HERDER MACHINES Für unwegsames Gelände: Herder CR10 im Test

Die Herder CR10-Funkraupe bringt geballte Maschinenpower in abwegige Bereiche. Dank Fahrwerk mit Pendelfunktion soll immer eine maximale Bodenhaftung bereitgestellt werden, selbst bei der Arbeit an Hängen mit 55 Grad Steigungswinkel. Soweit die Herstellerinformationen. Doch kann das Konzept in der Praxis überzeugen? Um das herauszufinden, wurde die Raupe von zwei GaLaBau-Experten getestet.

Lesedauer: min | Bildquelle: dieProfitester
Von: Tim Knott

„Ich fange da an, wo andere mit ihren Maschinen gar nicht hinkommen“, berichtet Heiko Werner. Der Dienstleister aus Witzenhausen ist überall unterwegs, wo es zur Sache geht: Von der Pflege von Waldstücken bis zum Mähen von Freiland-PV-Anlagen ist alles dabei. Allzu oft kommen dabei auch besondere Aufträge herein – z.B. Wildäcker mitten im Wald, die mit einem normalen Schlepper gar nicht erreichbar sind. Für diese schwierigeren Einsätze hatte Werner vor Kurzem die Herder CR10 im Testeinsatz. Die Funkraupe bietet ein kompaktes Design und einen niedrigen Schwerpunkt. Neben Einsätzen im unwegsamen Gelände können damit laut Hersteller auch steile Hänge bis zu 55 Grad befahren werden. Standardmäßig wird das Gerät von einem wassergekühlten Drei-Zylinder-Dieselmotor mit 55 PS angetrieben. Werners Eindruck nach einer Woche Test ist positiv: „Bislang bin ich super begeistert“, berichtet er. „Das Fahrwerk ist sehr robust und gleicht viele Unebenheiten aus. Dadurch ist die Raupe nicht die leichteste, aber irgendwo muss man immer Abstriche machen.“ 

Bedienbarkeit: zwei Tester – eine Einschätzung 

Ähnliche Erfahrungen hat 250 Kilometer weiter westlich Christian Westphal gemacht. Der Mitinhaber der Westphal Service GbR in Mettmann ist regelmäßig mit der Gehölz- und Flächenpflege innerhalb von Kommunen beschäftigt und hatte die Herder CR10 ebenfalls für eine Woche im Einsatz. „Handling und Bedienbarkeit sind ganz gut“, ordnet der Fachmann ein. Hier wurde die Maschine in zahlreichen Wasserbecken und Schrägen eingesetzt. Aufgrund des Testzeitraums Ende April konnte die Raupe noch nicht im Extrem getestet werden, da der Aufwuchs dies noch nicht hergab. „Aber ich glaube schon, dass der Motor das halten kann, was er verspricht“, so Westphal.

Für weitgehendere Leistungstests hatte Heiko Werner in Witzenhausen dagegen reichlich Gelegenheit: „Ich habe mit der Raupe schon Baumstubben herausgezogen und die obere Grasnarbe abgenommen, um Wildschäden zu beheben. Das war alles kein Problem.“ Gerade in Kombination mit einem 1,25-Meter-Gestrüppmulcher mache die Raupe eine gute Figur, denn „die Ölpumpenleistung packt das locker“. Aufgrund der hydraulischen Seitenverschiebung können Anwender das Anbauwerkzeug flexibel nutzen und es kommt eine enorme Flächenleistung zustande.
 


Hang-Eigenschaften: am Boden geblieben

Besonders wenn es an die Hänge geht, kann die Raupe ihre Stärken ausspielen. Hier haben beide Tester lobende Worte für das Fahrwerk mit Pendelautomatik: „Das ist wirklich einzigartig“, so Westphal. Zwei Hydraulikzylinder am hinteren Fahrwerk richten die Maschine immer automatisch aus, sodass der Schwerpunkt jederzeit gleich verteilt ist und eine besonders große Bodenhaftung besteht. Unterstützend lässt sich das Fahrwerk verbreitern, um noch stabiler zu fahren. „Damit kann ich quer zum Hang fahren, das funktioniert echt gut“, berichtet Werner. Löcher oder Unebenheiten im Boden seien kein Problem für die Maschine. 

