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TOPTEC: Ferngesteuert, präzise und massiv gepanzert

Am Anfang stand für TopTec Spezialmaschinen der Anspruch, ferngesteuerte Abbruchmaschinen noch besser zu machen, was 1994 zur Firmengründung führte. Das dazu notwendige technische Know-how brachte die Schwesterfirma Schweden Maschinen – heute Tecler – mit ein, die bereits seit 1970 existiert und langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann. Seit damals hat TopTec seine ­Marktanteile rasant steigern können, was nach Aussage von Olaf Dörfler, geschäftsführender Gesellschafter bei TopTec Spezialmaschinen, vor allem »an der hohen Qualität unserer Maschinen, andererseits aber auch an unserem Ehrgeiz liegt.« Die Redaktion des bauMAGAZIN war in München und nahm einige der neuen Maschinenentwicklungen in Augenschein.

Von Dan Windhorst

Seien es klassische Abbruchprojekte oder Präzisionsarbeiten in einem Atomkraftwerk, eines haben beide gemeinsam: Mit konventionellen Maschinen alleine ist es meist nicht getan. Gerade dann, wenn Gefahr für Menschen besteht, lohnt sich der Einsatz ferngesteuerter Einheiten. TopTec hat sich über die Jahre hinweg zum Spezialisten in dieser Branche entwickelt und bietet neben den elektrisch- oder dieselbetriebenen Serienbaureihen auch Sondermaschinen an, die individuell an die jeweiligen Arbeitsbedingungen und -abläufe angepasst sind. Aber schon die Serienproduktion zeigt auf, dass TopTec-Roboter alles andere als gewöhnliche Abbruchmaschinen sind. »Wer unsere Materialliste kennt, der weiß, wie robust unsere Maschinen tatsächlich gebaut sind.«

Vom einfachen Bolzen, der aus Kolbenstangen gefertigt wird, bis zum Kühler, der für Höchstbelastung konzipiert ist, halten unsere Lösungen schwersten Arbeitsbedingungen stand«, erklärt Olaf Dörfler. Verwendung finden die Spezialmaschinen von TopTec vorrangig in der Stahl-, Bau-, Zement- und Atomindustrie. Und genau deshalb erweist sich die Entwicklung neuer Geräte auch als so schwierig. Es handelt sich dabei überwiegend um Einsatzbereiche, die schweren und nicht selten auch lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen unterliegen. Die teils sehr individuell gefertigten Abbruchmaschinen sind maßgeschneiderte Lösungen, die laut Olaf Dörfler »vor allem mit extrem hoher Belastbarkeit und Zuverlässigkeit punkten können«. Erfolgreich eingesetzt wurden die Ab­bruch- und Handlings-Maschinen beispielsweise beim Bau des Dublin-Port-Tunnels in Irland, dem Abbruch des Versuchsatomkraftwerks Kahl am Main oder des Betriebs des AKB Leningrad in St. Petersburg.

Spezialmaschinen, die hart im Nehmen sind

Zu bedenken ist, dass die ferngesteuerten Abbruchbagger dort zum Einsatz kommen, wo konventionelle Maschinen hinsichtlich Robustheit und Leistungsfähigkeit an ihre Grenzen stoßen. Gerade beim Blick auf das 6 mm bis 8 mm starke Chassis fällt auf, dass TopTec-Maschinen vielmehr einem gepanzerten Fahrzeug ähneln, als einer handelsüblichen Baumaschine.

Der Grund dafür: Sie sind ausgelegt für Einsätze in Extremsituationen. Seien es Hitze, Baustaub, herabfallender Bauschutt oder Strahlung – kaum eine andere Maschinengattung kann unter diesen Bedingungen mithalten. Die Beweggründe zur Entwicklung solch spezieller Maschinen liegen dabei auf der Hand: Sie sollen in erster Linie Menschenleben schützen. Wer früher in der Abbruchbranche tätig war, begab sich beim Rückbau von Schornsteinen und Brücken oft in Lebensgefahr, wie auch beispielsweise Beschäftigte in der Stahl- und Zementindustrie, die ihre Arbeit noch per Hand verrichteten.

Auf maßgeschneiderte Lösungen setzen

Die Materialbelastung bei diesen schweren Arbeitsbedingungen ist immens. Dementsprechend aufwendig ist die Entwicklung. Der Hersteller setzt dabei in vielen Fällen auf Speziallösungen, die den jeweiligen Anforderungen individuell angepasst sind. Als Grundlage dienen Standardmodelle, die mit Zusatztechnologie ausgestattet werden oder bei Bedarf auch weitere Außenschutzverstärkungen erhalten. Ein hohes Maß an Erfahrung konnte das Unternehmen zum Beispiel durch die Entwicklung von Maschinen gewinnen, die als Rückbaugeräte in der Atomindustrie verwendet werden.


