Michelin-Reifen bis 2050 zu 100 Prozent nachhaltig

Der französische Reifenspezialist Michelin will bis 2050 Reifen vollständig aus erneuerbaren, recycelten, biologisch erzeugten oder anderweitig nachhaltigen Materialien herstellen. Mit Aktivitäten in Forschung und Entwicklung, Partnerschaften sowie Start-ups treibt Michelin seine Fortschritte voran.

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Bereits heute werden fast 30 % der Bestandteile, die von Michelin für die Produktion eingesetzt werden, aus natürlichen, recycelten oder anderen nachhaltigen Rohstoffen gewonnen. So besteht ein Michelin-Reifen aus mehr als 200 Komponenten. Der Hauptbestandteil ist Naturkautschuk, der durch Komponenten aus synthetischem Kautschuk, Metall, Fasern und Füllstoffen ergänzt wird. Dazu zählen Ruß, Kieselerde und Weichmacher, mit denen die Struktur des Reifens verstärkt wird. Michelin geht zur Erreichung des gesetzten Ziels unterschiedliche Partnerschaften ein, die dabei entwickelten Technologien können auch in anderen Industrien eingesetzt werden.

Die Unternehmen Axens und IFP Energies Nouvelles arbeiten seit 2019 mit Michelin an der Herstellung von Butadien auf Biobasis. Die Biomasse aus Holz, Reishülsen, Blättern, Maisstängeln und anderen Pflanzenabfällen soll das Butadien auf Ölbasis ersetzen. Butadien ist Bestandteil synthetischen Kautschuks für die Reifenherstellung. Es könnten jährlich 4,2 Mio. t Holzspäne für die Reifenproduktion verarbeitet werden. Im November schloss Michelin eine Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen Pyrowave, das recyceltes Styrol aus Kunststoffen herstellt, die in Verpackungen wie Joghurtbechern oder in Isolierplatten vorkommen. Styrol ist ein Monomer, das auch für synthetischen Kautschuk für Reifen und andere Konsumgüter verwendet wird. Jährlich könnten mehrere zehntausend Tonnen Polystyrolabfälle wieder in ihre ursprünglichen Produkte sowie in Michelin-Reifen recycelt werden.


Ein Verfahren des französischen Start-ups Carbios nutzt Enzyme, um PET-Kunststoffabfälle in ursprüngliche Monomere zu spalten. Diese können unendlich zurückgewonnen und zur Herstellung neuer PET-Kunststoffe verwertet werden. Einer der wiedergewonnenen Kunststoffe ist das in der Reifenfertigung genutzte Polyestergarn. Etwa vier Milliarden Plastikflaschen könnten jährlich potenziell zu Michelin-Reifen recycelt werden.

Zudem kündigte Michelin an, mit dem schwedischen Unternehmen Enviro den Bau des ersten Reifen-Recycling-Werks in Angriff zu nehmen. Enviro entwickelte eine Technologie, um Ruß, Pyrolyseöl, Stahl, Gas und andere Materialien aus Altreifen zu gewinnen. Damit können Rohstoffe, die in Reifen enthalten sind, recycelt und in verschiedenen gummibasierten Produktionsschritten wiederverwendet werden.     T

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