Auch die Wartung gestaltet sich einfach. Die Raupe ist mit stabilen Blechplatten verkleidet, die großflächig abgeschraubt werden können, um die Maschine mit der Luftpistole zu reinigen. Die anderen Teile der Maschine sind ebenfalls einfach zu handhaben, wie Werner erläutert: „Während meines Testzeitraums musste ich lediglich zweimal den Luftfilter saubermachen. Das kostet kaum Zeit und man kommt gut an alles heran.“ Ebenfalls finden die Warnleuchten die Zustimmung des Experten. Zusätzlich zu einer Warnung auf der Fernbedienung geben die Heckleuchten der Maschine sofort ein Signal ab, wenn der Betrieb eingeschränkt ist: „Dadurch kriegt man sofort mit, wenn mit der Raupe etwas nicht stimmt.“ Auch der Transport zum Einsatzgebiet gestaltet sich einfach: „Die Befestigungsmöglichkeiten für die Spanngurte sind hier gut geplant“, berichtet Westphal.

Leistung: Geschwindigkeitseinstellungen unter der Lupe

Bei allem Lob haben die Experten allerdings auch einige Verbesserungsvorschläge für das Maschinenkonzept. „Ich würde mir wünschen, dass die Fahrgeschwindigkeit ein bisschen feiner einstellbar ist“, so Werner. Aktuell lässt sich die Geschwindigkeit nur über den Joystick regeln, was manchmal ein bisschen zu viel Fingerspitzengefühl benötigt. „Das birgt einfach das Risiko, zu übersteuern, wodurch die Raupe im nächsten Gebüsch landen kann“. Eine Geschwindigkeitseinstellung abseits des Joysticks könnte Abhilfe schaffen. Entsprechende Maßnahmen sind schon im Gange. Denn nach Auswertung des Tests arbeitet der Hersteller im Rahmen der stetigen Weiterentwicklung bereits an einer Verfeinerung der CR10-Steuerung. Diese wird in kommenden Modellen verfügbar sein. 
 

Doch zurück zum Feedback: Westphal wünscht sich ein bisschen mehr Feingefühl für die Steuerung der Hydraulik: „Die ist noch sehr direkt.“ Ebenfalls sieht er Verbesserungspotenzial an der Fernbedienung: „Hier könnte man mehr automatisieren, gerade das Einsetzen von der Schwimmstellung in den Arbeitsmodus ist etwas umständlich und erfordert Umgreifen.“ Apropos Schwimmstellung: Bei dieser vermisst der Experte eine Drosselfunktion: „Schalte ich die Schwimmstellung bei der normalen Arbeit hinzu, fällt sie mit dem Eigengewicht herunter, das ist bei anderen Herstellern schöner gelöst.“ Herstellerseitig ist eine Senkdrosselfunktion für die CR10 in der Tat nicht vorgesehen, allerdings kann diese optional bei Wilmers Kommunaltechnik, dem Deutschlandvertriebspartner von Herder Machines, erworben werden. 

Ebenfalls sei ein eigener Transportkasten für die Fernbedienung wünschenswert, wie Westphal ausführt. Dennoch sind beide Tester unterm Strich mit der Funkraupe sehr zufrieden. „Wenn ich mir heute eine Raupe kaufen müsste, wäre die CR10 in meiner Top-Drei-Auswahl“, schließt Werner.


Technische Daten:

  • Abmessungen: 2,16 x 1,38 x 1,18 Meter
  • Einstellbares Raupenfahrwerk: 1,36 bis 1,68 Meter
  • Gewicht (ohne Anbaugerät): 1.300 kg
  • Maximale Anhängemasse: 700 kg
  • Steigungswinkel: 55 Grad
  • Fahrgeschwindigkeit: 14,5 km/h

Fazit:

Bei steilen Hängen oder schwer zugänglichen Arbeitsgebieten läuft die Herder CR10 zur Hochform auf. Dank solider Ölpumpenleistung bringt die Funkraupe Maschinenleistung dahin, wo sie am meisten gebraucht wird. Am Hang kommt das Fahrwerk mit Pendelfunktion zum Tragen, das jederzeit automatisch für eine gute Bodenhaftung sorgt und sich bei Bedarf verbreitern lässt. Durchdachte Funktionen erleichtern die Wartung und Fehlererkennung und unterstützen die Anwender. 

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