Eines vorweg: Deutschland ist ein »Massivbauland«. Statt der in den USA weitverbreiteten Holzrahmenbauweise setzt man hierzulande auf robuste Fundamente, langlebige Ziegel und gewaltige Mengen an Stahlbeton. Oder anders gesagt: Gebaut wird auf deutschen Baustellen »für die Ewigkeit«. Und spätestens beim Abriss solcher Gebäude wird klar, dass es hierzulande Maschinen und Anbaugeräte braucht, die mit der notwendigen Power um die Ecke kommen. Wichtigster Akteur ist hierbei der Abbruchbagger – eine Maschine, die nicht nur hohe Motorleistung, sondern auch gewaltige hydraulische Kraft, ein stolzes Eigengewicht sowie eine Vielzahl an speziellen Anbaugeräten mitbringen muss. Beim Abbruch von mehrstöckigen Gebäuden sind überdies sogenannte High-Reach-Bagger notwendig – sie verfügen über einen besonders großen Auslegerarm und sparen dem Abrissunternehmen den mühseligen Aufbau von Gerüsten für die Arbeiten in oberen Stockwerken. Am deutschen Markt sind vor allem Maschinen von Caterpillar, HD Hyundai, Kobelco, Komatsu, KTEG, Liebherr sowie Sennebogen und Volvo CE vertreten – nachfolgend werden wir auf einige repräsentative Modelle dieser Hersteller eingehen. Im selben Atemzug sind allerdings auch die vielen Anbaugeräte zu nennen, die beim Rückbau zum Einsatz kommen. Hierzu zählen Abbruch- und Sortiergreifer sowie Scheren, Zangen, Hämmer und Pulverisierer. Diese jedoch zusätzlich zu den Abbruchbaggern im Detail zu benennen, würde den redaktionellen Rahmen an dieser Stelle gehörig sprengen. Deshalb hat sich das bauMAGAZIN dazu entschlossen, in dieser Ausgabe gezielt auf die Geräteträger einzugehen – in einer späteren Ausgabe befassen wir uns dann explizit mit dem Segment der größten und leistungsstärksten Abbruchwerkzeuge der Branche.
Brachial und anspruchsvoll
In meinen Kindheitserinnerungen schlummert noch immer das Bild von einem Bagger, der eine tonnenschwere Abrissbirne durch die Lüfte schwenkt und damit ganze Häuserwände zum Einsturz bringt. Die »eiserne Birne«, gern auch Abrisskugel genannt, war lange Zeit das Wahrzeichen dieser Branche – und ist angesichts der technischen Weiterentwicklung nur noch selten auf deutschen Baustellen anzutreffen. Der Grund: Moderne Abbruchbagger verfügen über gewaltige hydraulische Kraft und lassen sich mitunter sogar mit einem Auslegearm ausstatten, der Reichweiten von bis zu 50 m zulässt. Gleichzeitig werden die heutigen Maschinen mit leistungsstarken Abbruchzangen, Greifern und Pulverisierern versehen, die komplette Etagenflure zerlegen. Aber: Die Abrisskugel ist nicht komplett verschwunden – nachfolgend zeigen wir am Beispiel einer Spezialabbruchmaschine von Sennebogen, dass die tonnenschweren Birnen noch immer Anwendung finden.
Abbrucharbeit heute
Eines hat sich aber nicht geändert: Schon damals zählten Abrissarbeiten zu den anspruchsvollsten Jobs am Bau – nicht grundlos wurden Maschinisten, die den Umgang mit der Abrissbirne beherrschten, als »Künstler an der Kugel« bezeichnet. Und heute ist die Arbeit im Rückbau sogar noch komplexer. Der Abbruchbagger hat sich schlichtweg zum Multi-Tool-Carrier weiterentwickelt, der aufgrund einer Flut an verfügbaren Anbaugeräten und der Nutzung von Schnellwechslern hochflexibel eingesetzt werden kann. Erst kürzlich war die Redaktion bei Abbrucharbeiten an der Carolabrücke in Dresden vor Ort (das bauMAGAZIN berichtete darüber in der Ausgabe 08/25 ab Seite 16) und hat Bagger erlebt, die extrem vielseitig zum Einsatz kamen. Der Wechsel zwischen Abbruchzange, Greifer und Hammer gelingt innerhalb von Sekunden – mithilfe von hydraulischen Schnellwechslern muss der Maschinist dafür nicht einmal mehr seine Fahrerkabine verlassen. Die heutige Herausforderung ist allerdings, dass jeder Handgriff sitzen muss: Anders als früher muss nun weit häufiger auf beengtem Raum gearbeitet werden – angrenzende Gebäude dürfen nicht beschädigt werden und nicht selten wird das Abbruchmaterial mittlerweile direkt vor Ort zerkleinert und sogar weiterverarbeitet. Darüber hinaus erfordert der Umgang mit dem Spezialwerkzeug hochpräzises Arbeiten am Joystick. Zwar sind die modernen Bagger mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen ausgestattet, aber das berüchtigte »Baggerfahrer-Bauchgefühl« lässt sich nur schwer durch technische Raffinessen ersetzen.
