Im Blickpunkt

Rekordzahlen bei Umsatz und Betriebsergebnis und ein »revolutionäres Konzept«

Mit einer Umsatzsteigerung um 17 % auf knapp 18 Mrd. Schwedische Kronen (umgerechnet knapp 2,1 Mrd. Euro) und der Steigerung des Betriebsergebnisses um 21 % auf umgerechnet 248,5 Mio. Euro sowie einer operativen Marge von 11,8 % schrieb der schwedische Baumaschinenhersteller Rekordzahlen. Auch die Aussichten bis zum Ende des Jahres beurteilt das Unternehmen als positiv. So lag das Auftrags­volumen zum 31. März um 35 % höher als im Vorjahr. Darauf verwies Tomas Kuta als Präsident der neuen Vertriebsregion EMEA (Europa/Mittlerer Osten/Afrika) auf der Pressekonferenz im französischen Lorient (Bretagne), wo die weltbesten Hochseesegler des »Volvo Ocean Race« bei der vor gut neun Monaten gestarteten und 39 000 Meilen langen Regatta rund um die Welt ihren letzten Zwischenstopp einlegten vor dem Finale im irischen Galway. Neben der Ankündigung, die Vertriebsaktivitäten im EMEA-Raum noch weiter auszubauen, kündigte Kuta in Lorient die Markteinführung des neuen Rohrverlegers PL3005D an. »Diese Maschine beruht auf einem völlig neuartigen und revolutionären Konzept«, sagte Kuta. »Damit beweist Volvo CE einmal mehr seine große Innovationsfähigkeit bei der Entwicklung von Baumaschinen, die effizienter, effektiver und sicherer sind.«


In der Region EMEA mit Hauptsitz in der Volvo-Zentrale in ­Eskilstuna (Schweden), die mit den Regionen Asien-Pazifik (APAC/Sitz Singapur), China (Shanghai) und Nord-/Mittel-/Südamerika (Shippensburg in Pennsylvania) das weltweite Vertriebsnetz von Volvo CE bildet, spielt Deutschland weiterhin eine entscheidende Rolle. »Der deutsche Markt ist für uns nach wie vor mit Abstand einer der wichtigsten«, betonte Tomas Kuta in Lorient im Gespräch mit dem bauMAGAZIN. »In der Region EMEA ist er vor Frankreich und Skandinavien klar die ›Nummer 1‹ für Volvo CE, im globalen Ranking gehört Deutschland zu den Top 3.« Er kündigte an, dass Volvo CE seine Aktivitäten in Deutschland weiter verstärken werde. »Wir sind zufrieden mit der Entwicklung unserer Marktanteile in Deutschland«, so Kuta. »Unser Ziel aber ist es, künftig zu den beiden führenden Anbietern zu gehören. Darauf fokussieren wir uns, ist doch Deutschland auch so etwas wie ein Heimatmarkt für Volvo CE.«

»Nachfrage ist nahezu explodiert«


Größter Wachstumsmarkt in der EMEA-Region ist derzeit allerdings Russland. »Die Nachfrage dort ist nahezu explodiert, und wir konnten allein im ersten Quartal dieses Jahres ein Umsatzplus von rund 70 % erzielen«, sagte der gebürtige Tscheche, der Maschinenbau studiert hat und seit 1997 für Volvo CE in verschiedenen Führungspositionen tätig ist. Derzeit baut Volvo CE in Kaluga, etwa 150 km südwestlich von Moskau, auf einem 15 ha großen Gelände für um­gerechnet rund 40,8 Mio. Euro ein neues Werk für Bagger mit einer Produktionsfläche von gut 20 000 m². Dessen Eröffnung ist für das erste Quartal des kommenden Jahres vorgesehen. Produziert werden dann Bagger der Klasse von 20 t bis 48 t. Geplant ist, dass jährlich rund 2 000 Maschinen vom Band laufen.

Neue Zentrale für Amerika


Dieser Werksneubau ist aber nur ein Teil der Offensive von Volvo CE, das seinen Umsatz in Russland bis 2015 verdoppeln will. »Wir werden zudem in den kommenden Jahren etwa umgerechnet gut 81 Mio. Euro in den Ausbau unseres Vertriebsnetzes investieren«, erläuterte Kuta. So will man die Anzahl der Standorte in dem riesigen Land von derzeit 55 auf 100 erhöhen, soll die Anzahl der Mitarbeiter auf rund 1 000 steigen und damit mehr als verdoppelt werden. Volvos Hauptstrategie in der EMEA-Region sei, so Kuta, die Kernmärkte in Europa zu schützen und zugleich die eigenen Position zu stärken. Große Pläne habe Volvo in den Schwellenländern, wo man den Marktanteil und das Vertriebs- und Kundendienstnetz ausbauen wolle. In diesem Zusammenhang sei Afrika ein weiterer großer und wichtiger Teil des globalen Puzzles.


