Baugeflüster Pfusch am Bau: Der (Alb)traum vom Eigenheim

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Willkommen in der »Hall of Fame« der skurrilsten Baumängel: Es hat Treppen gegeben, die ins Nichts führten, Toiletten, die nicht ans Abwasser angeschlossen wurden, und Sicherungskästen, die man kurzerhand in den Kleiderschrank verfrachtet hat. Mein persönliches Highlight: Ein Bauherr stellte bei der Schlüsselübergabe fest, dass der Elektriker eine 230-V-Steckdose im Innenbereich einer Duschkabine installiert hatte. Zugegeben, diese Beispiele sind skurril, aber bittere Realität. Und was noch viel wichtiger ist: So was passiert mitten in Deutschland. Grundsätzlich gilt: Mit Baumängeln hat nahezu jeder Hausherr zu kämpfen. In der Regel geht es dabei aber eher um Lücken in der Fensterabdichtung, ein zu großes Spaltmaß, beschädigte Fassadenelemente, offene Bohrlöcher oder darum, dass zu großzügig mit Spachtelmasse gearbeitet wurde, um Pfusch zu kaschieren.

Hat man es mit einem halbwegs seriösen Bauunternehmen zutun, lassen sich derartige Fehler spätestens nach der Rohbaukontrolle beheben. Aber genau hier beginnt der Ärger. In vielen Fällen haben Bauherren schlichtweg keine Ahnung von der Materie und übersehen bauliche Mängel. Hinzu kommt, dass man dem Profi vertraut: Aussagen wie »Das sieht man später nicht mehr«, »Das setzt sich« oder »Das muss so wegen der Luftzirkulation« sind leider gängige Praxis, wenn sich das ausführende Bauunternehmen aus der Verantwortung ziehen will. Schnell werden dann mal Abnahmen unterzeichnet in dem Glauben, dass »die« schon wissen werden, was richtig ist.

Dasselbe Phänomen kennen wir im Übrigen aus der Medizin: Die »Götter in Weiß« machen keine Fehler und wenn ein Arzt sagt, dass das so ist, dann ist das halt so. Steht ein unerfahrener Bauherr in seinem neuen Traumhaus und stellt fest, dass das Mauerwerk Risse aufweist, die Decke uneben ist oder die Dachziegel falsch gesetzt wurden, vertraut man auf jene, die vom Fach sind. Und so mancher Bauprofi wird einen Teufel tun und Fehler eingestehen. Denn die bedeuten in der Regel massive Mehrkosten: Müssen Baumängel beseitigt werden, geht das mit unbezahlter Arbeitszeit und neuen Materialkosten einher, die dann die beauftragte Baufirma übernehmen muss. In der Regel ist es ratsam, sich immer einen sachkundigen Fachmann an die Seite zu holen, der die einzelnen Bauphasen begleitet, bei Kontrollen und Abnahmen zugegen ist und einschreiten kann, bevor der Traum vom Eigenheim im Albtraum endet. 

Die goldene Regel lautet: Vertraue niemandem – und unterschreibe nichts, was dein Architekt, dein Bausachverständiger oder dein Anwalt nicht abgesegnet hat. Hinzu kommt, dass die meisten Baumängel gar nicht auf der Baustelle entstehen, sondern auf dem Papier. Eine gute Vorplanung, die Koordination aller Gewerke, vollständige Ausführungspläne, klare Verträge, detaillierte Leistungsbeschreibungen sowie regelmäßige Baustellenkontrollen sind zwingend notwendig, um die gröbsten Problemfaktoren schon im Vorfeld zu beseitigen. Die traurige Wahrheit ist, dass sich die meisten von uns das Bauen nur ein einziges Mal im Leben leisten können – kommen weitere Kosten durch Baumängel, für Gutachten oder Gerichtsverfahren hinzu, steht man schnell vor gewaltigen finanziellen Problemen. Eine weitere Gefahr ist im Übrigen, wenn der Bauträger noch während des laufenden Bauprojekts Insolvenz anmeldet. 

Das führt häufig zu Baustillstand und finanziellem Ruin der Bauherren – nicht selten wird das noch verschärft durch Baumängel. Hier raten Experten dazu, sich umgehend anwaltliche Hilfe zu suchen, die Baumängel sowie den Baufortschritt zu dokumentieren und Ansprüche im Insolvenzverfahren anzumelden. Ein Tipp: Der Abschluss einer Baufertigstellungsversicherung kann helfen, die Schäden zumindest zu begrenzen und die Mehrkosten durch eine neue Firma zu decken. Und: Hohe Abschlagszahlungen ohne Gegenleistung sind bei einer Insolvenz oft verloren.

Überdies ist dringend zu empfehlen, sich noch vor Vertragsabschluss über die Bonität des Bauträgers oder Partners zu informieren. Abschließend lässt sich also festhalten: Investieren Sie, auch wenn es wehtut, in Ihre rechtliche Absicherung. Beauftragen Sie Fachleute, nehmen Sie nicht das erstbeste Angebot an – und lassen Sie sich nicht von Sprücheklopfern umgarnen, die auf den ersten Blick zwar seriös wirken, Ihnen letztlich aber das Geld aus der Tasche ziehen. Und um das Ganze abschließend dann doch noch in ein halbwegs positives Licht zu rücken: Pfusch ist zwar keine Seltenheit, aber zum Glück auch keine gängige Praxis. In Deutschland genießen wir sehr wohl den Luxus, über herausragende Handwerksbetriebe mit gut ausgebildetem Personal zu verfügen. Man muss nur darauf achten, dass einem der »Richtige« die Steckdose setzt und man die schwarzen Schafe der Baubranche klug und vor allem rechtzeitig umschifft.


 

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