Uppenbrink: Wirtschaftliche Situation gibt Richtung für Leasing oder Finanzierung vor

Regelmäßig wird über Möglichkeiten von Anlagen-, Immobilien-, Fahrzeug- und Absatzfinanzierungen informiert. Die Finanzierungsmöglichkeiten unterscheiden sich mittlerweile fast nur noch durch die Kapitaldienste und steuerlichen Aspekte, wie Thomas Uppenbrink, Geschäftsführender Gesellschafter der Thomas Uppenbrink & Collegen GmbH in Hagen, überzeugt ist.

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Zur Person

Thomas Uppenbrink ist u. a. Geschäftsführender Gesellschafter der Thomas Uppenbrink & Collegen GmbH in Hagen und bei Verbänden sowie Institutionen akkreditiert. Uppenbrink ist Herausgeber von Fachliteratur zum Themenkreis Insolvenz, Sanierung und Restrukturierung. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten zählen die Insolvenzverwaltung, Unternehmenssanierung sowie Entschuldungsstrategien und das Krisen-Management.

Gerade in kapitalschwacher Zeit sind Unternehmen geneigt, ohne Prüfung auf zu erbringende Kapitaldienste und Restwertvereinbarungen, Finanzierungen oder Leasing zu übernehmen, ohne sich entsprechende Gedanken über Kosten und Nutzen zu machen. Zu erkennen ist, dass dieses Finanzierungsmedium vorschnell eingesetzt wird, obwohl sich für die Investitionen andere Finanzierungsinstrumente effektiver darstellen würden. Es zeigt sich auch, dass seitens der finanzierenden Institute häufig nicht genügend Informationen über die Situation des Unternehmens vorliegen, sodass beispielsweise Leasing genutzt wird, ohne sich Gedanken über die bilanzielle Seite zu machen.

Zudem kämpfen Finanzanbieter um Marktanteile: Durch die stärker werdende Konkurrenz innerhalb der eigenen Verbundpartner wächst der Druck, Marktanteile bei den Kunden zu realisieren, denn jede Großbank hat heute zusätzlich in ihrem Verbund Spezialfinanzierungsanbieter, eine eigene Leasing-Tochter, eine eigenständige oder angebundene Factoring-Tochter und möglicherweise noch eine Spezialabteilung für Immobilien.

Wer least, schafft keine Werte

Leasing stellt für Unternehmen ohne Eigenkapitalanteile ein Problem bei der Bilanzierung dar. Da Leasing eine bilanzneutrale Kostenposition ist, werden zwar Zahlungen geleistet, jedoch hat das Unternehmen keine Möglichkeit, dadurch Werte zu schaffen. Damit werden bei Unternehmen, die keine überproportionalen, zu versteuernden Gewinne erzielen und auch keine liquiden Basisanlagen haben, zwangsläufig entsprechende Lücken auftreten.


Weil innerhalb der Bilanz die Kostenseite ausgewiesen wird und sich damit kein wachsendes Anlagevermögen bzw. Abzahlen des buchmäßig angeschafften Anlagevermögens realisieren lässt, sind viele Unternehmen in Erklärungsnot, wenn entsprechende Bilanzen bei den Hausbanken vorgelegt werden müssen.

Mietkauf als Alternative

Eine andere Möglichkeit ist die Mietkauffinanzierung. Dabei können die Konditionen fast identisch zum Leasing ausgehandelt werden, jedoch werden die Werte gekauft – somit auch in das Anlagevermögen der Bilanz eingebucht und dann zu monatlichen festen Raten getilgt. Dies ist als Finanzierungsform notwendig für Unternehmen, deren Eigenkapitaldecke kaum oder gar nicht vorhanden ist. Mit Mietkauf werden durch monatliche Zahlungen auch unternehmerische Anlagewerte geschaffen. Zwar erweist sich Mietkauf dann als negativ, wenn das Unternehmen nicht in der Lage ist, seine Abschreibungen zu erwirtschaften, jedoch ist bei Mietkauf der Kapitaldienst nebst Zinszahlungen besser darzustellen.

Leasing-Anbieter schreiben sich auf die Fahnen, dass Leasing kein Kapital binde und die freibleibenden Mittel entsprechend besser verzinst werden könnten, wenn sie in den Geschäftsumsatz investiert werden und nicht in das Anlagevermögen. Dies stimmt nur zum Teil, da viele Hausbanken wegen der Übersichtlichkeit des Obligo lieber eine Gesamtfinanzierung des Anlagevermögens machen, als Teile an fremde Finanzierungsinstitute geben zu müssen.

Leasing passt nicht immer

Die von Finanzierungsinstituten propagierte, verbesserte Liquidität bei Einsatz von Leasing ist nicht immer darzustellen. Zwar wird bei einem gesunden Unternehmen die Leasing-Zahlung aus den laufenden Einnahmen getilgt, sodass die Kreditlinie bei der Bank nicht weiter beeinflusst wird, jedoch kann bei Unternehmen mit Finanzierungsschwächen Leasing zu einer zusätzlichen Kostenbelastung ohne Werteausgleich führen.

