Im Blickpunkt Straßenbau – Tiefbau Titelstory

Neue Fabrik, neuer Stahl, neue Ziele: CRACO setzt ganz auf Expansion

Ganz exakt beziffern möchten Erich Schönenberg und Frank Burbach die Summe nicht, die in die Erweiterung von CRACO investiert worden ist und zu der auch der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes auf dem insgesamt rund 80 000 m² großen Firmenareal im Westerwald gehört, mit dem noch in diesem Jahr begonnen werden soll. »Bei der Investitionssumme für Halle und Maschinen handelt es sich insgesamt um einen zweistelligen Millionenbetrag im unteren Bereich«, so Schönenbergs Formulierung, den man aufgrund der »ausgezeichneten Substanz« des Unternehmens problemlos habe finanzieren können. Ein Schritt, der allerdings auch »absolut notwendig« gewesen sei, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können. In dem in Zukunft nur derjenige gewinnen könne, so Schönenbergs und Burbachs Überzeugung, »der die Kundenwünsche schnell und flexibel erfüllt«.

»Bei CRACO schneiden wir derzeit auf neun Tischen Stahl,

was ansonsten keiner auf der Welt macht.«

Erich Schönenberg


Das sei nach der Erweiterung bei CRACO der Fall. Das Unternehmen habe jetzt die richtige Größe, und man könne die ­Abläufe in der Produktion optimal organisieren. »Nun sind wir wirklich wettbewerbsfähig«, sagt Schönenberg und verweist darauf, dass CRACO mit zuletzt knapp 10 000 t der weltweit größte Verarbeiter von Verschleißstahl sei. »Wir schneiden derzeit auf neun Tischen Stahl, was ansonsten keiner auf der Welt macht.« Dabei sei es mit von entscheidender Bedeutung, die unterschiedlichen Stahlteile so in die Produktionsabläufe zu integrieren, dass sie immer von den dafür am besten geeigneten Maschinen bearbeitet werden. »Wir produzieren in sechs Wochen etwa 50 000 verschiedene Positionen in verschiedenen ­Arbeitsschritten«, beschreibt Frank Burbach die organisatorische Herausforderung im Produktionsprozess. »Das ist im Prinzip wie ein Riesenpuzzle.«

»Wir haben die Merkmale der Biegefestigkeit eines hochfesten Stahls mit den Qualitäten unseres hochverschleißfesten Stahls verbinden können.«

Erich Schönenberg

Geplant und gesteuert wird dieser Prozess bis hin zum Versand aber nicht wie üblicherweise vom Produktionsmanagment, sondern vom Vertrieb. »Das ist eines der Geheimnisse, warum wir so erfolgreich sind«, sagt Erich Schönenberg. Das wichtigste Kriterium sei dafür »eine absolute Transparenz« im Unternehmen. Mithilfe einer speziellen Software, die den Material- und Produkt-Mix steuert, habe der Vertrieb von der Auftragsannahme, über die Produktion bis hin zum Versand »immer alles im Blick«. Dadurch könne man jederzeit flexibel reagieren und gewährleisten, sagt Frank Burbach, dass der Kunde immer die optimale Qualität erhalte. »Überspitzt kann man auch sagen«, so Schönenberg, »der Kunde steuert uns über unseren Vertrieb.«


Hohe Durchlaufgeschwindigkeiten

Jetzt, da die Produktionseinheiten samt den 13 Bearbeitungszentren in der 22 000 m² großen Halle aufeinander angepasst sind, ist man in der Lage, »ein doppelt so großes Volumen zu produzieren wie früher«. Allerdings, und das sagen Schönenberg und Burbach auch, werde das noch seine Zeit dauern. Aber schon heute habe man durch die neuen Maschinen und die hohen Durchlaufgeschwindigkeiten die Produktionskosten gesenkt, obwohl man weiterhin »keine Massenware produziere, sondern Qualität«. So könne CRACO »individuelle Verschleißteile serienmäßig in einer Präzision herstellen, wie derzeit wohl kein anderer Anbieter«, sagt Burbach. »Und das mit unserem Premiumstahl Cracox.«Cracox nochmal weiterentwickelt

