Komatsu: »Wir gehen von nachhaltigem Wachstum in den kommenden Jahren aus«

Die Produktion zuletzt um 70 % gesteigert, für dieses Jahr einen Umsatzsprung auf rund 400 Mio. Euro fest im Blick – und das trotz Corona: Bei Komatsu Germany in Hannover konnte die Stimmung kaum besser sein zum Ende des Jubiläumsjahres 2021, in dem der japanische Mutterkonzern an seine Gründung vor 100 Jahren erinnerte. Zumal der Blick in die Zukunft ein äußerst optimistischer ist. »Die sprichwörtliche ›German Angst‹ kann ich wirklich nicht teilen«, sagte Marco Maschke, als Leiter des Deutschlandbüros bei Komatsu Europe International verantwortlich für den Vertrieb in Zentraleuropa. »In 2021 dürften wir in Deutschland bei den Baumaschinen wieder das Absatzniveau von 2019 erreicht haben. Und auch im Jahr 2022 wird die Nachfrage weiter steigen.«

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Dass Komatsu sich in Deutschland auf der Überholspur sieht, diese Einschätzung untermauerte Ingo Büscher. So rechnet der Geschäftsführer des Werkes Hannover für dieses Jahr mit einem Absatz von rund 4 000 Maschinen nach 3 200 Einheiten im Jahr 2021. Schon einmal habe Komatsu in Deutschland so viele Baumaschinen produziert, sagte er bei der Werksvorstellung im November – und das sei 2007 der Fall gewesen, kurz vor Beginn der durch den Lehman-Crash ausgelösten Weltwirtschaftskrise.

Die Situation von damals sei aber mit der von heute überhaupt nicht vergleichbar, betonte Ingo Büscher. »Der große und entscheidende Unterschied zu 2007 ist, dass unsere komplette Produktion durch Kundenaufträge gedeckt ist. Deshalb glauben wir nicht, dass sich wie damals eine Blase entwickeln kann. Wir gehen vielmehr von nachhaltigem Wachstum in den kommenden Jahren aus.« Mit den prognostizierten 4 000 Maschinen sei man in der Produktion derzeit gut ausgelastet, so Ingo Büscher weiter. Rein theoretisch liege die Kapazitätsgrenze des Werkes in Hannover allerdings bei 8 000 Einheiten. »Deshalb haben wir bei allen Investitionen auch immer diese Zahl mit im Blick.«

Investitionen im zweistelligen Millionenbereich

Derzeit profitiere man zudem vom Produktions­verbund des Weltkonzerns Komatsu – der als zweitgrößter Baumaschinenhersteller der Welt über entsprechende Kapazitäten verfügt – und von den Investitionen im zweistelligen Millionenbereich, dank derer in den vergangenen Jahren das Werk Hannover in allen Bereichen modernisiert wurde, erläuterte Ingo Büscher. So habe man durch High-Tech-Innovationen – wie dem »Virtual Reality Room« oder den Baumaschinensimulatoren – sowie mit dem neuen »Hannover Innovation & Technical Center« (HITeC) in unmittelbarer Nähe zum Demo- und Testgelände optimale Rahmenbedingungen für Support-Aktivitäten in den Bereichen Vertrieb und Kundenservice geschaffen. Zudem werde man mit dem Aufbau eines Training Centers künftig eine Vielzahl an praktischen und theoretischen Schulungen für Komatsu-Distributoren und -Kunden sowie für Baumaschinenfahrer anbieten (siehe auch Seite 24).

Ingo Büscher unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Komatsu Germany an der Strategie festhalte, auch in speziellen Nischen mit seinen Maschinen präsent zu sein. »Aufgrund unserer spezifischen Möglichkeiten in der Produktion sind wir jederzeit in der Lage, diese Maschinen dem Einsatzgebiet entsprechend zu konfigurieren und zu individualisieren.«


»Größeres Wachstum als mancher Wettbewerber«

Diese Faktoren und die hohe Fertigungstiefe im Werk Hannover hätten mit dazu beigetragen, Komatsus Marktanteile in Deutschland und anderen europäischen Märkten zu erhöhen, ergänzte Marco Maschke. »Wir haben vielleicht deshalb ein größeres Wachstum als manch einer unserer Wettbewerber, weil wir nicht wie diese auf in Asien gefertigte Komponenten angewiesen sind. Denn rund 90 % aller in Europa abgesetzten Komatsu-Maschinen werden auch in unseren 13 europäischen Werken produziert.«

Hinsichtlich der auch für dieses Jahr prognostizierten weiter steigenden Nachfrage in Deutschland geht Marco Maschke davon aus, dass diese vor allem Baumaschinen mit einem Einsatzgewicht von mehr als 12 t betrifft. »Bei den kleineren Maschinen, bei denen es in den vergangenen Jahren enorme Zuwächse gegeben hat, haben wir ein Limit erreicht. Und zwar nicht, weil die Nachfrage nachlässt, im Gegenteil. Sondern weil die Produktionskapazitäten für eine Limitierung sorgen. Laut VDMA sind davon alle Hersteller betroffen.« Gleichwohl baue Komatsu seine Maschinen-Range in diesem Segment weiter aus und bringe unter anderem zwei neue Mini-Bagger auf den Markt, und zwar den PC17R-5 und den PC20R-5.

