CNH Industrial Italia spa. Praxistage in Lecce: »Radladern« bis zum Abwinken

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: CNH
Von: Thomas Seibold

Ende November lud Case Construction zu einer exklusiven Veranstaltung an den süditalienischen Produktionsstandort in Lecce ein. Die bauMAGAZIN-Redaktion konnte dort nicht nur eine der weltweit größten Fertigungsstätten des Unternehmens besuchen, sondern auch eine Auswahl aktueller Radlader-Modelle volle zwei Tage lang intensiv testen. Frisch aus der Fertigung zur Verfügung standen die Modelle »421G«, »651G+«, »1021G« und »1021G+« sowie der auf der Bauma vorgestellte »Impact« und als Premiere einer der ersten neuen »321G«.

Das Werk in Lecce ist aufgrund seiner Dimensionen und Fertigungskapazitäten gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Denn dort werden auf einem 592 000 m2 großen Areal mit rund 153 000 m² überdachter Produktionsfläche und zusätzlich ca. 134 000 m² Lagerfläche fünf Produktfamilien – Radlader, Kompaktradlader, Baggerlader, Teleskoplader und Motorgrader – für gleich vier Marken hergestellt: Case Construction Equipment, Case IH Agriculture, New Holland und New Holland Construction Equipment. Im Juli 2024 wurde zudem die Produktionslinie für den neuen elektrischen Kompaktradlader eingeweiht. Das Modell, das im Forschungs- und Entwicklungszentrum des Werks in Apulien konzipiert und entworfen wurde, wird in den Farben von Case und New Holland unter den Bezeichnungen »12EV« bzw. »W40X« hergestellt.

Das Werk in Lecce: Getrimmt auf Effizienz

Rund 900 Mitarbeiter sorgen in Lecce dafür, dass in sieben Montagelinien insgesamt 203 Modelle in bis zu 4896 Konfigurationen gefertigt werden können. Dazu verfügt das Werk über 23 automatische Schweißstationen, sechs Lackierroboter, ein Lackierfördersystem mit einer Gesamtlänge von über einem Kilometer und 43 Bearbeitungszentren. Eine Reihe wichtiger Komponenten, wie Fahrgestelle und Ausleger, wird ebenfalls vor Ort hergestellt. In einem separaten Bereich erfolgt zudem die Kabinenmontage. Damit es zu keinen Unterbrechungen in der Produktion kommt, steht ein vollautomatisiertes Lagersystem mit über 13 000 Lagerplätzen und mehr als 28 000 Ersatzteilnummern zur Verfügung.

Beim Gang durch die Hallen fiel ein interessantes Detail auf: Neben jeder der sieben primären Montagelinien befindet sich eine parallel verlaufende sekundäre Linie. Dort werden bestimmte Komponenten für die gerade produzierte Maschine vormontiert bzw. vorkonfiguriert. Das Lagersystem stellt dieser Linie jeweils passende »Montagepakete« zur Verfügung. Diese beinhalten den für die jeweilige Maschine genau passenden Umfang an Komponenten, Teilen und Befestigern aller Art. Nach Angaben von Case ist »keine Schraube zu viel, aber auch keine zu wenig enthalten«.

Dieses System mit einer sekundären Montagelinie, die der primären direkt zuarbeitet, sorgt nicht nur für eine sehr hohe Effizienz. Es erhöht auch die Qualität über alle Baugruppen und Maschinen hinweg. Wie skalierbar das Werk in Lecce arbeiten kann, zeigt das exponentiell gestiegene Produktionsvolumen von 88 Prozent zwischen 2020 und 2022 und um weitere 14 Prozent im Jahr 2023, dem Jahr mit der höchsten Anzahl an produzierten Maschinen seit seiner Gründung. Ein Monat sticht dabei besonders heraus: Im März 2023 verließen sage und schreibe 722 Maschinen das Werk. Dieser bislang höchste Wert in einem Monat wird entsprechend gewürdigt: Auf diesen Meilenstein wird für alle Mitarbeiter und Besucher gut sichtbar bei jedem Gang in die Firmenkantine hingewiesen.

Direkt aus der Fertigung auf das Testgelände

Für fünf Radlader führte der Weg von der finalen Qualitätskontrolle anstatt zum eigenen Gleisanschluss direkt aufs nahe gelegene Testgelände. Vollgetankt, den Schlüssel im Schloss und noch mit vorhandenen Schutzfolien auf Sitzen und an Bedienelementen sowie diversen Aufklebern versehen, standen dort die Modelle »421G«, »651G+«, »1021G», »1021G+« und als Weltpremiere der neue »321G« mit der Kabine des nächsthöheren Modells. Diese bietet einen großen verglasten Bereich, eine niedrige Frontkonsole, eine serienmäßige Rückfahrkamera und am Sitz angebrachte Bedienelemente. Was beim ersten Gang um die Maschinen nicht ersichtlich ist: Obwohl sich die Radlader optisch gleichen, sind sie unterschiedlich konstruiert, wie ein Blick unter die Motorhaube zeigte.