Aufgrund von Platzmangel, erschwerter Sicht und Strahlung müssen die Maschinen teils auf den Millimeter genau auf die jeweilige Arbeit abgestimmt sein. Ähnlich verhält es sich mit Abbruchmaschinen, die beispielsweise zum Abtragen von hohen Industrieschornsteinen verwendet werden. Die Maschinen müssen zuverlässig arbeiten, dürfen nicht wartungsintensiv sein und sollen mit hoher Präzision eingesetzt werden. »Ein weiterer Aspekt ist die Auswahl der richtigen Materialien«, ergänzt Olaf Dörfler. »Wir legen viel Wert auf höchste Qualität, weshalb bei der Herstellung nur ausgewählte Komponenten namhafter Hersteller zum Einsatz kommen. Das garantiert unseren Kunden Langlebigkeit und hohe Verfügbarkeit.«

Abbruchroboter 5500 E als stabiler Alleskönner

Ein gutes Beispiel für die vielschichtige Entwicklungsarbeit bei TopTec ist der elektrisch betriebene Abbruchroboter 5500 E. Er wurde als »universelles Arbeitstier« entwickelt und soll die Vorzüge zahlreicher individuell gefertigter Ausführung vereinen. Mit seinem Gewicht von 6,25 t kann er Werkzeuge mittels Schnellwechsler von bis zu 1 000 kg tragen und weist dabei eine hohe Standstabilität auf. Geeignet ist die Maschine deshalb für den industriellen Ausbruch – etwa von Pfannen, Tiegeln, Öfen, Rinnen oder Konvertern. Bewährt habe sich der 5500 E laut Olaf Dörfler aber auch im nuklearen Rückbau und wurde zum Beispiel zusätzlich mit einer Spurverstellung und Rettungssystemen ausgestattet. Mit dem 5500 D existiert darüber hinaus eine Dieselvariante des Allrounders. Er ist mit wassergekühltem Hatz-Dieselmotor (mit Katalysator und Partikelfilter) mit einer Leistung von 35 kW bis weit über 70 kW erhältlich.

Serienmäßig sind beide Modelle mit Stahlraupen ausgestattet. Alle Maschinen werden werkseitig mit Kabel- und Funksteuerung hergestellt. Optionale Zusatzteile sind hingegen hitzefeste Schläuche, zusätzliche Schwenkgelenke, hydraulische Spurverstellung, Pressluftkühlung oder Hitzeschilde. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das spezielle Kühlsystem. »Wenn es durch Hitzestrahlung am Baggerarm bis 1 200 °C warm ist, kommt das Öl extrem heiß in den Kreislauf zurück«, so Olaf Dörfler. »Daher ist eine zweite Pumpe verbaut, die das Öl konstant aus dem Tank und weiter zum Kühler transportiert. Der zweite Kreislauf hält dadurch stets 50 °C warmes und gefiltertes Öl bereit. Auf diese Weise existiert eine Sicherheit für den Kreislauf sowie für die Maschine, wie sie aktuell nicht marktüblich ist.« Zusätzlich kann im hinteren Bereich der Maschine mittels Kompressionsluft gekühlt werden. Als weiteres Alleinstellungsmerkmal nennt Olaf Dörfler die verstellbare Spurbreite sowie ein ausgeglichenes Gewichtsverhältnis. »Auch bei komplett ausgestrecktem Arm ist das Fahren der Maschine problemlos möglich.«

Maschinen für den Nuklearsektor – der ultimative Härtetest

Eine Weiterentwicklung des Modells 5500 ist die 6500er- bzw. 7500er-Serie, die ebenfalls als elektrisch- oder dieselbetriebene Varianten erhältlich sind. Sie wurden vor allem für Kunden des Nuklearsektors konzipiert.

Diese Maschinentypen sind mit einem Gegengewicht, einer Abschirmung, einer verdeckten Schlauchführung im Arm sowie Rescue-Systemen ausgestattet. Zusatzkomponenten wie Fremdversorgung, Kameras, Mikrofone und erweiterte Steuerungskreise sind für die Nutzung in nukleartechnischen Anlagen notwendig. »Der Nuklearsektor stellt uns als Entwickler immer wieder vor neue Herausforderungen. Kein anderer Arbeitsbereich unterliegt so vielen Besonderheiten, Sicherheitsvorschriften und Vorgaben. Das bringt für uns als Hersteller wertvolle Erfahrungswerte und Lernprozesse. All das fließt dann wiederum in die Weiterentwicklung anderer, neuer Maschinen ein«, so Olaf Dörfler.

Wer TopTec-Maschinen genauer unter die Lupe nimmt, der stellt zudem fest, dass einige Modelle auffallend bunt gestaltet sind. »Das hat keinen besonderen Design-Hintergrund, sondern dient der besseren Erkennbarkeit bei der Fernhantierung. Im Nuklearbereich arbeitet man für gewöhnlich mit Kamera- und Monitorsystemen. Die Sicht und Farbauflösung sind häufig stark eingeschränkt. Damit man sofort erkennt, welches Teil des extrem beweglichen Arms bzw. welches Anbaugerät – beispielsweise Hydraulikhammer, Betonschere, Greifer, Bohrgerät oder auch Trennschleifer – benötigt wird, setzen wir zur Unterscheidung auf prägnante Farben mit hohem Kontrast.« Da die Maschinen in strahlenbelasteter Umgebung zum Einsatz kommen, bedarf es je nach Situation sogar noch speziellerer Komponenten. Das reicht von Gasdetektoren über Testlabore bis hin zu Umweltsensorik. Für normale Abbrucharbeiten im Bau- und Industriebereich können die Maschinen überdies mit Rettungssystemen ausgestattet werden, um etwa im Notfall lebensrettende Bergungen durchführen zu können. »Das zeigt, wie vielschichtig die individuelle Fertigung unserer Maschinen ist. Wir arbeiten eng mit dem Anwender zusammen, weshalb über die Jahre viele spannende Unikate in unseren Fertigungshallen entstanden sind.«    d

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