Volvo Construction Equipment Germany GmbH Das Gesamtbild im Fokus

Bei den diesjährigen »Volvo Days« im schwedischen Eskilstuna standen weniger einzelne Modelle im Vordergrund. Der Fokus lag vielmehr darauf, wie sich Volvo Construction Equipment (Volvo CE) nach einer Reihe strategischer Aktivitäten in seiner Gesamtheit positioniert. Laut Melker Jernberg, Präsident von Volvo CE, »wurden in den letzten Jahren 50 Prozent der Maschinen überarbeitet bzw. kamen neu in den Markt und 50 Prozent der Services erneuert«. Dazu kommen die strategische Partnerschaft mit Hitachi Energy zum emissionsfreien Betrieb von Baustellen, die Übernahme der Swecon-Gruppe, die Schließung des Rokbak-Geschäfts und der Bau eines neuen Baggerwerks in Eskilstuna. Das Ziel: ein »100-prozentiger Fokus auf Volvo«. Vor diesem Hintergrund stellten die »Volvo Days« Anfang Juni eine Leistungsschau unter besonderen Vorzeichen dar. Die Redaktion des bauMAGAZINs war mit dabei.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Volvo CE
Von: Thomas Seibold

Volvo CE trat bei dieser auf vier Wochen angelegten Veranstaltung für Händler, Partner, Kunden und die Fachpresse mit einem breiten Rücken an. Neben den gezeigten Produkten, Services und Dienstleistungen trug dazu auch die – dank der Swecon-Übernahme – deutlich gestärkte europäische Vertriebs­präsenz bei. Melker Jernberg nannte im Rahmen der Pressekonferenz »einen direkten Zugang zu rund 70 Prozent der Volvo-Vertriebsaktivitäten in Europa«. Die diesjährigen »Volvo Days« sollten daher Besuchern aus einer Vielzahl an Ländern einen Eindruck davon vermitteln, wie das Unternehmen seine eigene Position im Markt geschärft hat.

»Machine Show«-Spektakel

Einen bleibenden Eindruck hat sicherlich die traditionelle »Machine Show« mit lautstarker Musikuntermalung hinterlassen. Gut 30 Minuten lang folgten eine Vielzahl von elektrisch und konventionell angetriebenen Baumaschinen – Muldenkipper, Ketten- und Mobilbagger, Nutzfahrzeuge und Radlader – einem »Baustellen-Ballett« mit ausgetüftelter Choreografie. Vor der Zuschauertribüne gezeigt wurden teils artistische Einlagen sowie Ladespiele mit Kies, Erdreich und Baumstämmen inklusive gewollter Verschmutzung des Untergrunds und anschließender Reinigung mit Volvo-Maschinen und entsprechenden ­Anbaugeräten. Ein ­Spektakel, das ­jedes Mal wieder aufs Neue überrascht und für Begeisterung sorgt.

Im Rahmen der folgenden Pressekonferenz erklärte Melker Jernberg dazu: »›Volvo Days‹ bedeutet, zu zeigen statt nur zu erzählen. In einer zunehmend komplexen Welt haben wir klare Entscheidungen darüber getroffen, worauf wir uns konzentrieren und investieren. Was wir hier demonstrieren, ist, wie diese Entscheidungen für unsere Kunden in konkrete Wirkung übersetzt werden, indem wir näher an ihre Abläufe rücken, schneller reagieren und unsere Widerstandsfähigkeit in einem unsicheren Umfeld stärken.« Hanna Ihnatovich, Leiterin der Region International, ergänzte: »In den internationalen Märkten sehen sich unsere Kunden sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen gegenüber. Unsere Aufgabe ist es, ein verlässlicher Partner zu sein und sie mit der richtigen Kombination aus Maschinen, Technologien und Dienstleistungen durch den Wandel zu begleiten.«

Europapremieren quer durchs Portfolio

An Lösungen für eine Vielzahl an Anwendungsbereichen herrschte jedenfalls kein Mangel. Die Maschinen, die auf den »Volvo Days« erstmals zu sehen waren, verteilten sich auf kompakte, schwere und elektrische Modelle aus dem gesamten Portfolio. So feierten die Kurzheck-Kettenbagger »ECR255« und »ECR355« für Arbeiten in beengten Umgebungen, die neuen Kurzheck-Raupenbagger »ECR90« und »EC65« sowie der Mobilbagger »EW65« ihre Europapremieren. Bei den großen Raupenbaggern gab es den »EC560« zu sehen, entwickelt für Einsätze in Bereichen wie schwerer Infrastruktur, Steinbruch, Zuschlagstoffe und Bau. Dieses Modell hat auf der Steinexpo seine Deutschlandpremiere. Bei den Radladern erweitert sich die Modellpalette um den Schwerlast-Radlader »L260« mit »Rehandler«-Paket, welches u. a. ein schwereres Kontergewicht für anspruchsvolle Einsätze enthält.

