bauMAGAZIN IAA Transportation

Gutes Wetter, gute Stimmung und eine Vielzahl wegweisender Lösungen für die Nutzfahrzeug-, Transport- und Logistikbran20che – so lässt sich die IAA Transportation in Hannover in aller Kürze beschreiben. Insgesamt präsentierten vom 15. bis 20. September 1 589 Aussteller aus 46 Ländern ihre Technologien und Produkte für den Straßengüterverkehr der Zukunft. Darunter befanden sich mehr als 150 Weltpremieren und weitere Neuheiten. Auch die Redaktion des bauMAGAZIN war mit dabei und stieß auf dem Weg durch die Messehallen und im Außengelände auf viele interessante Lösungen.

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Von: Thomas Seibold

Eines der Fokusthemen der Messe waren batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betriebene Transport- und Nutzfahrzeuge und deren Lade­infrastruktur. Vor allem diese entscheidet maßgeblich darüber, ob sich die angebotenen Lösungen im Markt durchsetzen können. Soviel ist klar: Es besteht noch ein großer Nachholbedarf, wie VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärt: »Die IAA Transportation 2026 hat gezeigt, dass die Industrie Verantwortung übernimmt und die Lösungen für einen klimaneutralen und digitalen Straßengüterverkehr der Zukunft liefert. Gerade im Schwerlastverkehr ist das Potenzial für den Klimaschutz enorm. Unsere Unternehmen haben auf Innovationen und Investitionen gesetzt und auf der IAA Transportation demonstriert, dass sie bei allen technologischen Optionen Weltspitze sind und weiter vorangehen. Jetzt sind Berlin und Brüssel in der Bringschuld. 

Für einen erfolgreichen Hochlauf alternativer Antriebe braucht es das Zusammenspiel von Fahrzeugen, Infrastruktur und wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Doch besonders bei den Energiepreisen und der notwendigen Infrastruktur klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Notwendigkeit. Hier ist ein entsprechender ›Infrastruktur-Turbo‹ notwendig: Mit Blick auf Lade­infrastruktur und Wasserstofftankstellen sind hier ambitionierte Maßnahmen gefragt sowie eine Priorisierung bei der Schaffung der entsprechenden Voraussetzungen. Außerdem muss Brüssel mit Blick auf die Realitäten – anhand von Daten und Fakten – entscheiden, Strafzahlungen endgültig ad acta zu legen. Hier gilt: Keine Strafzahlungen für politische Versäumnisse. Hersteller und Zulieferer dürfen nicht dafür belastet werden, dass die notwendigen Rahmenbedingungen – wie der Stromnetzausbau – nicht rechtzeitig geschaffen wurden. Die CO₂-Ziele müssen an messbare Fortschritte beim Infrastrukturaufbau und an die tatsächliche Marktentwicklung emissionsfreier Fahrzeuge gekoppelt werden.«

Der Weg zur Dekarbonisierung ist steinig

Damit liegt Hildegard Müller auf einer Linie mit Achim Puchert, CEO Mercedes-Benz Trucks. Im Rahmen einer Pressekonferenz sprach dieser im Hinblick auf das eigene Portfolio an batterieelektrisch und mit Wasserstoff angetriebenen Fahrzeugen davon, dass die entsprechenden Produkte mittlerweile zwar da sind, aber nach wie vor die Infrastruktur fehlt. Dabei sei es immens wichtig, die Transformation zur Dekarbonisierung zu schaffen. Aus diesem Grund verfolgt Mercedes-Benz Trucks zur Emissionsminderung einen zweigleisigen Ansatz. Neben batterieelektrischen Fahrzeugen setzt das Unternehmen weiterhin auch auf wasserstoffbetriebene Lösungen.

Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Einsatzszenarien. Für bestimmte Transport­aufgaben – wie extrem lange Strecken und mangelnde Stromversorgung – eignen sich Batterien nur bedingt. Wasserstoff bietet sich hier an, da die Betankung in wenigen Minuten erfolgen kann. Mercedes-Benz Trucks greift dabei auf die Erfahrungen mit den wasserstoffbetriebenen »GenH2«-Trucks zurück, die im Rahmen von Kundenerprobungen bereits knapp 600 000 km absolviert haben. Mit dem verwendeten Flüssigwasserstoff sind nach Herstellerangaben Reichweiten von deutlich über 1 000 km mit einer Tankfüllung bei voller Ausladung möglich. Ab Ende dieses Jahres plant Daimler Truck eine Kleinserie von rund 100 »NextGenH2«-Trucks, die bei Kunden in Deutschland in den Praxiseinsatz gehen sollen. Erster Kunde ist der Logistikdienstleister Dachser.
Einen Praxistest der anderen Art hat der Content Creator und Berufskraftfahrer Tobias Wagner auf der Bühne angekündigt. Als »Elektrotrucker« startet er die bislang wohl ambitionierteste Praxiserprobung eines batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw: Er will mit einem »eActros 600« rund 45 000 km durch rund 30 Länder zurücklegen. Das Motto: »In 80 Charging Stops around the World«.

