Im Blickpunkt

»GTL Fuel ist eine sinnvolle Alternative bei der Reduktion von lokalen Emissionen«

Für Karsten Wilbrand steht es nämlich außer Frage, dass GTL Fuel einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leisten kann – vor allem dann, wenn es bei Maschinen und Fahrzeugen eingesetzt wird, deren Motoren nicht die neuesten Emissionsvorschriften gemäß Euro 6 oder Tier 4 final/Stufe 4 erfüllen. So habe GTL Fuel einen geringeren Schwefel- und Aromatengehalt sowie eine höhere Cetanzahl (70+) im Vergleich zu konventionellem, aus Mineralöl gewonnenem Diesel. Deshalb seien die lokalen Emissionen bei der Verbrennung von GTL Fuel wesentlich geringer.

Bei diversen Feldversuchen mit Nutzfahrzeugen habe man deutliche Einsparungen besonders bei den Feinstaub- und Stickoxidemissionen beobachten können, so Karsten Wilbrand.

Beispielsweise habe man im Bereich Feinstaub eine Reduzierung von 10 % bis 38 % feststellen können, bei den Stickoxiden seien es 5 % bis 37% gewesen.

Zu den weiteren Vorteilen von GTL Fuel gehört laut Karsten Wilbrand, dass es geruchsarm ist und auch hilft, die Motorengeräusche zu reduzieren. Denn im Vergleich zu herkömmlichem Diesel sorge die höhere Cetanzahl des GTL-Kraftstoffs für eine bessere Verbrennung, was bei bestimmten Maschinentypen und Betriebszuständen den Motorenlärm verringere. Auch könne GTL Fuel, weil die Kältefestigkeit gewährleistet sei, ganzjährig eingesetzt werden.

»Die Vorgaben des Gesetzgebers zur Emissionsreduktion sollten technologieneutral sein.«

Dr. Karsten Wilbrand verantwortet bei Shell weltweit den Bereich Alternative Kraftstoffe


»Nicht umweltgefährdend«

Aktuell habe zudem das Umweltbundesamt GTL Fuel in die Wassergefährdungsklasse 1 und damit anders als herkömmlichen Diesel-Kraftstoff (Klasse 2) als »nicht umweltgefährdend« eingestuft, so Karsten Wilbrand weiter. »GTL Fuel lässt sich biologisch deutlich besser abbauen als Diesel und weist nicht dessen Gesundheitsgefahren auf, ist also beispielsweise nicht krebserregend oder organschädigend und verursacht keine Hautreizungen.«

Aber es seien nicht allein die umwelttechnischen Argumente, die für den Einsatz von GTL Fuel sprechen, erläuterte Karsten Wilbrand. Auch hinsichtlich Kosten und Investitionen sei die Verwendung von GTL Fuel eine »gute und sinnvolle Alternative«. So könne GTL Fuel, ohne dass Diesel-Motoren um- oder nachgerüstet werden müssten, jederzeit genutzt werden. Zwar müsse der Endverbraucher – je nach Länge der Lieferkette – für GTL Fuel im Vergleich zu herkömmlichem Diesel »ein paar Cent mehr bezahlen«, angesichts der möglichen Einsparungen bei Investitionen und Wartung seien diese Mehrkosten aber marginal.

Auch könne durch den Einsatz von GTL der Wartungsaufwand verringert werden. »Durch den Einsatz von GTL Fuel bei Kunden haben wir gesehen, dass beispielsweise Partikelfilter erst später ausgetauscht oder regeneriert werden mussten«, so Karsten Wilbrand. »Und das spart wiederum Zeit und Kosten.«Diverse Feldversuche

Dass »die zahlreichen positiven Effekte« von GTL Fuel bei Motoren, die die aktuellen Emissionsnormen erfüllen, bei weitem nicht so groß sind wie bei älteren Aggregaten, ist für Karsten Wilbrand kein Widerspruch. »Natürlich ist bei einem Euro-6-Motor oder bei einem Tier-4-final-Motor der Schadstoffausstoß schon so weit minimiert, dass durch den Einsatz von GTL Fuel absolut gesehen keine großen Emissionsreduktionen mehr erreicht werden können«, sagte er. Allerdings könnten sich auch bei diesen modernen ­Motoren die Wartungsintervalle verlängern, was sich vorteilhaft auf Kosten und Zeit auswirke.

