Im Blickpunkt OEM, Maschinen-, Fahrzeug- und Antriebstechnik – Wartung, Pflege, Instandhaltung Titelstory

Mit Quard und Quend »als neuer Player akzeptiert«

www.youtube.com/watch Marc Bianchi (Director Sales & Strategy QT), Fabiano Spedicato (Business Manager Quard & Quend und zuständig für die Regionen West- und Südeuropa sowie Südamerika), und Jörg Langenhuizen, der als verantwortlicher Business Area Manager Central Europe von der deutschen NLMK-Niederlassung in Ratingen aus den Auf- und Ausbau des europäischen NLMK-Q&T-Vertriebsnetzes vorantreibt, ist das die logische Konsequenz der kontinuierlichen Investitionen in den vergangenen Jahren: »Die NLMK-Gruppe hat seit 2007 rund 8 Mrd. US-Dollar in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Werke investiert, um immer auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein. Deshalb sind wir heute in der Lage, vergütete Stähle in einer Qualität herzustellen, die eine Produktivitätssteigerung beispielsweise bei der Fertigung industrieller Großmaschinen bewirken kann und die unter Baumaschinenherstellern neue konstruktive Möglichkeiten bietet.«Während in der hochverschleißfesten Produktgruppe Quard das Spektrum der Stähle mit Nennhärten von 400 und 450 HB um die neue Qualität 500 HB erweitert wurde, gibt es im Bereich der hochfesten Feinkornbaustähle der Produktreihe Quend neben der 700 MPa-Güte nun auch Quend 960. Dieser extrem hochwertige Stahl wird typischerweise zur Herstellung von Teleskopauslegern für Mobilkrane oder auch in der Schwertransportlogistik verwendet, wie beim Bau von Seitenträgerbrücken.

 

Dass NLKM Clabecq mit seinen vergüteten Stahlqualitäten Maßstäbe setzen kann, hat mehrere Gründe. »Die Grundlagen hierfür werden schon bei der Produktion der Brammen im russischen Stammsitz Lipetsk rund 400 km südlich von Moskau gelegt«, so Fabiano Spedicato. So verfügt das Stahlwerk dort über modernste Produktionsanlagen: Vom neuen Pfannenofen über die weltweit wohl effektivste Vakuumentgasungsanlage, die die Reinheit des Stahls maßgeblich erhöht, bis hin zu den Stranggussanlagen, deren älteste aus dem Jahr 2007 stammt. »Schon bei der Roheisenherstellung ist bei NLMK alles auf dem neuesten Stand der Technik«, so Fabiano Spedicato. Beispielsweise seien nichtmetallische Einschlüsse sowie Seigerungen im Zentrum des Stranges praktisch kein Thema. Zudem sei der Gehalt von Stahlschädlingen wie z. B. Stickstoff und Wasserstoff, extrem gering, was eine außergewöhnlich gute und reproduzierbare Bearbeitbarkeit ermögliche.»Weltweit einzigartig«

 

Neben dieser »hohen Qualität des Grundstahls« ist es die Anordnung der Walzstraße in Verbindung mit der neuen Vergütungslinie, die es NLMK Clabecq ermöglicht, in Ittre Stahl in einer Oberflächenqualität und mit Toleranzen ähnlich wie bei Bandblechen zu walzen. »Die weltweit einzigartige Kombination von einem Quarto-Reversier-Walzgerüst mit einem 4-Stände-Fertigwalzwerk versetzt uns in die Lage, dünne und breite Grobbleche mit einer Dicke von 3 mm an und Toleranzen aus dem Bereich der Bandfertigung herzustellen«, sagte Jörg Langenhuizen. Für den »letzten Schliff« – die sichere und konstante Erreichung der mechanischen Werte wie Härte, Festigkeit oder Kerbschlagarbeit, aber auch für ein extrem niedriges Spannungsniveau im Blech – ist die neue Vergütungslinie verantwortlich. Diese wurde nach einer Investition von etwa 120 Mio. Euro im Jahr 2011 in Betrieb genommen und gilt beispielsweise in puncto Wärmebehandlung und Richttechnologie unter vielen Experten als Referenzobjekt.Konstant hohe Qualität

 

Grundsätzlich sei es sehr aufwendig, eine neue Spezialstahlgüte zu entwickeln und in gleichbleibender Qualität industriell zu fertigen. Zahlreiche technische Parameter müssten geprüft und angepasst werden, wofür man viel Zeit und viele Testläufe benötige. »Vereinfacht ausgedrückt gibt es bei der Herstellung von Stählen in dieser Qualität eben eine Menge Stellschrauben, an denen man drehen kann und die in Abhängigkeit zueinander stehen«, sagte Jörg Langenhuizen. »Das ist eine sehr sensible Angelegenheit.«

 

So optimiert die neue Vergütungslinie in Ittre bei den für eine bestmögliche Kaltverformbarkeit ausgelegten Produktfamilien Quard und Quend die Kontrolle von Schlüsselparametern, wie Prozesstemperatur und die Art, Dauer und Intensität der Kühlung. Drei Hochleistungs-Richtanlagen und ein 3D-Laser-Kontrollsystem für die Ebenheitsmessung sichern eine sehr gute Ebenheit der Bleche.

