Im Blickpunkt

»Der Blow-Patcher ist ein großer Erfolg«

Dann werden nämlich nicht mehr so viele neue Straßenprojekte realisiert, vielmehr investieren Bund, Länder oder Kommunen die knappen Mittel in die Sanierung bzw. Erhaltung des bestehenden Straßennetzes. Und dafür benötigt man spezielle Maschinen, wie sie vom Spezialisten für Straßenunterhaltung und Straßensanierung aus dem schwäbischen Fellbach entwickelt und produziert werden. Nicht zuletzt deshalb blickt Joachim Wesner ziemlich optimistisch in die Zukunft. »Die Tendenz ist klar erkennbar, dass in den kommenden Jahren das Geld vermehrt in die Unterhaltung und die Sanierung von Straßen fließen wird«, sagt der Geschäftsführer, der zusammen mit den geschäftsführenden Gesellschaftern Karl-Heinz und Roland Schäfer die schäfer-technic GmbH leitet.


Von Michael Wulf


Das Unternehmen, das 1989 sein 100-jähriges Firmenjubiläum feiern konnte und seit der Fusion der Firmen von Karl Schäfer und Lothar Schäfer (beide waren nicht verwandt) im Jahre 2001 als schäfer-technic GmbH firmiert, verfügt über eine sehr umfangreiche Produktpalette an Maschinen und Verfahrenstechniken, mit denen sich alle für die Unterhaltung und Sanierung von Straßen, Wegen oder auch Plätzen notwendigen Baumaßnahmen effektiv umsetzen lassen. So entwickelte Lothar Schäfer bereits 1982 mit der OB-Maschine eine Kombinationsmaschine, die in einem Arbeitsgang Bindemittel spritzt und Splitt aufbringt und zudem direkt auf der Baustelle mit Splitt beladen werden kann. »Das war seinerzeit ein komplett neues Produkt, das es in der Form nicht gab«, sagt Joachim Wesner. »Und weil wir diese ­Maschine in den vergangenen Jahren konsequent weiterent­wickelt haben, setzt unser OB-Vario auch heute noch den ­Maßstab für diese Art von Oberflächenbehandlung.« So verfügt diese Verlegemaschine heute zum Beispiel über eine sensorgesteuerte Dosierautomatik und variable Arbeitsbreiten von bis zu 4,5 m, mit der Bindemittel und Splitt in optimierter Menge und gleichbleibender Qualität aufgebracht werden.


Ebenfalls als »führend in der Branche« sieht Wesner die Microbelag-Maschinen von schäfer-technic, die über einen speziellen Spritzbalken sowie ein spezielles Beladungssystem verfügen und so das Kaltmischgut hochwertig verlegen. »Dieses Verfahren bietet viele Einsatzmöglichkeiten«, sagt Wesner. »Es kann sowohl für Vorarbeiten als auch für Reparaturen genutzt werden, wie das Beispiel unseres patentgeschützten Mini-Mix zeigt.« Auch die Bitumenvorspritzmaschinen habe man ständig modifiziert, so Wesner, sodass diese heute gleich mehrere Aufgaben übernehmen können – wie transportieren, spritzen oder kehren.

Unsere OB-Maschine setzt auch heute noch den Maßstab.« Joachim Wesner, Geschäftsführer schäfer-technic GmbH


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Bilder: Michael Wulf


Besonders erfolgreich ist schäfer-technic seit einigen Jahren mit dem Blow-Patcher, mit dem Schäden wie Schlaglöcher, Frostaufbrüche, Absenkungen oder auch Netzrisse in Asphaltdecken schnell und effektiv beseitigt werden. Die weiterentwickelte Maschinentechnik und Dosiereinrichtung sorgen für eine gleichbleibende und reproduzierbare Qualität des Mischguts, das optional vom Bediener direkt aus dem Fahrerhaus exakt an der beschädigten Stelle eingebracht werden kann. »Vor allem in Frankreich haben wir seit drei Jahren mit dem Blow-Patcher großen Erfolg«, sagt Wesner, »weil er eine äußerst wirtschaftliche Lösung ist und der sanierte Straßenbereich sofort wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.« Von Vorteil sei zudem, dass der Unterhalt von Straßen in Frankreich ganz anders organisiert werde als in Deutschland.


