Aktuelles Verkehrswegebau – Tiefbau

VP Groundforce: Deutschland-Premiere für Hydrauliksteife im Herzen Berlins

Bereits bei ihrem ersten Einsatz am ehemaligen Tacheles-Areal in Berlin-Mitte setzt die Groundforce-Hydrauliksteife MP750 technische Maßstäbe. Auf dem rund 2,5 ha großen Gelände zwischen Friedrichsstraße, Oranienburger Straße und Johannisstraße entsteht ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Büroräumen und Geschäften. Dabei soll die bereits im Jahr 2012 geräumte Tacheles-Ruine denkmalgerecht als Kulturhaus saniert werden. Auch zahlreiche Restaurants, Cafés und Geschäfte sind rund um den öffentlich zugänglichen Innenbereich zwischen Friedrichsstraße und historischem Tacheles-Torbogen geplant.

Mit den Tiefbauarbeiten wurde die »Arbeitsgemeinschaft Baugrube Tetris« beauftragt, die sich aus den Unternehmen Stump Spezialtiefbau, Keller Grundbau und der Implenia Spezialtiefbau zusammengefunden hat. Die Baugrube am Einsatzort stellte an die ausführenden Unternehmen durch beträchtliche Altlasten erhebliche Anforderungen. Dazu gehörten neben einem alten Keller mit Treppenabgang zur U-Bahn und Fundamentresten eines Kaufhauses aus der Zeit um 1909 auch fünf Brunnen, von denen zwei noch wasserführend waren. Hinzu kam das nahezu überall in der Hauptstadt auftretende Grundwasserproblem, dem die ARGE durch die Errichtung einer rund 3 500 m² großen Trogbaugrube mit sechs Teilabschnitten und einer meterdicken Düsenstrahl-verdichteten Betonsohle begegnete. Dafür wurden allein 1 955 Mikropfähle mit einer Gesamtlänge von 29,6 km in den Boden gepresst.

Kombination

Die Absicherung der Baugrube wurde durch die Kombination des konventionellen Stahlverbaus mit Rückverankerung sowie den Groundforce-Hydrauliksteifen und Gurtungen realisiert. Dabei wurden im Bereich der Johannisstraße, wo aufgrund vorhandener Restbebauung keine Rückverankerung möglich war, insgesamt zwölf MP750-Hydrauliksteifen verbaut. Während vier Steifen die gesamte Breite der Grube überspannten, wurden je vier weitere Elemente an beiden Seiten über Eck verbaut. Da unter der Aussteifung die Arbeiten weiter vorangetrieben wurden und dabei Berührungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnten, entschied man sich für zusätzliche Abstützungen, auch wenn mit der MP750 ein Ausbau bis 50 m ohne zusätzliche Sicherung möglich gewesen wäre.

Drahtlose Lastüberwachung in Echtzeit

Wie Peter Richardson, im Unternehmen Ground­force zuständig für Major Projects Europe, erklärt, gab es für die ARGE mehrere Gründe, hydraulische Ground­force-Aussteifungen einzusetzen. Neben dem Vorteil, dass das Ground­force-System eine Rückverankerung überflüssig macht, zählte vor allem die Möglichkeit, die Hydraulikelemente bereits werksseitig mit hohen Vorspannungen von rund 3 000 kN für den Einbau vorzubereiten. Nach dem Einbau konnten dann die bei deutlichen Temperaturwechseln zu erwartenden Lastwechsel während der Wintermonate mit der drahtlosen Lastüberwachung in Echtzeit kontrolliert werden.


Über ein Flat-Mesh-Modul von Senceive, einem führenden Unternehmen für drahtlose Datenüberwachung, werden mit den Lastmessbolzen der Ground­force-Steifen drahtlose Knotenpunkte gebildet, die ihr Signal auch untereinander weiterge­ben. Dabei reicht es aus, wenn nur ein Knoten eine Verbindung mit dem 3G-Gateway-Modul hat, um alle Messungen auszuführen. Auf diese Weise ist in Echtzeit die Überwachung von statischen Lasten und potenziellen Bewegungen möglich.

Bei der MP750 kann die Vorspannung auch im eingebauten Zustand in der Baustelle über die Hydraulikmuttern nachreguliert werden. Die Kombination von integriertem Hydraulikzylinder und zwei mechanischen Schraubgewinden bietet ein zusätzliches Sicherheitsmoment. Zieht man dazu die außergewöhnlich hohe Lastaufnahme von maximal rund 11 000 kN und die enorme Spannweite in Betracht, ergeben sich mit der neuen MP750 gerade bei anspruchsvollen Projekten wie der Baugrube Tetris deutlich erweiterte Planungs- und Handlungsspielräume im Vergleich zum konventionellen Stahlverbau.t

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