Könige der Zerstörung
Der Markt für Abbruchbagger gilt als vielschichtig und hart umkämpft. Wir haben es mit individuellen Spezialmaschinen zu tun, die exakt auf die Anforderungen im Abbruch zugeschnitten sind. Im Gegensatz zu konventionellen Baggern verfügen HighReach-Bagger über eine enorme Arbeitsreichweite nach oben hin. Gleichzeitig muss das Hydrauliksystem dazu in der Lage sein, die notwendige Kraft bis in das Anbaugerät zu bringen, das in teils schwindelerregenden Höhen arbeitet. Ein großer, wenn auch unvermeidbarer Nachteil sind die erschwerten Transportbedingungen: Um einen High-Reach-Bagger samt Ausleger und tonnenschweren Ballastgewichten an seinen Einsatzort zu bringen, muss großer Aufwand betrieben werden. Das rechnet sich jedoch, sobald das Abbruchmonster auf der Baustelle angekommen ist. Ein konventioneller Bagger muss erst mal »Platz schaffen«, um nah genug an das Abrissobjekt zu gelangen. Aufgrund seines extrem langen Auslegers ist das bei einem High-Reach- oder Longfront-Bagger nicht notwendig. Einmal an seinem Einsatzort angekommen, kann die Maschine ohne ständiges Umpositionieren sogar auf engstem Raum agieren. Neben ihrer Fähigkeit, Anbaugeräte auch in großer Höhe mit der notwendigen Kraft zu versorgen, verfügen Abbruchbagger über eine merklich robuste Bauweise, bestehend aus verstärkten Stahlbauteilen und langlebigen Hydraulikkomponenten. Darüber hinaus werden die Spezialmaschinen mit besonderen Sicherheitseinrichtungen versehen. Dazu zählen spezielle Kabinen mit Panzerglas und Schutzgitter, mehrere Kamerasysteme sowie Überlast- und Stabilitätswarnsysteme. Aufgrund der großen Reichhöhe und des steilen Winkels hat der Maschinist allerdings eine eingeschränkte Sicht auf das, was am Ende des Baggerarms geschieht. Deshalb verwenden Hersteller kipp- und hochfahrbare Kabinen, sodass eine ideale Sicht auf das Arbeitsfeld ermöglicht wird.
