Im Blickpunkt

Liebherr-Kranflotte bei Stadionbauprojekten für die Fußball-WM 2014 in Brasilien im Einsatz

Brasilien gehört – neben China, Indien und Russland – seit Jahren zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern der Welt, den so genannten BRIC-Staaten, deren Einfluss auf die Entwicklung der Weltwirtschaft immer größer wird. Schon auf Platz sieben der größten Volkswirtschaften vorgerückt ist das größte Land Lateinamerikas mit seinen knapp 200 Mio. Einwohnern und dürfte bis 2015, so die Prognose des Internationalen Währungsfonds, Frankreich und Großbritannien von den Plätzen fünf und sechs verdrängt haben. Kein Wunder ist es deshalb, dass immer mehr Unternehmen aus den westlichen Industrienationen in den BRIC-Staaten in Produktionsanlagen investieren, um sich dort neue Märkte zu erschließen oder ihre Güter und Waren besser absetzen zu können. Zu den Unternehmen, die schon vor langer Zeit das Potenzial des lateinamerikanischen Markes und speziell des brasilianischen erkannt haben, gehört die Unternehmensgruppe Liebherr-Gruppe. »Das Engagement von Liebherr für diesen Markt hat längst existiert, bevor der Begriff BRIC als Synonym für dynamische Märkte geprägt wurde«, sagt denn auch Klemens Ströbele, seit Jahren Geschäftsführer der Liebherr Brasil GMO Ltda. Denn schon vor knapp 40 Jahren hat Firmengründer Hans Liebherr in Guaratinguetá – auf halber Strecke zwischen São Paulo und Rio de Janeiro gelegen – ein Werk bauen lassen, das sich analog zum Aufschwung der brasilianischen Wirtschaft entwickelt hat. So ist Liebherr Brasil heute Marktführer bei Betonmischern, produziert Erdbewegungsmaschinen ebenso wie Baukrane, maritime Krane oder Mining-Equipment – und hat in den vergangenen zehn Jahren seinen Umsatz jährlich im Durchschnitt um 25 Prozent erhöht. Nämlich von 20 Mio. Euro im Jahr 2001 auf fast 170 Mio. Euro in 2011, wobei vor allem die Jahre 2010 (+ 47%) und 2011 (+ 38%) besonders erfolgreich waren.


Auf insgesamt rund 64 Mrd. US-Dollar beliefen sich Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Brasilien allein im vergangenen Jahr. Dabei sind es nicht nur die Fußball-WM 2014 oder die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro (2016), die Investoren anlocken. Vielmehr sind es die gewaltigen Bodenschätze, die dieses Land besitzt, und die Entscheidung der Regierung, in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren. Autobahnen, Eisenbahnlinien, Energieerzeugung, Kommunikation – vor allem in diese Bereiche fließen die rund 500 Mrd. US-Dollar, die durch das staatliche Wachstumsbeschleunigungsprogramm (PAC) in den kommenden vier Jahren bereitgestellt werden.

»Ausgezeichnete Perspektive«


Nicht zuletzt deshalb erwartet Liebherr Brasil für sich eine »ausgezeichnete Zukunftsperspektive«, so Klemens Ströbele – zumal man in Guaratinguetá nicht allein für die Vertriebs- und Kundendienstaktivitäten der Bereiche Baumaschinen und Mining-Equipment auf dem brasilianischen Markt und darüber hinaus zuständig ist, sondern hat auch Entwicklungs- und Fertigungsaktivitäten für mehrere Produktlinien anderer Liebherr-Geschäftsbereiche übernommen hat.


Wenig verwunderlich ist es daher, dass Liebherr Brasil mit einer großen Kranflotte bei neun von zwölf Stadionbauprojekten für die Fußball-WM 2014 präsent ist. Insgesamt werden für die WM, die vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 ausgetragen wird, sechs neuen Stadien gebaut und weitere sechs aufwändig modernisiert. Insgesamt belaufen sich die Gesamtinvestitionen für die Fußball-WM auf geschätzte knapp 700 Mio. Euro. Bei diesen Projekten werden bzw. wurden folgende Krane von Liebherr eingesetzt: 15 Obendreherkrane der Serien EC-B, EC-H und HC mit Lastmomenten von 110 bis 280 mt, zehn LTM All-Terrain-Krane mit einer maximalen Traglast von 100 bis 500 t, vier große Raupenkrane mit einer Traglast von 400 bis 1350 t sowie ein 100-t-Teleskop-Raupenkran.


Zu den Neubauprojekten gehörten auch die »Arena Corinthians« in São Paulo mit einer Gesamtfläche von 200000 m², in der am 12. Juni 2014 vor 65800 Zuschauern das Eröffnungsspiel der WM ausgetragen wird und in dem weitere fünf Spiele stattfinden, einschließlich eines Halbfinalspiels. Das neue Stadion befindet sich in der Nähe einer Metro-Station und eines Bahnhofs und ersetzt das bisherige Trainingszentrum der »Corinthians«, einer der traditionsreichsten brasilianischen Fußballmannschaften. Zudem soll mit diesem Bauprojekt und dem damit verbundenen Ausbau der Infrastruktur dieser im Osten der 22-Millionen-Metropole gelegene Stadtteil aufgewertet werden.