Diese Erfahrungen habe Shell bei diversen Feldversuchen gemacht, so Karsten Wilbrand. So habe man unter anderem MTU-Motoren der Baureihe 4000 getestet und dabei die Partikel-Emissionen »nahezu halbieren« können.

Auch ein ausführlicher Feldversuch im niederländischen Groningen, wo alle Straßenkehrmaschinen und Arbeitsmaschinen mit GTL Fuel betrieben wurden, habe die Vorteile von GTL Fuel bestätigt. Gleiches gelte für den Einsatz in den mobilen Stromgeneratoren von Aggreko, dem weltweit größten Lieferanten von temporären Stromgeneratoren mit Sitz im schottischen Glasgow. Und aus der Baumaschinenindustrie habe Shell bislang den japanischen Hersteller Hitachi als Partner gewinnen können, der GTL Fuel als Erst­befüllkraftstoff für alle nach Europa gelieferten Baumaschinen erfolgreich getestet hat.Zertifizierung läuft

»Derzeit sind wir auch in Gesprächen mit anderen Herstellern aus der Baumaschinenbranche«, sagte Karsten Wilbrand und verwies zudem darauf, dass es derzeit einen umfangreichen und langfristigen Feldversuch mit einer großen niederländischen Baufirma gebe. »Dort testen wir GTL Fuel in den verschiedensten Anwendungen und Maschinen, um so die für die Bauindustrie relevanten Daten besser evaluieren zu können.« Denn bislang habe man sich bei Shell vor allem auf den Einsatz von GTL Fuel im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), im Schiffs- und Schienenverkehr sowie in Aggregaten konzentriert.

Eine höhere Akzeptanz für GTL Fuel verspricht sich Karsten Wilbrand auch durch dessen Zertifizierung. »Eine Pre-Norm gibt es schon«, sagte er, »und wir hoffen, dass GTL Fuel und ähnliche Kraftstoffe im kommenden Jahr gemäß der EU-Norm EN 15 940 zertifiziert sind.« Dann stünde ein genormter Kraftstoff mit für alle Anwender nachvollziehbaren Qualitätskriterien zu Verfügung, wodurch GTL Fuel und vergleichbare Kraftstoffe »einen anderen, einen normalen Status erhielten.« Dabei sei es aber keinesfalls so, dass man eine »Lex Shell« anstrebe, so Karsten Wilbrand. »Das Gegenteil ist der Fall. Wir begrüßen es deshalb ausdrücklich, wenn andere Hersteller diese Art von Kraftstoff ebenfalls anbieten.«


»Luftreinhaltemaßnahme«

Dann wäre wohl auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein weiterer Wunsch Karsten Wilbrands in Erfüllung gehen könnte. Seiner Ansicht nach sollte der Gesetzgeber »GTL Fuel oder ­ähnliche Kraftstoffe als Luftrein­haltemaßnahme anerkennen«. Dann hätten Betreiber von Dieselmotoren im innerstädtischen Bereich, also beispielsweise ÖPNV, Müllabfuhr oder Bauunternehmer, zukünftig eine Wahl wie sie lokale Emissionen verringern können. Dadurch könnte dann bei den von der öffentlichen Hand betriebenen Fuhrparks oder ausgeschriebenen Bauprojekten »der Einsatz von synthetischen, paraffinischen Kraftstoffen wie GTL Fuel als Alternative vorgesehen werden«. Denn das Ziel laute, so Wilbrand: »Bei allen dieselmotorischen Anwendungen im innerstädtischen Bereich – also beispielsweise beim ÖPNV, bei der Müllabfuhr, bei Generatoren oder Baumaschinen – sollte in Zukunft verstärkt diese Art von Kraftstoff eingesetzt werden.«

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