Im Blickpunkt

Die Umsatz-Milliarde fest im Blick und auf dem Sprung nach China

Am Produktionsstandort Hörsching werden Raupen- und Mobilbagger bis 14 t, Rad- und Raupendumper sowie Kompaktlader gefertigt, darunter auch fünf Kompaktbagger-Modelle mit einem Einsatzgewicht von bis zu drei Tonnen für den US-amerikanischen Kooperationspartner Caterpillar, dem größten Baumaschinenhersteller der Welt. »Mit dem neuen Werk weiten wir unsere Kapazitäten spürbar aus, um das aktuelle und auch künftig erwartete Wachstum zu realisieren«, sagte Cem Peksaglam, Vorstandsvorsitzender der Wacker Neuson SE. So sei es das Ziel des Konzerns, in diesem Jahr beim Umsatz die Marke von einer Milliarde Euro zu überschreiten. »Das haben wir uns fest vorgenommen.« Vorstandsmitglied Martin Lehner kündigte zudem an, dass Wacker Neuson ein Produktionswerk in China errichten wird und man sich zudem intensiv mit dem Thema »Produktionsstandort Südamerika« auseinandersetze: »Es ist keine Frage mehr, ob wir nach China gehen«, sagte Lehner. »Es ist vielmehr nur noch die Frage, wann wir das realisieren wollen.«


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Bilder ©  Michael Wulf


Insgesamt hat das Unternehmen – das 2007 aus der Fusion des Münchner Baugeräte-Herstellers Wacker Construction Equipment AG und des Linzer Kompaktmaschinen-Produzenten Neuson Kramer entstanden ist – in den vergangenen fünf Jahren mehr als 200 Mio. Euro in den Bau neuer Produktionsstätten und der neuen Zentrale investiert. Darin erinnerte Hans Neunteufel, Gründer von Neuson und Aufsichtsratsvorsitzender der Wacker Neuson SE, in seiner Festrede zur Eröffnung des Werkes in Hörsching die mehr als 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. »In heutiger Zeit ist es eher nicht alltäglich, dass ein europäisches Unternehmen für 65 Mio. Euro ein neues Werk auf eine Wiese in Oberösterreich baut«, sagte Neunteufel. »Doch für uns war das eine logische Entscheidung, denn wir haben am Standort Linz exzellente Mitarbeiter.«

65 Millionen Euro investiert


Dass »wir mit dieser Gesamtinvestition in Höhe von 65 Mio. Euro sowohl unser Bekenntnis zum Standort Linz als auch unser Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens unterstreichen«, betonte auch Cem Peksaglam. »Seit mehr als drei Dekaden kommen Baumaschinen von Wacker Neuson aus Linz. Mit der Standortwahl für unser neues Werk halten wir unsere langjährigen, hochqualifizierten Mitarbeiter und somit das über Jahrzehnte gewachsene Know-how. Obwohl es gerade in Linz wie in ganz Oberösterreich nicht einfach ist, qualifizierte Fachkräfte zu finden, konnten wir seit dem Baubeginn im Sommer vergangenen Jahres mehr als 200 neue Mitarbeiter und Auszubildende für Wacker Neuson gewinnen.«

»Marktposition weiter stärken«


Der Neubau sei aufgrund der weltweit stetig steigenden Nachfrage sowie der räumlichen Beschränkungen des bisherigen Fertigungsstandortes notwendig geworden, so Peksaglam. »Insbesondere die zunehmende Internationalisierung unserer Vertriebsaktivitäten und die exklusive Belieferung von Caterpillar mit Kompaktbaggern bis zu drei Tonnen Einsatzgewicht haben dafür gesorgt, dass unser Auftragsvolumen weiter gestiegen ist.« Mit der neuen Fertigungsstätte könne Wacker Neuson seine Marktposition weiter stärken und ausbauen. »Die optimierten Produktionsprozesse und hochmodernen Fertigungsanlagen ermöglichen uns weitere Verbesserungen in der Ausführungsqualität unserer Produkte sowie unserer Fertigungsflexibilität. Dadurch steigern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und letztlich unseren Markterfolg«, sagte Peksaglam.


Derzeit sind 530 festangestellte Mitarbeiter in dem neuen Werk beschäftigt, das mit einer Gesamtfläche von 170 000 m² sowie einer bebauten Fläche von 50 000 m² das derzeit größte und modernste Kompaktmaschinenwerk Europas ist und in dem schon seit Mai produziert wird. Herzstück des Werks sind die sechs Montagelinien, die nach neuesten produktionstechnischen Erkenntnissen eingerichtet wurden, und die Lackieranlage mit Pulverbeschichtung und Sandstrahlanlage. Ferner ist Hörsching das weltweite Kompetenzzentrum des Konzerns für die Entwicklung, das Design und die Produktion von Kompakt- und Mobilbaggern, Kompaktladern und Dumpern.

