Im Blickpunkt Straßenbau – Tiefbau

Das Ramm- und Bohrgerät LRB 355 und der Hydroseilbagger HS 8130 HD feiern Premiere

Dass Liebherr mit dem neuen Ramm- und Bohrgerät LRB 355 »gute Chancen in diesem Nischenmarkt haben wird«, davon ist Wolfgang Pfister überzeugt, der in Nenzing die Bereiche Marketing und Kommunikation verantwortet. »Bei dieser komplett neu konzipierten und designten Maschine sind das außergewöhnlich hohe Drehmoment von 450 kNm bei beiden Konfigurationen und die Zugkraft von 90 t absolute Allein­stellungsmerkmale«, sagte Pfister im Gespräch mit dem bau­MAGAZIN. »Damit eröffnet dieses Gerät hinsichtlich Größe und Leistung neue Dimensionen.« Zudem verwies Pfister auf die »außerordentlich schnelle ­Mobilisierbarkeit« des neuen LRB 355, der in der LRB-Serie die Modelle 155 und 255 ersetzt, und äußerste sich optimistisch hinsichtlich der Marktpotenziale. »Liebherr hat sich seit seinem Eintritt in den Markt der Ramm- und Drehbohrgeräte im Jahr 2007 gut positioniert und ist mit seinen Baureihen bestens aufgestellt. Und deshalb wollen wir unsere Marktanteile weiter deutlich steigern.«

Maximale Höhe von 33,5 Metern


Das Konstruktionsprinzip von Unterwagen, Grundgerät und Kinematik des LRB 355 orientiert sich am bewährten Konzept der erfolgreichen Liebherr-Bohrgeräteserie. Der robuste Unterwagen mit den längsten Raupenträgern seiner Klasse garantiert eine überaus hohe Stabilität. Dank der Parallelkinematik verfügt das Ramm- und Bohrgerät über einen großen Arbeitsbereich. Ein anderer Aspekt ist die direkte Montage aller Winden am Mäkler. Dies ermöglicht einerseits eine direkte Sicht von der Fahrerkabine zur Hauptwinde und sorgt andererseits dafür, dass sich beim Verstellen des Mäklers die Seile nicht bewegen.Das LRB 355 ist in zwei Konfigurationen mit einer maximalen Höhe von 33,5 m und einem maximalen Gewicht von ca. 100 t ohne Anbaugeräte erhältlich. Es wird von einem 600 kW starken V-12-Dieselmotor angetrieben, der die Europäischen Emissionsstandards und die US-Norm Tier 4 final erfüllt. Die Motorleistung kann optional auf 750 kW erhöht werden. In der Entwicklungsphase wurde besonders auf die Kraftstoffeffizienz des Motors geachtet. Dadurch läuft der Motor auf einer abgesenkten Arbeitsdrehzahl von 1 700 U/min. Überdies kann das LRB 355 optional mit einer Motor-Stopp-Automatik ausgestattet werden. Dank dieser Einrichtung schaltet das Gerät bei längeren Arbeitspausen automatisch ab, wodurch Kraftstoff gespart und die Umweltfreundlichkeit erhöht wird. Mit dem Eco-Silent-Mode kann zudem die Motordrehzahl auf ein voreingestelltes Niveau gesenkt werden. Dank dieser Funktion lasse sich ohne Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eine deutliche Reduktion des Dieselverbrauchs erzielen, heißt es bei Liebherr.

Drehmoment von 450 kNm

Der BAT-Bohrantrieb verfügt über ein Drehmoment von 450 kNm und kann je nach Anwendung individuell konfiguriert werden. Der Hauptvorteil des von Liebherr gefertigten Hydraulikantriebs liegt in der ­automatischen Drehmomentregelung, der stufenlosen Drehzahl-Optimierung und vier elektronisch einstellbaren Drehzahlbereichen. Die weiteren Vorzüge dieses Bohrantriebs sind sein einfacher Aufbau, der geringe Wartungsaufwand und vor allem seine außerordentliche Effizienz.

