Für die einen beginnt Digitalisierung am Bau mit Building Information Modeling (BIM) oder damit, Cloud-Plattformen statt Aktenordner zu nutzen. Andere sprechen wiederum vom Internet of Things (IoT), von der Nutzung mobiler Apps und vom flächendeckenden Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Das alles sind ohne Zweifel nützliche Werkzeuge, um die Baustelle 4.0 Realität werden zu lassen. Sie sind aber »lediglich« Bausteine und keine allgemeingültigen Heilsbringer.
Woran es bisweilen hapert
Tatsächlich tut sich die Baubranche nach wie vor schwer damit, den Digitalisierungsprozess zu beschleunigen. Und die Schuld daran tragen nicht die Bauunternehmer, Hersteller oder Baubehörden. Nach wie vor existieren so gut wie keine vereinheitlichten Standards – und wenn sie dann da sind, kommen sie viel zu spät, erweisen sich als umständlich oder sind mit zu hohen Kosten verbunden. Die Bauverbände prangern zudem an, dass einheitliche Digital-Standards häufig von jenen festgelegt werden, die an der Praxis vorbeidenken und Prozesse dadurch eher »verschlimmbessern« würden. Nicht zu unterschätzen ist aber auch, dass die Baubranche sehr traditionell ausgerichtet ist. Dort heißt es: »Man regelt die Dinge seit über 30 Jahren gleich – wieso also plötzlich auf digitalen Schnickschnack setzen?«
Die Vorzüge erkennen
Interessant wird es aber dann, wenn plötzlich von Effizienzsteigerungen und Einsparpotenzialen die Rede ist. Die Digitalisierung besitzt die technische Treibkraft, alles am Bau anders zu denken. Wie genau das funktioniert, erkennen wir bereits anhand vermeintlich kleiner Dinge: Statt des Schmierzettels im Bauwagen nutzen wir digitale Kalender sowie Notiz- und Erinnerungsfunktionen. Der Stundenzettel wurde ersetzt durch smarte Zeiterfassung, während mitdenkende Assistenzsysteme das Baggerfahren einfacher gestalten als je zuvor. Und zwischen digitaler Datenanalytik, umfassendem Flottenmanagement und automatisierter Materialbeschaffung entwickelt sich die Baustelle nach und nach zur Automations- und KI-Spielwiese. Das Fazit lautet: Die Politik muss, ebenso wie die Behörden, klare Richtlinien, Vorgaben und anwendertaugliche Standards schaffen – nur über flächendeckende Verbindlichkeit kommen wir als Branche auch wirklich ins Machen. Gleichzeitig kann jedes Unternehmen seinen Beitrag leisten: Neben der Investition in Innovationen bringen wir die Digitalisierung weit schneller voran.