10000 Maschinen in diesem Jahr


»Wir werden in diesem Jahr in Summe rund 10 000 Maschinen ausliefern«, erläuterte Gert Reichetseder, Geschäftsführer des Werks, das auf eine Jahresproduktion von bis 15 000 Maschinen ausgelegt ist. Dabei ist es geplant, die derzeit vornehmlich auftragsbezogene Produktion auf eine Lagerproduktion umzustellen, sodass die Maschinen schneller für die Kunden verfügbar sind und innerhalb von zwei bis drei Wochen ausgeliefert werden können.


Cem Peksaglam betonte zudem, dass sich der Zusammenschluss der Unternehmen Wacker und Neuson Kramer ausgezahlt habe, weil man mit den beiden Produktgruppen Light Equipment und Kompaktmaschinen die gleiche Zielgruppe anspreche. Er wies in diesem Zusammenhang auf den »stabilen und synergetischen Umsatzmix« hin, der für eine »große Stabilität des Unternehmens« sorge. So erwirtschaftete man im vergangenen Jahr mit dem Segment Baugeräte 38 % und mit den Kompaktmaschinen der Marken Wacker Neuson, Kramer Allrad und Weidemann 42 % des Gesamtumsatzes von 991,6 Mio. Euro.


Für dieses Jahr erwarte man einen Gesamtumsatz von rund 1,1 Mrd. Euro, so Peksaglam, nachdem im ersten Halbjahr der Umsatz um 17 % auf 558,1 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden konnte. »Diese Zahlen belegen, dass Wacker Neuson die Krise viel schneller gemeistert hat als von vielen erwartet.« Und das, obwohl manche Märkte in Südeuropa »komplett weggebrochen sind« und das langsam Spuren hinterlasse. Wachstumstreiber in den ersten sechs Monaten dieses Jahres war vor allem der amerikanische Markt mit einem Umsatzplus Plus von 28 % auf 141,2 Mio. Euro, wo man »ein exzellentes Image« habe. »Dort ist es uns gelungen, die Märkte neben den bekannten Baugeräten verstärkt für unsere Kompaktmaschinen zu erschließen«, sagte Peksaglam. Aber auch in den Märkten Europas (+ 13 %) sowie im asiatischen und pazifischen Raum (+ 8 %) habe man zulegen können.


Gleichwohl sieht Peksaglam für Wacker Neuson noch »ein großes Wachstumspotential« hinsichtlich der globalen Präsenz, in erster Linie in den BRIC-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China. »Vor allem möchten wir nun auch im asiatischen Raum stärker wachsen«, sagte Peksaglam, »der ein enormes ­Potential für unsere gesamte Produktpalette, vor allem unsere Kompaktmaschinen, bietet.« Er kündigte zudem an, dass das Unternehmen auf der Bauma China im November in Shanghai »neue Light-Equipment-Produkte« vorstellen wird, die auf den asiatischen Markt »abgestimmt sind«.

Partnerschaft mit CAT »vertiefen«


»Sehr stolz« ist Peksaglam auf »die strategischen Allianzen« mit dem Landmaschinenhersteller Claas, für den das Tochterunternehmen Kramer Allrad seit 2005 Teleskopen produziert, und mit Caterpillar. Im Rahmen der seit 2010 bestehenden Kooperation baut Wacker Neuson für den größten Baumaschinenhersteller der Welt Minibagger mit einem Eigengewicht von bis zu 3 t, die weltweit (mit Ausnahme von Japan) vertrieben werden. »Mittlerweile produzieren wir für CAT in Hörsching fünf verschiedene Baggermodelle«, sagte Peksaglam. »Das ist eine sehr erfolgreiche Partnerschaft, die wir weiter vertiefen wollen.« Dass Wacker Neuson mit seinen acht Produktionsstätten weltweit zu den Technologieführern in den Produktgruppen Light Equipment und Kompaktmaschinen gehört, darauf verwies Martin Lehner, der im Vorstand von Wacker Neuson SE seit Oktober die Gesamtverantwortung für beide Produktbereiche hat.


Als Beispiele nannte er das Vertical Digging System (VDS), mit dem mittlerweile rund 70 % der sieben Baggermodelle mit einem Einsatzgewicht von 1,7 t bis 5 t auf Kundenwunsch ausgestattet werden; das Schnellgang­getriebe ecospeed, das eine stufenlose Geschwindigkeitsregelung von bis zu 40 km/h ermöglicht; das Fahrerassistenzsystem smart handling, das durch automatisches und lastangepasstes Einteleskopieren Schutz vor Überlast bietet, ohne dabei den Arbeitsfluss zu unterbrechen; und die Telematic-Technologie.

»Durch Innovationen unterscheiden«


Für Lehner ist es deshalb keine Frage, dass sich Wacker Neuson auch in Zukunft »durch Innovationen von den Wettbewerbern unterscheiden muss«, um erfolgreich zu bleiben. Schließlich erwirtschafteten schon heute Produkte, die jünger sind als fünf Jahre, mehr als 50 % des Konzernumsatzes. »Innovationen bestimmen unsere Zukunft«, sagte Lehner – und deshalb beschäftige man sich aktuell natürlich auch mit den Themen Energieeffizienz, Elektro- und Hybridantriebe, Fahrerassistenzsysteme oder der Verknüpfung und Kommunikation der Maschinen untereinander.


Von Michael Wulf

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