Schwer: KTEG und Liebherr
Den Anfang machen zwei echte Schwergewichte, die allein schon aufgrund ihrer Leistungsdaten und Abmessungen herausstechen. Das betrifft den »R 980 Demolition« von Liebherr, der mit einem Einsatzgewicht von bis zu 197 t, einer Motorleistung von 420 kW sowie einer Arbeitshöhe von bis zu 60 m zu den Königen im selektiven Rückbau zählt. Bei maximaler Reichhöhe kann das Anbaugewicht rund 2,5 t betragen. Dieser Stahlkoloss ist dazu in der Lage, einzelne Stockwerke von Hochhäusern abzutragen. Um die nötige Hydraulikleistung zu erbringen, werden für die Ausrüstung und das Fahrwerk zwei Verstellpumpen mit einer Fördermenge von bis zu 2 x 498 l/min sowie für das Schwenkwerk eine revisierbare Schrägscheiben-Verstellpumpe mit einer Fördermenge von bis zu 315 l/min benötigt. Allein im Hydrauliktank befinden sich 850 l – der Hydrauliksysteminhalt kommt auf stolze 1 500 l. Im Inneren der Fahrerkabine, die sich bei Bedarf kippen lässt, findet der Maschinist eine große Spielwiese an digitalen Tools und Assistenzsystemen vor, die ihm dabei helfen, die Abbrucharbeiten nicht nur präziser und schneller, sondern auch sicherer zu gestalten. Das zweite Schwergewicht am Markt ist der »KMC1600S-7« aus dem Hause KTEG: Dieser Koloss kommt sogar auf ein Betriebsgewicht von bis zu 230 t und hat ebenfalls eine Reichhöhe von bis zu 60 m. Unter der Haube hat der KTEG-Riese einen Motor mit 567 kW Leistung, während das Anbaugewicht bei maximaler Reichhöhe bis zu 3 t betragen soll. Neben einem hydraulisch verstellbaren Unterwagen, einer Kippkabine sowie einem »Quick Connect«-System ist dieser Abbruchriese auf hohe Präzision sowie brachiale Kraft und Leistung ausgelegt. Konzipiert wurde dieser Gigant vor allem für herausfordernde Rückbauprojekte.
Allrounder aus Fernost
Wenn Deutschland, wie eingangs formuliert, das »Massivbauland« darstellt, ist Japan wohl das »Land des modernen Abbruchs«. Zumindest, wenn man Kobelco folgt: Bereits Mitte der 70er-Jahre tauchten in den dicht bebauten fernöstlichen Metropolen die ersten Long-Reach-Hydraulikbagger auf, die mit ihren ebenfalls neuartigen Hydraulik-Werkzeugen schon Arbeitshöhen von knapp 20 m erreichten. Früher als in Europa entwickelte sich am japanischen Baggermarkt ein »echtes« Abbruchsegment, in das vor allem auch OEMs Maschinen mit speziell entwickelten Auslegern und angepasster, leistungsfähiger Hydraulik schickten. So auch Kobelco mit seiner »D(emolition)«-Serie ab 40 t Einsatzgewicht, die dem Kettenbagger-Spezialist gemeinsam mit Tausenden von Mini-Baggern nach eigenen Angaben über Jahre rund 40 Prozent Marktanteil und damit die führende Position im hochtechnisierten japanischen Abbruchsegment sicherten. Klar, dass Kobelco diesen Heimvorteil auch weltweit ausspielen will: Insgesamt vier Modelle umfasst die aktuelle »DLC«-Baureihe an Kobelco-Abbruchbaggern mit maximalen Bolzenhöhen von 21 bis 40 m. Alle Modelle sind mit dem »Next«-Auslegerwechselsystem ausgerüstet, das nicht nur den Transport vereinfacht, sondern dank flexibel einsetzbarer Ausrüstungen die Möglichkeiten auf der Baustelle entscheidend steigert: nur eine Maschine für den selektiven Höhenabbruch, den effizienten Rückbau bodennaher Stockwerke oder die Beseitigung massiver Fundamente. Laut Kobelco immer mit führenden Werkzeuggewichten bzw. Schaufelkräften, was die Allrounder absolut in einer Liga mit vergleichbaren konventionellen Großbaggern spielen lässt. Besonders deutlich wird das am Kobelco »SK1300 DLC«: Mit gut 140 t Maximalgewicht und 382 kW Motorleistung lag das Abbruch-Topmodell nicht nur in unserem bauMAGAZIN-Baumaschinenquartett weit vorne. Zur echten Trumpfkarte im Höhenangriff wird der »1300er« mit seinem maximalen Anbaugewicht von 4,3 t bei 40 m Bolzenhöhe, was insbesondere auch den effizienten Einsatz der jeweils richtigen Werkzeuge an Schnellwechslern ermöglicht. Insgesamt vier unterschiedliche High-
