IFAT Munich Umwelttechnologien im Fokus

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Von: Thomas Seibold

Seit 1966 ist die IFAT Munich der globale Treffpunkt der Umwelttechnologiebranche. Dass die Fachmesse auch in ihrem 60. Jubiläumsjahr nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt hat, zeigen die Abschlusszahlen zur Veranstaltung von Anfang Mai: Rund 3 400 Aussteller (2024: 3 211) und etwa 142 000 Besucher (gleichauf mit 2024) machten sich auf den Weg nach München. Unternehmen aus rund 60 Ländern und Regionen stellten dort auf 300 000 m2 ihre Lösungen für Wasser, Recycling und Circularity vor und gaben zugleich Antworten auf einige der drängendsten globalen Herausforderungen. Auch die Redaktion des bauMAGAZIN war mit dabei und verschaffte sich einen Eindruck von der Veranstaltung.

Angesichts der großen Bandbreite an unterschiedlichen Themen auf der IFAT stellen die für die Baubranche relevanten Lösungen sicherlich einen kleineren Anteil dar – sind deswegen aber nicht weniger wichtig. Aktuelle Herausforderungen, wie fragile Lieferketten und geopolitische Spannungen, betreffen alle Anbieter am Markt. Dabei sind vor allem beim Thema Kreislaufwirtschaft moderne und effiziente Lösungen erforderlich, um die anstehenden Aufgaben rund um das Materialhandling und Recycling bewältigen zu können. Stefan Rummel, CEO der Messe München, bilanziert: »Die Rekordbeteiligung auf der IFAT Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie. Umso wichtiger ist die IFAT Munich als Plattform. Sie ermöglicht den entscheidenden Wissenstransfer und verschafft der Branche die nötige Sichtbarkeit, um gemeinsam mit der Politik in den Dialog zu kommen und die richtigen Weichen zu stellen.«

Geschlossene Stoffkreisläufe im Fokus

Die geopolitische und wirtschaftliche Bedeutung der Kreislaufwirtschaft prägte die IFAT maßgeblich. Im Fokus standen effiziente Ressourcennutzung, geschlossene Stoffkreisläufe und reduzierte Abhängigkeit von Primärrohstoffen. »Die IFAT zeigt, dass wir in Deutschland in der Lage sind, eine weltführende Position in der Kreislaufwirtschaft nicht nur zu verteidigen, sondern sogar auszubauen«, sagt Remondis-Vorstand Thomas Conzendorf. »Denn die Ausstellerzahlen liegen mittlerweile höher als vor Corona. Wir arbeiten also in einer echten Zukunftsbranche. Das sollte uns allen Mut machen, zuversichtlich und positiv in die Zukunft zu schauen.«

IFAT-Rundgang: Impressionen vom Außengelände

Besucher mit einem starken Interesse an Baumaschinen wurden auch dieses Jahr auf der IFAT ­wieder fündig. Die VDMA-Crushing-Zone im Freigelände war dank ihrer beeindruckenden Live-Demonstrationen für hochwertiges Recycling von Bau- und Abbruchabfällen eine beliebte Anlaufstelle für viele Besucher. Zu sehen und erleben waren u. a. die Maschinen und Geräte von Arjes, Doppstadt Umwelttechnik, EuRec environmental technology, JCB, Kleemann, Komplet, Rockster, Sennebogen, Volvo CE, Wima Wilsdruffer Maschinen- und Anlagenbau, Zemmler Siebanlagen und Zeppelin Baumaschinen.

Im selben Bereich zeigten die VDMA Praxistage moderne Aufbereitungstechnik für Altholz sowie Park- und Gartenabfälle unter Beteiligung der Firmen Doppstadt Umwelttechnik, Fuchs Terex, Haas Recycling-Systems, Jenz, Komptech, Sennebogen, Vermeer Corporation und Willibald. Nicht zuletzt dank des sommerlichen Wetters waren diese Bereiche stets gut besucht.

Produkt- und Anbietervielfalt in den Hallen

In den Innenbereichen war deswegen kaum weniger los. So stellte die Lüra GmbH, Hersteller von mobilen Schüttgutboxen und Stahlstellwänden, ihre flexiblen Lagersysteme für die Recycling- und Abfallwirtschaft vor. Highlights am Messestand waren die Präsentation einer 3 m hohen Original-Lüra-Stellwand aus Stahl, die sich nach Herstellerangaben durch besondere statische Stärke und hundertprozentige Recyclingfähigkeit auszeichnet. Außerdem zu sehen waren die speziell für Schüttgüter konzipierten mobilen, modularen und erweiterbaren Lagerboxen und Hallenkonzepte.

