Bau- und Nutzfahrzeuge

Zurrkette und textile Schwerlastzurrung – Widerspruch oder gleichwertige Alternative?

Die Transportsicherung ist eine wiederkehrende Aufgabe mit vielen Facetten und unterschiedlichen Ansatzpunkten. Welcher Tieflader steht zur Verfügung, welcher Bagger, Raupe oder Kran wird transportiert und wie wird das schwere Gerät für den Transport gesichert? Vieles ist gegeben und nicht beeinflussbar: Gewicht, Größe und Ausrüstung der zu befördernden Baugeräte mit Zurrpunkten sowie der Tieflader mit seinen technischen Gegebenheiten. Für die Ladungssicherung von schweren Baugeräten oder Maschinen werden Zurrketten oder Schwerlastzurrungen mit 75 mm breiten Gurtbändern mit diversen Hakenkombinationen eingesetzt. Beides steht Volker Neff zur Verfügung, beide Produkte können zum Schräg- und Diagonalverzurren eingesetzt werden, und dennoch greift er ohne zu zögern nach den schweren Zurrketten. Denn in der Praxis herrsche, wie Dipl.-Ing. (FH) Ralf Schmitz, BDSH geprüfter Sachverständiger bei SpanSet, betont, immer noch der Glaube vor, »dass textile Zurrsysteme zur Ladungssicherung, im Besonderen beim ›Direktzurren‹, in ihren Eigenschaften Zurrketten nicht gleichzusetzen sind«. So gingen viele Anwendern und auch Kontrollorgane davon aus, dass Produkte aus Metall zwangsläufig stabiler, härter, fester und sicherer sein müssen als textile Zurrsysteme.

Textile Zurrsysteme werden bei der kraftschlüssigen Ladungssicherung (Niederzurren) nicht in Frage gestellt. Die gängigsten Zurrsysteme zum Niederzurren sind mit einer LC (Lashing Capacity = zulässige Zurrkraft) von 500 daN, 1 000 daN, 1 500 daN, 2 000 daN bzw. 2 500 daN ausgewiesen. Die maximale Gurtbandbreite liegt bei ca. 50 mm. Zurrsysteme mit einer Belastbarkeit von 2 500 daN werden seit Jahrzehnten vor allem zum Niederzurren – der häufigsten Ladungssicherungstechnik – eingesetzt. »Wirklich relevant ist beim Niederzurren jedoch nicht die maximal zulässige LC, sondern die mit dem jeweiligen Zurrsystem erreichbare Vorspannkraft STF (Standard Tension Force = normale Vorspannkraft). Das schließt die Eignung zum Direktzurren jedoch nicht aus«, so Schmitz.

»Missverständnisse beiml Anwender«l

Textile Schwerlastzurrungen werden nicht immer vorbehaltlos als Alternative zu Zurrketten angesehen. Mitunter komme es, so Schmitz, schon bei der Bezeichnung »Schwerlastzurrung« zu Missverständnissen beim Anwender. »Relativ schnell kann ­eine Verbindung aufgrund der Bezeichnung ›Schwerlastzurrung‹ zum genehmigungspflichtigen Schwertransport hergestellt werden.« Handelsübliche Schwerlastzurrungen zum Direktzurren sind mit einer LC von 5 000 daN, 10 000 daN bzw. 12 500 daN (im direkten Zug) ausgewiesen. Die eingesetzten Gurtbänder sind meist rund 75 mm breit. Eine Ausnahme stellen 50 mm breite Zurrsysteme dar, die in einer speziellen Form der Bandvernähung auch eine LC von 5 000 daN (im direkten Zug) zulassen. Unabhängig von der auf dem Label angegebenen Vorspannkraft STF sind Schwerlastzurrungen zum Niederzurren nicht geeignet. Obgleich zweiteilige Zurrsysteme sich grundsätzlich hierzu einsetzen lassen, erreichen diese Systeme meist nicht die 10 % der LC als STF, die von der Norm 12 195-2 gefordert wird.

Vor- und Nachteilel


Die zur Diskussion gestellten Zurrmittel (Zurrketten bzw. textile Schwerlastzurrgurte) haben Vor- und Nachteile:– Sollte eine LC >12 500 daN (einfach-direkt) oder eine sehr hohe Vorspannkraft gefordert werden, geht kein Weg an der Zurrkette vorbei. Qualitativ hochwertige Zurrketten mit einem Kettendurchmesser von 16 mm erreichen eine LC von 25 000 daN (einfach-direkt). Die Dehnung von Zurrketten liegt bei LC in einem Bereich zwischen 1,1 % und 1,6 % (keine Vorgabe durch Norm). Die generierbaren Vorspannkräfte von Zurrketten mit einem Kettendurchmesser von 13 mm können bis zu 3 000 daN betragen. Hohe Vorspannkräfte kommen jedoch nur beim Prinzip der kraftschlüssigen Ladungssicherung (Niederzurren) zum Tragen. Als vorteilhaft ist auch die mechanische Widerstandsfähigkeit der Zurrketten in Verbindung mit »scharfen« Kanten zu bewerten.

– Für den textilen Zurrgurt sprechen Gewichts-, Handlings- und Preisvorteile. Eine LC von 12 500 daN (einfach-direkt) ermöglicht es nach dem Prinzip der formschlüssigen Ladungssicherung (Diagonalzurren), mit vier textilen Zurrgurten auch hohe Ladungsgewichte normgerecht zu sichern. Die maximal zulässige Dehnung der textilen Zurrgurte bei LC darf laut Norm DIN EN 12 195-2 7 % nicht überschreiten. Eine Angabe der Dehnung bei LC von < 4 % ist bei textilen Schwerlastzurrungen nicht unüblich.

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