 


Doch nicht nur als Entwickler und Hersteller von Maschinen für die Straßenunterhaltung und Straßensanierung hat sich das Unternehmen, das derzeit rund 50 Mitarbeiter in Fellbach beschäftigt und im Schnitt etwa 150 Maschinen Jahr produziert, einen Namen ­gemacht. Vielmehr ist es auch als Komponentenhersteller aktiv. So entwickelte schäfer-technic vor vier Jahren für den Fertiger-Weltmarktführer Vögele ein Spritzmodul mit speziellen Düsen, dank dem ein ­herkömmlicher Fertiger im Handumdrehen in einen Sprühfertiger umgerüstet werden kann. Diese Innovation war auch mit ein Grund dafür, warum man in Fellbach rund zwei Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionskapazität investierte, die sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt hat. Dementsprechend kontinuierlich gesteigert hat sich auch der Umsatz in den vergangenen Jahren.

Prävention spart langfristig Kosten


Rund 60 bis 65 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet schäfer-technic in Deutschland, wobei zu den Kunden in erster Linie Dienstleistungsunternehmen gehören, die sich auf die Unterhaltung und Sanierung von Straßen spezialisiert haben. Zudem habe sich zuletzt »mit dem GaLaBau ein neuer Markt aufgetan«, sagt Wesner. »Es gibt vermehrt Landschafts- und Gartenbauer, die neben ihren klassischen Arbeiten auch die Sanierung und Unterhaltung von Straßen und Wegen anbieten.« Mit den Auftraggebern für diese Arbeiten hingegen – in der Regel sind dies die Tiefbauämter in den Landkreisen oder Kommunen – ist eine direkte Zusammenarbeit eher schwierig, sagt Wesner. »Die Reaktionen sind da bislang sehr zurückhaltend.« Allerdings erhofft er sich, dass sich nach der bundesweiten sukzessiven Einführung der doppelten Buchhaltung im Rechnungswesen der Kommunen die Situation ändert. »Dann wird im Straßenbau vielleicht größerer Wert auf präventive Maßnahmen gelegt, was der öffentlichen Hand unterm Strich langfristig Kosten spart«, sagt Wesner. Optimistisch stimmt ihn, dass diese Sicht der Dinge sich in letzter Zeit schon in einigen Regionen und Städten Deutschlands durchgesetzt hat.


Im Auslandsgeschäft ist schäfer-technic hauptsächlich europaweit aktiv, wobei es sich in den osteuropäischen Ländern und im Baltikum vor allem um projektbezogene Lieferungen handelt. »Die Kontakte ergeben sich in der Regel über unsere Händler und über Netzwerke, die wir im Laufe der Jahre aufgebaut haben«, sagt Wesner. Aufgrund der saisonbedingten großen Auftragsschwankungen habe man eine »flexible Fertigungstiefe«. Je nach Auslastung sei diese sehr hoch oder sehr gering, wobei man in diesem Fall in der Vorfertigung mit langjährigen Partnern aus der Regionen zusammenarbeite. »Konstruktion, Entwicklung und Endmontage hingegen sind immer in Fellbach.«


Grundsätzlich sei es das Ziel, so Wesner, über Neuentwicklungen und einen guten Service die starke Stellung von schäfer-technic im Markt zu behaupten. Als Beispiel dafür nennt er die Entwicklung einer neuen Maschine, mit der es künftig möglich sein soll, Straßenbeläge auch bei Minusgraden zu reparieren. »Unsere Idee war, eine Maschine zu konstruieren, die nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter eingesetzt werden kann«, sagt Wesner«, »was natürlich deren Wirtschaftlichkeit erhöht. Und wir sind zuversichtlich, dass wir diese Maschine auf der Bauma präsentieren können.«


 

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