Auch die Elektrifizierung stellte einen zentralen Schwerpunkt dar. Volvo CE bietet in diesem Bereich nicht nur Maschinen, sondern auch unterschiedliche 400-V-Lademöglichkeiten an. Angefangen vom Type-2-»Overnight Charging Cable« (22 kW, 32 A), dem »Portable DC Charger« (40 kW, 63 A und 60/80 kW, 125 A) über den »Stationary Charger« (120 kW, 217 A; 180 kW, 259 A; 240 kW, 350 A; 320 kW, 461 A; 400 kW, 617 A) bis hin zur »Mobile Power Unit PU500« (Power-Inlet 125 A auf 63 A/32 A und Power-Outlet 240 kW CCS2, 63 A, 16 A) steht Kunden eine breite Auswahl zur Verfügung.

Bei den Maschinen war der überarbeitete Radlader »L90 Electric« mit Berganfahrhilfe für mehr Sicherheit und Kontrolle an Steigungen vor Ort. Zum ersten Mal wurde das Modell auch mit dem »Waste Option«-Paket vorgestellt. Dieses eignet sich ideal für den Einsatz in der Abfall- und Schrottentsorgung. Generell hat Volvo CE die Betriebszeit bei mittelschweren Einsätzen auf bis zu sechs Stunden verlängert, während das DC-Schnellladen von 20 auf 80 Prozent nun nur noch 55 Minuten dauert. Außerdem wurde der knickgelenkte Dumper »A40 ­Electric«, der nun gemeinsam mit dem »A30 Electric« in Serienproduktion ist, gezeigt.

Ein weiteres Highlight stellte der »EWR150 ­Electric« dar, der europäischen Kunden als Erstes zur Verfügung stehen wird. Das 15 bis 17 t schwere Modell bietet laut Volvo CE die gleiche bewährte Leistung, den gleichen Komfort und die gleiche Zuverlässigkeit wie sein konventionelles Diesel-Pendant. Da der »EWR150 Electric« selbstständig fahren und auf öffentlichen Straßen eingesetzt werden kann, wird kein Transportanhänger benötigt – ideal für Anwendungen insbesondere in städtischen Umgebungen. Ein elektrischer Fahrmotor in Kombination mit einem hydraulischen Energierückgewinnungssystem am Ausleger sorgt nach Herstellerangaben je nach Einsatz für Betriebszeiten von acht bis zehn Stunden. Für mehr Flexibilität steht DC-Schnellladen mit bis zu 150 kW und integriertes AC-Laden mit bis zu 22 kW für Standzeiten über Nacht zur Verfügung.

Marc Engels, Global Product Manager bei Volvo CE, erläutert dazu: »Mit dem ›EWR150 Electric‹ haben wir die Elektrotechnologie so auf das Segment der Mobilbagger übertragen, dass die Kunden die Maschine wie gewohnt nutzen können. Indem wir den Elektro-Mobilbagger zuerst in Europa auf den Markt bringen, reagieren wir direkt auf die Kundennachfrage nach Lösungen, um ohne Kompromisse bei Produktivität und Leistungsfähigkeit in städtischen und lärmempfindlichen Umgebungen effizient arbeiten zu können.«

»Hands-on« auf dem Gelände

An unterschiedlichen Demopunkten hatten die Besucher auf dem weitläufigen Gelände die Gelegenheit, sich praxisnah und im direkten Austausch mit den Experten über die jeweils vorgestellten Maschinen und Lösungen zu informieren. Einige Modelle konnten auch selber gefahren werden, wie etwa der Starrrahmen-Muldenkipper »R100«. Im Selbstversuch über zwei Runden im Test-Parcours stellte sich heraus, dass die rund 95 t schwere und 1 065 PS starke Maschine überraschend leicht zu bedienen ist.

