Hochbau (Schalung/Gerüste/Beton)

Die Sparte Turmdrehkrane neu ausgerichtet

Das »Quartier des Halles« im 1. Arrondissement ist nach dem ehemaligen Pariser Großmarkt und seinen Markthallen benannt, deren Geschichte bis ins 12. Jh. zurückgeht. Seit den 1970er Jahren hat sich das Hallenviertel als eines der wichtigsten Zentren der Pariser Region etabliert. Es umfasst ein unterirdisches Einkaufszentrum, die mit täglich 750 000 Reisenden höchstfrequentierte U- und S-Bahnstation Europas, verschiedene Kultur- und Freizeitanlagen sowie einer Fußgängerzone, in der täglich 300 000 Passanten gezählt werden.


Der optisch spektakulärste Teil dieses Großprojektes ist der Bau des sogenannten »Canopée« über einen Teil des Quartier des Halles. Canopée ist die französische Bezeichnung der Kronenschicht eines Waldes. »La Canopée« umfasst drei Etagen auf einer Fläche von 13 350 m² und ersetzt den überirdischen Teil des Forum des Halles. Zu diesem Forum gehören die bestehenden fünf weiteren unterirdische Etagen, die bis zu 22 m in die Tiefe reichen.


Ein Dach mit bis zu 100 m Spannweite


Der von Grund auf neu konzipierte Bahnhofs-, Einkaufs und Veranstaltungskomplex wird von einem aus 15 gläsernen Lamellen zusammengesetztem Dach mit bis zu 100 m Spannweite bedeckt. Das Dach erinnert an ein großes Blatt, das Regen abhalten soll, dabei aber licht- und luftdurchlässig bleibt und dank Photovoltaik-Anlagen die Sonnenenergie speichert.


Dreh- und Angelpunkt dieses Projekts, das Dominique Tasch als Geschäftsführer der Liebherr-Werk Biberach GmbH auf der jährlichen Informationsfahrt der internationalen Baufachpresse vorgestellt hat, sind auch zwei Flat-Top-Krane vom Typ 380 EC-B 16 Litronic und ein Obendreherkran 280 EC-H 12 Litronic. Während die beiden Flat-Top-Krane für die Betonarbeiten und die Montage der Stahlbauarbeiten im Einsatz sind, fungierte der Turmdrehkran 280 EC-H 12 Litronic als klassischer Zubringerkran, der Material in die Baustelle hebt.


Die beiden Flat-Top-Krane sind mit jeweils 50 m Auslegerlänge im Einsatz und haben Hakenhöhen von 30 m bzw. 40 m. Der Obendreherkran 280 EC-H 12 Litronic sind mit 60 m Auslegerlänge und 80 m Hakenhöhe im Einsatz. »Die Montagegewichte des EC-B-Kopfes können durch die leicht zu teilenden Kollis einfach reduziert werden«, so Tasch. »Dies erlaubt den Einsatz kleiner Fahrzeugkrane bei der Montage und spart Kosten bei Montage und Demontage. Der Einsatz eines kleineren Mobilkrans ist auch ein großer Vorteil bei beengten Innenstadtbaustellen wie hier in Paris. Mittels Schnellverbindungen können diese Krane schnell und sicher montiert werden.«


Neben der Präsentation dieses »prestigeträchtigen Projektes mit Liebherr-Turmdrehkranen« erläuterte Dominique Tasch zudem, wie Liebherr künftig den Herausforderungen des weltweiten Turmdrehkrangeschäfts begegnen will. »Die Umgebungsbedingungen in den Zielmärkten für unsere Turmdrehkrane verändern sich seit einigen Jahren mit zunehmendem Tempo«, so Tasch. »Um im Markt erfolgreich zu bleiben, ist es deshalb zukünftig noch wichtiger, die internen Prozesse und Strukturen an den internationalen Marktanforderungen auszurichten.«


Neue Organisationsstruktur


Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen hat Liebherr beschlossen, die bisherige Produktsparte »Turmdrehkrane und Mischtechnik« in zwei separate Produktsparten aufzutrennen, so Tasch. Der Sitz der neuen, für Turmdrehkrane verantwortlichen Sparte bleibt Biberach/Riss, die aus dem bisherigen Produktbereich Mischtechnik hervorgehende neue Sparte wird ihren Sitz in Bad Schussenried haben. »Innerhalb der nun ausschließlich auf einen Produktbereich fokussierten Sparte können alle Aktivitäten, die im Zusammenhang mit der Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von Turmdrehkranen stehen, noch besser gebündelt werden. In diesem Sinne werden wir auch unsere Organisationsstruktur neu ausrichten.«


