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Zeppelin: Nach Rekordumsatz im Vorjahr ist für 2020 trotz Corona-Pandemie ein positives Ergebnis das Ziel

Mit dem höchsten Umsatz und höchsten Ergebnis in seiner 70-jährigen Geschichte hat der Zeppelin-Konzern das Geschäftsjahr 2019 abgeschlossen. Mit einem Konzernumsatz von 3,1 Mrd. Euro (+ 7,6 % im Vergleich zu 2019) und einem Ergebnis vor Ertragssteuern von 134 Mio. Euro (+ 2,2 %) übertrifft der Konzern die Leistungszahlen des Vorjahres. Allerdings geht Zeppelin für 2020 von einem drastischen Einschnitt und einer wesentlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie aus. Gleichwohl ist Zeppelin-Chef Peter Gerstmann überzeugt davon, auch 2020 ein positives Ergebnis erzielen zu können. Im Gespräch mit dem bauMAGAZIN (das Interview finden Sie auf Seite 22) erklärte er: »Wir werden drastische Einschnitte haben, aber nicht ins Bodenlose fallen und noch Geld verdienen.«

Von Michael Wulf

Den Einflüssen der Corona-Pandemie will Zeppelin durch kostendämpfende Maßnahmen, Anpassung der Kapazitäten und einer vorsichtigen Investitionspolitik entgegentreten. Trotzdem ist Peter Gerstmann optimistisch, dass die Bauindustrie nicht so sehr von der Corona-Krise betroffen sein wird wie beispielsweise die Automobilindustrie. So geht er davon aus, dass der Bereich Infrastruktur vergleichsweise schnell wieder »zum Laufen« gebracht werden kann, zumal wenn dieser durch weitere Investitionen unterstützt werde. Grundsätzlich plädiert er dafür, dass die Regierung schnell in allen Bereichen Konjunkturprogramme auflegt und dabei vor allem darauf achtet, »Deutschlands Kernwirtschaftszweige« abzusichern.

Größte Akquisition der Firmengeschichte

Beim Rückblick auf das so erfolgreiche Jahr 2019 hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Garching bei München Anfang April auch explizit darauf verwiesen, dass die Kreditwürdigkeit des Konzerns durch Creditreform Rating auf die Stufe »A« angehoben worden sei. »2019 war ein ausgesprochen erfolg­reiches Jahr: höchster Umsatz, beste Bauma und größte Akquisition in unserer Firmengeschichte«, kommentierte Peter Gerstmann als Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH das Geschäftsjahr 2019, in dem das Gesamtinvestitionsvolumen bei 369 Mio. Euro lag. »Das alles haben wir nur gemeinsam geschafft, dank der Einsatzbereitschaft und der hervorragenden Leistung unserer Mitarbeiter.«

Für Andreas Brand als Vorsitzender des Zeppelin-Aufsichtsrats sind »diese hervorragenden Ergebnisse der Beweis dafür, dass der Zeppelin-Konzern die richtige Strategie und vor allem die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord hat. Ich wünsche mir, dass wir mit der Übernahme der zusätzlichen Vertriebs- und Servicegebiete in Nordeuropa und den zahlreichen Produkt- und Serviceneuerungen diesen Erfolgskurs auch 2020 unter den nun neuen Voraussetzungen fortsetzen werden.«

Laut Christian Dummler, Geschäftsführer und CFO der Zeppelin GmbH, konnten 2019 »die Renditekennzahlen im Kontext der sehr guten Entwicklung nochmals verbessert werden«. Die Konzernverschuldung bewege sich auch nach den Akqui­sitionen auf einem sehr konservativen Niveau. »Wir haben 2019 das sehr gute Kapitalmarktumfeld genutzt«, so Christian Dummler weiter, »um unsere Finanzierung unter Berücksichtigung der Zukäufe langfristig zu sichern. Wir freuen uns sehr über das auf Bonität ›A‹ angehobene Rating der Creditreform und bleiben damit für unsere Kunden ein grundsolider und verlässlicher Geschäftspartner.«

Erweiterung nach Nordeuropa

Zum Januar 2020 hat Zeppelin die Verantwortung für den Vertrieb und Service von Caterpillar-Produkten in Dänemark, Grönland und Schweden übernommen. Zusätzlich ging der Service und Vertrieb von Motoren der Marke MaK in den Ländern Estland, Lettland, Litauen, Finnland sowie Island und den Färöer-Inseln auf Zeppelin über (das bau­MAGAZIN berichtete in Heft 2/20, Seite 14). Durch die Übernahme der Vertriebsaktivitäten in Nordeuropa ist Zeppelin somit zum Jahresende 2019 auf rund 10 000 Mitarbeiter gewachsen.

Das Unternehmen sieht durch seine jahrzehntelange Erfahrung als Caterpillar Vertriebs- und Servicepartner und die logistischen Synergien lang­fristig Wachstumspotenziale durch eine erfolg­reiche Bearbeitung der zusätzlichen Märkte. Die neue Einheit wurde als Strategische Geschäftseinheit (SGE) »Baumaschinen Nordics« in die bestehende Konzernstruktur eingefügt und wird von Volker Poßögel geleitet, bisher Leiter der SGE Power Systems.­


Positive Entwicklung

Dank des insgesamt stabilen wirtschaftlichen Umfeldes und der guten Marktpositionierung konnten alle Strategischen Geschäftseinheiten des Zeppelin-Konzerns eine positive Entwicklung verzeichnen. Die SGE Baumaschinen EU konnte ihre führende Position in ihren Märkten noch einmal ausbauen und sowohl Umsatz als auch Ergebnis gegenüber dem Vorjahr steigern (siehe Bilanzkennzahlen auf dieser Seite). Die positive Entwicklung wurde vom guten wirtschaftlichen Umfeld in der Bauindustrie und von den Verkaufserfolgen auf der Bauma in München getragen. Durch die weiter gestiegene Maschinenpopulation und -auslastung in den Vertriebsgebieten der SGE konnten die Servicekapazitäten optimal eingesetzt und Zuwächse auch im Servicegeschäft erzielt werden.

