Straßenbau – Tiefbau

Grabenlose Leitungserneuerung mit SPC-RC-Line-Rohren

Als Talentwässerung bezeichnet man Drainageleitungen, die die Geologie unterhalb von Abfalldeponien entwässern und sicherstellen, dass die Entsorgungsanlage nicht im Laufe der Jahre aufschwimmt. Entsprechend wichtig ist ihre Funktionssicherheit. Diese Rohre können sich ebenso mit Inkrustationen zusetzen wie die Sickerwasserstränge im Abfall selbst. Ein zweites Risiko für Talentwässerungen sind Schäden an den Rohren, die beim Aufbau der Basisabdichtung der Deponie oder später bei deren Verfüllung und durch die enorme Auflast im Betrieb entstehen. Der Ausfall solcher Leitungen ist ein Extremfall, den man tunlichst zu vermeiden sucht. Wo dieser dennoch eintritt, sind hoch anspruchsvolle Sanierungslösungen gefragt. So im Frühjahr auf der Deponie Winnenden-Eichholz. Hier galt es, 185 m Talentwässerungsleitungen zu sanieren – grabenlos, was sich bei 35 m Überdeckung quasi von selbst versteht. Das Konzept, das die Planer der AWG und des Ingenieurbüros ICP aus Urbach gemeinsam mit den Experten des Geschäftsbereichs Umwelt- und Deponietechnik der KMG Pipe Technologies entwickelte, sah den Austausch von 20 m irreparabel geschädigten StZ-Drainrohres in 35 m Tiefe im Berstlining-Verfahren durch ein PE 100-Drainagerohr 280 SDR 7,4 vor. Weitere 160 m PE 100-Drainrohr 355 SDR 7,4 sollten im Relining-Verfahren in eine defekte, aber in der Substanz zu erhaltende Rohrstrecke aus Stahlbeton DN 600 eingezogen und der Ringraum zwischen Alt- und Neurohr mit Kies 16/32 verblasen werden.


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Operationsbasis


Am Anfangs- und am Endpunkt der zu berstenden Strecke mussten zwei Tiefschächte ausreichender Nennweite als Operationsbasis für die Leitungserneuerung abgeteuft werden, und zwar durch den Müll und die Basisabdichtung hindurch bis auf die Höhenlage der Talentwässerung. Dabei ging es um Schachtbauwerke von 34 m Tiefe bei einer Weite von 4,7 m und 32 m Tiefe/Weite 5,6 m im Spritzbetonverfahren. Die Errichtung von Spritzbetonbaugruben ist eine Kernkompetenz von KMG Pipe Technologies, insbesondere in Verbindung mit Sanierungsmaßnahmen am Leitungsbestand. Bei dem Schachtbau-Verfahren wird der Schacht mit einem Seilbagger abgeteuft und von einer abgesenkten Arbeitsplattform aus schrittweise mit einer Wand aus stahlarmiertem Spritzbeton ausgebaut. Zwischen zwei dieser Schächte ­findet dann »von Sohle zu Sohle« die eigentliche Leitungsbau- bzw. Sanierungsmaßnahme statt. Im 34 m-Schacht der Deponie Winnenden wurde in die geöffnete defekte Leitung eine pneumatische Berstrakete des Typs Gigant von TractoTechnik eingesetzt und mit einem zuvor in die Altleitung eingezogenen Stahlseil verbunden. Der Rakete wurde ein gelochtes PE 100-Rohr 280 SDR 7,4 zugkraftschlüssig angekoppelt, durch das hindurch man den Pneumatik-Druckschlauch für den Antrieb der Berstrakete führte und an ein Aggregat an der Erdoberfläche anschloss.

Gigant arbeitet sich voran


Mit dröhnenden Schlägen arbeitete sich die Rakete, am Stahlseil in der Richtung stabilisiert, Meter um Meter in die defekte Steinzeugleitung vor, zerbrach sie und verdrängte die Scherben ins umgebende Erdreich. Im Vortrieb unterstützt wurde die Rakete durch eine außerhalb der Deponie in 180 m Entfernung postierte 10-t-Winde. Beim Vorrücken zog die Rakete den angekoppelten neuen Rohrstrang nach. Fünf Stunden dauerte es, bis der Raketenkopf nach 20 m im Zielschacht erschien. Für die zweite Phase des Vorhabens hatte man bereits auf einer Wiese außerhalb des Deponiegeländes PE 100-Drainagerohre 355 SDR 7,4 zu einem 160 m langen Strang zusammengeschweißt, den man jetzt über ein Auslaufbauwerk der Talentwässerung bergauf in Richtung des zweiten neuen Schachtbauwerkes einzog. Die Winde tat ihren Dienst jetzt von der Sohle des 32 m tiefen Schachtes aus.


Nach vier Stunden war auch dieser Kraftakt vollzogen; nach Verblasen des Ringraumes zwischen Altrohr und neueingezogenem Reliningstrang mit Kies 16/32 wurden die beiden neuen Talentwässerungs-Drainagerohre in der Tiefe des Schachts verbunden. In den beiden Schachtbauwerken wurde dann die durch den Aushub beschädigte Deponie-Basisabdichtung wiederhergestellt. Die anschließende Verfüllung der Spritzbetonbaugruben mit inertem Material erfolgt durch den Deponiebetrieb in Eigenregie.


Alles in allem dauerte die Sanierung der tief liegenden Rohrleitungen einschließlich Schachtbau und Wiederherstellung der Basisabdichtung rund 24 Arbeitswochen.

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