»Grüner« Technologiekonzern als Ziel

Bei der Pressekonferenz in Hannover erläuterte Marco Maschke auch Komatsus im Jubiläumsjahr definiertes Ziel, ein »grüner« Technologiekonzern werden zu wollen. So soll über den gesamten Wertschöpfungsprozess eine CO₂-Reduktion von 50 % im Jahr 2030 erreicht werden (im Vergleich zum Jahr 2010), um dann bis zum Jahr 2050 die Klimaneutralität zu realisieren. »Für die produktseitige CO₂-Reduzierung gibt es eine Roadmap«, so Marco Maschke, in der Produkteffizienz und die Nutzung alternativer Antriebslösungen genauso definiert seien wie Service und digitale Lösungen. »Ich bin mir sicher, dass wir bis 2030 einen enormen Schritt nach vorne gemacht haben werden.« Man könne jedenfalls schon jetzt auf den Bauma-Auftritt von Komatsu gespannt sein.

An ein mögliches Verbot von Verbrennungsmotoren in Baumaschinen analog zur Ankündigung einiger europäischer Staaten, noch in diesem Jahrzehnt Autos mit dieser Technologie nicht mehr neu zuzulassen, glaubt Marco Maschke indes nicht. »Es wird noch eine Zeitlang eine parallele Entwicklung von klassischen Motoren und von E-Antrieben geben, wobei es meiner Ansicht nach eine große Herausforderung gibt: Wie kommt die Elektrizität in die Maschinen, ohne dass unsere Stromnetze überlastet werden?«

Bauprozesse vereinfachen und beschleunigen

Wesentlich weiter sei man bei der Entwicklung im Bereich der Digitalisierung. So bietet Komatsu für seine 2020 in Europa eingeführte zweite Version von »Smart Construction« jetzt weitere neue Lösungen an, mit deren Hilfe die Produktivität der Ma­schinen erhöht oder Bauprozesse vereinfacht und so beschleunigt werden sollen. Beispielsweise könne mittels »Smart Construction Edge« aus Drohnendaten – ohne langwieriges Auslegen von Passpunkten und deren Aufmessung und Nachberechnung in der Flugbearbeitung – direkt auf der Baustelle schnell ein 3D-Geländemodell generiert und in die SC-Cloud hochgeladen werden. Wie das funktioniert, demonstrierten in Hannover Karsten Elles (Market Development Manager Solution Business) und Tito Prianggana (Advisory Expert Smart Construction).

Was die Schwerpunkte waren bei der Weiterentwicklung der in Hannover produzierten Mobilbaggerreihe mit den Modellen PW148-11, PW158-11, PW160-11 und PW180-11, das erläuterte Senior Produkt-Manager Michael Wadsack am Beispiel des neuen PW148-11. »Wir können nun die gesamte Mobilbagger-Palette im Bereich von 8 t bis 20 t auf dem neuesten Stand der Technik mit EU-Abgasstufe-V-konformen Motoren und noch mehr Fahrkomfort und Einsatzsicherheit anbieten«, sagte er und betonte, dass bei der Weiterentwicklung das Thema Sicherheit an erster Stelle gestanden sei.

»Sicherheit hat höchste Priorität«

»Ein sicherer Arbeitsplatz ist mit Abstand das Wichtigste für jede Baustelle. Sicherheit an, in und um die Maschine hat für uns daher höchste Priorität«, so Michael Wadsack weiter. Beispielsweise verbaue Komatsu serienmäßig das Rundumsicht-Kamerasystem KomVision, das hervorragende Sichtverhältnisse aus der Vogelperspektive bei Tag und Nacht biete und so dabei helfe, Unfälle zu vermeiden.

Um die häufigsten Unfallursachen – stolpern, rutschen oder stürzen – beim Arbeiten mit Baumaschinen zu minimieren, habe man die Maschine so konstruiert, dass tägliche Kontroll- und Wartungsarbeiten bequem und sicher vom Boden ausgeführt werden könnten. Für Arbeiten auf und an der Maschine seien außerdem die Zugänge zu den Wartungspunkten nochmals vereinfacht und verbesserte Aufstiege sowie rutschhemmende Materialien verbaut worden.

Zu den größten Neuerungen beim PW148-11 gehörten der Motor und die Abgasnachbehandlung, so Michael Wadsack. Der Motor verfüge jetzt über 20 kW mehr Leistung und biete eine Gesamtleistung von 110 kW. Ausgestattet mit einem Diesel-Partikelfilter mit einem langen Wechselintervall von 8 000 Stunden werde die neueste Abgasnorm der EU-Stufe V erfüllt.

Um bis zu 30 Prozent schneller unterwegs

Die zusätzliche Leistung mache sich auch bei der Fahrgeschwindigkeit bemerkbar. So beschleunige die Maschine leichter und sei bergauf um bis zu 30 % schneller unterwegs als die Vorgängerversion. Gleichzeitig zeigten Verbrauchsmessungen einen um 5 % niedrigeren Dieselverbrauch und damit geringere CO₂-Emissionen als das Vorgängermodell.

Die neue automatische Baggerbremse, die optional verfügbar ist, erleichtere dem Fahrer den Wechsel von Fahrtbewegungen zu Grabarbeiten. Dabei wird die Pendelachse und die Betriebsbremse beim Anhalten der Maschine automatisch verriegelt und löst sich beim Anfahren automatisch. Der Fahrer kann sich somit voll auf seine Arbeitsaufgabe konzentrieren.

Auch in der Kabine gibt es Neuerungen, die den Fahrerkomfort nochmals erhöhen sollen. Optional ist ein verbesserter Premiumsitz mit vielfachen Verstellmöglichkeiten und Belüftungssystem verfügbar. Das neue ergonomische Lenkrad soll die Sicht für den Fahrer verbessern und das Bluetooth-DAB+-Radio kann über einen Taster am Joystick ein- und ausgeschaltet werden. »In Verbindung mit der leisesten Kabine am Markt bietet der neue PW148-11 somit ein optimales Arbeitsumfeld«, so Michael Wadsack.    M