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Zäsur beim VDBUM und harsche Kritik an immer neuen Emissionsrichtlinien und bürokratischen Hürden

Ebenfalls neu in den auf sechs Personen erweiterten Vorstand wurde Prof. Dr. Jan Scholten von der Ruhr-Uni Bochum gewählt. In ihren Ämtern bestätigt wurden zudem Peter Guttenberger als Vorsitzender und Vorstandsprecher sowie Josef Andritzky (5. Vorsitzender). Neben den Neuwahlen standen beim 42. Großseminar mit dem Motto »Innovation aus Forschung und Erfahrung« traditionell die zahlreichen Fachvorträge im Mittelpunkt des Interesses bei den gut 730 Teilnehmern. Dabei wurden vor allem die Emissionsrichtlinien harsch kritisiert, aktuell die Themen Feinstaub-Belastung und Partikelfilterpflicht für Baumaschinen.


So forderte unter anderem Dr. Georg Sick, geschäftsführender ­Gesellschafter des französisch-deutschen Baumaschinenherstellers Mecalac, dass neue Vorschriften »Sinn machen und künftig längere Übergangsfristen gelten müssten«.


Für VDBUM-Urgestein Udo Kiesewalter endete zwar mit dem Großseminar Ende Februar die aktive Zeit im Vorstand, als Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH bleibt der 71-Jährige dem Verband jedoch noch bis zur Messe TiefbauLive/Re­cycling aktiv erhalten. Und zwar zusammen mit Dieter Schnittjer, der seit dem 1. April in der Geschäftsführung tätig ist und diese nach der Messe Anfang September dann komplett von Kiesewalter übernehmen wird. Geschäftsstellenleiter des VDBUM bleibt, mit leicht veränderten Aufgabenbereichen, Wolfgang Lübberding.


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»Neuausrichtung ein Erfolg«


Der 51-jährige Schnittjer, seit 2002 Mitglied im VDBUM und langjährige Führungskraft in den Bereichen Baumaschinen, Arbeitsbühnen und Flurförderzeuge, hat sich zum Ziel gesetzt, neue Angebote des VDBUM zu gestalten sowie neue Netzwerke zu gewinnen. »Eine starke Mitgliederzahl und vielschichtige Dienstleistungsaufgaben unseres Verbandes sorgen für Attraktivität und Kompetenz des VDBUM«, sagte er bei der Mitgliederversammlung. »Das wichtigste Kapital des Verbandes sind und bleiben seine Mitglieder. Mit dem überaus umfangreichen Fachwissen aller Mitglieder, der Leidenschaft im VDBUM-Vorstand sowie im Beirat werden wir auch zukünftig für viel Aufmerksamkeit sorgen.«


Dass die vor einem Jahr beschlossene Neuausrichtung des VDBUM – der seitdem als »Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik« die Interessen seiner Mitglieder vertritt – »die Kompetenz des Verbandes nachhaltig gefestigt hat«, darauf verwies in Braunlage Peter Guttenberger als Vorsitzender.« Wir sehen diese Neuausrichtung als einen Erfolg an«, sagte er. »Durch unsere langfristige Strategie haben wir unsere Tür für neue Zielgruppen geöffnet.« So habe sich der Verband als Kompetenzzentrum und starker Dienstleistungspartner für Fachleute aus anderen Bereichen der Baubranche wie der Umwelt- und Energie­technik, dem Garten- und Landschaftsbau, der mineralischen Rohstoffgewinnungs-, Baustoff- und Recyclingindustrie, der Elektrotechnik sowie aus Forschung und Entwicklung nachhaltig positioniert. »Man spürt deutlich die Akzeptanz, die uns nach der Neuausrichtung entgegengebracht wird«, so Guttenberger. Das verleihe auch der Lobbyarbeit des VDBUM mehr Gewicht. So habe man sich intensiv in die vom Berliner Senat ausgelöste Diskussion um die Nachrüstpflicht von Filtersystemen in allen Baumaschinen eingemischt.

