Der Neubau entstand in einer Baulücke innerhalb der dicht bebauten Lüdinghauser Innenstadt nahe der Fußgängerzone. Bereits die Anfahrt verlangte hohe Präzision: Der Kran musste durch enge Altstadtgassen zur Baustelle manövriert und anschließend auf einer lediglich 3,07 m breiten Einfahrt direkt neben dem Nachbargebäude aufgebaut werden. Auf dem begrenzten Raum spielte die variable Böcker-Stützentechnik ihre Stärken aus, sodass der Kran sicher und reichweitenoptimiert aufgestellt werden konnte. Jede einzelne Stütze wurde stufenlos ausgefahren und positioniert, teils auf den Einfahrten der Nachbargrundstücke, teils ohne Ausschub innerhalb der Fahrzeugkontur. Die Reichweitenvorschau mit sensorbasierter Erfassung des Stützenausschubs unterstützte den Bediener beim bestmöglichen Kranaufbau. Durch eine optimale Abstützgeometrie konnte jeder zur Verfügung stehende Zentimeter der Aufstellfläche ausgenutzt werden, um den sicheren Stand des Krans zu gewährleisten und ein Maximum an Reichweite für die entfernt liegenden Bereiche des Grundstücks zu erzielen.
Sicherheit durch sensorgestützte Steuerung
Zu den schwersten Bauelementen gehörten die sieben rund 415 mm starken Außenwände einschließlich der Giebelelemente, die unmittelbar angrenzend an die Nachbargebäude montiert wurden. Durch den mehrschichtigen Wandaufbau brachte jedes Element rund 1,6 t auf die Waage. Zusätzlich hob der Autokran sieben weitere, später sichtbare Außenwände mit je 950 kg sowie sämtliche Innenwände und fünf Deckenplattenelemente aus Brett-Mehrlagenholz mit einem Einzelgewicht von rund 485 kg an ihren Platz.
Um auch die schweren Außenwände effizient an der hinteren Gebäudeseite platzieren zu können, musste der »AK 48e« die 1,6 t schwere Last diagonal über das komplette Grundstück bis zu 20 m weit heben. Mithilfe der im Mast und in den Stützen verbauten Sensoren überwachte die Kransteuerung dabei kontinuierlich die Standsicherheit des Krans. Abhängig von Abstützung, Anhängelast, Ausfahrlänge und Mastposition gab sie automatisch den sicheren Arbeitsbereich frei und unterstützte den Bediener aktiv bei der Ausschöpfung der maximal möglichen Ausladung. Die große Reichweite ermöglichte es, das gesamte Gebäude von nur einem Kranstandort aus sicher zu montieren. Dadurch wurden Umsetzvorgänge vermieden und Montagezeiten verkürzt. Für den zügigen Baufortschritt sorgten außerdem das kraftvolle Hydrauliksystem und die E-Winde des »AK 48e«.
Elektroantrieb für Arbeiten in der Innenstadt
Das neue Antriebskonzept des »AK 48e« vereint die Vorteile des elektrischen Kranbetriebs mit der Mobilität bewährter Technik. Sein Trägerfahrzeug wird konventionell mit einem Verbrennungsmotor betrieben, um eine zuverlässige Anfahrt zur Baustelle zu gewährleisten, während die Kranarbeiten vor Ort rein elektrisch und flexibel ohne Stromanschluss erfolgen. Der Kran arbeitet mit einer leistungsstarken elektrischen Winde und wird über einen 30-kWh-Akku versorgt, der entweder an einem 230-V- oder 400-V-Anschluss lädt. Dank Energierückgewinnung beim Absenken der Last und hoher Akkukapazität ist der Autokran für einen kompletten Arbeitstag ohne Nachladen ausgelegt. Im Akkubetrieb sind mehr als acht Stunden durchschnittliche Nutzungszeit bzw. 150 Hebevorgänge mit 1 t Last auf 35 m möglich. Der nahezu geräuschlose Kranbetrieb ermöglicht den Einsatz auch dort, wo Lärm- und Emissionsschutz eine immer größere Rolle spielen. Gleichzeitig verbindet der »AK 48e« seine elektrische Antriebstechnik mit einer kompakten Bauform und großer Reichweite.
Kraftvoll bis in die Auslegerspitze
Der »AK 48e« hebt Nutzlasten bis 3 t und bietet Ausfahrlängen über 48 m. Der per Farbfunksteuerung vollhydraulisch unter Last teleskopierbare Ausleger von 14 m trägt selbst in horizontaler und voll ausgefahrener Position ein Gewicht bis zu 1 t. So konnten auch die schwerenAußenwände direkt auf dem anliefernden Lkw angeschlagen und ohne Zwischenlagerung an ihren endgültigen Einbauort gehoben werden. Dies reduzierte den Platzbedarf und beschleunigte den gesamten Bauablauf.