Als zweitgrößter Baumaschinenhersteller der Welt gilt die Tragweite von Komatsu als schlichtweg immens. Der japanische Hersteller ist seit Jahrzehnten als gigantische »Tüftlerschmiede« für zuverlässige Maschinen und technologische Innovationskraft bekannt. Und erst kürzlich erhielt das bauMAGAZIN die Gelegenheit, genau das am europäischen Hauptsitz in Hannover zu hinterfragen. Denn Tatsache ist, dass Komatsu seine weltweite Marktposition seit weit über 30 Jahren halten kann. Und mit Blick hinter die Kulissen wurde deutlich, warum das so ist. Im Kern betrifft das zwei Dinge: Komatsu setzt auf erstaunlich anwendernahe High-End-Technologie und kann, anders als die meisten, bis heute auf eine bemerkenswerte Fertigungstiefe zurückgreifen. Ach ja – und dann wären da noch die neuen Maschinen: Das bauMAGAZIN hat sie vor Ort getestet und das erste Fazit lautet: Hohe Leistungsdaten, smarte Tools und brachialer Bedienkomfort sind bei Komatsu keine bloße Werbefloskel.
Tatsache ist, dass Komatsu trotz seiner (japanischen) Großkapazitäten nahezu alles in Europa fertigt, was für den europäischen Markt gedacht ist. »Hier in Hannover sind wir zentraler Technikstandort, der alle Prozesse, von der Entwicklung bis zur Serienfertigung, für den europäischen Markt abdeckt«, wie Geschäftsführer André Wohlers klarstellte. »Rund 90 Prozent der Maschinen, die wir in Europa verkaufen, sind bei Komatsu auch hier in der EU gebaut worden.« Das bauMAGAZIN durfte einen Blick in die Fertigung wagen und hat sich im Anschluss daran hinters Steuer gesetzt: Wir konnten uns ausgiebig mit den neuesten Maschinen vertraut machen – darunter der neue Hydraulikbagger »PC220LCi-12« mit intelligenter Maschinensteuerung, der knickgelenkte Muldenkipper »HM 460« sowie die beiden neuen Mobilbagger »PW148-11E1« und »PW190-11E1«.
Eigene Komponenten
Am Markt finden sich nur wenige Namen, die sich »Vollhersteller« schimpfen dürfen – Komatsu ist einer davon. Und das begründet sich in erster Linie darin, über eigene Produktionslinien für Motoren, Hydraulikkomponenten sowie Steuerungs- und Softwarelösungen zu verfügen. Hinzu kommt eine hohe Eigenfertigung bei Schlüsselkomponenten. Erstaunlich ist, dass Komatsu das bis heute auch am Standort in Hannover ermöglicht. Gefertigt werden mitunter Achsen und Getriebe – ferner stellt Komatsu zahlreiche Komponenten wie den Oberwagen für Mobilbagger, Schaufeln, Hinter- und Vorderrahmen sowie Ausleger her. In Hannover verfügt man im Übrigen auch über eine eigene Motorenaufbereitung, wodurch sich Komatsu Germany noch mehr Unabhängigkeit verschafft. Laut André Wohlers hat das mehrere Gründe: Zum einen sei man dadurch weit unabhängiger, spare Zeit und könne schneller auf neue Marktanforderungen reagieren. Zum anderen gehöre die hohe Fertigungstiefe zur DNS des Konzerns und beruhe auf jahrzehntelangen Erfahrungswerten, von denen man bis heute profitieren könne. Grundsätzlich gilt: Während in Hannover Mobilbagger und Radlader bis 36 t für das »Construction«-Segment gefertigt werden, baut Komatsu in Düsseldorf seine Mining-Großhydraulikbagger, wodurch eine klare Trennung der Produktlinien besteht.
Die Fertigung in Hannover ist hochmodern ausgestattet – produziert werden dort Mobilbagger, Kompaktmaschinen sowie Radlader.
