Im Blickpunkt Straßenbau – Tiefbau Titelstory

Die Übernahme von ZFE ermöglicht eine neue strategische Ausrichtung

Grundsätzlich sei geplant, so Hermann Schoch, das umfangreiche Produktportfolio an Anbaugeräten für Baumaschinen sowie den dazugehörenden Service zu erweitern. Dabei fährt HS-Schoch zweigleisig. So wird man zum einen wie bisher im Umkreis von rund 200 Kilo­metern der Schoch-Standorte Lauch­heim (Ost-Württemberg) und Coswig-Cobbelsdorf (Sachsen-Anhalt) die Endkunden direkt mit Anbaugeräten der Marke HS-Schoch beliefern. »Wir sind seit Jahren für die Bauunternehmer in diesen Regionen der direkte Ansprechpartner und bieten ihnen mit unserer Flotte von gut zehn Servicefahrzeugen ein umfangreiches Angebot«, das künftig auch am ZFE-Standort Achern (Nordbaden) umgesetzt werde, so Hermann Schoch. Zum anderen will sich HS-Schoch durch die Übernahme von ZFE verstärkt als OEM präsentieren und als Hersteller von hochwertigen Anbaugeräten mit der Marke ZFE europaweit bei großen Baumaschinenhändlern etablieren. Interessantes Detail am Rande: Als junger Mann hat der gebürtiger Baden-Badener Hermann Schoch Anfang der 1980er Jahre für den ZFE-Gründer Lothar Fianke gearbeitet.Aufgegeben wird bei HS-Schoch im Zuge der Integration von ZFE die Produktion eigener Anbaugeräte in Lauchheim und Coswig-Cobbelsdorf. »Künftig werden wir für unsere Endverbraucher die Anbaugeräte der Marke HS-Schoch bei ZFE in Achern produzieren«, sagt Hermann Schoch. »Denn wir haben mit der Übernahme von ZFE nicht nur unsere Produktionsmöglichkeiten um eine Fläche von mehr als 2 400 m² erweitert, sondern auch unsere Fertigungstiefe noch einmal erhöht. Und diese Synergieeffekte werden wir natürlich nutzen.« Dazu gehöre auch, am Standort Achern weiter in den Maschinenpark und in die Strukturen zu investieren, »um ZFE relativ schnell auf das Niveau der HS-Schoch-Gruppe zu bringen«.Knapp 45 Mio. Euro Umsatz

Diese hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 45 Mio. Euro erwirtschaftet, wobei rund 30 % auf den Bereich Baumaschinen entfielen. »Wir sind mit unseren Sparten Erdbaugeräte, Stahlbau, KTL- und Pulverbeschichtung, Blechbearbeitung sowie Lkw-Zubehör und Truckstyling eine breit aufgestellte Unternehmensgruppe«, sagt Hermann Schoch, der das Unternehmen 1986 zusammen mit seiner Frau Gerlinde in Lauchheim bei Aalen gegründet hat, das heute in den Bereichen Nutzfahrzeuge, Bau- und Landmaschinen, Automobil oder auch Windkraft präsent ist.


Im Lkw-Bereich ist der Name Schoch unter anderem auch deshalb so bekannt, weil sich mit dessen Edelstahlzubehör die Lkw aller bekannten Nutzfahrzeughersteller »veredeln« lassen. Wirtschaftlich wesentlich relevanter ist hingegen, dass HS-Schoch mit dem Palettenstaukasten PK3000 Marktführer ist in Europa und als solcher nahezu alle Sattelauflieger-Hersteller ausrüstet. »Auch im Bereich Landmaschinen sind wir mit unseren Blechteilen stark vertreten«, so Hermann Schoch, der sein Unternehmen als »Systemlieferant in den Bereichen Stahl- und Blechverarbeitung mit KTL- und Pulverbeschichtung« bezeichnet – weshalb man mittlerweile auch in die Produktion von Altkleider-Containern oder Bäckerei-Verkaufsständen involviert ist.


