten-Dumper ein weiterer Beweis für »unsere hohe technische Kompetenz«, sagt Hans-Hermann Bergmann. Diese zeige sich auch in der hohen Wertbeständigkeit. »Unsere Dumper haben extrem lange Laufzeiten, und gebrauchte Maschinen sind nur sehr schwer zu bekommen. Und das in ganz Europa.«Vermietung intensivieren

Der Vertrieb in Deutschland wird in der Regel von der Zentrale in Meppen gesteuert, die Anfragen aber auch an ausgewählte Handelspartner weiterleitet. »Wir wollen uns nicht an einen großen Händler binden«, so Hans-Hermann Bergmann, »und arbeiten deshalb lieber mit mehreren und regional verwurzelten Partnern zusammen, die neben unseren mobilen Stützpunkten auch den Service übernehmen.« Diese Zusammenarbeit soll in Zukunft vor allem südlich des Mains intensiviert werden. Gleiches gilt für das Vermietgeschäft. »Darauf liegt in den kommenden Jahren unser Fokus. Denn darin sehen wir eine gute Möglichkeit, unsere Dumper auch in Süddeutschland bekannter zu machen und Kunden von deren Wirtschaftlichkeit zu überzeugen.« Das Exportgeschäft, mit dem etwa 70 % des Dumper-Umsatzes erwirtschaftet werden, ist in den Hauptmärkten Skandinavien, Schweiz, Benelux, Großbritannien und Frankreich komplett über Händler bzw. Generalimporteure organisiert.

Namhafte Kooperationspartner

Darüber hinaus fertigt Bergmann für die Robert Aebi AG (Schweiz) den Traditions-Dumper RACO ausschließlich für den Schweizer Markt und ist Kooperationspartner von der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Für den bekannten Pistenbully-­Hersteller aus dem schwäbischen Laupheim baut Bergmann den Ketten-Dumper 4010, der von Kässbohrer in den USA und in Kanada unter dem Namen Power Bully RT 12 vermarktet wird. »Dass diese renommierten Unternehmen uns als Partner ausgewählt haben, macht uns natürlich stolz und zeigt, wie sehr unsere technische Kompetenz geschätzt wird«, sagt Hans-Hermann Bergmann. »Prinzipiell stehen wir als Partner für die Konzeption und Produktion für diese Art von Fahrzeugen in ausgesuchten Märkten zur Verfügung. Auch sind wir offen für Kooperationen mit großen Baumaschinen-Herstellern, die ihr Portfolio ergänzen möchten, für die sich jedoch eine eigene Produktion von Dumpern, wie wir sie fertigen, aufgrund der verhältnismäßig geringen Stückzahlen nicht rechnet.«

Hohe Fertigungskompetenz

Grundsätzlich sehe man sich als Nischen-Herstel­ler, so Hans-Hermann Bergmann. Allerdings als einer, der auf ganz vielen Beinen stehe. »Ob Straßenbau, GaLaBau, Tunnel- und Kanalbau, Gewinnung, Küstenschutz oder Industrie: Für unsere Dumper gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten.« Um diese realisieren zu können, benötige man jahrelange Erfahrung und eine hohe Fertigungskompetenz, die Bergmann sich in den vergangenen Jahren erarbeitet habe. Zum einen produziere man 60 % der Dumper-Bauteile selbst, zum anderen beziehe man die Komponenten von bekannten Herstellen, wie Cummins, Kubota, ZF, Dana, Kessler oder Danfoss. »So gesehen haben wir uns von einem Handwerksunternehmen zu einem Industrieunternehmen entwickelt, das als Dumper-Produzent in Deutschland auf jeden Fall zu den drei größten gehört«, sagt Hans-Hermann Bergmann.