Dieser bereits 1997 entwickelte und eingeführte hochverschleißfeste Stahl – für den CRACO ein Jahr später vom Land Rheinland-Pfalz mit dem Innovationspreis ausgezeichnet wurde – ist jetzt in den Qualitätsstufen 400, 450 und 500 Härte Brinell in einem »zweijährigen, sehr komplizierten Projekt« in Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp in Duisburg nochmals weiterentwickelt worden. »Wir haben die Merkmale der Biegefestigkeit eines hochfesten Stahls mit den Qualitäten unseres hochverschleißfesten Stahls verbinden können«, sagt Schönenberg. Dadurch erhöhten sich – neben der Sicherheit – die Standzeiten der aus diesem neuen Stahl produzierten Komponenten signifikant. »Bei Stahl­dicken von 35 bis 120 mm haben wir eine fast lineare Durchhärtung hinbekommen, was bedeutet: Der maximale Härteverlust zum Kern hin beträgt nur fünf Prozent.«

 


»Wir werden in Zukunft bei den Verschleißteilkomponenten verstärkt als Erstausrüster präsent sein und unsere ­Spitzenposition im Rotorenbau weiter ausbauen.«

Vertriebsleiter Frank Burbach


 

Künftig werde CRACO, so Schönenberg und Burchbach weiter, seine drei Hauptgeschäftsbereiche Regeneration, Komponentenfertigung und Anlagenbau weiter ausbauen – und zwar sowohl für die Kunden aus der Bauwirtschaft als auch im Segment Recycling und Aufbereitung. »Wir werden in Zukunft bei den Verschleißteilkomponenten verstärkt als Erstausrüster präsent sein«, sagt Burbach. Dabei wolle man vor allem »die Spitzenposition« im Rotorenbau weiter ausbauen, »denn kein Wettbewerber bietet in diesem Segment solch’ eine Vielfalt und Qualität wie CRACO«. Zudem habe man drei Patente für Komponenten angemeldet, so Schönenberg. »Wenn es mit denen so läuft, wie wir uns das erhoffen, dann realisieren wir mit diesen Komponenten allein die geplante Umsatzsteigerung.« Intensiviert werden soll auch der Bau von kompletten Anlagen, wie zuletzt die eines Zerkleinerers für Lkw-Batterien oder die zweier Hammermühlen. »Wir bauen aber nur ganz spezielle und individuelle Anlagen«, sagt Burbach, »und haben nicht die Absicht, einem Brecherhersteller wie beispielsweise Kleemann Konkurrenz zu machen.«Neue Märkte erschließen

Bei der Weiterentwicklung des Unternehmens will CRACO auch verstärkt Absatzmärkte in Übersee ins Visier nehmen. »Überall dort, wo große Löcher in die Erde gebuddelt werden oder die Recycling-Industrie wächst, wollen wir präsent sein«, sagt Schönenberg. Dabei würden jedoch keine eigenen Vertriebsorganisationen aufgebaut oder Händler verpflichtet, »weil in jedem dieser Märkte eigene Gesetze gelten«. Vielmehr wolle man direkt mit den Ingenieuren jener Firmen zusammenarbeiten, für ­deren Maschinen man Verschleißteile oder Komponenten liefere.

Aus diesem Tagesgeschäft bei CRACO vermehrt ausklinken will sich in Zukunft Erich Schönenberg, der im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag feiert. Was allerdings nicht heißen soll, dass er künftig nur noch an zwei Tagen in der Woche in seinem Unternehmen sein wird. »Das habe ich eine Zeitlang versucht, aber es hat nicht geklappt«, sagt Schönenberg. »Jetzt mache ich so lange weiter, so lange ich kann. Denn es macht mir immer noch einen Riesenspaß.«

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