Auch die SGE Baumaschinen CIS konnte im Geschäftsjahr 2019 Umsatz und Ergebnis ausbauen. Die systematische Weiterentwicklung des Ersatzteil- und Kundendienstgeschäftes brachte deut­liche Zuwächse zum Vorjahreswert. Das Geschäft mit Bergbaumaschinen in den Ländern der Region hat sich wieder erholt und trug wesentlich zu einer positiven Umsatzentwicklung und einem hohen Auftragsbestand bei.

Zeppelin Rental mit überproportionalem Wachstum

Alle relevanten Märkte der SGE Zeppelin Rental – Deutschland, Österreich, die Tschechische sowie die Slowakische Republik – verzeichneten Wachstum. Die SGE profitierte von diesem Wachstum überproportional und konnte erstmals die Umsatzmarke von 500 Mio. Euro überschreiten. Durch den Erwerb der Luther-Gruppe hat Zeppelin seine Kompetenz in der Verkehrssicherung und Verkehrstechnik nochmals deutlich gestärkt (bauMAGAZIN 9/19, Seite 20). Die Integration der bereits 2018 akquirierten Baustellen-Verkehrs-Technik GmbH wurde erfolgreich abgeschlossen.

Zum Ergebnis der SGE Power Systems leisteten die Auslandsgesellschaften 2019 einen besonderen Beitrag. So konnten in Weißrussland und der Tschechischen Republik besondere Auftragserfolge im Neumotorenvertrieb realisiert werden. Der Ausbau des Servicevertriebs führte wiederum zu einer Steigerung des Umsatzes. Die weiterhin hohe Nachfrage nach alternativen Antrieben auf Hybrid- und LNG-Basis für Fähren, Kreuzfahrt- und Spezialschiffe sicherte wichtige Aufträge und zukünftige Umsätze aus Wartungsverträgen. Erstmals konnte eine größere Anzahl von Systemen zur Ballastwasserbehandlung in Schiffen im Markt platziert werden. Auch im Segment Strom- und Wärmeerzeugung, Großanlagen für Data-Center und Blockheizkraftwerke blieb die Nachfrage auf einem hohen Niveau und führte zum Gewinn von verschiedenen Großaufträgen.

In der SGE Anlagenbau wirkten sich erschwerte globale wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie die sich abkühlende Konjunktur im Chemiebereich und die Unsicherheiten in der Automobilindustrie dämpfend auf das Geschäft in einzelnen Segmenten und Regionen aus.

Trotz geringerer Umsatzerlöse konnte eine Verbesserung der Ertragskraft erreicht werden. Darüber hinaus ist es gelungen, den Auftragseingang im Geschäftsjahr 2019 mit verschiedenen Großprojekten im Bereich der Anlagen zur Kunststoffherstellung nochmals zu steigern.

»Zeppelin Digit« aufgebaut

Um alle Strategischen Geschäftseinheiten gezielt bei Innovationen und Digitalisierung zu unterstützen, wurde das Strategische Management Center »Zeppelin Digit« aufgebaut. In einer Querschnittsfunktion werden hier die Aktivitäten der Bereiche IT, Innovation, Digitalisierung und die bisherige SGE Z Lab zusammengeführt. Die Z Lab GmbH wird auch künftig als Bereich von »Zeppelin Digit« digitale Geschäftsmodelle für die Bauwirtschaft und Industrie entwickeln.

Das digitale Angebot für die Kunden wurde auch 2019 weiter ausgebaut. Das reicht von der Einführung einer neuer Software zum Flotten-Management bis hin zur breiten Markteinführung der Produkte zamics, klickrent und klickcheck, mit denen Kunden ihre internen Prozesse vereinfachen oder auf einer unabhängigen Plattform Maschinen und Geräte mieten und vermieten können.

Weitreichende Krise

Die ursprünglich prognostizierte Belebung der Weltwirtschaft für das Jahr 2020 hält man bei Zeppelin aufgrund der aktuellen Entwicklungen für nicht realisierbar. Neben den anhaltenden Handelsstreitigkeiten und Sanktionen sowie der Unsicherheiten bezüglich der Modalitäten des Brexit habe die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft in eine weitreichende Krise gestürzt, deren Auswirkungen derzeit noch nicht absehbar seien.

Zeppelin will sich in den bestehenden Ge­schäftsbereichen auf den Erhalt der marktführenden Position konzentrieren und das Servicegeschäft weiter ausbauen. In Nordeuropa wird sich der Konzern ganz auf die Integration der neuen Gesellschaften und Vertriebsgebiete fokussieren. Neben dem Ausbau und der Stärkung des bestehenden Portfolios an Maschinen und Serviceleistungen stehen zudem der Aufbau des Geschäfts mit Vermietung von Kompaktmaschinen, Baugeräten und Fördertechnik und die Erweiterung des Standort-Netzes im Mittelpunkt. Darüber hinaus bekennt sich Zeppelin klar zu seinem Engagement in den eurasischen Märkten und investiert in den Neubau einer Haupt-Niederlassung in Kiew (Ukraine).     m

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