Echo PRM GmbH Der digitale Produktpass (DPP): Chance auf Mehrwerte

Echo PRM – In der Baubranche ist der Begriff »Digitalisierung« meist mit BIM (Building Information Modeling) oder vernetzten Maschinen verknüpft. Doch eine neue regulatorische Welle aus Brüssel wird die Art und Weise, wie Bauprodukte und -maschinen betrachtet werden, fundamental verändern: der digitale Produktpass (DPP). Was zunächst nach bürokratischem Mehraufwand klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als mächtiges Werkzeug für Transparenz, Kreislaufwirtschaft und effizientes Flottenmanagement.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Echo PRM GmbH

Der Ursprung des digitalen Produktpasses liegt im European Green Deal. Das Ziel der EU ist klar: Klimaneutralität bis 2050. Um dies zu erreichen, wurde neben anderen Verordnungen und Initiativen die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) ins Leben gerufen. Sie soll sicherstellen, dass Produkte, die in der EU in den Verkehr gebracht werden, ressourcenschonender, langlebiger und leichter reparierbar werden. Der Digitale Produktpass (DPP) ist dabei das zentrale Informationswerkzeug. Er ist kein physisches Dokument, sondern ein digitaler Datensatz, der über einen Datenträger wie einen QR-Code oder NFC-Chip direkt am Produkt zugänglich gemacht wird. Dahinter sind dann umfangreiche Informationen zu finden, wie z. B. Herstellerdaten und Inhaltsstoffe, Leistungsdaten und technische Spezifikationen, Reparaturanleitungen und Recyclinghinweise sowie der CO₂-Fußabdruck und Anteil recycelter Materialien.

Betroffenheit in drei Szenarien

Die »Direkte Betroffenheit« betrifft Hersteller von regulierten Produkten. Sie müssen den DPP erstellen. Ein fixes Datum gibt es bereits für Batterien (18. Februar 2027). Für Bauprodukte wird die Pflicht im Rahmen der Bauprodukteverordnung zwischen 2027 und 2030 erwartet. Andere Maschinen sind akut noch nicht betroffen, können sich aber schon vorbereiten.
Die »Indirekte Betroffenheit« betrifft Datenbereitsteller wie etwa Maschinenbauer. Sie müssen künftig oft Daten (z.B. Energieverbrauch pro produziertem Teil) liefern, damit ihre Kunden, wie etwa Textil- oder Baustoffhersteller, wiederum ihre eigenen DPP-Pflichten erfüllen können. Das betrifft also nicht direkt Baumaschinen, aber z. B. Baustoffmaschinen.
Eine »Indirekte Betroffenheit durch Komponenten« entsteht bei denjenigen, die eine Maschine herstellen. Sie sind selbst zunächst noch nicht DPP-pflichtig. Da die Maschine aber z. B. Batterien, Reifen oder Displays enthält, die in den nächsten Jahren unter der Ökodesign-Verordnung reguliert werden, müssen diese Komponenten-DPPs für die Endkunden »leicht zugänglich« sein. Auf jeden Fall ist hier also eine Betroffenheit im Einkauf gegeben, evtl. auch hinsichtlich der Weitergabe der digitalen Produktpässe.


Mehr als nur eine Pflichtübung

Häufig wird der DPP nur als Last gesehen. Doch wer die Regulatorik laut Echo PRM clever nutzt, kann echte Mehrwerte für Kunden und das eigene Unternehmen schaffen. Beispielsweise können Endkunden und Nutzer einer Maschine fundiert und zielgerichtet unterstützt werden: Digitale Handbücher und Video-Tutorials direkt am Gerät verhindern Frust auf der Baustelle. Zudem wird der Zugriff auf Ersatzteile und den Service einfacher. Ergänzend erhält bereits der Einkäufer einer Maschine Entscheidungshilfen hinsichtlich der Auswahl einer passenden, nachhaltigen Maschine.
Für den Hersteller bietet der DPP die Chance, vorhandene Datensilos im Unternehmen aufzubrechen. Über strukturierte Daten lassen sich nicht nur interne Prozesse verbessern. Zudem ermöglicht die digitale Schnittstelle zum Kunden neue After-­Sales-Modelle und direkte Kommunikationskanäle. Die Umsetzung der digitalen Betriebsanleitung ist bereits heute unter der Maschinenverordnung möglich – und damit die Vorstufe zum digitalen Produktpass. Und nicht zuletzt wissen Reparaturbetriebe und Recycler hinsichtlich der Nachhaltigkeit exakt, welche Stoffe verbaut sind. Das hält Produkte länger im Kreislauf und schont Ressourcen.

Praktische Umsetzung

Während viele noch auf finale delegierte Rechtsakte warten, gehen Vorreiter in der Industrie bereits heute in die Umsetzung – nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung. Dazu zählen Hersteller wie Magni, Humbaur, Kässbohrer Geländefahrzeug AG und Tadano. Sie standen vor der Herausforderung, dass ihre Kunden jederzeit schnellen Zugriff auf technische Daten und Dokumente benötigen. Papierhandbücher werden oft beschädigt oder gehen verloren. Ergänzend zur digitalen Informationsbereitstellung können verschiedene Service-Anwendungen unkompliziert umgesetzt werden und z. B. lassen sich Serviceanfragen und Technikerberichte vereinfachen, besser strukturieren und lückenlos dokumentieren. Durch den Einsatz der Softwarelösung »Echo PRM« statten zahlreiche Hersteller bereits seit einigen Jahren jede Maschine mit einem eindeutigen QR-Code aus. Dies bietet heute schon Vorteile, die morgen Teil des DPP sein werden. Dazu gehört eine intuitive Bedienung, da über das Back­end technische Daten schnell und unkompliziert überarbeitet werden können. Auch der Support verbessert sich: In einer »Always-on«-Welt erwarten Kunden sofortige Antworten. Hier können digitale Service-Anwendungen den After-­Sales-Service massiv entlasten. Da die Strukturen bereits digital hinterlegt sind, ist der Schritt zum offiziellen EU-DPP nur noch eine Frage der Datenanreicherung und künftig nicht mehr die der technischen Infrastruktur.s

[94]
Socials