Üblicherweise schafft Leasing klare Kostengrundlagen und ermöglicht präzise Kalkulationen auch über mehrere Jahre. Weiter kann bei Leasing-Verträgen mit Rückgaberecht nach einer gewissen Laufzeit regelmäßig das neueste technische Gerät wieder übernommen werden (revolvierende Leasing-Verträge). Dies geht beim Abschluss von Mietkaufverträgen mit Abzahlung des Gegenstands nicht. Gerade im Bereich schnelllebiger beweglichen Investitionen – wie Straßen- oder Kraftfahrzeugen – kann Leasing durch entsprechende Vertragsgestaltung eine bessere Anpassung an technische Veränderungen bieten.

Anlagewerte schaffen

Klassische Bank- bzw. Mietkauffinanzierungen bieten den Vorteil, dass bei stetiger Zahlung der Raten die Schaffung von Werten auch dazu dient, der Bank eine Sicherheit im Zuge des Gesamtkredit-Engagements zu geben. Da nur in wenigen Fällen Großanlagen und Investitionen für den klassischen Mittelstand über Leasing-Verträge laufen, ist die Stellung bei der Leasing-Bank nicht so stark wie bei der eigenen Hausbank zu bewerten.

Mietkauf- und Leasing-Anbieter haben die gleichen Auflagen der Bankfinanzierung zu erfüllen wie Banken und Sparkassen. Oft sind sie auch bankenähnlich aufgestellt. Deshalb sind auch die Prüfungen von Sicherheiten, Kapitaldienstfähigkeit und Bonität des Kunden in gleicher Weise gegeben – wie bei klassischen Banken auch.

»Sale and lease back«

Unternehmen, die Anlagevermögen vorweisen können und sehr hohe steuerliche Abgaben haben, gehen auch dazu über, Anlagen an ein Leasing-Institut zu verkaufen (»sale and lease back«), sodass Liquidität ins Unternehmen kommt, ohne dass bei der Hausbank eine Erweiterung des Engagements gemacht werden muss und die Leasing-Raten hier in voller Höhe als Betriebskosten abgesetzt werden können. Das Verfahren wird nur bei Anlagen und Maschinen von den entsprechenden Anbietern vollzogen, wenn Wert, Wertzu­wachs und damit verbundene Sicherheit so in Einklang stehen, dass sich trotz Nutzung die Leasing-Raten in Höhe der Abschreibung bewegen.

Investitionshöhe spielt Rolle

Die Entscheidung über Leasing, Mietkauf und Bankfinanzierung ist abhängig von der Größe der Investition, dem Umfang und der damit verbundenen Auswirkung auf den Betrieb. Obwohl sich mittlerweile alle führenden Banken in der Auswahl ihrer Finanzierungsprodukte gleichen und auch die Kapitaldienstkosten überwiegend einheitlich sind, macht es Sinn, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen und zu verhandeln. Es kann auch helfen, mit einem Verbundpartner der eigenen Hausbank zu sprechen. Grundsätzlich sollte bei allen Entscheidungen hinsichtlich des Erwerbs von Fahrzeugen, Werkzeugen, Maschinen oder Immobilien über Kredite und Leasing daran gedacht werden, dass sich das auf lange Jahre zu zahlende Objekt auch betriebswirtschaftlich tragen muss. Vielfach liegen schon in der Unternehmensstrategie die Schwachpunkte, die dann konsequent weitergereicht auch zu Fehlentscheidungen bei Investitionen und damit zu mehr Kosten führen können. Nur unternehmerische Weitsicht mit konsequenter Strategie kann ein positives Resultat mit den richtigen Finanzierungsmedien erbringen.    t

Fakten

Steuerliche Auswirkung prüfen Vor jeder bedeutenden Investition sollte immer das Angebot des Finanzierungsinstituts auf Schwerpunkte geprüft werden: Finanzierungslaufzeit mit dem effektiven Zins berechnet auf die Investitionssumme nebst Kapitaldienstkosten nach Ende der Laufzeit.  Neben der reinen Investitionsplanung und Gegenüberstellung von Preis- und Leistungsangebot der Finanzierungsinstitute, sollte der Steuerberater eine Hilfe zur Entscheidungsfindung sein, da möglicherweise die steuerliche Seite bei der Annahme von Leasing im Unternehmen Vorteile bringen kann. Hier ist der Steuerberater in der Pflicht, dem Unternehmen entsprechende Empfehlungen zum Wohle des Betriebsablaufes und der Liquidität zu geben.  Zwar sind die Mitarbeiter der Leasing- und Finanzierungsinstitute durch ihre Erfahrungen fachlich sicherlich kompetent, aber nur der betriebseigene Steuerberater oder Buchhalter ist in der Lage, neben der schon getroffenen unternehmerischen Entscheidung etwas anzuschaffen, auch die steuerlichen Vorteile und Nachteile der gewünschten Finanzierung zu beurteilen.