Klare Ansage aus der Branche
Als Kiesel-Vertriebsleiter für die Branche Bau und verantwortlich für den Innovationstag stellte Uwe Herrmann klar: »Produktivität, Entlastung und Sicherheit müssen zusammengedacht werden, um als funktionierende Systemlösungen Profit zu generieren. Wer hier dabei war, ging mit belastbaren Entscheidungsgrundlagen nach Hause und einem klaren Bild davon, welche Investitionen sich für den eigenen Betrieb rechnen.« Unter dem Leitgedanken »Echte Baustellen, echte Learnings« bot Kiesel gleich drei Unternehmen die Gelegenheit, offen auf der Bühne darüber zu sprechen, wie moderne Maschinenkonzepte und digitale Prozesse ihre Baustellen tatsächlich verändern – untermauert mit konkreten Zahlen und Erfahrungswerten. Theo Heitkamp, Geschäftsführer der Firmengruppe Stewering, gab beispielsweise einen Einblick in die Realität des innerstädtischen Großkanalbaus, wo sich Projekte technisch, organisatorisch und wirtschaftlich als hochkomplex erweisen. Anhand einer realen Baustellensituation zeigte er auf, wie sich Risiken wie Planungsdefizite, falsche Bestandspläne, Termin- und Kostendruck und Fachkräftemangel durch systematische Arbeitsvorbereitung und den Einsatz digitaler Zwillinge deutlich reduzieren lassen. Dabei werden Daten aus Drohne, Georadar, Leitungsortung und 3D-Scan in belastbare 2D- und 3D-Unterlagen überführt und auf dieser Basis Baubarkeit, Verbau, Abläufe und Leitungsverlegungen gezielt optimiert. Heitkamp betonte, dass sich die Investition in Daten und digitale Methoden schnell amortisiere, da sich Stillstände vermeiden, Alternativen eröffnen und Projekte schneller, sicherer und profitabler realisieren lassen würden. »Unsere Branche ist viel innovativer und auch innovationsfreudiger, als man ihr nachsagt – manchmal braucht sie nur einen kleinen Schubs. Wenn ich hier am Innovationstag offen darüber spreche, was bei uns gut funktioniert, hoffe ich, dass der eine oder andere diese Impulse mitnimmt, denn wir stehen im Infrastrukturbau großen Aufgaben gegenüber. Das Gute: Es gibt viele Hilfsmittel, sie müssen nur angewendet werden«, wie Heitkamp klarstellte.
»Herausforderung annehmen«
Wie sich Tiefbauprojekte mit einem durchgängigen digitalen Workflow und eben nicht per »Bauchgefühl« mit interoperablen 3D-Prozessen steuern lassen, brachten hingegen Denis Kägbein, Bauleiter der wk-bau GmbH, und Steven Cazacu, Fachberater digitale Lösungen bei Makineo, auf den Punkt. Anhand konkreter Projekte zeigte Kägbein, wie frühe 3D-Planung Höhen- und Kollisionsfehler aufdeckt, Punktwolken und Scans die Abrechnung stützen, und die frühzeitige Einbindung von Polier und Auftraggeber Akzeptanz und Klarheit schafft – auch bei kleineren Projekten. Steven Cazacu vertiefte hingegen das Verständnis für die dahinterliegende digitale Architektur, sodass Fehler idealerweise schon vor Baubeginn vermieden werden können. »Es müssen nicht immer die Großen sein, die Digitalisierung erfolgreich umsetzen – es ist auch als kleine Baufirma möglich. Ich habe am Innovationstag viele Unternehmer getroffen, die bereit sind, diese Herausforderung anzunehmen und den digitalen Weg zu gehen«, wie Denis Kägbein sagte.
»P-Line« als Prozessoptimierer
Gestellt wurde überdies die Frage, wie sich Maschinenkonzepte auf beengten Baustellen neu denken lassen. Erläutert wurde das von Geschäftsführer Claus Engel und Vorarbeiter Benedikt Weis von der Hornung Pflanzen GmbH. Im Mittelpunkt ihres Vortrags: Der Einsatz des »P-Line«-Systems von KTEG, verbaut an einem 14,5 t schweren Hitachi-Mobilbagger des Typs »ZX135W-7, der die Logistik auf engem Raum vereinfachen, zusätzliche Geräte ersetzen und Abläufe deutlich beschleunigen soll, indem er Aufgaben übernimmt, für die sonst ein zusätzlicher Radlader oder Minibagger benötigt wird. Sein Urteil lautete, dass Systemlösungen wie diese den Bagger zum Multi-Tool-Carrier machen, was für hohe Produktivität, aber eben auch mehr Flexibilität, Schnelligkeit und Vielseitigkeit steht, da eine einzige Maschine verschiedenste Aufgaben übernehmen kann. Die »P-Line« zielt seit jeher darauf ab, Prozessoptimierer zu sein. Die Idee dahinter: Ein ganzheitliches modulares System, bestehend aus Maschine, digitalem Assistenzsystem, vollhydraulischem Rotationsschnellwechsler und bauteiloptimierten Anbaugeräten.
Neue Technik erlebbar machen
Ein Highlight des Innovationstags stellte zweifelsohne der anschließende Praxisteil dar: Nach einer offenen Diskussionsrunde mit den Referenten leitete ein Live-Drohnenflug durch den 80 000 m² großen Coreum-Expo-Park und gab damit den Startschuss für das Begutachten und Erproben aller Lösungen, die im Coreum ausgestellt wurden. Geführte Rundgänge durch die insgesamt zwölf Aktionsflächen sorgten für einen praktischen Einblick, wie durchgängige Baustellenprozesse im Echtbetrieb funktionieren können. Danach konnten die Maschinen, Anbaugeräte und Technologien auf eigene Faust erkundet, Themen mit den Produktspezialisten, Herstellern und Händlern vertieft und technische Details ausgetauscht werden. »Viele unserer Teilnehmer haben betont, wie konkret diese Gespräche waren – von digitalen Konzepten bis hin zu geplanten Investitionsentscheidungen. Im Mittelpunkt stand immer die Frage: Wie bringen neue Lösungen unseren eigenen Betrieb voran?«, wie Uwe Herrmann abschließend klarstellte.