bauma Aktuelles Messerückblick

Schwarzmüller: Produktoffensive und Kooperation mit Spezialisten

Zur weiteren Verbesserung des Angebots für die Bauwirtschaft hat die österreichische Schwarzmüller-Gruppe mit Sitz in Freinberg eine Produktoffensive gestartet und geht dabei eine enge Kooperation mit dem ­Fahrzeugbauer Benzberg ein, der sich auf die Entwicklung von High-End-Baufahrzeugen für schwere Offroad-Transporte spezialisiert hat. Das erklärte Schwarzmüller-CEO Roland Hartwig auf der Bauma, auf der das Unternehmen seine Produktoffensive mit der Weltpremiere einer vom TÜV Süd zertifizierten Thermomulde eröffnete. Zudem verkündete Roland Hartwig, dass Schwarzmüller für dieses Jahr die Produktion von 9 900 Fahrzeugen plane, davon 4 900 im Bausegment.

Damit zum ersten Mal überhaupt eine Thermomulde ein TÜV-Qualitätssiegel vorweisen könne, habe sich Schwarzmüller gegenüber dem TÜV zu strengen Regeln für den gesamten Herstellungsprozess verpflichtet, erläuterte Roland Hartwig. Im Gegenzug habe man die Bestätigung erhalten, ein Fahrzeug ohne Wärmebrücke zu bauen, das die entsprechende DIN-Norm einhalte. »Wir gehen davon aus, dass diese Zertifizierung die Investitionsentscheidungen positiv unterstützt«, sagte Roland Hartwig. »Sie bietet die Sicherheit, dass die strengen Normen für die Anlieferung des Mischgutes zur Straßenbaustelle eingehalten werden.«

Ein »weiteres Entwicklungsprojekt« von Schwarzmüller ist eine Kippmulde mit neuen digital gesteuerten Funktionen. Die Luftsteuerung, die Absenkvorrichtung und die Liftachse werden über iTAP gesteuert. Ausgeführt als Thermomulde verfügt das Fahrzeug über eine digitale Überwachung der Kerntemperatur, deren Verlauf umfassend über eine Ausleseeinheit dokumentiert und damit lückenlos nachgewiesen wird. Zudem kommt ein neuer Baustoffsattel mit patentierter Ladungssicherung auf den Markt. Dabei wird ein neues, von Schwarzmüller entwickeltes System flexibel nutzbarer Steckrungen verwendet.

Wirtschaftlichkeit steigern

Bei der Kooperation mit dem Fahrzeugbauer Benzberg mit Sitz in Schörfling am Attersee (Oberösterreich) stehen technische und technologische Neuerungen im Leichtbau, der Digitalisierung und der Antriebstechnik im Fokus. »Die High-End-Baufahrzeuge von Benzberg zeichnen sich durch Robustheit sowie eine besondere Leistungsfähigkeit aus und steigern die Wirtschaftlichkeit«, sagte Roland Hartwig. »Damit deckt sich die Vision von Benzberg exakt mit der von Schwarzmüller, nämlich individuelle Fahrzeuge mit Mehrwertgarantie zu produzieren.« Im ersten Schritt werde Schwarzmüller die Tridem, eine geländegängige Kippmulde mit Hangausgleich und Radantrieben, in sein Programm aufnehmen und damit die Fahrzeugpalette für die Bauwirtschaft nochmals erweitern.

Als Gründer und Geschäftsführer von Benzberg sieht Herbert Schneeberger die Potenziale für die Fahrzeuge der Zukunft im Chassis unter dem Aufbau. Er habe in seinem Unternehmen modulare Systeme für Lenkung und Antrieb entwickelt, die zahllose Konfigurationen möglich machen. Auch ganz individuelle Anforderungen können durch spezielle technische Lösungen jenseits des Modulsystems erfüllt werden.

