Änderungen gezielt umsetzen
Die Entscheidung des Kunden, anstelle einer Baumaschine eines Mitbewerbers eine von Volvo SAS umgebaute Variante zu erwerben, bringt laut Thomas Nather mehrere Vorteile mit sich: »Der Kunde profitiert von der gewohnten Volvo-Qualität und erhält gleichzeitig eine Maschine, die gezielt an seine individuellen Anforderungen angepasst ist. Die Koordination aus einer Hand vereinfacht den Prozess und reduziert den Abstimmungsaufwand mit mehreren Beteiligten. Ein wesentlicher Vorteil ist die Flexibilität unserer 16 SAS-Partner in zwölf Ländern weltweit, individuelle Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Da die Kundenanforderungen zunehmend vielfältiger werden, ist es kaum möglich, für jede Anwendung eine passende Lösung ab Werk anzubieten. Unsere Partner können auf spezielle Wünsche häufig schneller und gezielter eingehen und entsprechende Änderungen umsetzen. Am Ende erhält der Kunde eine ganzheitlich koordinierte Volvo-Lösung: Der Händler stimmt die Anforderungen gemeinsam mit dem Volvo-Werk und dem Partner ab und stellt sicher, dass die individuelle Lösung umgesetzt wird.« Je nach Umfang und Aufwand dauert die Umsetzung laut Volvo in der Regel zwischen einem und sechs Monaten. Handelt es sich um eine besonders umfangreiche Anpassung, die wie ein eigenständiges Projekt behandelt werden muss, kann es in Einzelfällen auch bis zu einem Jahr dauern. Der Umbau erfolgt jeweils mit Dokumentation und CE-Zertifizierung.
Einblick in die Umbaupraxis
Nicht nur als Volvo-CE-Händler, sondern auch als einer der 16 weltweit zertifizierten Volvo-SAS-Partner ist das 2014 gegründete Unternehmen Schöller special machines (SSM) GmbH & Co. KG mit Sitz in Hausen am Bach im Landkreis Schwäbisch Hall tätig. Zum Kerngeschäft gehören Spezialmaschinen sowie Tunnelbagger und Tunnellademaschinen. Das Know-how dafür geht auf die CMT-Sparte (Construction & Mining Technology) der deutschen Firma Schaeff zurück, die bereits 1980 die ersten Tunnelbagger baute. Entsprechend können der Inhaber Wilfried Schoeller und sein Team eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich von Spezialmaschinen für den schweren Einsatz vorweisen. Die SSM-Tunnelbagger basieren auf Volvo-Maschinen, welche für den harten Tunnel- und Bergbaueinsatz um- und aufgerüstet werden. Das aktuelle Produktprogramm umfasst Tunnelbagger von 8 bis ca. 80 t Einsatzgewicht, die wahlweise mit Diesel- oder Elektroantrieb ausgerüstet werden können. SSM hat darüber hinaus robuste Tunnelradlader, Elektrobagger und Spezialmaschinen im Portfolio.
Michael Baumann, Vertrieb Tunnelbaumaschinen SSM, gibt einen Einblick in die Praxis: »Für Sonderumbauten an Standardbaggern kommt der Kontakt meist durch die Volvo-Händler zustande. Bei Tunnelbaggern hingegen bekommen wir die Anfragen fast immer direkt von unseren Kunden, bei denen wir bereits bekannt sind. Im ersten Schritt werden gleich die Vorgaben abgesteckt, die es zu beachten gilt. Das Gute daran ist, dass der Kunde diese oft bereits im Vorhinein weiß. Die Konstruktion prüft anschließend, ob der gewünschte Umbau möglich ist. Parallel wird nach interner Rücksprache mit Vertrieb, Konstruktion und Montage ein erstes Angebot ausgearbeitet und verschickt.«
Bei reinen Sonderumbauten erhält die SSM komplette Serienmaschinen, welche anschließend zum Teil zerlegt und abgeändert werden. Wünscht der Kunde einen Tunnelbagger, wird hingegen nur eine teilfertige Maschine geliefert und mit der SSM-eigenen Tunnelarbeitseinrichtung, einem Dach- und Frontschutzgitter, Seitenrammschutz, Schmutzabweiser und weiteren Sachen umgebaut.
»Twin-Drive« mit Diesel- und Elektroantrieb
Über rein mechanische Veränderungen hinaus bietet SSM mit dem »Twin-Drive« eine Lösung, die neben dem Volvo-Kompaktbagger »ECR 58-T« auch in anderen Volvo-Baggertypen eingesetzt werden kann. Die Maschine verfügt anschließend über einen Dieselmotor und einen lokal emissionsfreien Elektroantrieb. Ein solcher »Twin-Drive«-Bagger kann wie gewohnt voll dieselhydraulisch betrieben werden. Der zusätzlich integrierte Elektroantrieb erlaubt zudem den emissionsfreien Betrieb an einem regulären Baustellenanschluss mit 400 V und 63 A. Dies ermöglicht den Dauereinsatz der Maschine im Elektromodus, ohne Einschränkungen durch eine begrenzte Batteriekapazität oder Ladezeiten. Eine weitere Variante ist der Umbau von dieselangetriebenen Tunnelbaggern auf Elektroantrieb mit angebauter Kabeltrommel.
