Gewinnung – Aufbereitung – Abbruch – Brechen und Sieben Themen Titelstory

Von der »One-Man-Show« zum Weltmarktführer

Die Qualität des Antriebkonzepts, der exzellente Service und unsere immense Erfahrung sind die Gründe für den Erfolg«, sagt Klaus Ertmer als geschäftsführender Gesellschafter der Erkat-Gruppe und verweist stolz auf die Umsatzentwicklung. »Von 2012 bis 2014 haben wir unseren Umsatz im Prinzip verdoppelt, von 6,5 Mio. auf etwa 13,5 Mio. Euro«, sagt der 54-Jährige beim Redaktionsbesuch des bauMAGAZIN anlässlich der Demo Days und des 15-jährigen Bestehens des Unternehmens in der Firmenzentrale in Hämbach südlich von Eisenach. »Unser Ziel ist es, kommendes Jahr 15 Mio. Euro zu erwirtschaften und 2020 die Marke von 20 Mio. Euro zu knacken.«

Grundlage für den Erfolg der Erkat-Gruppe ist immer noch jenes, von Klaus Ertmer und Roger Dähne, Technischer Leiter der Erkat-Gruppe, entwickelte Antriebskonzept, das seinerzeit keine Gnade fand vor den Augen der Vorgesetzten. Das war Mitte der 1990er-Jahre, als Klaus Ertmer in der europäischen Niederlassung des US-amerikanischen Mining-Ausrüsters Boart Longyear vom osthessischen Burghaun aus als Vertriebsingenieur und später als Verkaufsleiter und Produktmanager für den Bereich Baggeranbaufräsen zuständig war, die von einem japanischen Hersteller geliefert wurden.»Großes Potenzial erkannt«

»Für mich war damals relativ schnell klar, dass das Nischenprodukt Anbaufräse großes Potenzial hat«, erinnert sich Klaus Ertmer, der von 1983 bis 1988 an der Bergakademie Freiberg Gewinnungs- und Aufbereitungstechnik studiert hatte und als Maschinenbau-Ingenieur erkannte, dass das Antriebskonzept dieser japanischen Fräsen nur bedingt für die harten Einsatzbedingungen in Europa geeignet war.

»Das Getriebe war einfach zu schwach, weshalb die Fräsen immer wieder ausfielen und repariert werden mussten«, so Ertmer. »Deshalb haben wir ein Getriebe konstruiert, das wesentlich robuster ist. Dieses Getriebekonzept habe ich meinen Vorgesetzten bei Boart Longyear vorgestellt und ihnen vorgeschlagen, eigene Anbaufräsen zu bauen und zu vermarkten. Das wurde abgelehnt, was für mich der Grund war, über den Schritt in die Selbstständigkeit nachzudenken.« Der Rest der Geschichte ist bekannt. Klaus Ertmer gründete 1999 in Leimbach die Erkat Spezialmaschinen Service GmbH als »One-Man-Show«… und verkaufte bereits im ers­ten Jahr 23 der nach seinen Plänen gebauten Anbaufräsen.Schlag auf Schlag

Von da an ging es Schlag auf Schlag. »Nach unserem ersten Auftritt auf der Bauma 2001, auf der wir mit der ER 5000 die größte Querschneidkopffräse der Welt vorstellten, konnten wir uns vor Händleranfragen kaum retten«, sagt Klaus Ertmer. Zu den weiteren »Meilensteinen« in der Erkat-Geschichte gehören der Umzug der Produktion ins benachbarte Hämbach (2004), die Gründung der Erkat-Niederlassung Middle East in Qatar (2006), die Eröffnung eines Büros in Indien (2007) und einer Niederlassung in den USA (2010) sowie der Neubau der Produktion (2012) und des Verwaltungsgebäudes (2013) in Hämbach.Spezielles Getriebekonzept

Dem Erfolg entsprechend angewachsen ist auch die Zahl der Mitarbeiter, die sich weltweit auf derzeit 80 beläuft und von denen 33 in Hämbach beschäftigt sind. Dort ist auch die Konstruktion und die Endmontage der Fräsen angesiedelt, wobei die Komponenten zum allergrößten Teil von Herstellern aus der Region bezogen werden, abgesehen von den Meißeln (Betek) und den Hydraulikmotoren (Poclain).

