Im Blickpunkt

»Setzen mit unseren neuen Motoren die Maßstäbe«

»Wir werden bereits auf der Bauma in München eine gemäß Tier 4 final/Stufe IV komplett fertig entwickelte und einsatzfähige Palette unserer PowerTech-Motoren präsentieren, deren Gesamtfluidverbrauch außergewöhnlich effizient ist und mit denen wir wieder die Maßstäbe setzen wollen«, kündigte Martin Ryley an. »Und zwar vom kleinen 2,9-l-Motor bis hin zu unserem Flaggschiff, dem PowerTech PSS 13,5 l.« Beim Besuch des bauMAGAZIN im John-Deere-Werk im fran­zösischen Saran in der Nähe von Orléans erläuterte Martin Ryley – der den Vertrieb und das Marketing in Europa, Afrika und im Mittleren Osten (EAME) verantwortet – zudem, dass John Deere Power Systems mit dieser neuen Motorenreihe auch sein Engagement im Bereich Baumaschinen ausbauen will. »Wir gehören weltweit zu den drei wichtigsten Herstellern von


Off-Highway-Dieselmotoren. Und als solcher werden wir auf der Bauma unsere hohe Kompetenz im Motorenbau und unseren technologischen Vorsprung demonstrieren.«


Dass John Deere Power Systems zu den führenden und innovativsten Motorenherstellern weltweit gehört, das hat das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr auf der Intermat in Paris unter Beweis gestellt. Der dort präsentierte PowerTech-Motor PSS 9,0 l mit einem Leistungsspektrum von 187 bis 317 kW (240 bis 425 PS) erfüllte als erster seiner Art die von 2014 an geltenden Emissionsvorschriften und war zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 700 000 Stunden im Feldversuch gelaufen. Um die Standards von Tier 4 final/Stufe IV zu erfüllen, nämlich die Stickoxide (NOx) nochmals um 80 % im Vergleich zur derzeit noch geltenden Emissionsrichtlinie Tier 4 interim/Stufe 3 IIIB zu reduzieren, setzt John Deere Power Systems auf das selbst entwickelte integrierte Emissionskontrollsystem. Mit diesem wird die Motorleistung optimiert und gleichzeitig die Effizienz und die Zuverlässigkeit der Motoren gesteigert.


So kombiniert man bei den neuen Motoren die bewährte EGR-Technologie der gekühlten Abgasrückführung mit Diesel-Oxidationskatalysator (DOC) und Dieselpartikelfilter (DPF) mit der SCR-Technologie (Selektive katalytische Reduktion). Diese arbeitet mit einem Additiv auf Harnstoffbasis (DEF), das im SCR-Katalysator den NOx-Gehalt um die geforderten 80 % reduziert, indem die Stickoxide in Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt werden. Das Besondere an der Lösung von John Deere Power Systems ist, dass aufgrund der Kombination beider Technologien der Bedarf an DEF zur NOx-Behandlung reduziert wird, was einen verbesserten Gesamtfluidverbrauch zur Folge hat. So soll der DEF-Verbrauch je nach Anwendung zwischen 1 % und 3 % des Dieselkraftstoffverbrauchs ausmachen.


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Wie bei jeder Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren habe man auch bei der neuen Motorengeneration immer den Fokus darauf gerichtet, hinsichtlich Leistungsdichte, Drehmoment, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit gleiche oder bessere Werte zu erreichen als beim Vorgängermodell, so Martin Ryley. »Das ist bei jeder Entwicklungsstufe einer der wesentlichen Punkte unserer Philosophie.« Deshalb ist man bei John Deere Power Systems davon überzeugt, dass durch die niedrigere DEF-Dosierung und höhere Kraftstoffdrücke die neuen Motoren das Niveau der aktuellen Baureihe übertreffen, damit mehr Leistung bieten und so die Produktivität der Maschinen nachhaltig erhöhen können.


Eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung der Emissionen entsprechend der Abgasvorschriften der Stufe Tier 4 final/Stufe IV spielt bei den neuen PowerTech-Motoren auch die elektronische Motorsteuerung (ECU), mit der das komplette integrierte Emissionskontrollsystem kontrolliert wird. ECU ­steuert wichtige Motorfunktionen wie Kraftstoffmenge, Einspritzpunkt, Luft-Kraftstoff-Verhältnis, Mehrfach-Kraftstoffeinspritzung, ERG-Niveau sowie zahlreiche andere Parameter und erzielt so eine maximale Kraftstoffeffizienz und Motorleistung. Ein großer Vorteil sei bei der Entwicklung gewesen, erläuterten Marketing Communication Manager Philippe Contault und Area Manager Fabien Corvaisier im Gespräch mit dem bauMAGAZIN, dass John Deere als Weltmarktführer im Bereich Land- und Forstmaschinen und als Hersteller von Baumaschinen mit Hauptsitz in Moline (US-Bundesstaat Illinois) eben nicht allein Motoren konstruiert und produziert, sondern auch Antriebsstränge, Hydrauliksysteme, Abgasfilter oder andere Komponenten und Systeme.


Das ermögliche eine optimale Integration der verschiedenen Anwendungen. Diese technologische Kompetenz wiederum sorge beim Bau der Motoren für außergewöhnliche Ergebnisse bei Leistung, Bedienkomfort oder Kraftstoffeinsparung – von denen sowohl Endkunden beim Kauf einer John-Deere-Maschine profitierten als auch die mehr als 700 OEM-Kunden weltweit.