Starke Entwicklungsabteilung
Ein großer Vorteil dürfte sicherlich auch sein, dass Komatsu in Hannover auf eine umfassende Entwicklungsabteilung zurückgreifen und eigene Tests durchführen kann. Möglich sind sowohl dynamische als auch statische Tests. Darüber hinaus bietet Hannover ein hauseigenes Trainingscenter: Direkt an der Maschine lässt sich aufzeigen, wie effizientes Arbeiten gelingt. Gleichzeitig kann Komatsu dem Händler oder Endanwender die Vorzüge von Assistenz- und Sicherheitssystemen erklären – darunter etwa die adaptive Arbeitsbeleuchtung, bei der ein zu grelles »Überbeleuchten« durch den Einsatz von wärmeren Licht verhindert wird, wie Ricardo Meyer, Produktmanager für Radlader bei Komatsu, erklärte: »Mittlerweile sind Baumaschinen massenweise mit Arbeitsbeleuchtung ausgestattet. Strahlt das Licht grell in alle Richtung, wird die Sicht des Fahrers eher eingeschränkt statt verbessert.« Adaptive Beleuchtungslösungen, etwa am Heck von Radladern, sollen da Abhilfe schaffen, indem zu helles Licht durch wärmeres, weniger »strahlendes« Licht ersetzt wird. Ebenfalls wichtig sind Assistenzsysteme wie etwa der aktive Bremseingriff in der Rückwärtsfahrt: Kamerasysteme erkennen Personen und Objekte und bremsen die Maschine ab, sobald sie diesen zu nahe kommen. Ausgestattet sind Komatsu-Maschinen heutzutage mit einer großen Vielzahl an smarten Tools, darunter beispielsweise große Monitore, Reifendruckkontrollsystemen, Rundumkameras oder auch intelligenten Wiegesystemen.
Digitalisierte Baumaschinen
Benjamin Bötcher, Business Development Manager DACH für Smart Construction, hielt überdies einen Vortrag zu den digitalen Lösungen von Komatsu. Und auffällig war: Man möchte keine wohlklingenden Versprechungen machen, sondern smarte und wettbewerbsfähige Lösungen auf den Weg bringen, die das Arbeiten auf der Baustelle effizienter sowie kosten- und zeitsparender machen. Das betreffe in erster Linie konsequenten Datentransfer, Fernwartung und Service, die Nutzung von Fahrerassistenzsystemen, den Baustellenzwilling mit »Wie gebaut«-Daten sowie den Einsatz intelligenter Maschinen. Sowohl die Remote-Nutzung von Baumaschinen stand hierbei im Fokus als auch die Nutzung georeferenzierter Daten, die etwa mittels Drohne gesammelt werden, um sie anschließend sowohl Mensch als auch Maschine zur Verfügung zu stellen. »Das Ziel ist es, nicht nur in Echtzeit effizienter mit der Maschine umzugehen, sondern beispielsweise auch Fortschrittssimulationen zu nutzen, um Bauprojekte vorzuplanen.« Als Beispiel nannte Bötcher die bisherigen Erfahrungswerte, etwa beim Einsatz auf Deponien, im Abbau oder bei klassischen Erdarbeiten. Interessant ist außerdem: Mittlerweile bietet Komatsu bei jeder seiner »iMC«-Raupen die einjährige, kostenlose Nutzung seiner »Wie-gebaut«-Daten.
Klein gegen Groß: Mit dem gerade einmal 340 kg schweren »PC01E« stellte Komatsu einen extrem kompakten Mikrobagger vor – im Hintergrund der massive, bis zu 25 t schwere Hydraulikbagger »PC220LCi«.
Der große Maschinentest
Das Highlight des Presse-Events war zweifelsohne der Maschinentest. Im weitläufigen Außengelände stellte Komatsu eine ganze Armada an Neuentwicklungen zur Verfügung – und das bauMAGAZIN hat sie alle getestet. Den Anfang machten die neuen Mobilbagger »PW148-11E1« und »PW190-11E1«. Was sofort ins Auge stach, war die optionale Allradlenkung, eine Marktneuheit im Segment der schweren Radbagger. Weitere wichtige Neuerungen erklärte Henrik von Werder, Produktmanager bei Komatsu Europe: »Beide Modelle sind hochkompakte Maschinen, die auf der Baustelle als Allrounder genutzt werden können. Der ›PW148‹ z. B. überzeugt mit hoher Leistungskraft und kann insbesondere mit einem Schwingradius von 1 800 mm sowie einem um 40 Prozent verringerten Wenderadius punkten.« Hervorheben lässt sich laut Henrik von Werder allerdings auch die kompakte Bauweise: »Mit einer Höhe über der Kabine von 3 100 mm sowie einer Transporthöhe von unter 4 000 mm lässt sich der 16-Tonner ohne Sondergenehmigung auf einem normalen Tieflader transportieren.« Verbaut wurde im »148er« ein Heavy-Duty-Fahrmotor des Typs »SAA4D107E-5« von Komatsu, der knapp 110 kW Leistung mit sich bringt. »Auch in der Kabine kann der Radbagger überzeugen: Ein neuer Komfortsitz, eine weit verstellbare Lenksäule, ein schmaleres Lenkrad für verbesserte Sicht nach vorn und der hochpräzise Joystick sorgen dafür, dass der Fahrer effizient und komfortabel arbeiten kann.« Beim größeren Bruder, dem »PW190-11E1«, sollen hingegen die hohe Langlebigkeit und eine starke Performance im Mittelpunkt stehen. Der Motor kommt auf eine Leistung von 129 kW. Dazu hat der bis zu 19,7 t schwere Mobilbagger einen geringeren Innen- und Außengeräuschpegel vorzuweisen. Was er mit seinem etwas leichteren Pendant teilt, sind die optionale Allradlenkung sowie die kompakten Abmessungen: Auch hier soll ein möglichst einfacher Transport zur Baustelle gewährleistet sein.