Schnelle Mobilisierbarkeit

Zu den anderen Vorteilen des neuen Ramm- und Bohrgeräts gehören seine schnelle Mobilisierbarkeit und der einfache Transport. Das Gerät kann mit montiertem Mäkler, Universalschlitten und Seil transportiert werden. Um die Transportlänge zu minimieren, kann der Mäkler umgeklappt werden. Außerdem sind keine Werkzeuge erforderlich, um den Mäkler umzuklappen oder das Gegengewicht zu montieren. Die optional erhältliche bewegliche Arbeitsplattform des LRB 355 gewährleistet zudem einen sicheren und einfachen Zugang zu Anbaugeräten und Bohrantrieb. Außerdem ist sie von großer Bedeutung für die Steigerung der Effizienz in der Produktion und erleichtert zusätzlich die Montage der Arbeitsgeräte sowie Wartungsarbeiten auf der Baustelle.

Das LRB 355 wurde speziell für das Vollverdrängerbohren entwickelt. Das Gerät kann jedoch auch für zahlreiche andere Verfahren wie Bohren mit Kellyausrüstung, Doppelbohrkopf, Endlosschnecke wie auch Bodenmischen und Einsätze mit Rüttler und Hydraulikhammer verwendet werden. Für diese Anwendungen kommen bewährte Liebherr-Anbaugeräte zum Einsatz.Seine »Weltpremiere« feierte bei den Kundentagen in Nenzing der Hydroseilbagger HS 8130 HD, der die Nachfolge des bewährten HS 885 HD antritt. »Beim HS 8130 HD ist die Hydraulik so optimiert worden, dass er trotz geringerer Motorleistung die gleiche oder sogar eine höhere Umschlagleistung als sein Vorgänger bietet«, sagte Wolfgang Pfister. Zudem setze der HS 8130 HD mit einem Einsatzgewicht von rund 115 t Maßstäbe im Bereich Sicherheit. So kann der Seilbagger komplett mit den am Oberwagen montierten Geländern, Laufstegen und Podesten transportiert werden. Das beschleunigt die Mobilisierung des Geräts auf der Baustelle. Erleichtert wird dies auch durch das Selbstmontagesystem für Raupenträger und Gegengewicht sowie das Jack-Up-System. Zudem kann der HS 8130 HD dank seines geringen Transportgewichts von nur 50 t und der maximalen Transportbreite des Grundgeräts von 3,5 m leicht transportiert werden.

Erhöhte Seilkapazität

Der Hydroseilbagger verfügt über zwei hydraulische Freifallwinden mit je 35 t Seilzug – das sind um ca. 17 % mehr als beim Vorgängermodell. Weitere Vorteile der Winden sind die erhöhte Seilkapazität sowie die automatische Anpassung der Seilgeschwindigkeit für alle Arbeitsbereiche dank eines Doppelmotors. Der HS 8130 HD ist mit einem Liebherr-V-8-Dieselmotor ausgerüstet, der die Europäischen Emissionsstandards und die US-Norm Tier 4 final erfüllt. Ein entscheidender Vorteil des Motors ist sein deutlich verringerter Treibstoffverbrauch, wodurch die Effizienz erheblich verbessert wird.


 Wie beim LRB 355 sind die Motor-Stopp-Automatik sowie der Eco-Silent-Mode optional ­erhältlich. Der HS 8130 HD kann für verschiedene Spezialtiefbaueinsätze sowie für die typischen Umschlagarbeiten eines Seilbaggers verwendet werden. Dazu gehören Schlitzwandar­beiten bis 35 t, Einsätze mit Verrohrungsmaschinen bis zu 3 m, der Materialumschlag mit Greifer oder Schleppschaufel, die dynamische Bodenverdichtung wie auch verschiedene Nassbaggerarbeiten.


Von Michael Wulf

Nach oben
facebook youtube twitter rss