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Bayerische Baustoff-Recycler kritisieren Zurückhaltung der öffentlichen Hand

Die Nachfrage der öffentlichen Hand nach Recycling-Baustoffen ist immer noch ungenügend. Beim diesjährigen »Baustoff Recycling Forum« Anfang Mai in Ingolstadt kritisierte Matthias Moosleitner als Präsident von Baustoffrecycling Bayern vor den rund 150 Teilnehmern des Forums diese deutliche Zurückhaltung entschieden.

Man müsse die drei Entsorgungswege Recycling, Verfüllung und Deponie als Einheit sehen, als Wege, die sich ergänzen und wie Zahnräder ineinandergreifen müssen, so Matthias Moosleitner in Ingolstadt. »Nur, wenn das gelingt, werden wir auch in Zukunft alle unsere Bau- und Abbruchabfälle zuverlässig und zu vertretbaren Kosten entsorgen und langfristig die Entsorgungssicherheit gewährleisten können.« Zentrales Problem der Branche, so Moosleitner, sei jedoch, dass die Nachfrage nach Recycling-Baustoffen nach wie vor geringer sei als das Angebot.

In einer Umfrage, die der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) in diesem Jahr durchgeführt hat, wurde dies besonders deutlich: Beim Recycling-Beton gaben 43 % der befragten Unternehmen an, dass ihr Angebot höher sei als die Nachfrage. Beim Recycling-Asphalt wurde ein Anteil von 58 % und beim RC-Mix von 77 % genannt.

Vorbildfunktion der Öffentlichen Hand

Auffällig sei, so Moosleitner, die immer noch vollkommen unzureichende Nachfrage der öffentlichen Hand. 91 % der Recycling-Betriebe hätten in der Umfrage an­gegeben, dass ihre Kunden vorwiegend private und gewerbliche Bauherren seien. »Mit der Vorbildfunktion der Öffentlichen Hand hat der Gesetzgeber etwas ganz anderes bezwecken wollen. Unsere Erfahrungen in der täglichen Praxis der Unternehmen ist, dass gerade bei Öffentlichen Ausschreibungen qualitätsgesicherte Recycling-Materialien nach wie vor regelmäßig ausgeschlossen werden. Produktneutralität, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit im Öffentlichen Bau – politisch allerorts propagiert, aber die Umsetzung in die Praxis erfolgt nicht.«

Das hat nach Meinung der Branche auch Auswirkungen auf die Deponiesituation in Bayern. Schon jetzt fehlten Verfüll- und Deponiekapazitäten. Das spiegelt sich auch in den Marktpreisen wider: die Kosten für die Verfüllung in Gruben, Brüchen und Tagebauen als auch für die Deponierung sind in den letzten zwölf Monaten weiter gestiegen. Und auch die Transportentfernungen steigen an, hob Moosleitner hervor: »Können Z 0-Materialien noch im Nahbereich – bis 25 km – entsorgt werden, fahren wir Z 1.1, Z 1.2 sowie DK 0 und DK 1-Material bereits bis 50 km und 100 km oder auch mehr.«


Weitere Deponiesuche in Bayern

Keine Entwarnung konnte Dirk Hensel-Schikora vom bayerischen Umweltministerium geben. Zwar befinde sich die Fortschreibung der Deponiebedarfsprognose Bayern noch in der Endabstimmung, aber es zeichne sich ab, dass Deponien auch in Zukunft unverzichtbar sein werden. Deshalb sollen vom Landesamt für Umwelt neue Hinweise und Vollzugshilfen für die Standortsuche von Deponien und für die Umwidmung von Verfüllungen in Deponien erarbeitet werden. Bayern setzt auf Information, Aus- und Fortbildung aller Beteiligten (Politik, Kommunalverwaltungen, Behörden, Unternehmen, Öffentlichkeit), um mehr Akzeptanz für Verfüllung (> Z 0) und für Deponien zu bekommen, unterstrich Hensel-Schikora in seinem Vortrag. In diesem Zusammenhang bedauerte Stefan Schmidmeyer, Geschäftsführer des Baustoffrecycling Bayern, dass derzeit wenig Hoffnung bestehe, dass die Bundesmantelverordnung verabschiedet werde.

Bundesweites Qualitätssiegel »Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe«

Die Baustoffrecycling-Branche weitet ihre Aktivitäten für mehr Qualität und Akzeptanz für die Produkte des Baustoff-Recyclings weiter aus. Moosleitner erklärte dazu: »Deshalb haben wir uns in Bayern dem neuen bundesweiten Qualitätssiegel ›Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe‹ angeschlossen. Anwenderorien­tiert, mit Bau- und Umwelttechnischen Prüfkriterien versehen und Transparenz soll dieses neue Qualitätssiegel – anerkannt von den Bundes- und Landesministerien und -verwaltungen – privaten, gewerblichen und öffentlichen Bauherren eine einfache und sichere Anwendung von Sekundärbaustoffen ermöglichen und gewährleisten.« Ab Herbst soll den ersten bayerischen Unternehmen das neue Qualitätssiegel verliehen werden.    t

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