Bau- und Nutzfahrzeuge

Ein »Panther« in Mazedonien

Der neue Panther von Doll bietet ein zulässiges Gesamtgewicht (technisch) von 85 000 kg und 66 350 kg Nutzlast bei einem Autobahntempo von 80 km/h (87 550 kg/68 900 kg bei 60 km/h, 105 000 kg/86 350 kg bei 20 km/h). Der 8-Achs-Teleskop-Sattelauflieger Panther S8E-S3F_3+5 verfügt über geteilte Achsen mit hydraulischer Federung. Der Federweg beträgt – 70 mm bis + 335 mm. Das Fahrzeug besitzt zudem auch die Doll-eigene hydraulische Zwangslenkung und einen hydraulisch abfahrbaren und scharnierenden Schwanenhals. In der Teilung 3+5-Achsen ist er als Sattelauflieger mit fünf Achsen am Schwanenhals fahrbar, wofür ein Adapter-Koppelstück mitgeführt wird.Er ist aber auch gekuppelt mit dem 3-Achs-Zwischenteil als 8-Achstieflader (S8E/3+5) einsetzbar. Die Semi-Plattform ist eine verstärkte Ausführung, die den Lasten einer 8-Achskombination angepasst ist. Diese verfügt über einen Kastenrahmen, der Durchbiegen vermeidet und um 5 800 mm teleskopierbar ist. Felber Transport hat zusätzlich zwei zwischen diesen Fahrzeugpartien einhängbare Tiefbetten mit 8 000 mm und 5 000 mm Länge geordert.


Die Plattform des Hinterwagens besitzt Rungentaschen (100 x 50 mm, 5 Paar), Verzurr­augen (5 000 daN, 3 Paar) im Außenrahmen, schwenkbare Zurrbügel (20 000 daN, 3 Paar) neben dem Zentralrahmen. Zusätzlich ist der Einbau von Zurrbügeln zum Verspannen von überbreitem Ladegut unter der Ladefläche der Tiefbettplattform (10 000 daN, 4 Paar) gegeben.


Jungfernfahrt von Österreich nach Mazedonien


Der Transporteur aus Kärnten setzt den neuen Panther S8E mit einem Scania R730 8 x 4 ein. Mit dem 730-PS-Sattelschlepper weist der Zug nicht teleskopiert eine Gesamtlänge von 16,45 m und der Sattelauflieger von 12,41 m auf. Die Zugmaschine ist vollluftgefedert und kann so bei Unebenheiten, wie sie auf Baustellen häufig sind, wie der Panther-Semisattel mit dem langen Federweg ausgleichen. Der Panther kann zusätzlich den Federweg einseitig verändern und so gefährliche Schwerpunktverlagerungen verhindern.


Das Gespann wird von Andi Prem, einem erfahrenen Schwerlast-Chauffeur gefahren. Er hat den Zug mit seinem Scania 730 8 x 4 beim Hersteller in Oppenau abgeholt und fährt nach einigen kurzen Probetouren seine erste Ferntour. Die Ladung besteht aus einem Generator mit rund 54 t Gewicht, hinzu kommt das Trägergestell mit 5 t, das als Rückladung zurück nach Österreich geht. Der Zug wiegt mit allen Ausrüstungen und Ladungssicherungs-Ausrüstung leer 42 800 kg, der 8 x 4 allein 13 080 kg.Auf den Straßen kann es für Transporte dieser Art sehr eng werden. Polizei- und Schwertransportbegleitung haben deshalb bereits eine breite Spur für den Konvoi gesichert. Mit den 2,75 m Breite wird es dennoch schon an einer Mautstelle eng, doch Prem lenkt den Zug gelassen hindurch: »Die Lenkung ist unglaublich exakt. Sie spricht sofort an und hält die Spur ausgezeichnet.« Das ist auch auf dem weiteren Fahrtverlauf wichtig, denn immer wieder kommt es in engen Autobahn-Baustellen zu diffizilen Spurwechseln – mit starken Niveauunterschieden – auf die Gegenbahn. Auch hier ist Prem von der Fahrstabilität des Panther S8E begeistert. Die begleitende Polizei hat ein Tempo von 60 bis 65 km/h vorgegeben. Für den Chauffeur ist das unerfreulich, denn mit seinen 95,9 t Gesamtgewicht auf 4 + 8 Achsen könnte er gut 80 km/h fahren und Lenkzeitreserven aufbauen. Die 12 t Zulassung der geteilten Panther-Achsen kann er in Serbien nicht voll nutzen, da nur 8,5 t zugelassen sind. Doch die acht Achsen des teilbaren S8E bringen dafür ihren Nutzen.


