Im Blickpunkt

Auf Rekordkurs: »Neun Milliarden Euro Umsatz sind ein phantastisches Ergebnis«

»Dass wir in diesem Jahr die Grenze von neun Milliarden Euro Umsatz erreichen werden, ist ein phantastisches Ergebnis«, sagte Stefan Heissler, als Vorstandsmitglied der Liebherr International AG in Bulle (Schweiz) unter anderem für die Unternehmenskommunikation der Firmengruppe verantwortlich. »Denn das ist der höchste Wert in der Geschichte von Liebherr.« Gleichzeitig erläuterte Heissler vor der internationalen Fachpresse bei der Liebherr-Informationsfahrt im brasilianischen Guaratinguetá, dass die Unternehmensgruppe in diesem Jahr ihre Investitionen nahezu analog zum Gesamtumsatz steigern wird: Sie belaufen sich auf rund 770 Mio. Euro (ca. + 10 %) und fließen zum größten Teil in die Modernisierung und Erweiterung des weltweiten Produktionsnetzwerks. »Damit haben wir seit 2007 insgesamt fast 3,5 Mrd. Euro investiert«, sagte Heissler. »Diese beeindruckende Zahl beweist, dass wir auch in wirtschaftlich unruhigeren Zeiten unsere Strategie nicht ändern. Unser Ziel dabei ist, in unseren wichtigsten Vertriebsregionen als lokaler Hersteller mit hoher technischer Kompetenz wahrgenommen zu werden.« Gestiegen ist bei Liebherr aber nicht allein der Umsatz, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter. »Wir erwarten, dass Ende 2012 in den mehr als 130 Unternehmen der Firmengruppe nahezu 38000 Mitarbeiter beschäftigt sein werden«, so Heissler. »Das sind 7,5 % oder 2600 Mitarbeiter mehr als im vergangenen Jahr.«


Mit 65 % erwirtschaften die vier Produktabteilungen im Baumaschinen- und Bergbaubereich den größten Anteil am Gesamtumsatz der Unternehmensgruppe, die restlichen 35 % entfallen auf die Produktgruppen Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Werkzeugmaschinen und Automationssysteme, Haushaltsgeräte, Komponenten sowie Hotels. In den ersten sechs Monaten 2012 erzielte Liebherr einen Umsatz von 4,387 Mrd. Euro, was ein Wachstum von 9,8 % bzw. 393 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet – obwohl im zweiten Quartal das globale Bruttoinlandsprodukt das geringste Wachstum seit der weltweiten Rezession von 2009 aufwies, so Stefan Heissler.Der Umsatz im Bereich Bau- und Bergbaumaschinen lag bei insgesamt 2,837 Mrd. Euro. Das sind 7,7 % bzw. 203,6 Mio. Euro mehr als in den ersten sechs Monaten 2011. »Dieser Anstieg ist auf den Aufschwung in unseren Abteilungen Erdbewegung und Bergbau zurückzuführen«, sagte Heissler. So stieg der Umsatz mit Erdbewegungsmaschinen um 14,4 % bzw. 134,7 Mio. Euro auf 1,071 Mrd. Euro. Ein »noch dynamischeres Wachstum« wies die Abteilung Mining auf: Dort erhöhte sich der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 129,7 Mio. Euro (+ 29,1 %) auf 575 Mio. Euro. Leichte Umsatzrückgänge hingegen verzeichneten im ersten Halbjahr 2012 die zwei anderen Baumaschinensparten. So setzte Liebherr mit Fahrzeugkranen 50,2 Mio. Euro (– 5,2 %) weniger um als im Vorjahreszeitraum und erwirtschaftete 906,8 Mio. Euro. Im Bereich Baukrane und Mischtechnik belief sich der Umsatz auf 284,6 Mio. Euro und lag damit 3,6 % bzw. 10,6 Mio. Euro unter dem Wert des Vorjahres.


Ebenfalls positiv war mit einem Plus von 13,9 % bzw. 189,4 Mio. Euro auf knapp 1,549 Mrd. Euro die Geschäftsentwicklung in den anderen Produktabteilungen der Unternehmensgruppe. So steigerte beispielsweise die Sparte Maritime Krane den Umsatz um 16,1 % bzw. 52,3 Mio. Euro auf insgesamt 376,5 Mio. Euro. Die Umsatzzahlen der anderen Produktgruppen für die ersten sechs Monate lauten: Aerospace und Verkehrstechnik 505,2 Mio. Euro (+ 14,5 %), Werkzeugmaschinen und Automationssysteme 126,5 Mio. Euro (+ 44,4 %), Haushaltsgeräte (Kühl- und Gefrierschränke) 437 Mio. Euro (+ 5,5 %), Komponenten und Hotels 104,4 Mio. Euro (+ 12 %).Stefan Heissler betonte zudem, dass die Unternehmensgruppe ihren Umsatz in allen Marktregionen steigern konnte. Unter anderem stieg dieser »in dem für Liebherr immer noch wichtigsten Markt Westeuropa« um 9,4 % bzw. 173,6 Mio. Euro auf 2,025 Mrd. Euro. Laut Stefan Heissler werde »die derzeitige wirtschaftliche Abkühlung die Geschäftsentwicklung der Unternehmensgruppe aber nur leicht beeinflussen«, der die Aussichten für Liebherr im kommenden Jahr mit dem Adjektiv »moderat« umschrieb. Gleichwohl werde Liebherr an seiner Strategie festhalten und in diesem Jahr rund 770 Mio. Euro in die Modernisierung und Erweiterung des weltweiten Produktionsnetzwerks sowie in die Stärkung der Vertriebs- und Service-Organisation investieren, vor allem auch in Westeuropa.