Zu dem gehört auch, dass der Markt in Nordamerika aus seinem Dornröschenschlaf erwacht zu sein scheint. So erhöhte Volvo dort in den ersten drei Monaten dieses Jahres seine Umsätze um 111 % auf umgerechnet rund 386,5 Mio. Euro. Welchen Stellenwert Nordamerika für Volvo CE habe, so Kuta, zeige auch der Bau der neuen Amerika-Zentrale am Volvo-Produktionsstandort Shippensburg für umgerechnet rund 82 Mio. Euro, die zu Beginn des kommenden Jahres fertiggestellt sein soll.


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Bilder: Michael Wulf

Marktanteil in China weiter erhöht


Weiter stark im Fokus hat Volvo CE den chinesischen Markt. Dort sei das Marktvolumen im ersten Quartal zwar um 26 % zurückgegangen, so Kuta, gleichzeitig habe Volvo CE als Marktführer mit seinen beiden Marken Volvo und SDLG den Absatz stabil halten und so seinen Marktanteil weiter erhöhen können. Angesprochen auf mögliche Übernahmen oder den Ausbau von Beteiligungen – Mitte Juni hatte Volvo seinen Aktienanteil am Kölner Motorenhersteller Deutz, seit Jahren ein wichtiger Zulieferer für die Schweden, von 6,7 % auf knapp über 25 % erhöht – sagte Kuta: »Es ist gerade keine gute Zeit für Käufer im Baumaschinen-Segment. Denn dafür laufen die Geschäfte im Construction-Bereich derzeit einfach viel zu gut.«


Für Tomas Kuta steht es außer Frage, dass Volvo CE seine Erfolgsgeschichte in diesem Jahr weiter fortschreiben kann – nicht zuletzt natürlich auch wegen der vielen neu vorgestellten Maschinen. »Nach den 50 neuen Modellen in 2011 werden wir in diesem Jahr noch einmal 60 Modelle auf den Markt bringen«, sagte Kuta. Inzwischen seien auch alle Maschinen mit den neuen Motoren ausgestattet, die die Abgasnormen von Tier 4 interim/Stufe 3 B erfüllen. »Damit ist Volvo CE meines Wissens von allen Herstellern der erste, der seine Range komplett umgestellt hat«, sagte Kuta. So könne Volvo CE sein Ziel weiter verfolgen, die CO₂-Emissionen seiner zwischen 2009 und 2014 verkauften Baumaschinen um 15 Mio. t zu reduzieren. Als ein exemplarisches Beispiel für die seit der Unternehmensgründung vor 180 Jahren ungebrochene Innovationsfähigkeit von Volvo stellte der EMEA-President in Lorient den jetzt auf den Markt eingeführten komplett neu entwickelten Rohrverleger PL3005D vor, der nicht wie üblich auf der Basis einer Planierraupe, sondern auf der eines Kettenbaggers konzipiert wurde und Steigungen bis zu 30 Grad bewältigt. »Diese neue Maschine kombinierte außergewöhnliche Stabilität mit einer Hubkraft von 50 t und ist damit nicht nur eine der produktivsten, sie ist auch eine der sichersten in diesem Segment«, sagte Kuta. Zudem lässt sich der Aufbau des PL3005D um 360 Grad schwenken, was die Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten signifikant verbessert. Die Rohre können auf diese Weise deutlich schneller und präziser verlegt werden. Die Maschine verfügt über ein ausgefeiltes Last-Management-System, dank dem der Bediener alle relevanten Information – wie z. B. die Neigung in Relation zu Last und Auslegewinkel ist oder wann die Grenzlast erreicht wird – in Echtzeit ­erhält. Damit erhöhen sich Sicherheit und Bedienkomfort deutlich.

»Exakt die richtige Maschine«


Das patentierte Design des PL3005D ermöglicht es zudem, den Ausleger gegen einen ­Bagger-Standardarm auszutauschen und so zu einem Raupenbagger umzurüsten. Dabei ist die Hydraulik so konzipiert, dass sie in beiden Konfigurationen eine optimale Leistung bietet. Von Vorteil sei, dass rund 80 Prozent aller Teile des PL3005D auch in den Volvo-Baggern verbaut sind, was den Wartungsaufwand und die Versorgung mit ­Ersatzteilen wesentlich erleichtere. Weshalb Tomas Kuta überzeugt davon ist, dass der neue Rohrverleger im Markt großen Erfolg haben wird: »Ich denke, dass Volvo CE mit dem PL3005D exakt die richtige Maschine entwickelt hat für das weltweit wachsende Pipeline-Geschäft.«


Von Michael Wulf

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