Von Anfang an zusammengearbeitet hat Klaus Ertmer mit Roger Dähne, mit dem er dieses Getriebekonzept entwickelt hat, das den Erfolg von Erkat begründet. »Unser Alleinstellungsmerkmal ist immer noch dieses Getriebe, das sich als sehr robust und zuverlässig erwiesen hat«, so Ertmer. Kernelement des Konzepts sind dabei drei Zahnräder. »Diese bieten genügend Platz für eine größtmögliche Lagerung, wodurch die Stöße sehr effektiv abgefangen werden«, erläutert Ertmer das System. »Diese drei Zahnräder bilden quasi einen Puffer zwischen Schneidrädern und Motor.« Deshalb ist für ihn diese technische Lösung »ganz klar robuster« im Vergleich zu einem Direktantrieb. »Wir behaupten uns mit unserem Antrieb schon seit vielen Jahren, was ja auch unser weltweiter Marktanteil von 70 % zeigt. Neue Mitbewerber müssen erst einmal über einen längeren Zeitraum nachweisen, ob sie hinsichtlich Qualität, Produktivität und Service mit uns mithalten können.«Eine weitere entscheidende Komponente für den Erfolg von Erkat ist für Klaus Ertmer neben Produkt- und Servicequalität die stets hohe Innovationskraft des Unternehmens. Viele Neuentwicklungen basieren dabei auf Nachfragen von Kunden. »Oftmals war einer unserer Kunden der Impulsgeber für eine Neu- oder Weiterentwicklung«, sagt auch Serviceleiter Ralf Schumann. »Das läuft dann immer nach einem ähnlichen Schema ab: Der Kunde hat ein Problem, das wir lösen sollen. Entweder durch Weiterentwicklung einer existierenden Maschine oder, funktioniert das nicht, durch eine Neuentwicklung.« Wie beispielsweise die Betonschneid­räder der Erwetor-Serie, die auf Anregung eines Kunden aus Qatar entwickelt wurden. Oder wie die Kettenfräse der Erkator-Serie, deren neuestes Model mit einer Schneidkopfbreite von 65 cm demnächst präsentiert werden soll.

Oftmals war einer

unserer Kunden der

Impulsgeber für eine

Neu- oder Weiterentwicklung.«

Ralf Schumann, Serviceleiter der Erkat-Gruppe


Produkt-Portfolio enorm erweitert

Mittlerweile hat sich das Erkat-Portfolio an Fräsen, die außer an Baggern auch an Baggerlader und Kompaktlader angebaut werden können, enorm erweitert. Auch deshalb wurde mit der Erkat GmbH & Co. KG eine Tochtergesellschaft gegründet, in der die Entwicklung und Produktion der »neueren« Produkte wie Flächen- und Kettenfräsen, Schneidräder oder Bohrantriebe gebündelt ist. Insgesamt bietet Erkat derzeit sieben Fräsen-Serien sowie Sondermodelle und mit der Serie EBA auch Bohrantriebe an. In diesem Jahr wird die Erkat-Gruppe weltweit gut 500 Einheiten in den Markt bringen, wobei davon rund 75 % auf die »Klassiker« Querschneidkopffräsen, Rotationsfräsen und Längsschneidkopffräsen entfallen. Zudem hat Erkat seit 2009 einen Mietpark aufgebaut, in dem permanent 30 bis 40 Fräsen präsent sind für Trägergeräte mit einem Einsatzgewicht von 3 t bis 50 t.»Unsere absolute Kernkompetenz«

Eine Schlüsselrolle nimmt der Export ein, liegt doch dessen Anteil am Gesamtumsatz der Erkat-Gruppe bei etwa 80 %. Wichtigste Exportmärkte sind der Nahe Osten, die EU-Länder, die USA oder auch China. In Deutschland fährt Erkat beim Vertrieb zweigleisig: Große Tunnelbaufirmen oder die ARGE von großen Bauprojekten werden direkt beliefert und betreut, ansonsten übernehmen diese Arbeit rund 20 Händler.

Dass man in den vergangenen zwei Jahren den Umsatz verdoppeln konnte, dafür hat Klaus Ertmer zwei Erklärungen: »Zum einem haben wir neue Märkte für uns erschlossen wie beispielsweise ­Brasilien, wo ich für uns ein großes Potenzial sehe, und gleichzeitig wurden unsere Vertriebsteams personell aufgestockt. Zum anderen haben wir mit ­Christoph Goebel einen Verkaufsleiter gewinnen können, der in der Branche weltweit bekannt ist und uns aufgrund seiner vielfältigen Kontakte nicht nur eine Tür neu geöffnet hat.«

Diesen »positiven Weg« will Klaus Ertmer zusammen mit seinen Mitarbeitern weiter gehen und so die ambitionierten Ziele realisieren. Nicht auf dem Plan steht dabei die Entwicklung einer gänzlich neuen Produktreihe. »Wir bleiben bei der Fräs- und Bohrtechnik«, so Klaus Ertmer bei den Demo Days anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Unternehmens, zu denen er Mitte Juni gut 90 Kunden und Händler aus der ganzen Welt in Hämbach begrüßen und ihnen die neuesten Erkat-Produkte im nahe gelegenen Steinbruch Oberrohn präsentieren konnte. »Denn das ist unsere ab­solute Kernkompetenz. In diesem Bereich wollen wir unsere Position als Weltmarktführer be­haup­ten und in den kommenden Jahren weiter ausbauen.«

»Unser Ziel ist es, kommendes Jahr 15 Mio. Euro zu erwirtschaften und 2020 die Marke von 20 Mio. Euro zu knacken.«

Klaus Ertmer,

Gründer und Geschäftsführer

der Erkat-Gruppe


von Michael Wulf

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