BKT Europe Srl Interview mit Managing Direktor Lucia Salmaso

Manchmal reicht ein flüchtiger Blick nicht aus: BKT ist ein Weltkonzern und hat massiv in das eigene Wachstum investiert. Wie genau sich das in Zahlen ausdrücken lässt, wo die Schwerpunkte liegen und was der indische Reifenhersteller darüber hinaus für die kommenden Jahre plant, hat uns Lucia Salmaso in einem schriftlichen Interview erläutert. Als Managing Director bei BKT Europe berichtet sie vom Ausbau des Werks Bhuj, der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem deutschen Reifengroßhändler Bohnenkamp und der Bedeutungskraft des deutschen Markts für BKT.

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Von: Dan Windhorst

bauMAGAZIN: In den vergangenen Jahren hat BKT seine Produktion kontinuierlich gesteigert. Damit unsere Leser eine Vorstellung davon haben: Wie hoch ist die Produktionskapazität aktuell?

Lucia Salmaso: Im Laufe der Jahre hat der Konzern ein stetiges und bedeutendes Wachstum erzielt, das durch einen schrittweisen Ausbau der Produktionskapazitäten sowie durch den jüngsten Einstieg in das Verbrauchersegment vorangetrieben wurde. Der positive Leistungstrend von BKT ist im Jahresvergleich stabil geblieben, was auf Infrastrukturverbesserungen am Hauptproduktionsstandort des Unternehmens in Bhuj zurückzuführen ist, wo seit fast 30 Jahren die innovativsten und technologisch fortschrittlichsten Reifen der Gruppe entworfen und entwickelt werden. Eine Schlüsselrolle spielt das kontinuierliche Engagement des Unternehmens im Bereich Forschung und Entwicklung, das darauf abzielt, immer leistungsstärkere und hochwertigere Produkte zu liefern, die wesentlich dazu beitragen, einen starken Wettbewerbsvorteil gegenüber den wichtigsten Marktteilnehmern zu sichern. BKT wendet zwischen 4 und 5 Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes für F&E auf, mit dem Ziel, seine Position auf dem Markt für Off-Highway-Reifen zu festigen und zu stärken. Dieses Engagement geht einher mit einer Gesamtproduktionskapazität von 360 000 t Reifen und 265 000 t Carbon Black pro Jahr. Im Einklang mit seinem Wachstumsziel für 2030 strebt BKT an, diese Mengen auf 600 000 bzw. 360 000 t pro Jahr zu steigern.

bauMAGAZIN: Wie beurteilt BKT die aktuelle Marktsituation? Hat der indische Hersteller festgestellt, dass die Nachfrage nach Reifen in den vergangenen Jahren gestiegen ist und in den kommenden Jahren weiter steigen wird?

Lucia Salmaso: BKT hat auf die aktuelle geopolitische Lage und die Störungen in der Lieferkette stets mit großer Widerstandsfähigkeit reagiert, seine Strategie angepasst und synergetisch mit seinem Vertriebsnetz zusammengearbeitet, um die Auswirkungen der anhaltenden Situation und der Veränderungen so weit wie möglich abzufedern. Insbesondere hat sich das Unternehmen darauf konzentriert, die Versandlogistik anzupassen, die Preiswettbewerbsfähigkeit zu wahren und hohe Produktqualitätsstandards aufrechtzuerhalten – Faktoren, die sich im Rahmen seiner langfristigen Wachstumsstrategie als entscheidend für die Erlangung der Marktführerschaft und eines starken Wettbewerbsvorteils erwiesen haben. Allgemeiner betrachtet hat dieser Ansatz es dem multinationalen Unternehmen trotz eines von Komplexität und Unsicherheit geprägten Umfelds ermöglicht, eine solide Umsatzentwicklung aufrechtzuerhalten und seine Position im OHT-Segment zu festigen – mit weiteren ehrgeizigen Wachstumszielen sowohl auf dem Agrarmarkt, wo BKT bereits eine Position im mittleren bis oberen Preissegment einnimmt, als auch in den Industrie- und Bausegmenten; genau dort strebt das Unternehmen eine stärkere Positionierung und beschleunigtes Wachstum an, gestützt durch eine robuste Nachfrageentwicklung.

bauMAGAZIN: Um eine Kenngröße zu haben: Wie hoch war der Umsatz von BKT im Jahr 2025, und was wird für das laufende Geschäftsjahr erwartet?

