Berding Beton: Stahlbetonvortriebsrohre für die Kanalsanierung

Um im Westen Münchens eine wesentliche Verbesserung der hydraulischen Situation im Entwässerungsnetz zu erreichen, wird im Bauvorhaben »Kanalnetzsanierung Landsberger Straße« das bestehende, oft überlastete Kanalsystem im Bereich Pasing und Laim entlastet und werden die kritischen anfallenden Mischwasserströme im Münchener Westen bzw. Südwesten durch einen neuen Abwasserkanal mit einem Durchmesser von 3 m künftig effektiver abgeleitet. Berding Beton lieferte 2,2 km Stahlbetonvortriebsrohre DN 3000 für den neuen Abwasserkanal.

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Bei der Baumaßnahme mussten nicht nur spezifische Faktoren der Kanalwirtschaft berücksichtigt werden, sondern auch Aspekte der gesamten Infrastruktur, denn die Landsberger Straße zählt aufgrund ihrer Lage zu den wichtigsten Verkehrsadern in München. Frühzeitig war die Entscheidung für eine Realisierung im Vortriebsverfahren getroffen worden. Bei einer offenen Bauweise hätte die Landsberger Straße einseitig gesperrt werden müssen, da für die Herstellung des Sammelkanals große linienförmige Baugruben mit großer Längsausdehnung notwendig gewesen wären, inklusive der Verlegung der Stahlbetonrohre in einer Tiefe von bis zu 9 m. Das hätte nicht nur eine erhebliche Verkehrseinschränkung bedeutet, sondern auch eine hohe Belastung durch Schmutz und Lärm. Das Blockieren von Zuwegungen zu Gewerbebetrieben und Wohneinheiten, die notwendige Verlegung von Haltestellen und Ampelanlagen oder das um ein Vielfaches höhere Fällen von Baumbeständen (etwa 180 Bäume) entlang der Strecke wären weitere Begleiterscheinungen gewesen.

Verkürzte Bauzeit

Dem gegenüber bot die geschlossene Bauweise mittels Rohrvortrieb eine Lösung, um bei hohem Verkehrsaufkommen, beengten Platzverhältnissen und in unmittelbarer Nähe bestehender Gebäude den gewünschten neuen Abwasserkanal zu verlegen. Und das bei geringeren Umweltbelastungen sowie Verkehrsbehinderungen dank der örtlich begrenzten Bauaktivität mit lediglich einer Startgrube und mit zwei Zielgruben. Nicht unerheblich waren zudem wirtschaftliche Aspekte, denn durch die Rohrtechnologie kann das Bauverfahren im Vergleich zur offenen Bauweise verkürzt werden, in diesem Fall von vier auf rund zweieinhalb Jahre.

Wegen der engen Platzverhältnisse wurde für den Bau der neuen Kanaltrassen ein Doppelstartschacht eingerichtet. Dies bot den Vorteil, mit nur einer Startgrube beide Vortriebsstrecken – die erste in östlicher Richtung stadteinwärts und die zweite entgegengesetzt in westlicher Richtung – ausführen zu können und erforderte nur das einmalige Einrichten der Tunnelvortriebsmaschine AVND von Herrenknecht. Sie eignet sich für den sicheren Vortrieb mit einem maximalen Durchmesser von bis zu 4 m. Mithilfe des Bohrkopfs wird der Boden abgetragen, zum Tunnelausgang befördert und entsorgt. Anschließend werden die Vortriebsrohre mit einer Press­einrichtung durch den Baugrund vorgetrieben. Mit der Vortriebsausführung wurde Wayss & Freytag Ingenieurbau beauftragt. Die Bauüberwachung übernahm die Stadtentwässerung München in ihrer Funktion als Bauherr.


Stahlbeton-Vortriebsrohre

Erfahrung und Expertise waren auch in Bezug auf die einzubauenden Vortriebsrohre gefragt, für die die Anforderungen extrem hoch waren. Zielvorgabe der Stadtentwässerung war, dass ausschließlich schalungserhärtete Stahlbeton-Vortriebsrohre verwendet werden, die den hohen Qualitätsan­sprüchen an das vorgesehene Bauwerk und den FBS-Qualitätsrichtlinien entsprechen. Den Auftrag für die Lieferung der Vortriebsrohre erhielt Berding Beton.