Reach-Auslegerkombinationen bietet Kobelco für sein Spitzenmodell – entsprechend spezifisch lässt sich die Maschine anpassen. Sind die oberen Etagen abgeräumt, wechselt der Kobelco »SK1300DLC« in etwa zwei Stunden die Arbeitsausrüstung am Grundausleger: Werkzeuge bis knapp 10 t ermöglichen dann den »kurzen Prozess« in gut 24 m Höhe – vom Boden aus lassen sich je nach Anbau-Werkzeug (max. 12 t) Fundamente bis rund 10 m Tiefe effizient zurückbauen. Als komplett neue Maschine kündigt Kobelco im Rahmen der neuen 11er-Generation seiner »DLC«-Baureihe aktuell den Kobelco »SK650DLC« an: Innerhalb der eigenen Baureihe knapp über dem bestehenden »SK550DLC« angesiedelt, bietet der 80-t-Bagger mit »Next«-Wechselausrüstung neben einer neuen Abbruchkabine deutlich höhere Anbaugewichte für Abbruchwerkzeuge (3,7 t bei 28 m/6,1 t bei 17,6 m), die sich aufgrund einer neuen Geometrie der High-Reach-Ausrüstung nun auch in Bodennähe effizient einsetzen lassen
Großgerät: Cat und Komatsu
Ein paar Kilo leichter, dafür nicht weniger gigantisch sind die High-Reach-Abbruchbagger »352 UHD« von Caterpillar und der »PC490 HRD-11« von Komatsu. Beide Modelle gelten als vielseitige Kraftpakete und entspringen zweier Hersteller, die zu den Weltmarktführern zählen. Aufgrund der langjährigen Expertise in diesem Segment profitieren sowohl die Caterpillar- als auch die Komatsu-Maschinen von High-End-Technologie: Die Fahrerkabinen sind prall gefüllt mit digitalen Tools und ausgeklügelten Assistenzsystemen, die zum einen jeden Arbeitsablauf der Maschine analysieren und überwachen und zum anderen zu hohen Sicherheitsstandards beitragen. Der »PC490 HRD« von Komatsu gilt als Allrounder und kann bei veränderten Anforderungen umkonfiguriert werden. Das Auslegerwechselsystem ist mit großen Schnellkupplungen für Hydraulikleitungen ausgerüstet, die hohe Drücke in der Rücklaufleitung und damit ein Überhitzen des Hydrauliköls verhindern, ohne den Ölstrom zu reduzieren. Ausgestattet ist der Riese mit 270 kW Leistung bei einem Betriebsgewicht von bis zu 73,4 t. Auf einer Höhe von 32 m kann der Abbruchbagger ein 2 t schweres Abbruchwerkzeug einsetzen – bei 28 m lassen sich auch bis zu 3,3 t schwere Werkzeuge nutzen. Entwickelt wurde der »PC490 HRD« so, dass er möglichst gut zu transportieren ist: Jeder Abschnitt der Arbeitsausrüstung ist mit Verzurrösen und Lasthaken ausgestattet. Hinzu kommt, dass das standardmäßige Laufwerk mechanisch verstellbar ist, was ein niedrigeres Gewicht bei dennoch hoher Standsicherheit und einer Transportbreite von unter 3 m mit sich bringen soll. Der von Caterpillar konzipierte »352 UHD« hingegen kommt auf ein Einsatzgewicht von 64,5 t und weist eine Bolzenhöhe am Stielkopf von 27,7 m auf – in dieser Höhe lassen sich Abbruchwerkzeuge mit bis zu 3,7 t einsetzen. Letztlich kann die Cat-Maschine ihre Arbeitsgeräte in Arbeitshöhen von acht bis neun Stockwerken nutzen. Mit kurzem Steckausleger hingegen sind auch Arbeiten in Kellergeschossen von bis zu zwei Stockwerken Tiefe sowie das Beladen von Lkws möglich. Das verbaute Laufwerk mit Spurverstellung soll ausgefahren eine hervorragende Stabilität bieten, während es in eingezogenem Modus den Transport erleichtert. Auch bei diesen beiden Kolossen sind die Fahrerkabinen neigbar, auf hohe Sicherheitsstandards bedacht und bieten dem Maschinisten übersichtliche Touchscreens, etwa um Informationen der Überwachungssysteme gut ablesen zu können. Im »352 UHD« ist ein Cat-C13B-Motor mit einer Leistung von 330 kW verbaut – das Haupthydrauliksystem sorgt für einen maximalen Volumenstrom von 779 l/min.
