Floppt eine Neuerung, mindert das die Marge erheblich. Kein (seriöser) Vertriebler dieser Welt würde zulassen, dass seine Provision aufgrund derartiger Spielereien dahinschmilzt. Man kennt schlichtweg seine Klientel – und die besteht, anders als von so manchem Sesselfurzer angenommen, eben nicht aus stoischen Pappenheimern, sondern aus Anwendern, die ihre Planierraupe, ihren Kran oder ihren Kompaktbagger manchmal sogar besser kennen als der eigentliche Entwickler. Die Kurzfassung lautet: (Vernünftige) Hersteller haben kein Interesse daran, Halbgares auf den Weg zu bringen – denn sie profitieren viel zu sehr von langfristigen Geschäftsbeziehungen, und das setzt gerade in der deutschen Baumaschinenbranche bodenständige Glaubwürdigkeit voraus.
Bitte wenden Sie sich an den zuständigen Support.« An dieser Stelle tauchen gleich mehrere Fragen auf: Brauchen wir all diesen Firlefanz? Sind die neuen bunten Knöpfe nur da, um als Hersteller noch mehr Geld zu verdienen? Oder ist am Ende womöglich Holger schuld?! Die (weit weniger polemische) Wahrheit ist: Wer heutzutage einen 30 bis 40 t schweren Kettenbagger kauft, muss dafür, je nach Ausstattung, zwischen 250 000 und 300 000 Euro auf den Tisch legen – mit Spezialausrüstung kommt man im Premiumsegment sogar auf bis zu 400 000 Euro. Und während sich zu Recht darüber streiten lässt, ob die Fahrerkabine eines Radladers wirklich wie das Innere eines Raumschiffes aussehen muss, bleibt eine Erkenntnis: Die Nachfrage regelt den Preis. Kein (guter) Hersteller würde seine Maschinen mit derlei digitalem Schwachsinn zukleistern, wenn der Markt nicht danach schreien würde. Allein die Entwicklung neuer Assistenzsysteme, digitaler Tools oder teuren Zubehörs kostet wahnwitzig viel Geld und Zeit.
Und ja, es gibt weit mehr schwarze Schafe, als man denkt: Alle drei Jahre erleben wir auf der Bauma, wie die neueste, innovativste, effizienteste und nachhaltigste Maschine der Welt präsentiert wird. Und nachdem munter mit der Konfettikanone um sich geschossen wurde, stellt man fest, dass die Innovation nur darin besteht, seinem technisch gleichgebliebenen Kompaktlader lediglich ein neues Design verpasst zu haben. Kantigere Formen, ein martialisches Logo oder coole LED-Unterbodenbeleuchtung sorgen dafür, dass der Käufer nicht anders kann, als sich dieses grandiose Teil auf den Hof zu stellen. Dieser Facelift- bzw. Design-Trick ist gängige Praxis. Aber kommen wir zu den harten Fakten: Ein integriertes Wiegesystem, Abstandswarner, digital vordefinierte Arbeitsbereiche, das Abrufen von Maschinendaten in Echtzeit, 3D-Maschinensteuerung, Rundumsicht-Kameras, hochsensible Joysticks mit vibrationsgestützter Warnfunktion, interaktive (und sogar mit Handschuhen bedienbare) Touchdisplays, Wartungs- und Serviceplaner, Flottenmanager, Ferndiagnosen, teilautonome Bedienung, KI-gestützte Hilfssysteme, verbaute Sensortechnik und meinetwegen auch der sich individuell anpassende Fahrersitz sind alles Dinge, die sich tatsächlich erfolgreich im Einsatz befinden. Unterscheiden muss man lediglich zwischen Notwendigkeit und Luxus: Bei Letzterem haben nämlich vor allem die Maschinisten die Finger im Spiel.
Aufgrund des Fachkräftemangels und der Hoffnung, seinen erfahrenen Mitarbeiter möglichst langfristig ans Unternehmen zu binden, dürfen Maschinisten mittlerweile hohe Ansprüche stellen. Was die Notwendigkeit betrifft: Effizienz hat Vorrang. Der Einsatz neuer Technik setzt voraus, dass damit einzelne Arbeitsabläufe entweder schneller oder hochwertiger gelingen. Ein Beispiel: Ist der Kettenbagger mit Schnellwechsler, halbautomatischer Grabfunktion, digitalen Geländemodellen, Schwenk- und Fahrassistenten, Kamera-Rundumsicht, virtueller Begrenzung und Payload-Sensor ausgestattet, erweitert sich das Einsatzspektrum gewaltig. Gleichzeitig kann sichergestellt werden, dass viele Arbeiten in gleicher Qualität und weit schneller gelingen – auch die Nacharbeit lässt sich teils drastisch reduzieren.
Hinzu kommt, und das wird in allererster Linie vor allem Holger nicht gern hören, spart der Einsatz von halb- und vollautomatischen Hilfssystemen nicht nur Zeit, sondern auch das langwierige Sammeln von Erfahrungswerten. Ein Nachwuchsmaschinist muss heute längst nicht mehr auf eine 30-jährige Berufserfahrung zurückgreifen, um als hervorragender Baggerfahrer zu gelten. Das Fazit lautet: Neue Technik ist in der Regel immer auch durchdachtes Kalkül – und das sowohl im guten als auch im schlechten Sinne. Ein sicherlich guter Rat ist: Keiner sollte blind auf das Hochglanzversprechen von Herstellern vertrauen – ein gesundes Misstrauen schadet bekanntlich nie. Gleichwohl darf man sich aber auch nicht vor Veränderungen drücken. Viele der neu vorgestellten Lösungen sind trotz hoher Anschaffungskosten teils bahnbrechende Helfer, um auf der Baustelle für mehr Produktivität und damit mehr Wirtschaftlichkeit zu sorgen. Wichtig ist, sich auf Messen und Veranstaltungen über neue Technik zu informieren und zu hinterfragen, ob die neue technische Spielerei auch wirklich für den jeweiligen Arbeitseinsatz geeignet ist. In der Regel, und da appelliere ich gutgläubig an die namenhaften Größen der Branche, wird Ihnen kein seriöser Hersteller irgendeinen »fancy« Schwachsinn andrehen, mit dem man nichts anfangen kann.