So ist bei allen Modellen bis zum »921G+« der Motor hinten eingebaut und das quadratische »Cooling Pack« mittig zwischen Motor und Kabine angeordnet. Dies sei laut Case bei Radladern »sehr unkonventionell und macht die Maschine stabiler, da weniger Gegengewicht erforderlich ist, und ermöglicht einen klassenbesten Zugang zum Motorraum vom Boden aus«. Darüber hinaus arbeite das quadratische »Cooling Pack« nach Unternehmensangaben sehr effektiv, da die Kühler weit voneinander entfernt seien und daher im Gegensatz zu einer überdeckenden Anordnung alle gleichmäßig mit Frischluft versorgt werden. Bei den Modellen »1021G« bis »1121G+« ist der Motor aufgrund der Größe des notwendigen Kühlpakets hingegen mittig montiert. Case wies in dem Zusammenhang auf eine praktische Funktionalität hin, die insbesondere bei Einsätzen mit hoher Staubbelastung zum Tragen kommt: Auf Knopfdruck dreht der Ventilator den Luftstrom um und bläst dadurch die Kühler von innen nach außen frei – eine schnelle und effektive Lösung.

»+«-Serie bietet mehr Funktionalität

Beim weiteren Gang um die Maschinen fiel das »+«-Zeichen bei einigen Modellen auf. Dieses kennzeichnet ein technisches Update für die seit 2017 erhältlichen »G«-Modelle, das im April 2021 vorgestellt wurde. »G+« (auch »Evolution« genannt) umfasst die Case-Radlader-Modelle, angefangen vom »521G+« bis zum »1121G+«. Die »+«-Ausstattung zeichnet sich durch einen belüfteten Sitz mit optisch abgesetztem Sicherheitsgurt, ein DAB-Radio, einen Rückfahrwarner mit weißem Rauschen sowie optionale Premium-Ausstattungsmerkmale wie einen Drei-Punkt-Sicherheitsgurt, beheizbare Spiegel, ein ­Rückfahrwarnsystem und von außen erkennbare Sicherheitsgurtanzeigen aus.

Die wichtigste Neuerung von »G+« ist jedoch »Click & Dig«, welches die Kernfunktionen eines Radladers – Graben, Entleeren und Dosieren – automatisiert und diese Aufgaben für den Bediener präzise, wiederholbar sowie einfacher umsetzbar macht. So sorgt ein einziger Knopfdruck bei »Auto-Dig« dafür, dass die Maschine in Ladungshöhe vorwärtsfährt, die Schaufel füllt, sie schüttelt und anschließend wieder rückwärtsfährt – seitens des Bedieners muss während dieses Vorgangs nur gelenkt werden. Bei »Auto-Dump« wird die Schaufel in Entladehöhe automatisch entleert, geschüttelt und in die horizontale Position zurückgebracht. »Auto-Metering« sorgt unterhalb der horizontalen Position für eine gleichmäßige Materialverteilung auf dem Boden. Über den von Case im Standard vorgegebenen Ablauf hinaus können erfahrene Bediener im Aufzeichnungsmodus ihren bevorzugten Zyklus zudem für eine konsistente Automatisierung aufzeichnen.

»Click & Dig« steigert laut Case nicht nur die Produktivität und senkt die Gesamtbetriebskosten durch Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs sowie Verschleißes, sondern verkürzt auch die Einarbeitungszeit. Denn damit können selbst unerfahrene Bediener (wie ein bauMAGAZIN-Redakteur) volle Schaufelladungen und eine gleichbleibende Leistung erzielen. Apropos Leistung: Für die Modelle »1021G+ X-Drive« und »1121G+ X-Drive« steht darüber eine CVT-Getriebeoption zur Verfügung, über die sich nach Unternehmensangaben mit verschiedenen Einstellungen der Kraftstoffverbrauch um etwa 25 Prozent reduzieren soll.

»Impact«:  Maschinenkonzept mit Zukunft

Null Prozent Kraftstoff, weil zu 100 Prozent elektrisch unterwegs, verbraucht hingegen der erstmals auf der Bauma 2025 vorgestellte Case »Impact«. In Lecce war die Praxistauglichkeit dieses Maschinenkonzepts zu sehen. Da es aus technischer Sicht auf dem elektrischem Kompaktradlader »12EV« basiert, verfügt es wie die Modelle der »+«- bzw. »Evolution«-Serie ebenfalls über »Click & Dig«, kommt aber ohne eine Kabine aus und wird komplett ferngesteuert. »Impact« eignet sich daher ideal nicht nur für Einsätze in emissionssensiblen Umgebungen, sondern auch in extremen Bereichen und unter widrigen Wetterbedingungen, da die Sicherheit und der Komfort des Fahrers gewährleistet werden können.