Produktiv: Hyundai und Volvo
Mit dem 75-Tonner »EC760E« sowie dem 52 t schweren »HX520AL« liefern Volvo und Hyundai zwei hochkarätige Abbruchbagger, die von einer robusten Außenkonstruktion, intelligenten Helfern sowie von hoher Flexibilität profitieren. Der »HX520AL« von HD Hyundai setzt auf einen Cummins-Motor des Typs »X12«, der eine Leistung von 298 kW aufweist. Der schwere Raupenbagger gilt als Top-Performer des Herstellers und wurde zusätzlich für eine lange Lebensdauer im Abbruchsegment konzipiert. Durch die automatisierte Steuerung der einzelnen Hydraulikpumpen soll die Effizienz gesteigert werden. Im Repertoire hat HD Hyundai zwar noch weit schwerere und größere Maschinen, etwa den »HX1000AL«, allerdings ist dieser explizit für den Einsatz im Bergbau für den Massenaushub entwickelt worden. Der »HX520AL« wiederum eignet sich ideal für Abbrucharbeiten, da er extrem starke Leistung abrufen kann, aufgrund seiner Bauweise sowie den Abmessungen jedoch sehr vielseitig im Rückbau einsetzbar ist – auch ohne High-Reach-Ausstattung. Auf Abbruchbaustellen ist der Hyundai-Riese vorrangig für seine Robustheit, seine hohe Flexibilität sowie ausgereifte Motoren- und Hydraulikkomponenten beliebt. Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim »EC760E« von Volvo CE ab: Dieser 75 t schwere Abrissspezialist setzt auf einen hauseigenen Dieselmotor des Typs »D16« mit einer Leistung von 385 kW. Trotz seiner Abmessungen gilt er als produktiv und kraftstoffeffizient. Hohe Ausbrech- und Reißkräfte machen auch ihn zu einem vielseitig einsetzbaren Raupenbagger, der bei Abbruchprojekten weltweit zum Einsatz kommt. Der verstärkte Ausleger und Stiel, der aus Stahl mit hoher Zugfestigkeit besteht, soll die Lebensdauer und Leistung maximieren. Unter den Stiel geschweißte Stahlstreifen sollen überdies für zusätzlichen Schutz sorgen – passend zur jeweiligen Tätigkeit bietet Volvo CE weitere Ausleger- und Stielkonfigurationen. Sowohl der »EX760E« von Volvo als auch der »HX520AL« eignen sich auf Abbruchbaustellen als hervorragende »Springer«: Sie lassen sich mit unterschiedlichsten Anbaugeräten ausstatten und wechseln diese in Sekundenschnelle – gleichzeitig benötigt man beim Rückbau zuverlässige Bagger, die sich nicht nur zum reinen Abriss eignen, sondern bei Bedarf auch produktiv beim Beladen und Ausheben sind. Sie »springen« letztlich von Aufgabe zu Aufgabe, ohne dass die zeitaufwendige Demontage eines High-Reach-Systems notwendig ist. Am Ende, und auch das hat die Recherche immer wieder gezeigt, ist eine gute Mischung aus High-Reach-Baggern und weit flexibleren Maschinen notwendig, um die Abbrucharbeiten so effizient und zeitsparend wie möglich zu gestalten.
