Messe München GmbH Kreislaufwirtschaft als Schlüssel: Wie nachhaltige Transformation gelingen kann

Lesedauer: min | Bildquelle: Messe München
Von: Jessy von Berg

Knappe Ressourcen, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und der Klimawandel: Die aktuellen Herausforderungen verweben Versorgungssicherheit, ökologische Resilienz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit mehr denn je zu einem dichten Geflecht. Es gilt: Wer Stoffkreisläufe schließt, stärkt nicht nur ökonomisches Wachstum, sondern auch politische Handlungsfähigkeit. Dementsprechend ist Kreislaufwirtschaft längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Und doch bleibt sie nur ein Teil der Lösung: Zukunftsfähige Infrastrukturen entstehen erst im Zusammenspiel vieler Technologien und Strategien – vom effizienten Wasser- und Abwassermanagement über digitale Tools bis hin zu sektorübergreifender Zusammenarbeit. Die IFAT in München vereint all diese Themen und will vom 4. bis 7. Mai zeigen, wie nachhaltige Transformation ganzheitlich gelingen kann. Vertreten sein werden über 3 000 Aussteller aus mehr als 60 Ländern.

Die IFAT gilt als Weltleitmesse für Umwelttechnologien und prägt seit inzwischen 60 Jahren technologische Entwicklungen, politische Strategien und wirtschaftliche Innovationen. ­»Auf einer Ausstellungsfläche von rund 300 000 m2 – 18 Messehallen und weite Teile des Freigeländes – spiegelt sich die ungebremst hohe Dynamik der Branche wider«, sagt Exhibition Director Philipp Eisenmann. »Uns freut auch das steigende Interesse aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. In einer Zeit wirtschaftlicher Stagnation wachsen die Umwelttechnologien weiter und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Standort Deutschland und zur Zukunftsfähigkeit in Europa.«

Selten sei die IFAT in ihrer Geschichte so eng mit weltwirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen verknüpft gewesen wie heute, so die Messe München. Vor dem Hintergrund globaler Lieferkettenkrisen rücken zentrale Themen der Messe verstärkt in den Fokus von Politik und Industrie. Denn konsequent umgesetzte Zirkularität gilt zunehmend als entscheidender Faktor, um Rohstoffabhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen wie europäischen Wirtschaft zu sichern.

Auch politisch erhält dieser Ansatz Rückenwind. So stellte die Europäische Kommission im Dezember 2025 den Aktionsplan »RESourceEU« vor. Neben Förderprogrammen für eine effizientere Ressourcennutzung sieht er u. a. Exportbeschränkungen für bestimmte Abfallströme – etwa Aluminiumschrott oder Abfälle aus Permanentmagneten – vor, um Recyclingkapazitäten innerhalb Europas zu stärken. Ergänzend sollen neue Kennzeichnungspflichten sowie zusätzliche Recyclinganreize für Batterien eingeführt werden. »Es zeichnet sich deutlich ab, dass unsere Aussteller wertvolle Impulse und Innovationen für mehr Rohstoffsicherheit nach München bringen«, so Philipp Eisenmann. Beispiele dafür seien neue Verfahren zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien, innovative Ansätze im Autorecycling sowie digitale Technologien zur präziseren Sortierung von Wertstoffen. Auch im Veranstaltungsprogramm spielen dieses Thema eine zentrale Rolle. Auf der »Orange Stage« in Halle A5 widmen sich gleich mehrere Podiumsdiskussionen den Chancen und Strategien einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft. Organisiert werden sie u. a. vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), von Germany Trade & Invest (GTAI), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie vom Bundesumweltministerium.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Zu den wichtigsten Innovationstreibern der Kreislauf- und Abfallwirtschaft zählen derzeit künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Technologien. Von ihnen erwartet die Branche bessere Sortierergebnisse, effizientere Betriebsabläufe, höhere Arbeitssicherheit sowie geringere Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch in der kommunalen Abfallwirtschaft eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: KI kann etwa helfen, Fehlwürfe zu minimieren oder die Tourenplanung der Sammelfahrzeuge zu optimieren. Konkrete Anwendungen, Herausforderungen bei der Implementierung sowie strategische Potenziale für Städte und kommunale Betriebe stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) auf der »Orange Stage«. Der VDMA stellt auf der IFAT zudem eine Initiative vor, die den Datenaustausch sensorgesteuerter Sortieranlagen standardisieren soll, um intelligentere und effizientere Recyclingprozesse zu ermöglichen. In einer weiteren Veranstaltung widmet sich der Verband der Frage, welche Rolle digitale Produktpässe künftig für ein hochwertigeres Recycling spielen können.


Auf der »Blue Stage« stehen Fragen rund um Wasserressourcen, Wasserwiederverwendung, Kanalinstandhaltung und klimaresiliente Infrastruktur im Fokus. Die »Green Stage« bietet Raum für Aussteller, um konkrete Produkte, Lösungen und Innovationen vorzustellen und im direkten Austausch zu erklären. Ergänzt wird das Angebot durch Lösungstouren, Spotlight-Areas, Cross-­Industry-Sessions sowie Live-Demonstrationen und Wettbewerbe. Zusätzlich bietet die IFAT Start-up-Unternehmen eine Plattform, um ihre Innovationen und Produkte vorzustellen und sich mit der Branche zu vernetzen. Rund 50 internationale Start-ups werden in der Start-up-Area in Halle C4 vertreten sein und ihre Lösungen für zentrale Herausforderungen in Wasser-, Recycling- und Kreislaufwirtschaft präsentieren. Dabei zeigt sich: KI, neue Sensortechnologien und biobasierte Verfahren entwickeln sich zunehmend zu Schlüsseltechnologien für eine funktionierende Circular Economy. 

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