70 Mio. Euro in Biberach


So baut man am Stammsitz im oberschwäbischen Biberach auf einem 150000 m² großen Grundstück für rund 70 Mio. Euro ein weiteres Komponentenwerk, in dem unter anderem Schaltanlagen und Elektromotoren produziert werden sollen. Kräftig investiert Liebherr auch am Standort Colmar (Frankreich). Zum einen wird das erst 2010 in Betrieb genommene ­Miningbagger-Werk für rund 30 Mio. Euro erweitert, da es bereits an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. Zum anderen wird für rund 80 Mio. Euro auf einem 50000 m² großen Gelände ein neues Werk für die Produktion von Komponenten für den Mining-Sektor sowie ein Forschungs- und Entwicklungszentrum gebaut. Außerdem fließen rund 30 Mio. Euro in die Erweiterung des Werkes in Lindenberg (Allgäu), wo Liebherr Komponenten für die Luftfahrtindustrie entwickelt und herstellt.


»Diese aktuellen Investitionen zeigen, dass wir unsere Strategie, unsere Produkte in oder in der Nähe unserer wichtigsten Vertriebsregionen herzustellen, konsequent weiterverfolgen«, sagte Stefan Heissler. Neben dem Ziel, »als lokaler Hersteller mit hoher technischer Kompetenz wahrgenommen zu werden«, gelte dabei immer der Grundsatz: »Neue Aktivitäten dürfen keine negativen Auswirkungen auf die bereits bestehenden Standorte haben. Vielmehr werden diese voll in den Prozess der Marktentwicklung eingebunden.«


Als ein Musterbeispiel dafür, dass diese Strategie auch in den Emerging Markets höchst erfolgreich ist, steht das Engagement der Unternehmensgruppe in Brasilien, das neben Russland, Indien und China zu den Schwellenländern mit den höchsten Wachstumsraten in den vergangenen Jahren zählt, den sogenannten BRIC-Staaten. Bereits 1974 hatte Firmengründer Hans Liebherr das Potenzial des südamerikanischen und dabei vor allem des brasilianischen Marktes erkannt und in Guaratinguetá – auf halber Strecke zwischen der 22-Millionen-Metropole Sao Paulo und Rio de Janeiro gelegen – die Tochterfirma Liebherr Brasil G.M.O Ltda. gegründet. Diese ist nicht nur für die Vertriebs- und Kundendienstaktivitäten der Geschäftsbereiche Baumaschinen und Mining-Equipment auf dem brasilianischen Markt und darüber hinaus zuständig, sondern hat auch Entwicklungs- und Fertigungsaktivitäten für mehrere Produktlinien verschiedener Liebherr-Geschäftsbereiche übernommen. »Damit ist Liebherr Brasil G.M.O Ltda. heute ein wichtiger Teil des weltweiten Fertigungsnetzwerks der vier Liebherr-Sparten Erdbewegungsmaschinen, Mining, Maritime Krane sowie Baukrane und Mischtechnik«, erläuterte Geschäftsführer Klemens Ströbele.


So werden in Guaratinguetá auf einer Gesamtproduktionsfläche von mehr als 116 000 m² derzeit die Raupenbaggermodelle R 944 C, R 954 C und R 964 C, das Umschlaggerät A 924 C sowie die Radlader L 538 und L 580 produziert, ferner für Mining-Kunden auf der ganzen Welt die Großhydraulikbagger R 9350 und R 9400. Die Aktivitäten in der Sparte Baukrane und Mischtechnik gliedern sich in zwei Produktlinien: Betontechnik mit Fahrmischern und Trockendosieranlagen wie die neu entwickelte TDA 100 sowie Turmdrehkrane. Produziert werden derzeit der Flat-Top-Kran 85 EC-B 5 b sowie im Bereich Maritime Krane der Board Offshore-Kran BOS 4200 und künftig auch der Mast-Kran MTC 3100.


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Umsatz auf das Achtfache erhöht


Laut Klemens Ströbele spiegelt die Entwicklung des Unternehmens den Zustand der brasilianischen Wirtschaft insgesamt wider. So hat sich der Umsatz von Liebherr Brasil mit seinen heute insgesamt gut 1 200 Mitarbeitern innerhalb der vergangenen zehn Jahre auf mehr als das Achtfache erhöht – von rund 20 Mio. Euro im Jahre 2001 auf fast 170 Mio. Euro im Jahre 2011. Das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum betrug in diesem Zeitraum 25 %, in den letzten beiden Jahren jedoch 38 % (2011) und 47 % (2010). Abgesetzt wurden 2011 mehr als 200 Erdbewegungsmaschinen und Umschlaggeräte sowie mehr als 1300 Fahrmischer, bei denen Liebherr in Brasilien mit einem Anteil von 60 % klarer Marktführer ist.


Nicht nur wegen der Fußball-WM 2014 – für die Brasilien geschätzt mehr als 690 Mio. Euro in den Neubau und die Modernisierung der zwölf Stadien investiert, wobei insgesamt 29 Liebherr-Krane im Einsatz sind (ein ausführlicher Bericht dazu folgt in einer der nächsten Ausgaben des bauMAGAZIN) – und der Olympischen Spiele 2016 erwartet Klemens Ströbele, dass sich das Wirtschaftswachstum im größten Land Südamerikas fortsetzt: »Durch das staatliche Wachstumsbeschleunigungsprogramm PAC sollen in den nächsten vier Jahren finanzielle Mittel in Höhe von etwa 377 Mrd. Euro für Infrastrukturinvestitionen bereitgestellt werden. Deshalb hat Liebherr Brasil, trotz der derzeitigen leichten Schwäche der brasilianischen Wirtschaft, eine ausgezeichnete Zukunftsperspektive.«


Von Michael Wulf

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