Maßgeschneiderte Sondermodelle

Abseits der reinen Serienmodelle stellte Thomas Nather, Produktmanager Volvo SAS (Special Application Solutions), darüber hinaus 15 Maschinen vor, die für spezielle Kundenanforderungen maßgeschneidert entwickelt wurden. So war ein »A30«-Wassertankwagen mit 23 000 l fassendem Tank bereits während der »Machine Show« im Einsatz. Weiterhin zu sehen gab es u. a. einen knickgelenkten »A30 4x4«, der dank Drehlenkung das einfache Wenden im Tunnelbau ermöglicht. Mit dem »EWR170 High Rail« hat Volvo SAS einen Mobilbagger für den Schienenverkehr in Schweden und Norwegen entwickelt. Weitere Spezialmodelle waren ein »EC300 Semi Long Reach« sowie ein »EC260 Material Handler« mit hochfahrbarer Kabine für die Abfallwirtschaft und das Recycling.
Gleich mehrere Sondermaschinen wurden gemeinsam mit Schöller special machines (SSM) entwickelt, wie etwa ein »ECR145« für den Tunneleinsatz und ein »L50H«-Schwenkradlader mit Drehturm-Prototyp für ein schwedisches Straßenbauprojekt. Alle Maschinen weisen den Vorteil auf, dass sie einerseits eine Sonderaufgabe erfüllen, aber andererseits im Kern Standardmodelle darstellen. Das erfordert in Hinsicht auf die Wartung, grundlegende Bedienung und Leistung keine große Umgewöhnung.

Digitale Lösungen

Mit einem eigenen Auftritt erhielt »Site Solutions« erstmals besondere Aufmerksamkeit. Aktuell umfasst das Portfolio in diesem Bereich die Systeme und Dienste »CareTrack«, »Active­Care«, »Machine Data API«, »Volvo Connect«, »Equipment as a Service«, »Site Operations«, »Load Ticket«, »Connected Map« und »Site Simulation«. Vorgestellt wurde in Eskilstuna ein neues zertifizierbares On-Board-Wiegesystem für Radlader. Dieses ermöglicht eichfähige Gewichtsmessungen direkt von der Maschine aus. Es ist für Kunden gedacht, die zertifizierte Genauigkeit für den gewerblichen Einsatz benötigen, da die entsprechende Präzision direkten Einfluss auf die Rentabilität hat. Durch die Optimierung jeder Ladung können Fahrer sowohl Unter- als auch Überladungen vermeiden. Vollständig in »Load Assist« integriert, verringert es zudem die Abhängigkeit von externen Brückenwaagen und Wiegesystemen von Drittanbietern.


Das System »Certifiable On-Board Weighing« ist von einer unabhängigen benannten Stelle gemäß OIML R51 typgeprüft und entspricht den MID-Anforderungen (EU-Richtlinie 2014/32/EU). Dadurch ist laut Volvo sichergestellt, dass strenge Standards hinsichtlich Messgenauigkeit, Datenintegrität und Sicherheit erfüllt werden. In Kombination mit »Volvo Load Ticket« können zertifizierte Gewichtsdaten digital dokumentiert und zur Berichterstellung und Abrechnung an Bürosysteme übertragen werden. Das zertifizierbare On-Board-Wiegesystem ist für ausgewählte Radlader verfügbar, die mit »Volvo Co-Pilot 2.0« und dem »Load Assist«-On-Board-Wiegesystem ausgestattet sind, darunter die Modelle »L110H2«, »L120H2« und »L150H« bis »L260H« in bestimmten EU-Märkten.

Umfassende Investitionen

Volvo CE wies auf der Veranstaltung auf die stärkere industrielle und vertriebliche Präsenz hin, um näher an den Kunden zu rücken, Lieferzeiten zu verkürzen und Lieferkettenrisiken zu reduzieren. In Europa umfasst dies eine Investition von 9,2 Mrd. SEK, darunter 702 Millionen SEK für eine neue Bagger-Montagefabrik in Eskilstuna, die 2028 die Produktion aufnehmen soll. Bei steigenden Volumina soll das Werk bis zu 3 500 Maschinen pro Jahr fertigen und markiert damit die erste Baggerfertigung von Volvo CE in Schweden. Carl Slotte, Leiter der Region Europe, sagt dazu: »Eskilstuna ist ein starkes Symbol für unser Engagement in Europa. Indem wir näher bei unseren Kunden investieren, stärken wir unsere Fähigkeit, schneller zu reagieren, enger zusammenzuarbeiten und sie dabei zu unterstützen, in einem sich schnell verändernden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.«

Mit den »Volvo Days« hat das Unternehmen eine praxisnahe Veranstaltung geschaffen, die zu begeistern weiß. Besucher können abseits vom Trubel auf Messen die Produkte, Services und Dienstleistungen ausgiebig begutachten und teilweise selber testen. Darüber hinaus bietet der direkte Austausch mit den Fachexperten Raum für Gespräche über konkrete Projekte. Nicht zuletzt stellt die Veranstaltung auch für Volvo CE selber eine ideale Gelegenheit dar, hinsichtlich der mittel- und langfristigen Ziele zu informieren.s

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