Lucia Salmaso: Im Geschäftsjahr 2024/25 verzeichnete der Konzern einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro, was einer positiven Wachstumsrate von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz eines Umfelds, das von allgemeiner Instabilität, Marktschwankungen sowie wirtschaftlichen und politischen Spannungen geprägt war, verzeichnete das Unternehmen auch in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt einen Aufwärtstrend. Die jüngsten Ergebnisse bestätigen, dass auch das abgeschlossene Geschäftsjahr positiv verlief, was zeigt, dass BKT mit seinem Kurs und seinem Engagement für die ehrgeizigen Wachstumsziele bis 2030 auf dem richtigen Weg ist.


bauMAGAZIN: Wir haben bereits über die teils massive Produktionssteigerung gesprochen – der Schlüssel war und ist der Produktionsstandort Bhuj. Können Sie mir sagen, wie viel BKT insgesamt in Bhuj investiert hat?

Lucia Salmaso: Im Laufe der Jahre hat BKT sehr erhebliche Investitionen in den Produktionsstandort Bhuj getätigt, der 2015 eröffnet wurde und sich seitdem zum Flaggschiff unter den Produktionsstätten des Unternehmens entwickelt hat – ein Beweis für kontinuierliche Weiterentwicklung und Innovation. Der Standort wurde kontinuierlich modernisiert, ausgebaut und erweitert, um eine höhere Produktionskapazität zu ermöglichen. Er hat sich als einer der größten und wichtigsten globalen Produktionsstandorte für Off-Highway-Reifen etabliert. Bhuj ist das Ergebnis zahlreicher gezielter Investitionen, darunter die vertikale Integration der Carbon-Black-Produktion. Derzeit werden weitere Investitionen getätigt, um die Kapazität noch weiter zu steigern und die vollständige Selbstversorgung anzustreben – ein strategisches mittelfristiges Ziel. Auf diese Weise hat BKT Bhuj zu einem hochstrategischen und technologisch fortschrittlichen Produktions- und F&E-Zentrum gemacht, das für das künftige Wachstum des Unternehmens im Off-Highway-Reifensegment und seit Kurzem auch in den Segmenten Verbraucher- und Zweiradreifen von grundlegender Bedeutung ist.

bauMAGAZIN: Eine abschließende Frage: Wie müssen wir uns die Bedeutungskraft des ­deutschen Markts für BKT vorstellen? Welche Gewichtung hat das, wenn wir den Konzern insgesamt 
betrachten?

Lucia Salmaso: Auf europäischer Ebene ist Deutschland einer der Schlüsselmärkte für BKT Tires, wo das Unternehmen eine führende Position im Bereich der Ersatzreifen für die Landwirtschaft einnimmt. Dieses Ergebnis ist das Resultat einer klaren, konsequent umgesetzten Strategie und solider Beziehungen, die im Laufe der Zeit aufgebaut wurden. Ein Paradebeispiel hierfür ist unsere Partnerschaft mit Bohnenkamp, unserem langjährigen Vertriebspartner für den deutschen Markt, mit dem wir eine langfristige Vision und ein konkretes Engagement für die Geschäftsentwicklung auf dem deutschen Markt teilen. Die Fähigkeit, mit immer fortschrittlicheren Lösungen zeitnah auf die Bedürfnisse der Endverbraucher einzugehen, war über die Jahre hinweg einer der wichtigsten Wachstumstreiber von BKT – eine Quelle großer Zufriedenheit, aber auch das natürliche Ergebnis nachhaltiger, langjähriger Bemühungen. Die heutigen Ergebnisse sind das Ergebnis einer klaren strategischen Vision und konsequenter Umsetzung. Mit Blick auf die Zukunft ist einer der strategisch wichtigsten Bereiche – sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene – das OEM-Segment, das erhebliche Wachstumschancen bietet. Wir tätigen erhebliche Investitionen, um die Präsenz von BKT in diesem Segment zu stärken. Heute blicken wir voller Stolz und Zuversicht auf neue, ehrgeizige Ziele und verfügen über alle Voraussetzungen, um dieses Wachstum zu unterstützen: ein breites und diversifiziertes Portfolio, eine klare Strategie sowie eine solide, internationale Struktur.

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