Die bittere Wahrheit ist, dass wir Männer einen richtigen Dachschaden haben. Und zwar gewaltig. Wir haben jahrhundertelang erstaunliche Kreativität bewiesen, um Frauen kategorisch von allem fernzuhalten, was als typische Männerdomäne galt. Frauen durften nicht wählen, hatten kein eigenes Bankkonto, mussten sich von Autos, Universitäten und Fußball fernhalten und hatten stattdessen die Pflicht, sich um den Haushalt, den Ehemann und die Erziehung der Kinder zu kümmern.
Früher glaubte man, dass Frauen beispielsweise nichts in Politik oder Wissenschaft zu suchen hätten, weil sie »aufgrund ihres zerbrechlichen Gemüts, der geringen Belastbarkeit und der beständigen Neigung zu unkontrollierter Emotionalität eine Gefahr für sich und andere darstellen« würden. Aus heutiger Sicht ist das alles unvorstellbar. Wir schütteln den Kopf, zeigen uns empört und sprechen davon, dass das alles Gott sei Dank der Vergangenheit angehört. Aber ist das wirklich so? Können wir in Zeiten von Ehegattensplitting, »Gender Pay Gap« sowie der sagenumwobenen Frauenquote wirklich von Gleichberechtigung, geschweige denn von weniger Ignoranz sprechen? Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang die Baubranche betrachten: In den spezifischen Handwerksberufen (Maurer, Dachdecker, Straßenbauer, Betonbauer) sind bundesweit knapp 2,2 Prozent der Beschäftigten weiblich – in der gesamten Bauwirtschaft liegt der Anteil immerhin bei 14 Prozent, aber das lässt sich vorrangig darauf zurückführen, dass Frauen in der Regel eher in akademischen Segmenten, darunter in Planung, Entwicklung und Architektur, zu finden sind. Fakt ist, dass es der Branche trotz ihres massiven Bedarfs an Fachkräften nicht gelingt, ausreichend Frauen auf die Baustelle zu bringen, geschweige denn, sie überhaupt dafür zu begeistern.