Die IFAT bot zudem die Bühne für den ersten gemeinsamen Auftritt der neu formierten Gruppe aus Polypipe GmbH, resinnovation GmbH, Amex Sanivar und IMS Group GmbH mit dem klaren Anspruch »Alles aus einer Hand«. Frisch dabei war das litauische Unternehmen Lateral Repairs, das die Gruppe mit einem umfangreichen Angebot an hochwertigen Linern, Harzsystemen und Glasfasermatten verstärkt. Am gemeinsamen Stand präsentierte sich die gesamte Bandbreite moderner Rohr- und Kanalsanierung – vom Coating-System über moderne Harzlösungen bis hin zu Linern und Fräsrobotern – und wurde in zwölf Live-Demos erlebbar gemacht. Ein besonderes Highlight war der »rabbitcoater 2.0«, der zeigte, wie effizient und praxisnah moderne Sanierungstechnologie heute bereits Rohre in wenigen Minuten beschichten kann.


Bei Flottweg SE stand die »FW400 HTS«-Dekanterzentrifuge prominent im Vordergrund. Diese wurde speziell für die effiziente Entwässerung von Klärschlamm entwickelt und unterstützt Kläranlagen bei der kostengünstigen und zuverlässigen Schlammbehandlung. Ing. Bonfiglioli s.r.l. brachte mit der »Ariete« eine leistungsstarke, mobile Schrottballenpresse mit nach München, die insbesondere für die Verdichtung von Metallschrott, Autos und Industrieabfällen entwickelt wurde. Am Messestand von Vermeer waren u. a. Horizontal-Grinder »HG400TX« auf Raupenketten für die Holzzerkleinerung, Kompaktlader sowie der langsam laufende Schredder »LS3600TX« und der »ML100«-Minilader zu sehen.

Die Aqua Evolution Systems GmbH (»DerBlaue«) zeigte ihre große Palette an professionellen Flüssigkeits-Auffangsystemen. Diese wurden für eine Vielzahl an Branchen entwickelt und können grundsätzlich überall dort eingesetzt werden, wo Flüssigkeiten umgeleitet, aufgefangen, abgepumpt oder eingefüllt werden sollen. Das System ist zudem leicht zu transportieren.

Von der Sennebogen Maschinenfabrik GmbH gab es moderne Materialumschlaglösungen für die Recycling- und Abfallbranche zu sehen, darunter akkubetriebene Umschlagbagger der »G-Serie« sowie die Weltpremiere des »826 G Electro Battery« auf dem VDMA-Freigelände. Auf großes Interesse stieß außerdem die Vorstellung des neuen fünfschaligen Mehrschalengreifers »MG4.1«, welcher auf der IFAT erstmals öffentlich präsentiert wurde und das Portfolio des Herstellers im Bereich Schrott- und Recyclingumschlag erweitert.

Auf einem gemeinsamen Messestand präsentierte sich die Kiesel GmbH mit Fuchs und Kramer und einer Auswahl leistungsstarker Maschinen. Darunter befanden sich der Umschlagbagger »Fuchs MHL340 G« mit »HGT«-Greifer, der Radlader »Hitachi ZW160-7PL«, der Mini-Bagger »KTEG 63US MTC« mit Toolbox sowie der Kompaktlader »Giant GS800« mit Greifer. Aus dem Produktbereich Kramer wurden insgesamt fünf Maschinen gezeigt, wie etwa der Industrie-Teleskoplader »ITL55-9« und der Industrie-Radlader »IRL12-70 T«.

Aus dem Vollen geschöpft hat auch die Zeppelin Baumaschinen GmbH. Auf der 526 m2 großen Ausstellungsfläche reichten die Exponate vom großen Umschlagbagger »MH3032« über den kleineren Radlader »908« in der Highlift-Ausführung bis zum elektrischen Zeppelin-Teleskoplader »6.26«. In der Crushing-Zone zeigte zudem ein Cat-Kettenbagger »330 UHD« mit Pulverisierer »MP324« seine geballte Power.

Seitens der Komatsu Germany GmbH gab es am Messestand u. a. den Kompaktradlader »WA170M-11« zu sehen. Dieser lässt sich laut Hersteller vielseitig einsetzen und bewährt sich insbesondere im Recycling sowie bei kommunalen Aufgaben. Zur Wahl stehen zwei Hubgerüst-Kinematiken: Z-Kinematik (Z-Bar) für maximale Losbrechkraft und schnelle Ladezyklen sowie »Tool Linkage« für paralleles Heben sowie präzise Geräteführung und Gabel-/Palettenarbeit.