»Breite Aufstellung«

Diese »breite Aufstellung« hat der Unternehmensgruppe dabei geholfen, die große Krise halbwegs unbeschadet zu überstehen. Nur mit Grauen erinnert sich Hermann Schoch heute noch daran, als es 2008 auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover »mehr Stornierungen gab als Verkäufe«. Diesen extremen Einbruch im Nutzfahrzeugbereich werde er »niemals vergessen«. Denn nach und nach hatte die HS-Schoch-Gruppe vor allem den Standort Coswig-Cobbelsdorf, wo Hermann Schoch bereits 1991 eine Produktionsstätte gegründet hatte, ausgebaut, um so die stetig steigende Nachfrage aus der Nutzfahrzeugbranche erfüllen zu können. So installierte man bereits 1999 eine erste KTL-Beschichtungsanlage und investierte 2007 noch einmal einen mittleren einstelligen Millionenbetrag – weil nämlich zuvor die Entscheidung gefallen war, dass Sohn Marcel in die Geschäftsleitung einsteigt und das Unternehmen später auch weiterführt. »Die Krise war somit der perfekte Einstieg für meinen Sohn«, sagt Hermann Schoch heute nicht ohne Ironie über diese schwierige Zeit.


Gut zwei Jahre lang hat es gedauert, bis diese überwunden war. »Dabei hat sich bewährt, dass wir ein eigentümergeführtes Unternehmen sind«, so Hermann Schoch. Das Ziel, die Unternehmensgruppe »zukunftssicher zu machen«, habe dabei immer an erster Stelle gestanden. Heute sieht er aufgrund der Diversifizierung das Unternehmen »gut aufgestellt«. Knapp 400 Mitarbeiter sind in den jetzt sechs Unternehmen der Gruppe beschäftigt, davon die überwiegende Mehrzahl am Standort Coswig-Cobbelsdorf. Dort wird auf einer Fläche von 78 000 m² produziert, wobei gut 80 % der Fläche überdacht ist.


Ein besonderes Augenmerk will Hermann Schoch künftig auf den Bereich Recycling legen. »Dadurch, dass die Produktion der Anbaugeräte in Achern konzentriert wird, werden wir in Coswig-Cobbelsdorf und in Lauchheim die Produktion von Komponenten für die Recycling-Industrie intensivieren«, sagt er. »Denn das Know-how dafür haben wir.« Außerdem würden die Bereiche Regeneration und Service weiter ausgebaut. »Unsere große Stärke dabei ist, dass wir schnell und flexibel auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren.«»Mein Sohn hat das letzte Wort«

Dass die Marke HS-Schoch in der Branche einen vergleichsweise hohen Bekanntheitsgrad hat, dafür sorgen neben der Sparte Truck-Styling vor allem auch die großen Erfolge des HS-Schoch-Teams bei der Truck-Trial-Europameisterschaft. So sicherte sich Marcel Schoch zusammen mit seinem Beifahrer Johnny Stumpp im vergangenen Jahr den EM-Titel zum dritten Mal in Folge. »Unser rostbrauner Hardox-MAN-Truck ist auf jeder Messe ein echter Blickfang und hat inzwischen schon Kult-Charakter«, sagt Hermann Schoch, der sich nur über eines wundert: »Für uns ist das perfektes Marketing, denn dadurch sind wir in ganz Europa bekannt. Dummerweise wird Truck-Trial vom Finanzamt anders beurteilt, nämlich als Liebhaberei.«


Richtig stolz ist Hermann Schoch darauf, dass sein 32-jähriger Sohn Marcel das Unternehmen weiterführen wird. Der gelernte Fahrzeugbauer, der nach seiner Ausbildung an der FH in Aalen BWL studiert hat, ist bereits seit 2010 bei allen Entscheidungen mit eingebunden. »Eigentlich hat schon heute mein Sohn das letzte Wort«, sagt Hermann Schoch. »Schließlich muss er in den kommenden Jahren die Entscheidungen umsetzen.«»Am liebsten einmal um die Welt«


Denn für den 59-jährigen Hermann Schoch ist der Ruhestand alles andere als ein Schreckgespenst. Im Gegenteil. »Ich möchte mit einem Spezial-Wohnmobil einmal durch die Wüste fahren«, sagt er, und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: »Ach, eigentlich würde ich am liebsten einmal um die Welt fahren.« Zuvor aber will Hermann Schoch noch einen Job erledigen – nämlich ZFE in diesem Jahr auf »ein gewisses Level« bringen: »Das ist noch einmal eine richtige Auf­gabe für mich.«


Von Michael Wulf

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