Sennebogen-Maschinen
Ein Alleinstellungsmerkmal im Abbruchsegment bringt Sennebogen mit sich: Der Hersteller kann nicht nur reine Abbruchbagger, sondern eben auch spezialisierte Abbruchmaschinen aufbieten. Hochleistungsmaschinen wie der Abbruchbagger »870E Demolition« kommen auf ein Einsatzgewicht von bis zu 117 t bei einer erstaunlichen Reichweite von bis zu 36 m. Damit deckt die Maschine eine große Einsatzbandbreite ab. Entwickelt wurde der Longfront-Demolitionbagger für den Rückbau großer Industrieanlagen, Hallen und Gebäudestrukturen. Je nach Einsatz ist er mit Abbruchgreifer, Hammer oder Pulverisierer ausrüstbar. Angetrieben wird der »870E« von einem Dieselmotor mit 298 kW Leistung. Je nach Stockwerkhöhe können Gebäude mit einer Höhe von neun bis zehn Stockwerken abgebrochen werden. Und: Gerade in eng bebautem Gebiet kann die Maschine ihre Vorteile ausspielen – sie fasst punktgenau mit der Abbruchschere oder dem Greifer die Gebäudestrukturen und bringt die Teile sicher zu Boden. Eine Besonderheit stellt bei den Sennebogen-Abbruchbaggern außerdem die Kabine dar. Sie ist hochfahrbar und lässt sich gleichzeitig neigen, was dem Maschinisten einen guten Überblick auf das Abrissobjekt bietet. Verbaut sind in den Sennebogen-Baggern überdies starke Hydrauliksysteme inklusive eines dritten Hubzylinders für Anbaugeräte mit einem Gewicht von bis zu 4 t bei Reichhöhen von bis zu 36 m. Wie erwähnt, bietet Sennebogen allerdings auch hochinteressante Abbruchmaschinen auf: Mit Traglasten von 70 t beim »670E« bis 300 t beim »6300E« lassen sich die als Seilbagger konzipierten Maschinen beispielsweise mit einer Abrisskugel ausstatten. Üblicherweise werden diese Maschinen mit Anbaugeräten wie Schleppschaufeln, Verrohrungsmaschinen sowie Kranausrüstung oder Greifern versehen. Der wahrlich größte und schwerste unter ihnen ist der besagte »6300 E«, ein Koloss mit einer Hakenhöhe von bis zu 80 m, angetrieben von einem 840 kW starken Motor. Beim Abbruch eines hohen Gebäudes wurde der Seilbagger beispielsweise verwendet, um in
einer Höhe von 75 m eine massive Abbruchkugel zu betreiben. Stück für Stück schlug der Gigant die Gebäudestruktur in Stücke.
Die Abbruchbranche – ein Fazit
Die Faustregel lautet »Abgerissen wird immer« – und auch wenn sich die Abbruchbranche über viele Jahrzehnte hinweg darauf verlassen konnte, dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind, erleben wir seit einigen Jahren einen Rücklauf. Aus einer Studie der Technischen Universität Dresden, die vom Bundesbauministerium gefördert wurde, geht hervor, dass in Deutschland jährlich immer weniger Gebäude abgerissen werden. Seit 2007, insbesondere aber ab 2018 nahm die Zahl der Abrisse von Wohnungsgebäuden um teils 36 Prozent ab. Und die Gründe sind vielfältig. Zum einen wird heutzutage schlichtweg »zu gut« gebaut: Aufgrund der hohen Qualitätsvorgaben und des Einsatzes weit langlebigerer Baumaterialien wird die Lebensdauer von Gebäuden erhöht. Gleichzeitig herrscht in Deutschland seit Jahrzehnten ein gehöriger Wohnraummangel – oft können es sich Städte und Gemeinden deshalb gar nicht leisten, bereits bestehende Wohngebäude abzureißen. Zu bedenken gilt außerdem, dass die Abbruchbranche über viele Jahre hinweg reihenweise Gebäude aus den 1920er- und 1930er-Jahren sowie ganze Wohnlandschaften aus der ehemaligen DDR abreißen musste, um Platz zu schaffen. Heute ist Immobilienbesitz kostbar und die Sanierung häufig wirtschaftlicher als der Neubau. Die Abbruchbranche nagt aber noch lange nicht am Hungertuch: Allein im Infrastruktursektor herrscht ein gewaltiger Rückbaubedarf. Das betrifft vor allem den Abbruch von maroden Straßen, Schienen und Brücken. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass allein etwa 16 000 Brücken in Deutschland als baufällig eingestuft werden – ein beträchtlicher Teil davon muss dringend abgerissen und erneuert werden. Alles in allem hat die Abbruchbranche aber auch Mittel und Wege in den eigenen Betrieben gefunden, um der schleppenden Auftragslage zumindest teilweise entgegenzuwirken: Durch den Einsatz weit effizienterer Abbruchmaschinen, die sich bei Bedarf auch für andere Tätigkeiten am Bau nutzen lassen, ist die Branche deutlich flexibler und produktiver geworden. Festhalten lässt sich zudem, dass die aktuell am Markt erhältlichen Maschinen gewaltige technische Sprünge gemacht haben.d