 

»Derzeit beste Stahlgüte im Markt«

 

»Durch diese Qualitäten haben unsere Kunden gleich mehrere Vorteile«, so Jörg Langenhuizen. »Man benötigt weniger Zeit für das Ausrichten und Fixieren beim Schweißen und der mechanischen Bearbeitung der Bleche, was Durchlaufzeiten reduziert und damit die Produktivität verbessert. Geringere Spannungen im Blech erhöhen die Formstabilität und es sind Konstruktionen mit engeren Toleranzen möglich.« Die exzellente Oberflächenqualität minimiere zudem die Ausgangspunkte für Risse entlang der Biegelinie, speziell beim Kanten von kleinen Radien.

 

Dem neuen hochverschleißfesten Quard 500, der speziell für abrasiv hoch beanspruchte Anwendungen im Bergbau und in Steinbrüchen sowie im Recycling entwickelt wurde, werden überragende Qualitäten attestiert. »Einer unserer Kunden aus den USA hat uns mitgeteilt, dass Quard 500 seiner Meinung nach die derzeit beste Stahlgüte in diesem Segment auf dem Markt ist«, sagte Marc Bianchi. Und Jörg Langenhuizen ergänzte: »Je höher der Härtegrad ist, den wir Schritt für Schritt mit unserem Sortiment erreichen, umso mehr fällt unsere Stahlqualität als Unterscheidungsmerkmal ins Gewicht. Mit Quard 500 spielen wir jetzt in der obersten Güteklasse.«

»Es gibt bei der Herstellung von Stählen in dieser Qualität

eben eine Menge Stellschrauben, an denen man drehen kann.«

Jörg Langenhuizen

Dass NLMK Clabecq mit seinen neuen Stahlqualitäten ausgerechnet in dem Jahr auf den Markt gekommen ist, in dem die Auftragsbücher der Hersteller von Baumaschinen, Baugeräten und Baufahrzeugen nicht unbedingt »überquellen«, halten Fabiano Spedicato und Jörg Langenhuizen nicht für einen Nachteil. Denn in diesen ruhigeren Zeiten würden Hersteller eher darüber nachdenken, wie sie mit neuen Produkten ihre eigene Fertigung optimieren könnten. »Viele Kunden freuen sich über unser Engagement, nutzen die Möglichkeit eines Tests oder eines unverbindlichen technischen Gesprächs beispielsweise mit einem unserer Anwendungsingenieure und haben einfach eher ein offenes Ohr als in Zeiten hoher Auslastung. Und da bieten wir mit Quard 400, 450 und jetzt auch 500 eben interessante Ansätze. »Die allermeisten Kunden sind begeistert. Und auch mit dem hochfesten Feinkornbaustahl Quend 960 stehen uns jetzt die Türen offen.« So arbeitet NLMK Clabecq unter anderem mit Caterpillar, Volvo oder dem Bergbauspezialisten Bucyrus zusammen und steht mit allen anderen wichtigen Herstellern in Kontakt.

 

Geplant ist, in den kommenden Jahren die Produktion ­vergüteter Stahlbleche auf 200 000 t zu steigern. Bei Quard & Quend wird man sehr bald bei 3 mm bis 60 mm angekommen sein. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, werden derzeit in allen Regionen Europas Partnerschaften aufgebaut, wobei der Markt in Deutschland besondere Priorität genießt. »Wir haben mittlerweile ein flächendeckendes Vertriebsnetz geknüpft, das von der Niederlassung in Ratingen gesteuert wird«, so Jörg Langenhuizen. So sei man unter anderem in den Bereichen Straßenbau, Recycling, Fahrzeug- und Anlagenbau schon recht »gut vertreten«. Weitere wichtige Märkte in Europa sind für NLMK Clabecq insbesondere Frankreich sowie Italien, »trotz der derzeitigen Krise dort«.

 

Neben dem für die NLMK-Gruppe weiterhin »sehr bedeutsamen Heimatmarkt Russland« baue man auch in wachsenden Märkten wie Brasilien oder China die Präsenz immer stärker aus, sagte Fabiano Spedicato. So habe NLMK mittlerweile auch eine Niederlassung in Shanghai eröffnet. »Das ist ein erster Schritt, dem weitere folgen werden.« Zudem sei man in Australien mit dem Produkt Quard 500 auf großes Interesse gestoßen. »Für uns haben dabei die Aspekte Qualität und Service oberste Priorität. Beides bieten wir unseren Kunden, und das macht den Unterschied aus.« Vor allem die gleichbleibenden Eigenschaften des Stahls, die NLMK Clabecq durch seine moderne und einzigartige Fertigungstechnologie erziele, sorgten bei den Kunden für einen Mehrwert. »Wir wissen natürlich, dass auch Service, Verlässlichkeit und Kundennähe unverzichtbar für ein erfolgreiches Gesamtpaket sind. So bieten wir auf Wunsch zum Beispiel logistische Lösungen oder eine technisch-konstruktive Unterstützung«, erläuterte Jörg Langenhuizen. Bei NLMK Clabecq sei man davon überzeugt, die Marktanteile nicht nur in Europa kontinuierlich ausbauen zu können. »Wir werden weiter unseren Weg gehen.«

 

Die neuen Stahlqualitäten Quard 500 und Quend 960 sollen zudem alsbald Zuwachs erhalten. So kündigten Fabiano Spedicato und Jörg Langenhuizen an, dass eventuell schon im kommenden Jahr Quard 550 und Quend 1100 zum Portfolio von NLMK Clabecq gehören. »Und auf der Bauma 2016 werden wir dann bei Quend vielleicht schon eine Mindeststreckgrenze von 1 300 MPa anbieten können.«

 

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