Hangausgleich bis zu 50 Zentimeter

Bis zu acht Achsen würden sich derzeit problemlos und sehr variabel aneinander koppeln lassen. Radantriebssysteme bis 120 kW oder Hangausgleich bis zu 50 cm seien weitere Eigenschaften, die Benzberg-Fahrzeuge auszeichne. Darüber hinaus habe er Überwachungssysteme entwickelt, die in Echtzeit Informationen über das Fahrzeug liefern und deren Steuerung zulassen.

Die Zusammenarbeit mit Schwarzmüller bezeichnete Herbert Schneeberger als eine »Win-win-Situation«. Benzberg könne seine Expertise in der Fahrzeugentwicklung einbringen und erweitere nochmals die technischen Möglichkeiten, die Schwarzmüller seinen Kunden zur Verfügung stellen könne. Schwarzmüller eröffne andererseits Benzberg den internationalen Marktzugang und biete alle Möglichkeiten für die Industrialisierung von Neuentwicklungen.

Dass Schwarzmüller für seine Baufahrzeuge ein Modulsystem zur Steigerung der Wertschöpfung entwickelt habe, erläuterte Roland Hartwig. Nicht der vom Hersteller vorkonfigurierte Kipper aus der Massenproduktion bestimme die Leistungsfähigkeit, sondern die konkrete Anforderung im individuellen Einsatzbereich der Kunden. »Bei Schwarzmüller bestimmt der Kunde, was das Fahrzeug können muss.« So gibt es zum Beispiel für unterschiedliches Transportgut zwölf verschiedene Mulden-Typen.


»Individualität statt Uniformität«

»Bei Schwarzmüller regiert nicht die Uniformität, sondern die Individualität zur Nutzenoptimierung. Dieses Alleinstellungsmerkmal werden wir in Zukunft noch viel stärker am Markt ausspielen«, kündigte Roland Hartwig an.

Gestützt auf eine robuste ­internationale Baukonjunktur sind die Baufahrzeuge seit 2013 zum Treiber des Wachstums der Schwarzmüller-Gruppe geworden. Im Jahr 2012 fertigte Schwarzmüller 1 767 Einheiten, 2018 waren es 4 188, ein Plus von 137 %. Der Anteil an der Gesamtproduktion ist ebenfalls sehr stark gestiegen, und zwar von 29 % im Jahr 2012 auf 45 % im Jahr 2018. Roland Hartwig rechnet damit, dass diese Kennzahl in wenigen Jahren auf mehr als 50 % steigen wird. Diese ­Entwicklung sei auch strategisch so angestrebt worden, weil Schwarzmüller seine technischen Kompetenzen bei komplexen Baufahrzeugen optimal umsetzen könne.

Deutschland größter Einzelmarkt

Zum größten Einzelmarkt für Baufahrzeuge ist innerhalb weniger Jahre Deutschland geworden. Hier machen Baufahrzeuge sogar zwei Drittel des Absatzes aus. 2018 lag die Zahl bei 1 760 Fahrzeugen, 2012 beim Start des aktuellen Wachstumskurses waren es nur 560. Das ist eine Steigerung von 214 %, die deutlich über der allgemeinen Steigerungsrate von 137 % liegt. Weitere wichtige Märkte für Schwarzmüller sind Österreich, die Schweiz, Polen und Slowenien.

Im laufenden Jahr plant die Schwarzmüller-Gruppe die Produktion von 9 900 Fahrzeugen, davon 4 900 Einheiten im Bausegment (2018: 4 188 Fahrzeuge; + 17 %). Dabei rechnet Roland Hartwig nicht nur mit einem starken Impuls durch die Bauma, positive Effekte erwartet er sich auch vom neuen Standort im fränkischen Eltmann. Dorthin werden die in Tschechien und Österreich produzierten Fahrzeuge zur Abholung durch die deutschen Kunden überstellt. Dieser Standort bietet mittlerweile die gesamte Bandbreite der Schwarzmüller-Services von der Werkstätte bis zu Mietfahrzeugen.    Michael Wulf  ß

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