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Daimler Truck: Eine im Fahrbetrieb CO₂-neutrale Flotte ist das Ziel

Mit einem »soliden Jahr 2019« im Rücken und trotz der »herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2020« will die Daimler Truck AG als weltweit größter Lkw-Hersteller seine nachhaltige Strategie konsequent weiterverfolgen und den Wandel in der Branche anführen. »Ertragsstärke für umfangreiche Investitionen in Zukunftstechnologien ist der Schlüssel zum Erfolg«, betonte der Vorstandsvorsitzende Martin Daum in Stuttgart. »So schaffen wir die nachhaltige Transformation zu einem emissionsfreien, automatisierten und vernetzten Transport der Zukunft.« Beitragen sollen dazu unter anderem Effizienzsteigerungen in Höhe von rund 550 Mio. Euro bis Ende 2020. Als »Pionier der Elektromobilität« wolle Daimler dafür sorgen, so Martin Daum, dass der Transportverkehr in Zukunft umweltfreundlicher werde. Ziel sei es, dass bis 2050 der gesamte Daimler-Trucks-Fuhrpark CO₂-neutral ist. Zudem startet die E-Mobility Group von Daimler Trucks & Buses unter dem Namen »eTruck Charging Initiative« eine weltweite Initiative für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrisch betriebene Lkw (siehe Seite 20).

Von Michael Wulf

Bei der Vorstellung der Jahreszahlen betonte Martin Daum, dass Daimler Trucks mit seinen weltweit 83 400 Mitarbeitern das Geschäftsjahr 2019 in einem anspruchsvollen Umfeld mit einem »soliden Ergebnis« abgeschlossen habe. So ging der Absatz von Daimler Trucks nach dem Rekordjahr 2018 um 6 % auf 488 500 Einheiten im Jahr 2019 zurück. Mit einem operativen Ertrag (EBIT) in Höhe von 2,5 Mrd. Euro ist 2019 aber trotz Rückgang (– 11 % gegenüber 2018) das dritterfolgreichste Geschäftsjahr in der Geschichte dieses Daimler-Geschäftsfeldes.

Der Umsatz lag mit 40,2 Mrd. Euro (Vorjahr 38,3 Mrd. Euro) über dem Niveau des Vorjahres. Die Umsatzrendite für 2019 betrug 6,1 % und damit 1,1 %-Punkte weniger als 2018.

Produktion weltweit angepasst

Aufgrund der konjunkturellen Normalisierung in den Schlüsselmärkten Nordamerika, Europa und Japan bereits im dritten Quartal 2019 hat Daimler Trucks die Produktion weltweit entsprechend angepasst. Für 2020 geht Daimler Trucks zudem von einer weiteren Normalisierung der in den letzten Jahren besonders hohen Nachfrage aus. Martin Daum beschönigte die rückläufigen Zahlen nicht, wollte sie aber richtig eingeordnet wissen. »Die Absatzentwicklung ist in Anbetracht des zyklischen Nutzfahrzeuggeschäfts als normal und branchenüblich zu bewerten«, sagte er. So sei der Markt in den USA im ersten Halbjahr 2019 geradezu »erhitzt« gewesen, weshalb die derzeitige Entwicklung »eine Normalität« sei.

»Das ist keine Krise«

Für dieses Jahr rechnet Martin Daum mit einer Umsatzrendite von voraussichtlich 5 %, die dann bis 2023 wieder auf etwa 7 % ansteigen soll. Gleichwohl will sich der Daimler-Truck-Chef von den aktuellen Zahlen nicht verunsichern lassen. »Das ist keine Krise«, betonte er, »und es ist schon gar keine Superkrise.« So stehe der Gewinn komplett für Zukunftsinvestitionen zur Verfügung, zudem werde man die Kosten dauerhaft senken.


Trotz erfolgreicher Initiativen gebe es weiterhin einen großen Handlungsbedarf, da die Profitabilität des Unternehmens insgesamt nicht zufriedenstellend sei, so Martin Daum weiter. Deshalb habe man unternehmensweit umfangreiche Effizienzmaßnahmen eingeleitet. Der Schwerpunkt liege dabei in Europa, wo die Personalkosten bis 2022 um 300 Mio. Euro reduziert werden sollen.

»Brauchen mehr Mitarbeiter, die etwas tun«

»Wir brauchen mehr Mitarbeiter, die etwas tun, und weniger, die koordinieren«, sagte Martin Daum. Darüber hinaus gelte es, variable Kosten bis Ende 2022 um 250 Mio. Euro zu senken. Als ein Beispiel dafür nannte er die neue Abgasreinigungsbox – eine besonders kostspielige Schlüsselkomponente moderner Lkw –, die jetzt deutlich leistungsfähiger und zugleich günstiger sei.

Ausführlich erläuterte Martin Daum auch, wie die Daimler Truck AG die »Transformation hin zu einem emissionsfreien, automatisierten und vernetzten Transport der Zukunft schaffen und den Klima­wandel gemäß des Pariser Klimaschutzabkommens bekämpfen« will. Denn für ihn steht fest: Mit der weiteren Optimierung des Verbrennermotors sind die Emissionsziele der EU – trotz hoher Millionen-Investitionen in einen verbesserten Kraftstoffverbrauch – nicht annähernd zu erreichen. »Wir kommen da an die Grenzen dessen, was effizienzmäßig möglich ist.«

Batterie und Brennstoffzelle

Deshalb investierten die Geschäftsfelder Trucks und Buses laut Martin Daum in den Jahren 2020 und 2021 gemeinsam durchschnittlich rund 1,7 Mrd. Euro pro Jahr in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Ziel sei etwa eine im Fahrbetrieb CO₂-neutrale Flotte (»tank-to-wheel«) mit elektrischen Antrieben sowie die weitere Automatisierung und Vernetzung der Lkw und Busse.

Bis zum Jahr 2039 wolle Daimler in Nordamerika, Europa und Japan nur noch Neufahrzeuge anbieten, die im Fahrbetrieb CO₂-neutral sind, ergänzte Martin Daum. Bereits bis zum Jahr 2022 soll das Fahrzeugportfolio in den Hauptabsatz­regionen Nordamerika, Europa und Japan Serienfahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb umfassen. In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre wolle Daimler sein Serienportfolio um elektrisch angetriebene Brennstoffzellen-Lkw ergänzen, die mit flüssigem Wasserstoff betankt werden. Das ultimative Ziel sei, so Martin Daum, »ein CO₂-neutraler Transport auf den Straßen bis 2050«. Darüber hinaus sollen alle europäischen Werke der Geschäftsfelder Daimler Trucks & Buses bis 2022 CO₂-neutral produzieren und ihre Energie aus regenerativen Quellen beziehen.     m

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