Eine wichtige Rolle haben dabei die beiden anderen Sparten des Unternehmens gespielt, wie Hans-Hermann Bergmann betont. Denn neben der Dumper-Produktion gibt es bei der Bergmann Maschinenbau GmbH & Co. KG noch die Bereiche Maschinenbau und Komponenten. Mit diesen selbst konstruierten und gebauten Fertigungszentren werden von der Kleinst- bis zur Großserie für verschiedene Industriezweige, vor allem für die Automobilindustrie, Komponenten mechanisch bearbeitet. »Es gibt beispielsweise keinen VW-Bus T 5 oder auch keinen Porsche Panamera, bei dem nicht ein Achsteil verbaut ist, das von Bergmann bearbeitet wurde«, sagt Hans-Herrmann Bergmann, zu dessen Kundenkreis viele bekannte Auto-Unternehmen gehören. »Aufgrund der sehr hohen Ansprüche haben wir einen Wahnsinnssprung hinsichtlich der Qualitätssicherheit und im Prozessdenken gemacht und dieses gewonnene Know-how auch auf unseren Fahrzeugbau übertragen. Unser künftiges Ziel ist es jetzt, in der Dumper-Produktion die Fertigungsprozesse weiter so zu optimieren, damit wir noch schneller, flexibler und effizienter auf die Anforderungen des Marktes und unserer Kunden reagieren zu können.«

Mehrere Millionen Euro investiert

Dafür wurden 2013 für mehrere Millionen Euro eine neue Pulverbeschichtungsanlage und eine neue 3 000 m² große Produktionshalle gebaut sowie das Betriebsgelände um 3 ha erweitert. Im vergangenen Jahr erfolgte bereits die nächste Erweiterung mit dem Bau einer Montagehalle für die Kabinen-Fahrzeuge und eines Kundenservice-Centers für insgesamt rund 3 Mio. Euro. Jetzt verfügt das Unternehmen über Fertigungshallen mit einer Fläche von 12 000 m², die Gesamtbetriebsfläche beträgt 13 ha. Und für das kommende Jahr ist bereits der Bau eines neuen Lagers für die Fertigung und die Ersatzteile geplant. Dann soll auch die Aufteilung des Werkes in die Bereiche Süd und Nord in die Wege geleitet werden. Gemäß des Strategie- und Entwicklungsplans werden der gesamte Fahrzeugbau und das Ersatzteillager bis 2020 auf dem Gelände des Werk Süd angesiedelt und die Komponenten-Produktion im Werk Nord beheimatet sein. »Das wird uns unseren gesetzten Zielen wieder ein Stück näher bringen«, sagt Hans-Hermann Bergmann.

»Sicherheit und Effizienz«

Zu denen gehört vor allem, »die Marke Bergmann weiter nach vorne zu bringen«, wie es Hans-Hermann Bergmann formuliert. Bei den Dumpern hat dabei für ihn – neben der stärkeren Positionierung im Vermietgeschäft – das Thema »Sicherheit und Effizienz auf der Baustelle« oberste Priorität. Deshalb werde man auch auf der Bauma eine »Neuigkeit in der Muldentechnik« und eine neue Kabine präsentieren. »Das ist eine absolute Eigenentwicklung von uns, durch die wir in der Fertigung noch flexibler werden.«

Generell ist Hans-Hermann Bergmann sehr zufrieden mit der Entwicklung, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren genommen hat. So erwirtschaftete man mit insgesamt 250 Mitarbeitern, davon 16 Auszubildende, im vergangenen Jahr in den drei Unternehmensbereichen Dumper, Maschinenbau und Komponenten einen Umsatz von rund 36 Mio. Euro. Wobei für Hans-Hermann Bergmann diese Kennzahl nicht die entscheidende ist. »Viel wichtiger ist, dass seit 2010 die Wertschöpfung kontinuierlich gestiegen ist. Und das soll durch organisches Wachstum auch in Zukunft der Fall sein.«

Weiter als Familienunternehmen

Genau so, wie die Bergmann Maschinenbau GmbH & Co. KG ein inhabergeführtes Familienunternehmen bleiben soll. »Wir wollen versuchen, ein Familienunternehmen zu bleiben und den Charakter des Unternehmens zu bewahren«, sagt Hans-Hermann Bergmann, der dabei auch auf die große Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und deren Familien hinweist. »Und natürlich wünsche ich mir, dass meine Kinder das Unternehmen in der dann dritten Generation weiterführen. Das kann ich mir schon vorstellen, aber nur, wenn auch sie mit Herzblut dabei sind.«

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