Unter den 100 Top-Innovatoren


Weshalb es auch nicht verwundert, dass John Deere vom renommierten Medien-Konzern Thomas Reuters auf der Liste der Top-100-Innovatoren der Welt zum Ende des vergangenen Jahres auf Rang 58 eingestuft wurde. So investierte John Deere in seinem Jubiläumsjahr – das Unternehmen feierte 2012 sein 175-jähriges Bestehen und gehört damit zu den ältesten Industrieunternehmen in den Vereinigten Staaten – gut 1,4 Mrd. US-Dollar allein in Forschung und Entwicklung und hält zahlreiche Patente. »Obwohl John Deere schon lange ein Global Player ist«, so Philippe Contault, »haben die Grundwerte Integrität, Qualität, Engagement und Innovation unseres Firmengründers für uns auch heute noch Gültigkeit.«


Unter anderem wurden vier Zentren für technische Innovationen in den vergangenen Jahren neu gebaut, darunter auch das 2010 in Kaiserslautern in Betrieb genommene European Technology Innovation Center (ETIC). Wobei der Standort Deutschland für John Deere grundsätzlich von signifikanter Bedeutung ist. Schließlich sind an den sechs Standorten gut 7 200 Mitarbeiter beschäftigt, wobei das Traktorenwerk in Mannheim mit einer Produktion von zuletzt knapp 40 000 Einheiten das größte ist von John Deere außerhalb der USA. »Wir produzieren in unserem Traktorenwerk Maschinen für mehr als 80 Länder«, so Oliver Neumann, der bei John Deere Deutschland die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. »In Mannheim hergestellte Traktoren werden sogar in die USA geliefert.«

Starker Standort Deutschland


Die starke Stellung Deutschlands im weltweiten Produktionsnetzwerk von John Deere hat laut Neumann mehrere Gründe: zum einen das Maximum an Qualität in der Produktion, zum anderen die extrem gut qualifizieren Arbeitskräfte und die hohe Flexibilität der Arbeitsprozesse. »Dieses ganze Paket ist einmalig in der Welt«, so Neumann. Hinzu komme, dass Deutschland als Forschungs- und Entwicklungsstandort »hochinteressant« sei. »Mit unserem neuen ETIC in Kaiserslautern arbeiten wir eng mit der Technischen Universität in Kaiserslautern, mit diversen Fraunhofer-Instituten, mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und dem Commercial Vehicle Cluster (CVS) zusammen, einem Kompetenznetz für Hersteller und Zulieferer von Nutzfahrzeugen. So können wir in Kaiserslautern Grundlagenforschung auf höchstem Niveau betreiben, deren Ergebnisse für die Neu- und Weiterentwicklung unserer Maschinen oder Motoren sowie für zukünftige Produktionsprozesse von großer Relevanz sind.«

Rekordumsatz in 2012


Mit einem Umsatz von 3,29 Mrd. Euro (+ 12 %) im Jahr 2012 erwirtschaftete John Deere Deutschland gut 12 % des Gesamtumsatzes von Deere & Company, der mit 36,157 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreichte. Dabei erzielte die Sparte Landmaschinen sowie Maschinen für die Rasen- und Grundstückspflege 2012 weltweit ein Umsatzplus von 13 %, der Bereich Bau- und Forstmaschinen verbuchte sogar ein Plus von 19 %. Beide Sparten profitierten dabei vor allem auch von den Zuwächsen in den USA und in Kanada, wo das Plus allein im vierten Quartal bei 26 bzw. 20 % lag. Ferner wurden neue Fabriken in China, Indien und Brasilien in Betrieb genommen, sodass John Deere heute weltweit über 64 Produktionsstandorte verfügt.


In den kommenden Jahren werde John Deere sein Engagement im Bereich Baumaschinen ausweiten, vor allem in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, so Martin Ryley. »Dort sehen wir sowohl für unsere Maschinen als auch für unsere Motoren große Wachstumschancen«, sagte er. Während es weiterhin »keine Pläne gibt, in Westeuropa John-Deere-Baumaschinen auf den Markt zu bringen«, so Martin Ryley weiter, wolle man die »Erfolgsgeschichte« in den Bereichen Land- und Forstmaschinen sowie Motorentechnologie in Europa fortsetzen. »Wir werden unsere Aktivitäten nicht nur in den BRIC-Staaten verstärken, sondern auch in unseren traditionellen Märkten. Wir vergessen Europa nicht, denn es wird auch in Zukunft für uns ein äußerst wichtiger Markt sein.«

»Weltweiter Key Player«


Geht es nach Martin Ryley, sollen von 2014 an mit der dann geltenden Emissionsvorschrift Tier 4 final/Stufe IV vor allem die OEM-Partnerschaften von John Deere Power Systems intensiviert und ausgebaut werden. Auch deshalb habe man beispielsweise im Motorenwerk in Saran – dessen Produktionskapazität bei 100 000 Einheiten liegt – seit 2009 rund 100 Mio. Euro in die Modernisierung der Produktionsanlagen und in den Bau neuer Testzellen investiert.


»Unsere PowerTech-Motoren stehen für geringen Kraftstoffverbrauch, hohe Fluideffizienz, Leistung, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit«, sagte Ryley. »Und das werden wir als einer der weltweiten Key Player im Bereich Entwicklung und Produktion von Off-Highway-Dieselmotoren auf der Bauma eindrucksvoll unter Beweis stellen.«


 


von Michael Wulf

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