Produktionsgesellschaften der Sparte Turmdrehkrane sind die Liebherr-Werk Biberach GmbH, die Liebherr Industrias Metalicas in Pamplona (Spanien), die Liebherr CMCtec India, in Pune (Indien), die Liebherr Brasil Guindastes e Máquinas Operatrizes in Guarantingueta (Brasilien) und die OOO Liebherr-Nizhny Novgorod in Russland. An diesen Produktionsstandorten werden Krane für die Bedürfnisse der jeweiligen Marktregionen vor Ort produziert.

»Um langfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unsere Krane an die lokalen Bedürfnisse anpassen.«

Dominique Tasch, Geschäftsführer Liebherr-Werk Biberach


Im Biberacher Werk werden Schnelleinsatzkrane der Baureihen K und TT, auch auf Raupenfahrwerken, hergestellt. Die Obendreherkrane der Baureihen EC-B größer als 160 mt, EC-H, HC, HC-L und DR sind fester Bestandteil der Produktion in Biberach. Ebenso werden in Biberach die Mobilbaukrane der Baureihe MK gefertigt. Im Werk in Pamplona werden die Schnelleinsatzkrane der Baureihe H und HM sowie die kleinen Flat-Top-Krane der Baureihe EC-B produziert. In den Werken in Brasilien und Indien wird der Flat-Top-Kran 85 EC-B hergestellt. Zukünftig werden wir in Russland eine Produktionsstätte eröffnen. Dort wird ein Turmdrehkran der 150-mt-Klasse hergestellt werden. »Um langfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unsere Krane an die lokalen Bedürfnisse anpassen«, so Tasch. »Dies setzt voraus, dass wir wesentliche Anforderungen der Märkte und Erwartungen der Kunden kennen und frühzeitig über Trends informiert sind.«


Um den Anforderungen und Bedürfnissen der Kunden schnell und gezielt gerecht zu werden, wurde die Liebherr Tower Crane Solutions (TCS) ins Leben gerufen. Dieses Kompetenzteam steht am Standort Biberach nun für die Beratung rund um Sonderbauprojekte, Projekte im Kraftwerks- und Anlagenbau sowie im Windenergieanlagenbau zur Verfügung. Bei diesen Projekten nutzt die TCS das weltweite Netzwerk der Liebherr-Gesellschaften und Händler und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Konstruktion, Statik, Produktion, Verkauf, Vermietung und After Sales Service im Bereich der Turmdrehkrane. Ziel ist es Kunden weltweit größtmöglichen Nutzen bei Ihren Bauprojekten zu bieten. Spezialisten aus dem Kompetenzzentrum stehen jeweils in der Planungsphase beratend zur Seite und entwickeln effiziente, wirtschaftliche Kranlösungen.


Die Geschäftsfelder Kraftwerks- und Anlagenbau, Windenergieanlagenbau und Sonderprojekte werden in der neuen Sparte Turmdrehkrane nun durch eigene Projektleitungsbereiche betreut. Kunden steht so für jedes Geschäftsfeld ein eigener Ansprechpartner zur Verfügung, der für die jeweiligen Anforderungen die optimale Unterstützung und das passende Know-how bietet. Im engen Dialog mit den Kunden entstand das neueste Produkt, der Flat-Top-Kran 1000 EC-B 125 Litronic für die Montage von Windenergieanlagen.Weltweite Koordination durch das TCC


Ebenso wurde in Biberach eine zentrale Anlaufstelle rund um Miet- und Gebrauchtkrane, die Tower Crane Center (TCC), ins Leben gerufen. Dieses Kompetenzzentrum hat die Aufgabe, das weltweite Vermiet- und Gebrauchtkrangeschäft im Bereich der Turmdrehkrane und Mobilbaukrane zu koordinieren und zu stärken. Aktuell stehen in dezentralen Mietpools der Liebherr-Gesellschaften und den Liebherr-Werkshändlern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich mehr als 3 500 Mietgeräte für alle erdenklichen Hubaufgaben zur Verfügung. Ein Schwerpunkt bei der Vermietung wird künftig außerdem auf Zubehör, wie beispielsweise speziellen Unterwagen, Turmstücken, Abspannrahmen und Portalen, liegen. Das Gebrauchtgerätezentrum ist weltweit für den An- und Verkauf gebrauchter Liebherr-Krane zuständig.

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