Praxistaugliche E-Lkw-Reichweiten

Generell liegen die batterieelektrisch angetriebenen Lkw von Herstellern wie Daimler-Benz Trucks, Renault Trucks, MAN Trucks und Volvo Trucks hinsichtlich der Reichweite auf einem hohen Niveau. So soll der Mercedes-Benz »eActros 600« in seiner verbrauchsgünstigsten Kombination mit 40 t Gesamtzuggewicht eine Reichweite von bis zu 560 km erreichen. Renault Trucks nennt beim »E-Tech T 780« bei einer Nutzlast von bis zu 27,4 t bis zu 660 km Reichweite. MAN Truck & Bus spricht bei einem »TGX« in der typischen Fernverkehrs-Sattelzugkombination von Reichweiten von bis zu 570 km ohne Zwischenladen. Volvo Trucks ruft für seinen neuen »Volvo FH Aero Electric« sogar eine Reichweite von bis zu 700 km mit einer Ladung auf (siehe den Beitrag auf Seite 104 in dieser Ausgabe). Bei diesem Modell kommt eine neue, gewichtsoptimierte E-Achsen-Technologie zum Einsatz.

Ruhepausen sind Ladepausen

Wer dabei wie beim Auto-Quartett nur auf die reinen Leistungsdaten sieht, sollte die Lenk- und Ruhezeiten einkalkulieren: Nach spätestens 4,5 Stunden Fahrt stehen 45 Minuten Pause an, und laut Arbeitszeitgesetz muss nach spätestens 6 Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten erfolgen. Diese Zeit kann zum Laden genutzt werden. Renault Trucks hat nach einer Analyse der Betriebsdaten von 70 000 vernetzten Renault Trucks-Fahrzeugen in Europa in den vergangenen zwei Jahren festgestellt, dass die neue elektrische Renault Trucks-Fahrzeugpalette bereits 80 Prozent der täglichen Einsätze abdecken kann. Dieser Anteil steigt auf 90 Prozent, wenn während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpause eine 45-minütige Schnellladung über CCS (350 kW) oder MCS (525 kW beim »E-Tech T 585« bzw. 700 kW beim »E-Tech T 780«) erfolgt. Auf der IAA Transportation zeigten Daimler Truck, MAN Truck & Bus und Scania gemeinsam mit dem Ladeinfrastrukturbetreiber ­Milence, wie schnell das Laden von batterieelektrischen Nutzfahrzeugen künftig funktionieren kann. An einem Megawatt Charging System (MCS) lassen sich die Fahrzeugbatterien während der Fahrer-Ruhezeiten von 30 bis 45 Minuten, wie sie bei Langstrecken­einsätzen anfallen, auf bis zu 80 Prozent oder vollständig aufladen.

Test Drives mit neuem Rekordwert

Wer selber Hand an die Fahrzeuge legen wollte, konnte die Test-Drives-Angebote nutzen. Insgesamt 84 Fahrzeuge standen in diesem Jahr von 17 Ausstellern im Rahmen der Test Drives zur Verfügung. Im Vergleich zu 2024 mit 60 Fahrzeugen wuchs das Fahrzeugangebot damit um 40 Prozent und erreichte einen neuen Rekordwert. Ein neuartiges Hallenkonzept sorgte zudem dafür, dass die Aussteller MAN Truck & Bus und Volvo Trucks in der Halle 11 auf großzügigen Flächen Testfahrten für Besucher direkt von ihren Ständen aus anbieten konnten. Insgesamt wurden während der Veranstaltung 8 500 Testfahrten durchgeführt – 32,5 Prozent mehr im Vergleich zu 2024. Die große Nachfrage unterstreicht das starke Interesse der Fachbesucher und des Publikums an den neuen Technologien und machte die Transformation des Straßengüterverkehrs erlebbar.

Besucheranzahl und -Zufriedenheit

Nach Angaben des Veranstalters kamen an den Werktagen mehr als 113 000 Fachbesucher nach Hannover, insgesamt wurden mehr als 140 000 Besucher gezählt. Der Anteil der internationalen Fachbesucher lag bei 40 Prozent (2024: 34 Prozent) und verzeichnete einen neuen Rekord. Am stärksten vertreten waren dabei Vertreter aus den Niederlanden, China und Polen. Das unterstreicht das wachsende Interesse an der IAA Transportation und ihre Bedeutung als internationaler Treffpunkt der Nutzfahrzeug-, Transport- und Logistikbranche.

In diesem Jahr verzeichnete die Veranstaltung zudem einen hohen Zufriedenheitswert von 92 Prozent. Zudem verbesserte sich auch der Anteil an Entscheidern auf der IAA Transportation: 77 Prozent der Fachbesucher haben Einfluss auf Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen in ihrem Unternehmen (2024: 71 Prozent). Über die Hälfte der Fachbesucher planen in den kommenden 6 bis 12 Monaten Investitionen im Nutzfahrzeugbereich (52 Prozent), weitere 17 Prozent planen dies vielleicht. 88 Prozent würden sie daher auch 2028 wieder besuchen.


Erfolgreicher Abschluss der IAA Transportation

Die IAA Transportation hat erneut ihre Bedeutung als führende Leitplattform für Logistik, Nutzfahrzeuge und den Transportsektor unterstrichen. Im Mittelpunkt standen innovative Technologien, neue Fahrzeugkonzepte und zukunftsweisende Lösungen für die Transport- und Logistikbranche. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Einblick in die aktuellen Entwicklungen und unterstrich die Dynamik, mit der die Branche an der Transformation des Straßengüterverkehrs arbeitet. VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel: »Jede IAA Transportation ist ein Feuerwerk der Innovationen, ein Beleg dafür, wie unsere Branche mit Leidenschaft und Exzellenz den Wandel angeht und meistert. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste IAA Transportation 2028.« Diese nächste Ausgabe findet vom 19. bis 24. September 2028 mit einem Pressetag am 18. September in Hannover statt. In den kommenden bauMAGAZIN-Ausgaben wird die Redaktion über bauspezifische Highlights aus diesem Jahr in den jeweiligen Themenschwerpunkten berichten.

 

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