Das bauMAGAZIN-Urteil von Dan Windhorst und Emilie Plath lautet: »Beide Mobilbagger sind darauf ausgelegt, möglichst flexibel und vielseitig unterwegs zu sein. Der geringe Heckschwenkradius vereinfacht das Arbeiten und auch in puncto Leistung lässt sich festhalten, dass die Motoren richtig Power mit sich bringen. Die Allradlenkung macht einfach nur Freude: Im Hundegang sind versetztes Fahren und präzise Positionierungen möglich – gerade auf engem Raum ein echter Pluspunkt.«
Zwei elektrische Mikrobagger
Mit dem »PC01E-2« sowie dem »PC05E-1« hatte Komatsu zwei elektrisch betriebene Mikrobagger parat, die der Hersteller aktuell für den europäischen Markt evaluiert. Beide Modelle sind mit Wechsel-Akkus ausgestattet und passen aufgrund ihrer hochkompakten Bauweise in handelsübliche Lastenaufzüge, was vielseitige Einsatzmöglichkeiten in Gebäuden und auf engen Baustellen mit sich bringt. Angetrieben vom tragbaren »Power Pack«, ist ein schneller Batteriewechsel möglich – das Laden gelingt laut Komatsu über eine normale Steckdose. Die lokal emissionsfreien und leisen Maschinen sind besonders für sensible städtische Umgebungen geeignet. Der »PC01E-2« kommt auf ein Betriebsgewicht von 330 kg und eine Gesamtbreite von 580 mm – der »PC05E-1« hingegen wiegt rund 520 kg und ist 690 mm breit. Tatsache ist, dass die beiden Mikromaschinen bereits erfolgreich in Japan im Einsatz sind und dort laut Herstellerangaben aufgrund ihrer hohen Flexibilität, Transportfähigkeit und Leistung gut ankommen. Herausfinden möchte Komatsu nun, wie der europäische Markt auf diese Maschinen reagiert.
Kettenbagger
»PC220LCi-12« von Komatsu
Betriebsgewicht (t)
24,1 bis 24,9
Motortyp
Komatsu »SAA4D107E-5«
Motorleistung (kW)
129
Löffelvolumen (m3)
1,8
Grabtiefe (m)
6,62
Reißkraft (kN)
116
Intelligent gebaggert
Das bauMAGAZIN durfte außerdem Platz im »PC220LCi-12« nehmen, einem bis zu 24,9 t schweren »I-Bagger«, der mit seiner intelligenten Maschinensteuerung 3.0 das Arbeiten auf der Baustelle durchaus verändert. Oder anders gesagt: »Mit dieser Flut an smarter Technik ist auch ein Schreibtischtäter wie ich dazu in der Lage, vernünftige Arbeitsergebnisse zu erzielen«, wie Chefredakteur Dan Windhorst schmunzelnd klarstellte. Tatsächlich ist der Bagger mit einer Vielzahl intelligenter Funktionen ausgestattet. Zum einen verfügt er über eine 3D-Arbeitsraumbegrenzung, um exaktes Steuern im vordefinierten Bereich zu ermöglichen. Zum anderen sorgt die automatische Schwenksteuerung für weit mehr Kontrolle bei der Bewegung. Weitere Pluspunkte dürften die nahtlose Integration und Steuerung von Tiltrotatoren sowie eine intelligente Nutzlastwaage für punktgenaues Beladen sein. »Für mich persönlich war die Linienschwenk- und Linienfahrfunktion des ›PC220LCi‹ entscheidend. Das System ist zur hochpräzisen Führung entlang geplanter Trassen konzipiert worden.