An der Grenze zu Mazedonien sind rechtwinklige Kreuzungen, Brücken und parkende Fahrzeuge zu »überwinden«, Andi Prem schlängelt den Zwölfachser zwischen den Hindernissen hindurch: »Ich bin vom Rangierverhalten des neuen Panther begeistert«, sagt Prem. Weiter geht es auf einer vierspurigen Schnellstraße ins Gebirge in Richtung Ohrid. Nach etwa 55 km sind in einer Ortschaft beim Abbiegen auf eine Nebenstraße parkende Pkw, Fußgänger, entgegenkommende Traktoren sowie Kinder auf Fahrrädern zu passieren. Auch hier steuert Prem den Zug um Hindernisse und Gefahrenstellen. Der Achtachser folgt der Zugmaschine spurtreu, bis in einem Talkessel das Ziel, das Wasserkraftwerk Brutok, erreicht ist. Prem stellt den Zug, nachdem er einen engen Kreis gefahren hat, neben einer Felswand ab. Trotz engem Radius hinterlassen die Reifen kaum Spuren auf dem noch heißen Asphalt. Auch dies ist ein Pluspunkt des Doll Panther. Er schont die Reifen wie auch die Fahrbahn, trägt dadurch auch zur Verbrauchssenkung und damit hohen Wirtschaftlichkeit bei.


Rückwärts durch einen schmalen Tunnel


Das Wasserkraftwerk ist in den Fels gebaut. Zur Entladung muss Andi Prem rückwärts in einen etwa 4,5 m breiten Tunnel mehrere Hundert Meter zurückstoßen. Als Schwierigkeit kommen mehrere Biegungen hinzu, die zu meistern sind. An der ersten Biegung erleichtert die Lenktechnik mit der Fernbedienung durch einen zweiten Mann das Unterfangen erheblich. Diese Aufgabe übernimmt Christian Manninger, Techniker des Kraftwerkbauers Andritz Hydro. Manninger hat in dieser Aufgabe schon Übung und genießt das Vertrauen des Chauffeurs. Nach einer Viertelstunde ist die Entladestelle erreicht, eine quadratische Öffnung in der Betondecke. Andi Prem löst die Ladungssicherung, während die Monteure und der Kranführer warten und ihre Vorbereitungen treffen. Sie setzen eine eigens für die Entladung der Generatoren neu konstruierten Halterung ein und heben den Koloss an.


Heimfahrt mit leichter Rückfracht


Nachdem die Ladungssicherungen, Ketten, Winden und Spanngurte in den geräumigen Staukisten und auf der Ladefläche des Schwanenhalses verstaut sind, werden die Frachtpapiere gegengezeichnet und Abschied genommen.


Andi Prem hat erneut eine wertvolle und für die Stromversorgung Mazedoniens wichtige Fracht pünktlich und in bestem Zustand abgeliefert: »Ich liebe diese Arbeit. Und mit dem neuen Acht-Achs-Auflieger ist die Fahrt noch deutlich angenehmer. Ich schätze die Präzision von Lenkung und Federung. Der Höhenausgleich bei Unebenheiten wie in einigen Baustellen auf dem Weg hierher bedeuten einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor. Der Lenkeinschlag von 55° und das schnelle, exakte Ansprechen der Panther-Lenkung haben mich auf dieser ersten Fahrt überzeugt. Dem Fahrzeug wurde schließlich viel abverlangt.«


Gerlach Fronemann


 

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