Auf dem Fahrersitz: Theorie vs. Praxis

Nach einer gründlichen Einführung konnten anschließend alle Modelle ausgiebig gefahren werden. Vor allem Lasse Holst vom »Danish Construction Channel« und Hervé Prenat, Président Association Technique-TP, aus Frankreich, zwei absolute Profis aus der Branche, schonten die Radlader nach einer kurzen Eingewöhnungsphase dabei in keiner Weise und reizten die Limits entsprechend aus. Im weniger spektakulären Selbstversuch wurde schnell klar, dass Case insbesondere bei »Click & Dig« die Versprechen aus der Theorie in der Praxis einlöst. Selten war es einfacher, Aufgaben wie die Materialaufnahme, -abgabe und -dosierung zu erledigen.

Interessant war zudem, dass die Modelle »321G«, »421G«, »651G+« und »1021G+« im direkten Vergleich natürlich aufgrund ihrer unterschiedlichen Leistungsdaten zwar anders performen, sich aber identisch »anfühlen« und bedienen lassen. So hebt sich beispielsweise die Schaufel mit der gleichen Geschwindigkeit. Das vereinfacht Bedienern die Eingewöhnung und den Umstieg vom einen auf das andere Modell. Hinsichtlich der Bedienung gibt sich kein Modell eine Blöße. Alle Bedienelemente sind da, wo sie erwartet werden. Erfahrene Bediener werden sich insbesondere über die optionale Joystick-Steuerung freuen, die das Kurbeln am Lenkrad obsolet macht. Dank zweier bequemer Armlehnen und einer zur Fahrgeschwindigkeit proportionalen Empfindlichkeit steuert sich so selbst ein 26 t schwerer »1021G+« nahezu spielend.

Dass dabei auch die Sicherheit der Umgebung nicht zu kurz kommt, zeigte die Demonstration eines 360°-Kamerasystems an einem »1121G+«. Dieses erkennt beispielsweise Fußgänger im Bereich der Maschine und stellt diese je nach Entfernung zum Radlader mit einer grünen, gelben oder roten Umrandung dar. Der Bediener kann sich nicht nur jederzeit einen Überblick über dieGeschehnisse rund um die Maschine verschaffen, sondern wird bei Personen im Gefahrenbereich aktiv gewarnt. Auf Knopfdruck lässt sich die Ansicht im Display entsprechend umschalten.

Motorenleistung für jede Aufgabe

Um für jede Anforderung gerüstet zu sein, werden die Radlader der Case-»G-Serie Evolution« von EU-Stufe-V-FTP-Turbodieselmotoren angetrieben. Diese bieten beim »421G« einen Hubraum von 3,6 l und eine Bruttoleistung von 84 kW, 4,5 l und 106 kW beim »521G« sowie 6,7 l und 128 kW beim »621G«/»651G«, 145 kW beim »721G«, 172 kW beim »821G« und 190 kW beim »921G«. Noch leistungsstärker ist das 8,7-l-Aggregat beim »1021G« mit 239 kW und »1121G« mit 250 kW. Die Modelle bis zum »921G« sind mit Wastegate-Turboladern ausgestattet. Die beiden größeren Modelle verfügen über Turbolader mit variabler Geometrie. Alle Motoren verwenden das »Hi-eSCR2«-Abgasreinigungssystem von FPT, das ohne Abgasrückführung auskommt. Die Motoren sind mit einer Reihe synthetischer und nachhaltiger Kraftstoffe kompatibel, darunter HVO und XTL.

Um ihrer Leistung gerecht zu werden, verfügen der »651G+« und die drei größeren Modelle laut Case über eine verstärkte Konstruktion des Vorder- und Hinterrahmens. ­Heavy-Duty-Achsen sind serienmäßig verbaut, wobei für jede Achse unterschiedlich konfigurierte Differentiale zur Verfügung stehen. Der Kunde hat die Wahl zwischen einer hundertprozentigen Differenzialsperre an der Vorderachse und einem offenen Differenzial an der Hinterachse, einer hundertprozentigen Differenzialsperre an der Vorderachse und einem »Limited Slip Differenzial« an der Hinterachse oder einem »Limited Slip Differenzial« an beiden Achsen. Damit lassen sich die Maschinen für jeden Einsatzbereich quasi maßschneidern.

Als Fazit dieser exklusiven Veranstaltung lässt sich festhalten, dass Case insbesondere mit »Click & Dig« den Sprung von einer rein mechanisch-hydraulischen Basis hin zu einer digital vernetzten Maschine mit Features wie integrierten Wiegesystemen, Touchscreen-Bedienung und erweiterten Telematik-Funktionen umgesetzt hat. Die Maschinen geben sich nach Ansicht von Lasse Holst und Hervé Prenat nirgendwo eine Blöße, von persönlichen Präferenzen etwa bei der Löffelform abgesehen. Hervé Prenat bringt es in einem Posting auf seiner Facebook-Seite auf den Punkt: »Diese Weiterentwicklungen der Radladerreihe gehen eindeutig in die richtige Richtung!« s
 

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