Im Blickpunkt Titelstory

Auf Rekordkurs dank klarer strategischer Ausrichtung und Spezialisierung

Einen großen Anteil am Erfolg der Wirtgen Group hätten neben der stetig vorangetriebenen Internationalisierung vor allem auch die weltweit 55 eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften sowie die mehr als 150 Händler, mit der man das Versprechen »close to our customers« auch einlöse. Das aufeinander abgestimmte Produktprogramm, innovative Technologien und Anwendungsverfahren, vielfältige Serviceleistungen sowie Experten-Know-how gepaart mit der Leidenschaft für den Straßenbau machten den Unternehmensverbund zum zuverlässigen Partner in der Branche. So zeige die Exportquote von 89 % – wobei rund 70 % des Umsatzes von den eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften erwirtschaftet werden –, dass die Wirtgen Group »ein wirklicher Global Player ist«, so Stefan Wirtgen.

Das werde auch durch die Werke in Brasilien, Indien und China demonstriert. So investierte man 45 Mio. Euro in einen kompletten Werksneubau im chinesischen Langfang sowie rund elf Millionen Euro in die inzwischen schon zweite Erweiterung des Werkes im indischen Pune. Außerdem würden derzeit weltweit 16 Niederlassungen neu eröffnet bzw. erweitert, so Stefan Wirtgen, unter anderem in Frankreich, Schweden, Iran, Brasilien, Südafrika, Thailand oder Australien.

 


 


 

»Als ein Verbund starker mittelständischer Unternehmen differenzieren wir uns durch unsere klare strategische Ausrichtung und Spezialisierung.«

Jürgen und Stefan Wirtgen


 


 


 »Müssen dort einfach mitspielen«

»Insgesamt investieren wir derzeit rund 120 Mio. Euro in den Ausbau unseres weltweiten Vertriebs- und Servicenetzes.« Warum sich die Wirtgen-Group vor allem in China so stark engagiert – neben dem Werksneubau koordiniert ein Vertriebs- und Servicecenter den Kontakt mit den derzeit 35 chinesischen Handelspartnern –, hat laut Stefan Wirtgen ein einfachen Grund: »China ist für uns deshalb so bedeutsam, weil es der größte Markt der Welt ist. Und als Weltmarktführer im Bereich Road Technology müssen wir dort einfach mitspielen.«

Als »perfekte Ergänzung« bezeichneten Jürgen und Stefan Wirtgen in Tirschenreuth die Mehrheitsbeteiligung (70 %) am traditionsreichen Asphaltmischanlagen-Hersteller Benninghoven (Mühlheim) im August dieses Jahres. Damit sei der Kreis bei der Wirtgen Group geschlossen, man habe jetzt alle richtigen Marken unter dem Dach der Wirtgen Group vereinigt. »Benninghoven passt mit seinen sehr starken und spezialisierten Werken in Mühlheim und Wittlich hervorragend zu uns«, so Stefan Wirtgen. Mit einem klaren Konzept werde man das Unternehmen in die Gruppe integrieren und dessen Aktivitäten in Europa ausbauen. Dass die Wirtgen Group demnächst auch in das Geschäft mit Beton-Mischanlagen einsteigt, verneinten Jürgen und Stefan Wirtgen: »Dafür haben wir derzeit keinen konkreten Pläne.«


Ukraine-Konflikt macht Sorgen

Die gibt es allerdings für den nordamerikanischen Markt, in dem die Wirtgen Group im vergangenen Jahr einen Umsatz von 239 Mio. Euro erwirtschaftete und in diesem Jahr mit einem Umsatz von umgerechnet rund 320 Mio. Euro rechnet. »Das ist ein ganz klarer Wachstumsmarkt für uns«, sagte Reinhold Baisch als Vorstand der Hamm AG. »Wir sehen dort ein enormes Potenzial für alle unsere Marken und dementsprechend offensiv werden wird dort auftreten.« Verneint wurde in diesem Zusammenhang aber von Stefan Wirtgen die Frage, ob die Wirtgen Group aufgrund dieser positiven Entwicklung in naher Zukunft einen Werksneubau in den USA plane.

»Große Sorgen« indes bereiten Jürgen und Stefan Wirtgen die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts, vor allem dessen Effekt auf den russischen Markt. »Die Wirtgen Group erwirtschaftet immerhin rund 10 % ihres Umsatzes in Russland«, sagte Stefan Wirtgen. Zwar sei die Umsatzentwicklung dort in den ersten sechs Monaten dieses Jahres »noch vernünftig« gewesen, doch für das zweite Halbjahr sei man angesichts der Eskalation der Krise äußerst pessimistisch.

Im Mittelpunkt der »Wirtgen Road Technology Days 2014« unter dem Motto »Neue Lösungen für den Straßenbau« standen in Tirschenreuth neben den zahlreichen Maschinenvorführungen, den Fachvorträgen sowie der Vorstellung des hochproduktiven Walzenwerks mit der ­neuen Lean-Produktion im Montagebereich und der neuen Dauerteststrecke natürlich die Weltpremieren von Hamm, Wirtgen und Vögele.Ist doch die Unternehmensphilosophie der Wirtgen Group davon geprägt, immer wieder neue Lösungen zu kreieren und bestehende Technologien sowie Verfahren weiter zu optimieren, um den entscheidenden Mehrwert auf der Baustelle zu bieten. Diese Philosophie wurde in Tirschenreuth einmal mehr deutlich, denn jede zehnte der rund 80 ausgestellten Maschinen feierte hier ihre Weltpremiere. Im Fokus der Wirtgen GmbH mit ihren Produktsparten Kaltfräsen, Kaltrecycler, Bodenstabilisierer und Gleitschalungsfertiger stand dabei die neue Kleinfräsen-Generation, die mit den Modellen W 50 Ri und W 60 Ri die Halbmeter-Klasse präsentieren. Nach der W 50 Ri, die erstmalig in Hillhead (England) zu sehen gewesen war (siehe auch Seite 32), feierte damit nun auch die W 60 Ri Weltpremiere.