Das Unternehmen profitiert von seiner über drei Jahrzehnte langen Erfahrung und weiß durch maßgeschneiderte Produktlösungen zu punkten. So wurden auch in diesem Fall die Vortriebsrohre individuell nach den vorgegebenen technischen Vorschriften sowie kundenspezifischen Wünschen bezüglich Abmessungen und Gewicht gefertigt. Darüber hinaus kann Berding Beton seine Leistung mit einer Vielzahl an Herstellwerken anbieten. Für die Baumaßnahme in München war das Großrohrwerk in Philippsburg-Rheinsheim gewählt worden. Es beliefert vor allem Süddeutschland, Frankreich, Luxemburg, Österreich und die Schweiz.

Frühe Produktion

Zielvorgabe bei diesem Projekt war die Lieferung von 55 Rohren pro Woche bzw. von etwa acht Vortriebsrohren in DN 3000 am Tag, um die geplante Vortriebsleistung realisieren zu können. Hierfür waren ein ausreichender Produktionsvorlauf und eine hohe Fertigungsleistung erforderlich. Um bei dem Bauvorhaben reibungslose Prozesse sicherzustellen, wurde im Berding-Beton-Werk in Philippsburg-Rheinsheim im Herbst 2018 mit der Rohrproduktion begonnen. Mit zwei Spezialschalungen wurden jede Woche bis zu 20 Vortriebsrohre produziert, die jeweils einen Innendurchmesser von 3 m, einen Außendurchmesser von 3,58 m und eine Baulänge von 3 m bei einem Einzelgewicht von 22 t aufwiesen.

Die schalungserhärtenden Vortriebsrohre von Berding Beton erfüllen alle geforderten Qualitätskriterien und galten aufgrund ihrer glatten Oberfläche und der geringen Toleranzen für den Langstreckenvortrieb in München als beste Wahl.

Logistische Meisterleistungen waren bei der direkten Baustellenanlieferung gefragt, sorgte doch die innerstädtische Lage in der vielbefahrenen Landsberger Straße für begrenzte Lagerplatzkapazitäten.

Startschuss im Frühling 2019

Start für die erste Haltung des Rohrvortriebs DN 3000 mit einer Länge von 985 m war im Mai 2019. In einer Tiefe von 6 m bis 9 m wurden bis August 330 Vortriebsrohre eingebaut. Nach Erreichen der Vortriebsmaschine am Zielschacht, wo der Anschluss an einen bestehenden Kanal erfolgt, konnte die zweite Vortriebsstrecke in Angriff genommen werden. Dafür wurde die Vortriebsmaschine zurück zur Startgrube gebracht, umgesetzt, um diesmal in Richtung Westen die zweite Kanaltrasse im Vortriebsverfahren mit einer Länge von 1 210 m zu erstellen. Fristgerecht hatte Berding Beton bis Herbst alle Vortriebsrohre produziert, sodass von September bis Ende Dezember 2019 mithilfe der Press­einrichtung weitere 405 Vortriebsrohre in den Baugrund getrieben werden konnten.

Auf der 2 195 m langen Vortriebstrasse wurden somit 735 Stahlbetonrohre im Vortriebsverfahren eingebaut. Besondere Herausforderungen bei der Umsetzung waren zum einen die Länge der Vortriebshaltungen und der Rohraußendurchmesser von 3 580 mm, aber auch die geologische Beschaffenheit des Baugrunds im Münchener Kies.

So wurden die Vortriebsarbeiten zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers abgeschlossen. Maßgeblich für den Erfolg war nicht zuletzt die konstruktive und professionelle Kooperation aller Beteiligten. Vor allem zwischen Berding Beton und der Wayss & Freytag Ingenieurbau besteht bereits seit Jahren eine Zusammenarbeit, die auch bei diesem Projekt eine gute Basis war. Aber auch der Austausch und die Abstimmung mit Projektleiter Thomas Grübl von der Münchener Stadtentwässerung trugen zur termingerechten Umsetzung bei.     t

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