Aktuelles Straßenbau – Tiefbau

VP Groundforce: Mehr Flexibilität und höheres Tempo im Kanalbau

»1a« lautet die ebenso kurze wie eindeutige Bewertung, die Bauleiter Avan Kany, auf die Frage nach seiner Einschätzung der Hydrauliksteifen und Gurtungen von Groundforce abgibt, die das Unternehmen Wittfeld in einem Bauabschnitt des Abwasserkanal Emscher (AKE) in der Nähe von Oberhausen zur Sicherung der offenen Baugrube einsetzt.

Im Gegensatz zum übrigen Verlauf des insgesamt 51 km langen Kanalprojektes der Emschergenossenschaft, das in Tiefen bis zu 40 m mit Doppelrohren in Tunnelbauweise ausgeführt wurde, erfolgt im letzten Bauabschnitt zwischen Oberhausen-Holten und -Biefang der Vortrieb an der Oberfläche in ­offener Bauweise. Insgesamt mussten dafür im Vorlauf rund 190 000 t Erdreich ausgehoben werden. Anschließend werden 1 300 rechteckige Kastenprofile in Doppelkammerbauweise mit 5,6 m Breite, 3,25 m Länge und 2,7 m Höhe auf der Trasse verlegt. Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2020 wird der Kanal eine Länge von 51 km haben und von Dortmund-Men­gede quer durch das Ruhrgebiet bis zum Klärwerk der Emschergenossenschaft nach Dinslaken führen. Konzipiert ist der Kanal als künftige Abwasser-Schlagader des gesamten Reviers und soll das Schmutzwasser der Region aufnehmen, das zurzeit noch teilweise in die Emscher und ihre Nebenflüsse geleitet wird. Der Gesamtaufwand des auf 30 Jahre ausgelegten Generationenprojektes Emscher-Umbau umfasst insgesamt über 400 km unterirdischer Kanäle und wird bis zur vollständigen Realisierung Investitionen in einer Größenordnung von rund 5,3 Mrd. Euro erfordern.


Bisher keine Erfahrungen

Für die Sicherung der Ausschachtungen im Bauabschnitt bei Oberhausen hatte Wittfeld hydraulische Aussteifungen und Gurtungen von Groundforce ins Auge gefasst. Allerdings war die spätere Begeisterung für ein neues Verbausystem mit hydraulisch verspannten Komponenten bei den Verantwortlichen zunächst noch durchaus verhalten und von einiger Skepsis begleitet, da man mit dem Groundforce System bisher keine Erfahrungen hatte.

Wittfeld ist ein mittelständisch geprägtes Unternehmen mit Sitz in Wallenhorst, das sich auf komplexe Infrastrukturprojekte spezialisiert hat und seit 2004 als Tochterunternehmen zum internationalen Eiffage-Konzern gehört. Seit Jahrzehnten hat sich das Unternehmen mit Projekten im nahezu allen Bereichen des Bausektors einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Allerdings hatte man im Tief- und Kanalbau bisher immer auf traditionelle Verbausysteme mit konventionellem Stahlbau gesetzt und diese Verfahren im Laufe der Zeit technisch und logistisch für den eigenen Bedarf optimiert. Wie Jan Borgmann vom Vertrieb Nord bei Groundforce erklärt, war hier zunächst ein Stück Überzeugungsarbeit zu leisten: »Die Ingenieure bei Wittfeld hatten noch keine Erfahrungswerte mit unserem System und waren zunächst einmal skeptisch was die Vorteile unserer Hydrauliksteifen und Gurtungen angeht. Wir haben daher zunächst einen Test vereinbart, bei dem die Baugrube mit einer ­Trägerbohlwand verbaut und auf ­einer Strecke von etwa 70 m mit Hydrauliksteifen vom Typ MP150 und einer entsprechenden Menge von Mega-Brace-Gurtungen ausgesteift wurde. Danach wurden die Kastenprofile in die Trasse eingebracht.«

»Bieten enorme Vorteile«

»Allerdings haben wir schon nach den ersten eingesetzten Kastenprofilen bemerkt, dass die hydraulisch verspannten Groundforce Steifen für uns enorme Vorteile bieten«, meint dazu Avan Kany, verantwortlicher Bauleiter für den Bereich Tiefbau bei Wittfeld. »Im Vergleich zum konventionellen Stahlverbau sind wir mit den neuen Stützen sehr viel flexibler und beweglicher geworden. Das System ist völlig unkompliziert und funktioniert nach kurzer Einarbeitung problemlos und zuverlässig. Wir haben von Groundforce mit den Systemkomponenten auch gleich die entsprechende Statik bekommen und konnten so, wenn nötig, beim Einsetzen der Betonprofile innerhalb der vorgegebenen Maße kurzfristig Stützen im Verbau versetzen oder neu ausrichten. Das alles nur mit der mitgelieferten Hydraulikpumpe, ohne Schweißen, Trennen und neu Verschweißen. Jeder der mit Stahlstützen vergleichbarer Größe arbeitet, wird diese Vorteile sofort erkennen«, ergänzt Kany.

Ein Nebeneffekt war dabei der Zeitgewinn, der durch die rotierende Verwendung der Hydrauliksteifen in der klassischen Wanderbaustelle erzielt werden konnten. Im Vergleich zum zeitaufwendigen Verschweißen und Auftrennen der Stützen und Gurtungen im Stahlbau ist das Einsetzen und Ausbauen der Groundforce Steifen eine Sache von Minuten. Insgesamt waren dann für die Ausführung der bisherigen Arbeiten lediglich 17 Hydrauliksteifen des Typs MP150 und 136 m Mega-Brace-Gurtungen ausreichend.     §

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