Mit dem »L 507 E« präsentierte Liebherr den ersten elektrifizierten Radlader der Firmengruppe. Er verbindet die Vorteile eines Liebherr-Stereoladers mit einem selbst entwickelten batterieelektrischen Antriebskonzept. Die Leistungsfähigkeit des »L 507 E« sei identisch mit herkömmlich angetriebenen Liebherr-Radladern derselben Größenklasse. Aus dem Bereich der mittelgroßen Radlader wurde das Modell »L 546« gezeigt, ausgestattet mit einem Hubgerüst mit Z-Kinematik. Dadurch sollen sich beim Materialumschlag schnelle Taktzeiten und dynamische Arbeitsbewegungen ergeben – auch mit schweren Anbauwerkzeugen wie Hochkippschaufeln im Recycling. Für Einsätze, die regelmäßig unterschiedliche Anbauwerkzeuge erfordern, gibt es einen sichtoptimierten Schnellwechsler sowie das vollautomatische Schnellwechselsystem »Likufix«. Weitere Highlights waren die erstmals gezeigten zwei Prototypen »LH 18 M Industry G8« und »LH 22 M Industry E G8« der neuen Generation 8 an Umschlagmaschinen. Ebenfalls zu sehen war ein Teleskoplader »T 55-7s«, der sich laut Liebherr ideal für Einsätze in Kompostieranlagen, dem Recycling oder Heizkraftwerken eignet.

Die Schöffel Pro GmbH überraschte mit einem ungewöhnlichen Standkonzept in Form einer langen Präsentationsfläche entlang des Hauptgangs anstelle eines klassischen Messestands. Besucher hatten so beim Durchqueren der Halle durchgängig die Produkte von Schöffel Pro im Blick. Ein Highlight waren die verschiedenen Workwear-Kollektionen, darunter vor allem die »Hi-Vis«-Shirts, die hohe Sichtbarkeit mit klimaregulierenden Materialien kombinieren – ideal für Arbeitseinsätze bei hohen Temperaturen.

Im Mittelpunkt des Messeauftritts der Daimler Truck AG standen ein Unimog »U 530« und die beiden batterieelektrischen Fahrzeuge Mercedes-Benz »eEconic 400« und »eActros 400« der zweiten Modellgeneration. Außerdem präsentierte Mercedes-Benz Trucks ein batterieelektrisches Entsorgungsfahrzeug, das teilweise aus recycelten Materialien besteht und begleitend zu einer umfassenden Studie zur Kreislaufwirtschaft im Nutzfahrzeugbereich mit 32 Partnern als Konzeptfahrzeug gebaut wurde. Theoretisch sind bis zu 80 Prozent der Hauptmaterialien ersetzbar.

Im Rahmen der IFAT stellte der Spezialfahrzeughersteller Mulag ein neu entwickeltes Auslegersystem für den Straßenbetriebsdienst vor. Die technische Neuentwicklung soll Anwender effektiv bei ihren täglichen Arbeiten unterstützen.Mit zahlreichen Reinigungslösungen für den Kommunalbereich trat die Kärcher Municipal GmbH auf. Eines der Highlights war das Anbaugerät »­CityZASC6« zur elektrischen Unkrautbeseitigung. Dieses kann mit den Geräteträgern der Holder »C«-Reihe und »MIC 42« verwendet werden und umfasst einen Generator, der Strom von bis zu 8 000 V erzeugt.

Unter dem Motto »Löwen im Alltag« stellte MAN Truck & Bus seine (Elektro-)Mobilitätslösungen für kommunale Anforderungen vor. Anhand von drei unterschiedlichen »eTGS« wurden die Vorteile des modularen Batteriekonzepts aufgezeigt. Je nach Fahrgestellkonfiguration kann das Rahmenlayout des »eTGS« drei bis sieben, speziell für den Einsatz im Nutzfahrzeug optimierte NMC-Hochvoltbatterien fassen. So lassen sich Reichweite und Nutzlast bedarfsgerecht auf das jeweilige Nutzungsprofil des Kunden abstimmen und spezielle Bauraumanforderungen erfüllen.

Gemeinsam mit Volvo Construction Equipment und Volvo Penta zeigt die Volvo Group unter dem Leitspruch »Together Towards Zero«, wie emissionsärmere Lösungen über den Lkw hinaus gedacht werden können. Ob Baumaschine, Antriebssystem oder Nutzfahrzeug: Der Ansatz ist derselbe. So bietet der ausgestellte 15 t schwere elektrische Radlader »L90 Electric« eine Hubkapazität von 4,5 t. Als abgasfreie Lösung eignet er sich ideal für innerstädtische Arbeitsvorgänge sowie für Bereiche wie den industriellen Materialumschlag, Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Landschaftsbau, Steinbrüche und Bergbau sowie Abfall und Recycling. Volvo gibt eine anwendungsabhängige Laufzeit von 4 bis 5 h an.

Der Termin für die nächste IFAT Munich steht bereits fest: Die kommende Veranstaltung findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 statt.

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