Gewinnung / Aufbereitung / Brechen / Sieben

Öko-Miner mit doppeltem Vorteil

Die Geschäftsführer von Deisl Beton – die Brüder Clemens und Christopher Deisl sowie ihr Cousin Andreas Deisl – beschreiten gerne neue Wege, um ihr Unternehmen in die Zukunft zu führen. Ein Zeichen ihrer Innovationskraft bildet seit rund zwei Jahren am Standort Sulzau-Tenn­eck ein 85-t-Bagger mit 5,5-m³-Tieflöffel, dem der bayerische Ausrüster Mörtlbauer Baumaschinen anstelle des Dieselaggregats einen Elektromotor eingebaut hatte. Aus einer mobilen Trafoeinheit über ein schleppbares Bergbaukabel mit 500 V Naturstrom versorgt, löst und lädt die Schlüsselmaschine den anliegenden Kalkdolomit umweltfreundlich.

Der in Sulzau-Tenneck gewonnene Rohstoff wird zu gewaschenen Körnungen für die eigenen Transportbetonwerke verarbeitet und dient als Zuschlagsstoff für die Asphaltindustrie sowie als Zusatzstoff für die Putz- und Mörtelindustrie. Das Rohmaterial liegt als kompaktes Lockergestein an, weshalb zum Lösen und Laden schon immer ein Großbagger mit genügend hohen Reißkräften verwendet wurde.Jetzt erledigt dies nach seinem Vorgänger mit Dieselmotor (397 kW) der Öko-Miner mit Siemens-Elektromotor (310 kW) energetisch und ökologisch günstiger. Der für Technik und Einkauf verantwortliche Geschäftsführer Andreas Deisl erklärt die Motivation zu dem in der Gewinnung noch seltenen Ansatz: »Wir wollten einen Beitrag für unsere Umwelt leisten und unsere Innovationskraft zeigen. Außerdem waren wir davon überzeugt, dass unser Engagement sich rechnet.« Denn auch bei den höheren Investitionskosten würde der Elektrobagger durch deutlich geringere Energie- und Wartungskosten mittelfristig günstiger fahren als eine Dieselmaschine. Durch den Betrieb mit Ökostrom könnte der Elektrobagger zudem CO₂-frei arbeiten.


Partnerprojekt

Mehrere Jahre lang verfolgten die Deisl-Geschäftsführer ihre Idee eines Öko-Miners, der Kontakt zu Mörtlbauer Baumaschinen brachte die Lösung. Geschäftsführer Armin Mörtl­bauer kalkulierte das Projekt, errechnete ein günstiges Ergebnis, bekam den Auftrag und das Unternehmen begann zu konstruieren. Nach einigen Monaten der Konzeption und Umsetzung wurde im September 2013 der Öko-Miner auf Basis eines 85-t-Baggers ausgeliefert.

Die Brüder Armin und Walter Mörtlbauer, Geschäftsführer des Unternehmens aus dem niederbayerischen Fürstenzell mit einer Niederlassung in Tirol, handeln nicht nur mit Baumaschinen, sondern fertigen und vertreiben unter der Marke Skancraft auch Anbauwerkzeuge als Standard- und Sonderlösungen für Erd- und Tiefbau, Abbruch und Recycling.Die Details des Öko-Miners erklärt Armin Mörtlbauer: »Eine gewisse Herausforderung war die Stromführung durch den Drehkranz. Aber das Kernelement ist natürlich der Elektromotor. Er erreicht einen Wirkungsgrad von 97 % gegenüber einem Dieselmotor mit lediglich 30 %. Auch Warmlaufphasen und Nachlaufzeit zum Abkühlen des Katalysators entfallen. Zudem konnten wir den 45 kW starken Lüfter gegen einen lediglich 2 kW starken tauschen.« Die Mörtlbauer-Konstrukteure führten die Energieoptimierung bis in kleinere Komponenten weiter. Auch Kabine und Klimaanlage wurden energetisch optimiert: Verspiegelte Kabinenfenster halten im Sommer die Wärmestrahlung draußen und den Kühlbedarf geringer; im Winter wird die Abwärme der Hydraulikanlage zur Kabinenheizung genutzt.


Ökonomie und Ökologie

Nach mehr als zwei Jahren Einsatz zieht Christoph Deisl eine günstige Zwischenbilanz: »Unser früherer Raupenbagger verbrauchte rund 44 l/h Dieselkraftstoff, der Öko-Miner zieht dagegen 170 kWh Naturstrom, wobei auch Aufwand und Kosten für die Tanklogistik entfallen. Seine erste Wartung wird erst nach 20 000 Betriebsstunden fällig, bei einem Dieselmotor sind es nur wenige hundert Stunden. Diesen weitaus geringeren Wartungsaufwand eingerechnet, kommt der Elektrobagger auf lediglich ein Drittel der Energie- und Wartungskosten seines Vorgängers.« Natürlich, räumt Deisl ein, erhöhte der Umbau auf Elektroantrieb deutlich die Investitionskosten. »Aber sogar bei unserer vergleichbar geringen Einsatzzeit von jährlich rund 1 500 h rechnet sich die Anschaffung des Elektrobaggers.«Mit diesen Erfahrungen im Hintergrund hat Deisl Beton bei Mörtlbauer einen zweiten Ökobagger bestellt. Diesmal wird es eine Hitachi-Maschine werden, denn Mörtlbauer vertreibt seit 2015 diese Marke in Ostbayern, Oberösterreich und Tirol. Deisl hat bereits fünf Hitachi-Erdbaumaschinen beschafft. Dieses Ensemble vergrößert nun auch ein von Mörtlbauer auf Elektroantrieb umgerüsteter 35-Tonner Hitachi ZX350LC5. Seine Aufgaben werden vielfältig: die Gewinnung und Etagenräumung im Werk mit Ökostrom vom regionalen Netzanbieter oder Erdbau und Abbruch mit Energieversorgung über eine Kraftstation. Elektrische Hydraulikbagger sind auch außerhalb der Natursteinindustrie eine Option. Armin Mörtlbauer: »Ich sehe Einsatzchancen des Elektroantriebs insbesondere bei großen Gewinnungsbaggern, aber auch bei kleineren Maschinen im Bauwesen, Abbruch und Recycling.«    §

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