»Heiße Eisen«

Neben dem »heißen Eisen« Feinstaubbelastung und Partikelfilterpflicht ging Guttenberger in seiner Eröffnungsrede auch auf die durch die Politik eingeleitete Energiewende ein. Diese ließe sich nur verwirklichen, wenn die Industrie und nicht zuletzt die Bau- und Zulieferindustrie mit ihrer umfangreichen Projektentwicklungskompetenz und ihrem Umweltportfolio von der Politik rechtzeitig mit in die Pläne einbezogen werde. Auch müsse man nichts unversucht lassen, »um dem Wahnsinn künstlicher bürokratischer Hürden in unserem Land Einhalt zu gebieten«, so Guttenberger. »Die echten Herausforderungen sind groß genug, wir brauchen nicht noch zusätzliche zu generieren, die uns von den eigentlichen Zielen abhalten.«


Als ein Beispiel dafür nannte er die langwierigen Genehmigungsverfahren und eine uneinheitliche Genehmigungspraxis der zuständigen Behörden bei Großraum- und Schwertransporten. So seien auf einem identisch ausgebauten Autobahnabschnitt bei Überschreiten der Grenze von einem Bundesland zum anderen plötzlich andere Auflagen zu erfüllen. Deshalb müsse man auf eine bundesweite Harmonisierung der Genehmigungen und Auflagen für Schwertransporte drängen, so Guttenberger. »Das Bundesverkehrsministerium muss den Aktionismus einzelner Ländervertretungen ordnen und schnellstmöglich eindämmen.«

»Ein Schildbürgerstreich«


Noch deutlichere Worte hinsichtlich der Einführung von immer neuen Emissionsrichtlinien fand Dr. Georg Sick, Vorstandsvorsitzender und Gesellschafter bei Mecalac. Als langjähriger Kritiker der entsprechenden Gesetzgebung in der EU und in Deutschland hält Sick beispielsweise die Nachrüstung von Baumaschinen mit Filtern für »nicht vertretbar«, liege doch der Anteil der Baumaschinen an der Feinstaubbelastung bei gerade einmal einem Prozent. Deshalb sei die Forderung der Städte nach Partikelfilternachrüstung bei Baumaschinen »ein Schildbürgerstreich«.


In diesem Zusammenhang verwies er auf die Verflechtungen von Bundes- bzw. Landesbehörden mit Umweltverbänden und der Filter-Industrie. Wobei für Sick von besonderer Brisanz ist, dass mit Jochen Flasbarth der ehemalige Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zum Leiter des Umweltbundesamtes berufen wurde. Angesichts dieser Konstellation müsse sich die Industrie nicht wundern, so Sick, wenn wirtschaftliche Interessen auf der Strecke blieben. »Das ist so, als würde man Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zum Chef der Verkehrsentwicklung in Deutschland machen.«

»Nachrüstung ablehnen«


Laut Sick muss es deshalb zu den Zielen der Baumaschinenindustrie gehören, dass die EU künftig nur noch die Techniken zur Reduzierung der Umweltrisiken fordert, die wirtschaftlich sind und effektiv und im Praxistest nachgewiesen wurden. Auch sollten Hersteller und An­wender von Baumaschinen die ­Forderung nach Nachrüstung mit Partikelfiltern für den Einsatz in Umweltzonen ablehnen und die Städte drängen, dass diese nachweisen, ausreichende Maßnahmen zur Reduzierung der Hintergrund-Feinstaubbelastung angeordnet zu haben. »Wenn neue Vorschriften eingeführt werden, dann müssen sie einfach auch Sinn machen«, sagte Sick, der von Udo Kiesewalter unterstützt wurde: »Die Einführung von neuen Umweltauflagen darf nur gezielt und koordiniert erfolgen.«


Neben Georg Sick gehörten auch der zum VDBUM-Ehrenmitglied ernannte Michael Heidemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen GmbH, und Joachim Strobel, Geschäftsführer Vertrieb der Liebherr EMtec GmbH, zu den Hauptrednern des Großseminars. Während Heidemann die Produktinnovationen des Partners Caterpillar sowie den Servicecharakter der Zeppelin-Organisation mit in den Mittelpunkt seiner Präsentation stellte, verwies Strobel auf die Komponenten-Kompetenz, die bei Liebherr einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Unternehmensgruppe habe.


Von Michael Wulf

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