Aktuelles Bau- und Nutzfahrzeuge

Ritchie Bros.: In der Corona-Krise setzt auch die Baubranche vielfach auf digitale Erneuerung

Die Art und Weise, wie man Geschäfte macht, verändert sich beständig. Durch die Corona-Krise dürfte das Jahr 2020 auch im Baumaschinenbereich dazu führen, die eigene Herangehensweise an die digitale Welt zu verändern. Matt Ackley von Ritchie Bros. äußert sich zu den Themen E-Commerce – den Fortschritten in den letzten Jahren und den künftigen Entwicklungen.

Selbst Branchen, die immer auf zwischenmenschliche Kommunikation und Kontakte gesetzt haben, verzeichnen enorme digitale Fortschritte, wie Matt Ackley unterstreicht, Chief Marketing Officer, GM Platform Business, SVP Product Management bei Ritchie Bros. Traditionell gelte die Schwermaschinenindustrie als wenig digital und konservativ. Weil aber die Bau- und Bergbaubranche kontrollierte Umgebungen mit begrenztem öffentlichen Kontakt bieten, gelten diese laut Ackley als perfekte Labore zum Test digitaler Technologien.

E-Commerce: die Transformation

E-Commerce zählt zu den bedeutenden digitalen Trends. Allein 2019 legte laut Ackley der weltweite E-Commerce-Umsatz um rund 18 % gegenüber dem Vorjahr zu. In diesem Jahr verzeichneten Einzelhandelsplattformen von Januar bis März einen Anstieg des Datenverkehrs um 6 %. Insgesamt hätten Einzelhandel-Websites im März 14,34 Mrd. Besuche generiert, im Vergleich zu 12,81 Mrd. im Januar. Neben der Corona-Pandemie stünden die Zahlen auch für eine möglicherweise Veränderung des Käufer- und Verkäuferverhaltens.

Ritchie Bros. entwickelt seit Ende der 1990er-Jahre digitale Angebote und hielt 2002 seine erste Online-Auktion ab. Durch die Übernahmen von Mascus im Jahr 2016 und IronPlanet (2017) konnte das Unternehmen seine Kompetenzen weiter ausbauen. Heute machen Online-Gebote 75 % im Firmenumsatz aus. Die Auswirkungen des Corona-Virus nutzte Ritchie Bros., um die eigene Transformation zu beschleunigen und den Wandel zu einem ausschließlichen Online-Business zu vollziehen.


Daten und Einblicke

»Auktionen sind im Wesentlichen dynamische Preissysteme. Wir wissen schon im Voraus, wer wonach sucht und ob Bieter in der Vergangenheit ähnliche Maschinen erworben haben. So können wir Marketing-Entscheidungen in Echtzeit treffen, noch bevor die Auktion beginnt. Wir nutzen Algorithmen, um bestimmte Nachfragemerkmale zu identifizieren und diese Eigenschaften vor der Auktion anzupassen, um mehr potenzielle Käufer für eine Maschine zu finden«, sagt Matt Ackley.

Ritchie Bros. identifiziert Käufer, spricht sie an und nutzt Daten für die Preisgestaltung der Maschinen. In der Vergangenheit war dies zeitaufwendig. Inzwischen geht man das Problem aus der Perspektive maschinellen Lernens an. »Die Herausforderung einer exakten Preisgestaltung für Gebrauchtmaschinen ist wie maßgeschneidert für das maschinelle Lernen«, so Ackley. »Man hat Tausende von Variablen, die den Preis beeinflussen. Für den internen Gebrauch haben wir einen Algorithmus entwickelt, der diese Daten sortiert. Wir haben diesen perfektioniert und beginnen damit, ihn unseren Kunden über die Plattform ›Ritchie Bros. Asset Solutions‹ anzubieten. So können diese den Wert ihres Bestands berechnen und bessere Entscheidungen über die Anschaffung oder Veräußerung treffen.«

Ein Blick in die Zukunft

Die Corona-Krise hat Tür und Tor für digitale Arbeitsweisen, Kommunikationslösungen und eine neue Welt des Online-Ankaufs und -Verkaufs geöffnet. »Wir haben beispielsweise eine Software getestet, die es Kunden erlaubt, Bilder ihrer Maschinen zu übermitteln, die dann durch maschinelles Lernen analysiert werden. Sie bietet so detaillierte Einsichten in den Wert der Maschine, wo sie hergestellt wurde, die Marke und u. a. das Modell. Künftig könnte das die Art und Weise des Maschinenhandels radikal verändern, indem zum Beispiel Inspektionen aus der Ferne durchgeführt werden«, sagt Ackley. Der Vorteil von Ritchie Bros. liege seit Langem darin, dass das Unternehmen ein globales Netzwerk mit einem persönlichen und sachkundigen Kundendienst vor Ort vereine. »An diesen Beziehungen ändert sich auch mit dem Übergang zu Online-Auktionen nichts. Wir gehen vom Auktionsstandort auf die Website über – das wird der Beginn eines neuen und aufregenden Kapitels für die Branche sein!«     t

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