»Volvo Days«: Spezialmaschinen zum Anfassen
Auf den »Volvo Days« waren Maschinen aus einer Vielzahl von Anwendungsgebieten in Erdbewegung, Tunnelbau, Abbruchtechnik / Rückbau und Verkehrswegebau vertreten. So wurde ein knickgelenkter Dumper »A30 4x4« mit zwei zusätzlichen Rädern ausgestattet. Diese lassen sich herunterfahren, um in engen Tunnelpassagen auf der Stelle umdrehen zu können. Das erleichtert und beschleunigt nicht nur die An- und Abfahrt, sondern auch die Ladespiele. Ein weiterer »A30« wurde nach einem Umbau vom Dumper zum Wassertankwagen mit variabel einsetzbaren Wasserdüsen. Dieses Fahrzeug mit seinem 23 000 l fassenden Tank stellte seine Fähigkeiten zur Staubbekämpfung und Reinigung des Untergrunds sowohl bei der Maschinen-Show als auch nach dem Beladen eines Trucks im Steinbruch unter Beweis.
Speziell für Abbrucharbeiten konzipiert wurden ein »EC400F High Reach« und ein »EC300F Straight Boom«. Der »EC300 Semi Long Reach« hingegen verbindet die Welten eines Standard-Monoauslegers mit Long-Reach-Anwendungen. Die Maschine kommt genau dann zum Zug, wenn es auf eine größere Reichweite in Verbindung mit flexiblen Anbaugeräten und Tiltrotatoren ankommt.
Mit einem »EWR170 High Rail« stellte Volvo zudem unter Beweis, dass das Unternehmen auch Zweiwegebagger fertigen kann. Das in Eskilstuna gezeigte Gerät ist für die norwegischen und schwedischen Schienenanforderungen konzipiert. Für Tätigkeiten abseits der Schiene und speziell auf zu verdichtenden Untergründen wurde ein Radlader »L150H« anstelle von Reifen mit besonders breiten und profilierten Walzen für hohe Traktion und Standfestigkeit ausgestattet, um Schüttgut wie Erde, Kies, Sand oder Abfall zu verdichten. Dadurch werden Hohlräume reduziert, die Tragfähigkeit erhöht und das Material stabiler sowie kompakter gemacht. Der besondere Clou ist, dass die Umrüstung von Standard-Radladern zu einem Verdichtungs-Radlader als Kit realisiert wurde. Dieser kann an jedem Standard-»L120«, -»L150« oder -»L180« ohne eine permanente Maschinenmodifikation montiert und bei Bedarf in weniger als 24 Stunden wieder vollständig zurückgebaut werden. Praxisnah präsentiert wurde zudem ein Materialumschlagbagger mit hydraulisch verstellbarer Hubkabine und dazugehöriger Recyclingausrüstung, der auf dem großen Raupenbagger »EC260F« basiert. SSM steuerte zu den »Volvo Days« gleich mehrere Maschinen bei. Ein »ECR145« für Tunneleinsätze verfügte neben der für unter Tage obligatorischen Sicherheitsausstattung über einen speziellen Reißlöffel zum Abtragen von Gestein. Mittels eines Drehgelenks ist ein Volvo-Radlader in der Lage, die Schaufel in einem knapp 180° großen Schwenkbereich vor beide Vorderräder zu bewegen.
Darüber hinaus zeigen weitere Maschinen, die nicht in Schweden vertreten waren, die hohe Bandbreite an Umbaumöglichkeiten von SSM: So stellt der 53 bis 80 t schwere »EC550« mit Kippkabine den bislang größten Tunnelbagger dar. Eine weitere Besonderheit ist der Raupenbagger »ECR380E«, der nach dem Umbau über ein Zusatzheckgewicht von 1,5 t sowie ein hydraulisch absetzbares und abnehmbares Heckgewicht verfügt. Damit lässt sich das Transportgewicht der Maschine auf Knopfdruck verringern. Die Wandlung vom 17-t-Mobilbagger zum Mobil-Tunnelbagger hat ein »EWR170-T« vollzogen: Nach dem Umbau für den harten Untertageeinsatz im Tunnel- und Bergbau verfügt die Maschine über einen kompakten Heavy-Duty-Tunnelausleger, einen vollhydraulischen Schnellwechsler, eine Feuerlöschanlage, Notausschalter am Maschinenheck und in der Kabine, Zentralschmierung sowie ein elektronisches Steuerungssystem für die Auslegerhöhenbegrenzung und Maschinensteuerung. Ein zusätzlicher Transportanhänger dient zum Mitführen der Anbaugeräte unter Tage.
Grundsätzlich sieht es danach aus, als ob bei Volvo SAS und SSM kein Kundenwunsch unerfüllt bleibt. Unternehmen profitieren dabei nicht nur von einer speziell für sie hergestellten Maschine, sondern auch von der Herstellergarantie, Dokumentation und CE-Zertifizierung. Dazu kommt noch ein homogener Fuhrpark, was neben Vorteilen im Bereich Wartung auch den Schulungsaufwand für die Maschinenführer betrifft. Denn im Kern handelt es sich stets um eine Volvo-Standardmaschine, nur eben mit speziellen Extras.