Die Handhabung ist ein Kinderspiel«, so Dan Windhorst. Im neuen »I-Bagger« ist ein Komatsu-Motor des Typs »SAA4D107E-5« verbaut, der rund 129 kW Leistung auf die Kette bringt. Das Löffelvolumen liegt bei maximal 1,8 m3, während die Grabtiefe bei 6,6 m, die Reichweite bei 9,8 m und die Reißkraft bei 116 kN liegen. Hervorzuheben ist außerdem, dass wir es bei diesem Bagger mit einer komplett neuen Maschinenkonstruktion zu tun haben, viele Stahlbaukomponenten sind verstärkt worden. Außerdem hat Komatsu eine neue Kabine etabliert: Sie ist größer, bietet eine verbesserte Sicht und ermöglicht höheren Fahrerkomfort. »Mir gefällt außerdem die Anordnung der Bedienelemente – einschließlich eines ergonomischen Joysticks, der auch auf die Nutzung von Tiltrotatoren ausgelegt ist und geradezu zahllose Einstellmöglichkeiten mit sich bringt«, wie Emilie Plath feststellte. Dan Windhorst ergänzt: »Wirklich beeindruckt hat mich das teilautonome Erstellen von Böschungen: Der Löffel folgt dem Sollwert mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit. Betätigt wurde hierfür lediglich die Stielfunktion – das System justierte den Schwenklöffel automatisch nach. Das Ergebnis war eine saubere und glatte Böschung in nur einem Durchgang. Kein großes Abschätzen, kein Warten, keine Nacharbeit.«
Produktmanager Henrik von Werder erklärte die wichtigsten Neuerungen der Komatsu-Mobilbagger.
»HM460-6« – ein Kraftpaket
Das richtig schwere Gerät kam zum Schluss: Mit dem »HM460-6« durfte das bauMAGAZIN einen knickgelenkten Muldenkipper testen, der mit einem Betriebsgewicht von bis zu 74,9 t und einer Nenn-Nutzlast von 42 t richtig viel Stahl auf das Demogelände brachte. Das Herzstück des »HM460-6« ist eine Motor- und Getriebekombination der nächsten Generation. Die Motorleistung liegt bei 386 kW, »und die spürt man auch«, wie Emilie Plath nach der ersten Testrunde feststellte. »Der Dumper bringt seine hohe Leistungskraft, insbesondere im Powermodus, extrem gut auf die Straße.« Laut Komatsu ist die Maschine gleichzeitig aber auch darauf ausgelegt, die Kraftstoffeffizienz zu maximieren. Im Vergleich zu früheren Modellen, so Komatsu, sei diese um rund 22 Prozent gesteigert worden. Verbaut wurden nützliche Features, darunter ein Tempomat, eine Berganfahrhilfe, eine Wartebremse sowie eine halbautomatische Entleerung, was laut Hersteller eine intuitive und sichere Bedienung der Maschine biete und die Ermüdung des Bedieners verringere. Bei wechselnden Bodenverhältnissen mit Schlamm und unebenem Untergrund sollen das Zugkraftkontrollsystem (KTCS) sowie die neue Achssperre für genügend Zugkraft sorgen und so ein sicheres, angenehmes und effizientes Arbeiten ermöglichen. »Gefallen hat mir im Übrigen die Kabine: Es ist erstaunlich viel Platz vorhanden – zudem wurden die toten Winkel reduziert. Und der Fahrersitz fühlt sich schnell an wie ein luftgefederter Thron, er ist beheizt, wird belüftet und dürfte gerade bei langen Einsätzen im Gelände ein gewaltiger Pluspunkt sein«, wie Emilie Plath abschließend urteilt.
Zum Stand der Dinge
Im Rahmen des Events erhielt bauMAGAZIN-Chefredakteur Dan Windhorst die Gelegenheit, sich mit Komatsu-Geschäftsführer André Wohlers auch über die aktuelle Marktsituation zu unterhalten: »Die Erwartungshaltung für 2026 ist positiv. Für uns war das vergangene Jahr ein Wendepunkt: Nach eher schleppenden Jahren merken wir nun, dass der Markt wieder anzieht.« Tatsächlich waren die Absatzzahlen im Construction-Segment von Komatsu nach vielen Rekordjahren von 40 000 Einheiten auf knapp 30 000 pro Jahr gesunken – jetzt, so der Geschäftsführer, erwarte man den erneuten Aufschwung. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass die Politik wichtige Signale sendet: »Die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung, insbesondere in die deutsche Infrastruktur und in den schnelleren Wohnungsbau, verleiten zu positiven Vorhersagen. Wir erwarten für dieses und nächstes Jahr merkliche Veränderungen.« Insgesamt, so das Fazit, scheint sich Komatsu für die kommenden Jahre breit aufgestellt zu haben. Die neu vorgestellten Maschinen sind State of the Art und kommen mit einer Vielzahl technischer wie digitaler Verbesserungen daher. Gleichzeitig setzt Komatsu auf bewährte Stärken – das betrifft die hohe Fertigungstiefe, die sinnige Durchdigitalisierung ganzer Bauprozesse und die extrem anwendernahe Entwicklung. Kurzum: Man will »durchdachten Stahl« auf die Baustelle bringen, statt auf hochpolierten Firlefanz zu setzen.