Mehr als 300 Mio. Euro investiert


Insgesamt werden dafür mehr als 300 Mio. Euro investiert und rund 1,5 Mio. m³ Erde bewegt. Der Abschluss der Bauarbeiten ist für Dezember 2013 terminiert. Generalunternehmer ist die Construtora Norberto Odebrecht, das größte Bauunternehmen Lateinamerikas, das auf dieser Baustelle 2250 Arbeiter im Dreischichtbetrieb beschäftigt.


Der Liebherr-Kunde Odebrecht setzt bei diesem Projekt verschiedene Krane ein. So auch den Raupenkran LR 11350, der derzeit größte in Lateinamerika eingesetzte Raupenkran von Liebherr, der einen Teil der Tribüne aufstellt und anschließend für weitere Schwerlastaufgaben im Einsatz bleibt. Die maximale Tragfähigkeit des LR 11350 von 1350 t wird am 60 m langen Hauptausleger mit Derrickausleger und Ballastwagen bei einem Radius von 12 m erreicht. Der LR 11350 hat eine maximale Auslegerlänge von 228 m, die mit einer Kombination aus Hauptausleger und Wippspitze mit je 114 m Länge erreicht wird. Daraus ergibt sich eine maximale Hakenhöhe von 223 m. Aufgrund seiner konventionellen A-Bock-Konstruktion kann der LR 11350 bei Verwendung mechanischer Abstützsysteme Hauptausleger mit einer Länge von bis zu 102 m aufrichten, ohne dass ein Derrickausleger erforderlich wird. Mit Derricksystem sind Hauptauslegerlängen von bis zu 150 m möglich.


Ferner sind von Liebherr bei diesem Projekt zwei 200-Tonner-Teleskopkrane LTM 1220-5.2 und ein 100-Tonner LTM 1100-4.2 für temporäre Hubaufgaben im Einsatz sowie ältere Schwerlastkrane der Serie HC ein, die seit Jahrzehnten ihre Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Zwei 195.3 HC, zwei 98.3 HC und ein 450 C Obendreherkran bieten Hakenhöhen von bis zu 56 m, eine maximale Tragfähigkeit zwischen 8000 und 20000 kg und maximale Ausladungen von 50 m bzw. 57 m. Die Tragfähigkeit bei maximaler Ausladung beträgt 2 900 kg (195.3 HC), 1500 kg (98.3 HC) und 7700 kg (450 HC).


Ein anderer Schwerpunkt von Liebherr Brasil ist die Zusammenarbeit mit Vale, größter Eisenerzproduzent der Welt und mit 130000 Mitarbeitern das zweitgrößte Unternehmen Brasiliens nach Petrobras (Mineralöl). Eines der Zentren der Eisenerzgewinnung in Brasilien ist die Metropolregion Belo Horizonte, die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Im so genannten Paraopeba-Komplex ist derzeit eine Flotte von 16 Liebherr-Miningbaggern vom Typ R 964 C im Einsatz. Diese Maschinen tragen Gestein und Eisenerz ab und verladen es auf 38-Tonner-Muldenkipper.

Für anspruchsvolle Dauereinsätze


Drei Einheiten der R 964 C-Baggerflotte im Paraopeba-Komplex sind der Mine Capão Xavier zugeordnet. Der R 964 C gilt im Allgemeinen als Bagger der Standardgröße, der auch bei regulären Bau- und Tiefbauarbeiten eingesetzt wird. Für die anspruchsvollen Dauereinsätze im Miningbereich wurden die R 964 C mit 7-m-Monoblockauslegern, Löffelstielen von 2,6 m Länge und Tieflöffeln mit einem Fassungsvermögen von 4m³ ausgestattet. Der maximalen Sicherheit dienen Kolbenstangenschutz, Steinschlagschutz (FOPS), Rückfahrkamera zur Überwachung sowie Kraftstoffkupplung.


Angetrieben wird der R 964 C von einem 8-Zylinder V-Motor vom Typ Liebherr D9508, der eine Leistung von 320 kW/434 PS erbringt. Mit Schaufel liegt sein Einsatzgewicht zwischen 67 900 kg und 78 000 kg. Diese Version des R 964 bietet eine maximale Grabkraft von 308 kN/31,4t und Aufbrechkräfte bis zu 335 kN/34,2t. Seine maximale Reichweite am Boden beträgt 11,65m und er erreicht Ausschütthöhen bis zu 7,7m.


Die R 964 C im Paraopeba-Komplex stellen ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit seit fast zehn Jahren unter schwierigen Bedingungen unter Beweis. Gleichzeitig passt die Größe dieses Baggers perfekt zu den 38-t-Muldenkippern, die an kleineren Minenstandorten wie Capão Xavier oder anderen Standorten innerhalb des Paraopeba-Komplexes von Vale bevorzugt eingesetzt werden. Capão Xavier liegt in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes und öffentliche Straßen überqueren einige Transportwege der Mine. Dadurch sind die verwendbaren Maschinen in ihrer Größendimension begrenzt.


Um die maximale Sicherheit der Liebherr-Flotte an den Vale-Standorten zu gewährleisten, hat Liebherr ein Spezialteam von Kundendienstexperten im Bundesstaat Minas Gerais im Einsatz. Diese Mitarbeiter stellen von ihrem Hauptsitz in Belo Horizonte aus Kundendienst für neun Vale-Minen bereit. Insgesamt 30 hoch qualifizierte Techniker sind dort tätig. Liebherr bietet außerdem für alle Kunden in Brasilien ein effizientes Logistiksystem in Bezug auf Ersatzteile an, durch das eine schnelle Reaktion auf jede Kundenanforderung gewährleistet wird.


Von Michael Wulf


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