Ein Reifenspezialist tritt auf die Weltbühne
Tatsache ist, dass wir es bei BKT mit einem Hersteller zu tun haben, der Off-Highway-Reifen State of the Art entwickelt und es aufgrund der hohen Qualitätsansprüche auch geschafft hat, Fuß auf dem europäischen Markt zu fassen. Und das ist, wie wir hier in Deutschland nur zu gut wissen, aufgrund der großen Markentreue vieler Anwender keinesfalls selbstverständlich. Was sich durchsetzt, sind Qualität und Glaubwürdigkeit. Und auch die hat sich BKT, offen gesprochen, viel Geld und auch Zeit kosten lassen.
Werk wurde praktisch aus dem Wüstenboden gestampft
Wenn wir beispielsweise nach Bhuj in Indien blicken, dann sprechen wir von einem Produktionsstandort, der vielmehr einem gigantischen, in sich geschlossenen Komplex gleicht. Zwar verfügt BKT über gleich mehrere Produktionsstandorte, aber Bhuj nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Laut BKT verfügt das Unternehmen dort über eine Gesamtfläche von 323 ha – das sind satte 450 Fußballfelder. Die maximale Produktionskapazität liegt bei knapp 200 000 t pro Jahr. Erst zu Beginn des Jahres hatte BKT eine weitere Produktlinie in Betrieb genommen, mit der sich über 800 Reifen am Tag produzieren lassen. Und obwohl diese Zahlen bereits gigantisch sind, plant BKT laut eigener Aussage eine Ausweitung der Produktionskapazität auf bis zu 600 000 t pro Jahr. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Werk ursprünglich in einer Wüstenregion ohne jegliche Infrastruktur gebaut wurde – Wasser- und Stromleitungen mussten erst gelegt werden. Heute umfasst das Gelände sogar Teststrecken, Forschungseinrichtungen sowie zusätzliche Produktionsanlagen wie das Carbon-Black-Werk.
Carbon-Black-Produktion: Deshalb sind Reifen schwarz
Um seinen Bedarf an Carbon Black zu decken und damit Versorgungssicherheit zu schaffen, hat BKT ab 2017 auf eine eigene Produktion gesetzt. Carbon Black, oder auch Industrieruß, ist ein extrem feines Kohlenstoffpulver, dass das Gummi des Reifens widerstandsfähiger macht, die Abriebfestigkeit erhöht und als UV-Schutz dient – knapp 30 Prozent eines Reifens bestehen aus diesem Material. Heute soll die Kapazität des Werkes bei etwa 170 000 t pro Jahr liegen – geplant ist, den Output künftig sogar noch auf weit über 200 000 bis 360 000 t zu erhöhen. Zweifelsohne profitiert BKT mit seinem Carbon-Black-Werk auch von der damit einhergehenden Kostenkontrolle: Am Markt zählt Carbon Black zu den teuersten Rohstoffen für die Herstellung von Reifen. Mittlerweile gilt das Geschäft mit Carbon Black als so lukrativ, dass der Geschäftsbereich knapp 7 Prozent des Unternehmensumsatzes ausmacht. Überdies hat sich gezeigt, dass sich das BKT-Carbon auch zur Herstellung von flexiblen Schläuchen, Gurten, Förderbändern, Verbundwerkstoffen oder Dichtungen nutzen lässt, wodurch das Unternehmen das Material auch anderen Industriezweigen anbieten kann.
Wichtige Partnerschaft in Deutschland mit Bohnenkamp
Am deutschen Markt profitiert BKT zweifelsohne davon, eine langjährige Partnerschaft mit Bohnenkamp eingegangen zu sein. Seit mittlerweile 76 Jahren ist der Großhändler für Reifen, Räder und Fahrzeugkomponenten am Markt vertreten – seit knapp 27 Jahren besteht die Partnerschaft mit BKT. Und beide Unternehmen teilen einen Grundsatz: »Ein guter Reifen braucht Beständigkeit: Von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur Beratung vor Ort fordern wir von uns selbst ein hohes Maß an Qualität ein«, wie Gregor Rüth, Vorstandsvorsitzender bei Bohnenkamp, einst anlässlich des 25-jährigen Jubiläums dieser Partnerschaft am Sitz in Osnabrück klarstellte. Begonnen hatte diese Zusammenarbeit im Übrigen mit typisch deutscher Note: Nachdem Bohnenkamp-Einkaufsleiter Harm Jonkeren 1998 im Rahmen einer Messeveranstaltung mit BKT ins Gespräch gekommen war, folgte nur kurze Zeit später die erste Lieferung an Implement-Diagonalreifen. »Typisch deutsch hat Bohnenkamp unsere Reifen dann erst mal zum TÜV geschickt – zum Glück mit sehr gutem Ergebnis«, wie Arvind Poddar erklärt. Nachdem klar war, dass BKT eine auffallend hohe Qualität seiner Reifen aufbieten kann, war das der Startschuss, um gemeinsam am deutschen Markt durchzustarten. Gegründet wurde Bohnenkamp bereits im Jahr 1950 – heute zählt das Unternehmen zu den führenden Großhandelsgruppen in Europa. Und die Zahlen sprechen für sich: Bohnenkamp hat, Stand heute, knapp 1,3 Mio. Artikel permanent am Lager, verfügt über eine Lagerkapazität von 200 000 m² und registriert mehr als 14 000 Warenbewegungen pro Tag.
Ambitionierte Ziele für die kommenden Jahre – ein Fazit
Festzuhalten ist, dass BKT mit großen Namen konkurrieren muss – der Reifenmarkt in Europa bleibt hart umkämpft. Aber gerade im OTR-Segment hat sich gezeigt, dass der indische Hersteller einer der am schnellsten wachsenden Spezialisten in diesem Segment ist – und das weltweit. Die bauMAGAZIN-Redaktion beobachtet den Reifenhersteller seit vielen Jahren und weiß deshalb, dass die Ambitionen von BKT schon immer groß klangen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Balkrishna Industries eingehalten hat, was versprochen wurde. Die Zahlen zeigen, dass die Erweiterungen, sei es in der Entwicklung oder in der reinen Produktion, immer auch messbare Auswirkungen auf Marktanteile hatten. Die gesteckten Ziele wurden erreicht. Und in Gesprächen mit Anwendern und Händlern zeigt sich, dass das nach außen getragene Qualitätsversprechen von BKT offenbar keiner geschönten »Hochglanzbroschüre« entspringt: Die Reifen erweisen sich gerade im harten Off-Road-Einsatz als robuste, zuverlässige und zuweilen »zu Ende gedachte« Lösungen, die diese Branche am Laufen halten. Wie genau sich die geplanten Ziele von BKT in Zahlen ausdrücken lassen, hat das bauMAGAZIN von Lucia Salmaso, Managing Director bei BKT Europe SRL, im nachfolgenden Interview erfahren.