Die neuen Kleinfräsen unterstützen mit innovativen Features den Maschinenbediener in jedem Arbeitsschritt, sei es bei der intuitiven Bedienung, beim effizienten Fahren und Lenken oder beim flexiblen Fräsen und Verladen. Das sorgt für mehr Leistung, höhere Produktivität und maximalen Bedienkomfort.

Darüber hinaus erhielten die Besucher mit der Präsentation des Vorserienmodells der W 100 CFi einen Vorgeschmack auf die neue 1-m-Frontlader-Klasse von Wirtgen. Außerdem wurden der Recycler und Bodenstabilisierer WR 250 S-Pack mit integriertem Streumodul sowie der Kaltrecycler 3800 CR vorgestellt. Dank des ausgefeilten Maschinenkonzepts bieten beide Maschinen eine besonders hohe Anwendungsflexibilität.

»Benninghoven passt mit seinen sehr starken

und spezialisierten Werken hervorragend zu uns.«

Jürgen und Stefan Wirtgen

Zwei Weltpremieren von Vögele

Als Weltmarktführer im Bereich Straßenfertiger präsentierte die Joseph Vögele AG zwei Weltpremieren in Tirschenreuth: den Super 1800-3i SprayJet, laut Vögele ein weltweit einzigartiger Sprühfertiger für den Einbau von Dünnschichten und konventionellen Deck- und Binderschichten, und den Straßenfertiger Mini Class Super 800-3. Daneben wurden weitere »Strich 3«-Straßenfertiger der Super-Serie, die Materialbeschicker PowerFeeder, die Vision-Fertiger für den nordamerikanischen Markt sowie ausgereifte Einbaubohlen gezeigt.

Von zentraler Bedeutung beim neuen SprayJet ist die Integration der Bedienung des Sprühmoduls in das Vögele-Bedienkonzept ErgoPlus 3. Das ­Modul ist als eine in sich geschlossene funktionale Einheit konzipiert. Dank dieser Modulbauweise kann der Super 1800-3i SprayJet sowohl als Sprüh- wie auch als normaler Standardfertiger eingesetzt werden. Seine maximale Sprühbreite beträgt 6 m. Als Standardfertiger ohne Sprühfunktionalität beträgt die maximale Einbaubreite sogar 9 m. Der Fertiger bietet zudem alle »Strich 3«-Features, wie zum Beispiel das Emissionsreduktionspaket EcoPlus und die Automatikfunktionen von AutoSet Plus (siehe auch Seite 26).

Mit 31 Straßenwalzen zeigte Hamm als »Gastgeber« der »Road Technology Days 2014« Maschinen für die unterschiedlichsten Einsätze und Märkte, darunter zwei Weltpremieren: die kompakten Walzenzüge H 5i und H 7i sowie die allradgelenkten Tandemwalzen DV+ 70i und DV+ 90i. Die neuen Walzenzüge mit Gewichten zwischen 4,5 t und 8 t sind sehr kompakt gebaut, extrem einfach zu bedienen und überzeugen im Einsatz durch erstklassige Steigfähigkeit. Die beiden Newcomer unter den Walzenzügen stellen laut Hamm keine »kleine Version« der bereits bekannten H-Reihe dar, sondern sie wurden als eigene Baureihe von Grund auf neu konzipiert und konstruiert. Die kompakte Bauform, kombiniert mit dem Dreipunkt-Pendel-Knickgelenk und einem kurzen Radstand, sorgt für gute Fahr- und Handling-Eigenschaften. Damit sind die beiden Walzenzüge prädestiniert für den Einsatz auf engen Baustellen.

 


 


»Wir sehen in Nordamerika ein enormes Potenzial für alle unsere Marken und dementsprechend offensiv werden wird dort auftreten.«

Reinhold Baisch, Vorstand Hamm AG


 


 


 


 



Homogene Gewichtsverteilung

Mit zwei neuen Basismodellen DV+ 70i und DV+ 90i will Hamm »für frischen Wind« im Bereich der schemelgelenkten Tandemwalzen sorgen. Die 7 t bzw. 9 t schweren Walzen sind höchst produktive Maschinen mit ausgezeichneten Sichtverhältnissen und einer intelligenten Bedienung. Beide Modelle sind mit hochmodernen Motoren ausgestattet, und der Motor im Mittelteil der Maschine sorgt zusammen mit dem zweiteiligen Wassertank für eine homogene und gleichbleibende Gewichtsverteilung. Neu ist das innovative Bedienkonzept »Easy Drive«, das eine intuitive, selbsterklärende Bedienung ermöglicht. Auf dem Panel schaffen farblich abgegrenzte Bereiche für die verschiedenen funktionalen Einheiten Übersicht und erleichtern die Bedienung.

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